Osloer Straße
Von der Bornholmer Straße zum Louise-Schroeder-Platz: früher Christianiastraße, seit 1938 Osloer Straße, U9 seit 1976, U8 seit 1977, Tram seit 1995.

Inhalt (10 Abschnitte)
- Wo beginnt und wo endet die Osloer Straße?
- Warum heißt die Straße nach Oslo und nicht mehr Christianiastraße?
- Welche Baudenkmale stehen an der Osloer Straße?
- Was ist die Fabrik Osloer Straße?
- Seit wann gibt es den U-Bahnhof Osloer Straße?
- Wie kam die Straßenbahn zurück in die Osloer Straße?
- Was hat die Osloer Straße mit dem Mauerfall zu tun?
- Welche Ämter findest du an der Osloer Straße?
- Häufige Fragen zur Osloer Straße
- Quellen
Die Osloer Straße liegt im Ortsteil Gesundbrunnen des Bezirks Mitte und verbindet die Bornholmer Straße mit dem Louise-Schroeder-Platz an der Seestraße. Von 1892 bis 1938 hieß sie Christianiastraße, ihren heutigen Namen trägt sie seit dem 4. November 1938. Am gleichnamigen U-Bahnhof kreuzen sich U8 und U9.
Wer im Soldiner Kiez oder am Gesundbrunnen wohnt, kennt die Osloer Straße vor allem als breite Verkehrsachse mit Straßenbahn auf dem Mittelstreifen und als Umsteigeknoten zwischen zwei U-Bahn-Linien. Nach dem Straßenverzeichnis von Kauperts reichen die Hausnummern von 1 bis 42 auf der einen und von 76 bis 127 auf der anderen Seite, die ganze Straße hat die Postleitzahl 13359. Bis 2001 gehörte sie zum Bezirk Wedding. Hinter den Mietshäusern stecken mehr Geschichten, als man im Vorbeifahren sieht: ein Wohnhaus aus der Zeit um 1865, ein Umspannwerk im Stil einer Backstein-Kathedrale, eine alte Maschinenfabrik, in der heute ein Kindermuseum sitzt. Und am östlichen Ende beginnt die Bornholmer Straße, an der am 9. November 1989 als erstem Berliner Grenzübergang die Schlagbäume hochgingen.
- Verlauf: Bornholmer Straße/Grüntaler Straße bis Louise-Schroeder-Platz/Seestraße
- Ortsteil Gesundbrunnen, Bezirk Mitte (ehemals Bezirk Wedding), PLZ 13359
- Name seit 4. November 1938, vorher Christianiastraße (seit 8. März 1892)
- U9 seit 30. April 1976, U8 seit 5. Oktober 1977
- Straßenbahn wieder seit 14. Oktober 1995, heute Linien M13 und 50
Wo beginnt und wo endet die Osloer Straße?
Die Osloer Straße beginnt im Osten an der Kreuzung mit der Grüntaler Straße, wo sie nahtlos in die Bornholmer Straße übergeht, und endet im Westen am Louise-Schroeder-Platz, an dem Markstraße, Seestraße und Reinickendorfer Straße zusammenkommen. So beschreibt Kauperts den Verlauf. Die Nummerierung läuft auf der Nordseite von 1 bis 42 nach Westen und kommt auf der Südseite mit 76 bis 127 zurück.
Unterwegs kreuzt die Straße mehrere Achsen des Gesundbrunnens. An der Ecke Prinzenallee steht das Umspannwerk Christiania, weiter westlich trifft sie auf die Koloniestraße und schließlich auf die Schwedenstraße, unter der die U8 aus Richtung Badstraße heranführt. Der Weddingweiser beschreibt die Straße als Teil eines Rings, der die Badstraße mit der Bornholmer Straße verband. Das Landesdenkmalamt nennt sie in einem Eintrag schlicht die «Ringstraße».
Warum heißt die Straße nach Oslo und nicht mehr Christianiastraße?
Die Osloer Straße heißt nach der norwegischen Hauptstadt, und zwar seit dem 4. November 1938. Ihr erster Name bezog sich auf dieselbe Stadt: Am 8. März 1892 wurde die bisherige Straße 76 nach Angaben des Weddingweisers zur Christianiastraße. Christiania, später Kristiania, hieß die Stadt, seit König Christian IV. sie nach einem Großbrand 1624 neu anlegen ließ. Den alten Namen Oslo erhielt sie nach Kauperts erst 1925 zurück.
Berlin zog mit dreizehn Jahren Verspätung nach, Anlass war der geänderte Ortsname. Wer in alten Adressbüchern oder Bauakten sucht, muss für die Zeit vor 1938 nach der Christianiastraße schauen.
Welche Baudenkmale stehen an der Osloer Straße?
Vier Adressen an der Osloer Straße führt die Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamts als Baudenkmal oder Gesamtanlage.
| Adresse | Bauwerk | Datierung | Entwurf |
|---|---|---|---|
| Osloer Straße 119 | Mietshaus mit Vorgarten, zweigeschossig | um 1865 | nicht überliefert |
| Osloer Straße 116A | Wohn- und Geschäftshaus mit Fabrikhof (Carl Hasse & Wrede) | 1910–1911, Anbauten 1914–1918 | Georg Heyer |
| Osloer Straße 16/17 | Umspannwerk Christiania der BEWAG | 1928–1929 | Hans Heinrich Müller |
| Osloer Straße 94–98 | Wohnanlage der Heimstättenbaugesellschaft der Berliner Straßenbahn | 1927–1928 | Paul Mebes und Paul Emmerich |
Das Haus Nummer 119 ist nach dem Denkmaleintrag das älteste Gebäude an der Straße: Es entstand um 1865, noch bevor der Straßenzug ausgebaut wurde, und steht deshalb deutlich hinter der Bauflucht. Bei der Restaurierung 1996 bekam die klassizistische Putzfassade ihren ockerfarbenen Anstrich zurück. In der Nummer 116A ließ sich 1910 die Werkzeugmaschinenfabrik Carl Hasse & Wrede nieder. Von vorn sieht das Vorderhaus von Georg Heyer wie ein gehobenes Mietshaus aus, im Hof folgt ein fünfstöckiger Fabrikbau mit Reliefs von Zahnrädern, Amboss und Hammer.
Am auffälligsten ist das Umspannwerk Christiania an der Ecke Prinzenallee. Hans Heinrich Müller, Architekt der Berliner Elektrizitätswerke, setzte 1928/29 einen Eckturm aus dunkelroten Klinkern mit gotisch wirkenden Pfeilern und sehr hohen Fensterbahnen auf das Grundstück. Auf sechs Geschossen standen Transformatoren, seit 1977 ist das Gebäude ein Bürohaus. Ein Stück weiter westlich zeigt die Wohnanlage Osloer Straße 94–98 die andere Seite der 1920er Jahre: rotbraune Klinkerfassade, weiße Sprossenfenster, Blockrand statt Zeilenbau.
Was ist die Fabrik Osloer Straße?
Die Fabrik Osloer Straße ist ein Nachbarschafts- und Familienzentrum in der Osloer Straße 12, getragen vom Verein Fabrik Osloer Straße. Das Gelände gehörte nach Angaben der GSE gGmbH, die es treuhänderisch verwaltet, zur Maschinenfabrik Roller, die 1855 als eine der ersten Industrieansiedlungen im Wedding gegründet wurde und vor allem Maschinen für die Streichholzherstellung baute. 1977 mussten die verfallenen Hallen schließen, von 1991 bis 1993 wurden sie ökologisch umgebaut.
Heute arbeiten dort unter anderem ein Stadtteilzentrum, ein Familienzentrum und die Stadtteilkoordination für die Gegend. Bekanntester Mieter ist das Labyrinth Kindermuseum in einer denkmalgeschützten Montagehalle von 1890. Das Museum zählt nach eigenen Angaben rund 80.000 Besucherinnen und Besucher im Jahr (Stand: Januar 2024).
Seit wann gibt es den U-Bahnhof Osloer Straße?
Der U-Bahnhof Osloer Straße ging am 30. April 1976 für die Linie 9 in Betrieb, damals als Verlängerung ab Leopoldplatz. Die Linie 8 folgte am 5. Oktober 1977 mit der Neubaustrecke ab Gesundbrunnen. Beide Daten nennt die Chronik Berliner Untergrundbahn. Gebaut wurde er als Turmbahnhof: Unter der Straße liegt ein Zwischengeschoss, darunter der Bahnsteig der U9 und fast im rechten Winkel noch eine Etage tiefer der Bahnsteig der U8.
Die Gestaltung nimmt den Straßennamen auf. Die Wände beider Bahnsteige zeigen norwegische Flaggen in Rot und Blau, beschreibt die Chronik zur U8. Für die U9 ist die Osloer Straße bis heute Endstation, hinter dem Bahnhof schließt sich eine Kehranlage an.
Wie kam die Straßenbahn zurück in die Osloer Straße?
Die Straßenbahn fährt seit dem 14. Oktober 1995 wieder durch die Osloer Straße. An diesem Tag rollte nach einem Bericht des Weddingweisers die damals neue Niederflurbahn über die Bösebrücke bis zum Louise-Schroeder-Platz, eine 2,7 Kilometer lange Strecke mit den Linien 23 und 24. Es war die erste neue Straßenbahnstrecke im ehemaligen West-Berlin. Vorher hatte die Linie 3 im Juli 1964 die Osloer Straße zum letzten Mal befahren.
Aus der Linie 23 wurde 2004 die Metrotram M13, später kam die Verlängerung über die Seestraße zum Virchow-Klinikum. Heute halten laut Kauperts die Linien M13 und 50 an der Osloer Straße. Damit verbindet die Tram den Gesundbrunnen über die Bösebrücke direkt mit Prenzlauer Berg. Mehr zur Geschichte des Netzes findest du in unserer Übersicht zur Berliner Tram.
Was hat die Osloer Straße mit dem Mauerfall zu tun?
Die Osloer Straße führt direkt auf den früheren Grenzübergang Bornholmer Straße zu, an dem in der Nacht zum 10. November 1989 als erstem Übergang die Mauer geöffnet wurde. Gegen 23.30 Uhr gab der verantwortliche Offizier Harald Jäger nach, berichtet das Portal Orte der Einheit. In den folgenden 45 Minuten gingen rund 20.000 Menschen über die Bösebrücke in den Wedding.
Wer von Prenzlauer Berg kam, landete hinter der Brücke an der Kreuzung von Bornholmer, Grüntaler und Osloer Straße. Einen ausführlichen Rückblick liest du in unserem Artikel zum Mauerfall in Berlin.
Welche Ämter findest du an der Osloer Straße?
An der Osloer Straße sitzen zwei Behörden, die viele Menschen im Bezirk Mitte irgendwann brauchen. Das Bürgeramt Wedding hat seine Adresse in der Osloer Straße 36, es zog nach Angaben des Weddingweisers im Juni 2013 aus dem Rathaus Wedding an der Müllerstraße hierher. Im Gebäude Osloer Straße 37 arbeitet das Finanzamt Wedding. Wie du einen Termin bekommst, erklären wir in der Übersicht zu den Berliner Bürgerämtern.
Für die Anwohnerinnen und Anwohner der Straße selbst nennt Kauperts außerdem das Amtsgericht Wedding, das Jobcenter Mitte in der Müllerstraße, das Familiengericht Pankow und den Polizeiabschnitt 18 als zuständig.
Häufige Fragen zur Osloer Straße
In welchem Bezirk liegt die Osloer Straße?
Die Osloer Straße liegt im Ortsteil Gesundbrunnen des Bezirks Mitte. Bis zur Bezirksreform 2001 gehörte sie zum Bezirk Wedding, daher wird sie im Alltag oft dem Wedding zugerechnet. Zuständig sind unter anderem das Amtsgericht Wedding, das Finanzamt Wedding und der Polizeiabschnitt 18.
Welche Postleitzahl hat die Osloer Straße?
Alle Hausnummern der Osloer Straße, also 1 bis 42 auf der Nordseite und 76 bis 127 auf der Südseite, haben die Postleitzahl 13359. Das gilt auch für das Bürgeramt Wedding in der Osloer Straße 36.
Wie hieß die Osloer Straße früher?
Von 1892 bis 1938 hieß die Straße Christianiastraße, nach dem damaligen Namen der norwegischen Hauptstadt. Nachdem die Stadt 1925 wieder Oslo hieß, zog Berlin am 4. November 1938 nach und benannte die Straße in Osloer Straße um. Davor war sie als Straße 76 des Bebauungsplans geführt.
Welche Linien halten am U-Bahnhof Osloer Straße?
Am U-Bahnhof Osloer Straße halten die U8 und die U9, für die U9 ist er Endbahnhof. Oben fahren die Straßenbahnlinien M13 und 50, dazu kommen laut Kauperts die Buslinien M27, 125, 128, 150, 250, 255 und 327. Die nächste S-Bahn hält am Bahnhof Bornholmer Straße.
Quellen
- Kauperts Straßenführer: Osloer Straße (abgerufen am 29.09.2026)
- Weddingweiser: Die Geschichte der Osloer Straße im Wedding (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Mietshaus Osloer Straße 119 (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Mietshaus und Gewerbebau Osloer Straße 116A (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Umspannwerk Christiania (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Wohnanlage Osloer Straße 94–98 (abgerufen am 29.09.2026)
- GSE gGmbH: Fabrik Osloer Straße (abgerufen am 29.09.2026)
- Labyrinth Kindermuseum Berlin: Daten und Fakten (abgerufen am 29.09.2026)
- Berliner Untergrundbahn: Die Nauener-Platz-Strecke der U9 (abgerufen am 29.09.2026)
- Berliner Untergrundbahn: Die Pankstraßen-Strecke der U8 (abgerufen am 29.09.2026)
- Weddingweiser: Seit 30 Jahren wieder Straßenbahn (abgerufen am 29.09.2026)
- Orte der Einheit: Bornholmer Straße (abgerufen am 29.09.2026)
- Service-Portal Berlin: Bürgeramt Wedding (abgerufen am 29.09.2026)
- Weddingweiser: Bürgeramt Wedding zieht ins Finanzamt (abgerufen am 29.09.2026)
Namensgebung
- Namensgeber
-
Oslo
Ort / Geografie - Benennung
- 1938-11-04
- Hintergrund
- Oslo ist die Hauptstadt Norwegens und hieß von 1624 bis 1924 Christiania beziehungsweise Kristiania. Die Straße trug deshalb ab 1892 den Namen Christianiastraße und wurde am 4. November 1938 an den neuen Stadtnamen angepasst.
Frühere Namen
| Alter Name | Zeitraum | Grund |
|---|---|---|
| Straße 17a, Abteilung X/1 des Bebauungsplans | ca. 1897–1910 | Offizielle Benennung im Rahmen der Erschließung des 'Nordischen Viertels'. |
Quellen
- Osloer Straße im Berliner Strassennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins · Web
- U-Bahnhof Osloer Straße · Web
- Bezirksamt Mitte von Berlin: Ortsteil Wedding · Web
- Liste der Kulturdenkmale in Berlin-Gesundbrunnen · Web
- Osloer Straße (Berlin) – Wikipedia · Web
- Ortsteil Wedding - Informationen des Bezirksamts Mitte · Web
- Chronik der Berliner U-Bahn · Web