Wilhelmstraße
Die Wilhelmstraße vom Halleschen Ufer bis zum Reichstagufer: Name seit 1735, Reichskanzlei und Auswärtiges Amt, Otto-Grotewohl-Straße, Topographie des Terrors und Botschaftssperre.

Inhalt (9 Abschnitte)
- Wo verläuft die Wilhelmstraße?
- Seit wann heißt die Wilhelmstraße so?
- Warum stand die Wilhelmstraße für die deutsche Regierung?
- Was ist das Detlev-Rohwedder-Haus an der Wilhelmstraße?
- Was erinnert an der Wilhelmstraße an Gestapo und SS?
- Warum ist die Wilhelmstraße vor der Britischen Botschaft gesperrt?
- Wie kommst du mit Bus und Bahn zur Wilhelmstraße?
- Häufige Fragen zur Wilhelmstraße
- Quellen
Die Wilhelmstraße führt vom Halleschen Ufer in Kreuzberg bis zum Reichstagufer in Mitte, Hausnummern 1 bis 150, Postleitzahlen 10963 und 10117. Benannt ist sie seit 1735 nach König Friedrich Wilhelm I. Bis 1945 standen hier Reichskanzlei und Auswärtiges Amt, von 1964 bis 1993 hieß der Ost-Berliner Teil Otto-Grotewohl-Straße.
«Die Wilhelmstraße» war jahrzehntelang ein Synonym für die deutsche Regierung. Heute ist davon wenig zu sehen. Die Palais von Reichskanzlei und Auswärtigem Amt gibt es nicht mehr, an ihrer Stelle stehen DDR-Plattenbauten und Landesvertretungen. Geblieben sind das Detlev-Rohwedder-Haus, das heutige Bundesfinanzministerium, und das Gelände der Topographie des Terrors. Und der Verlauf überrascht: Laut Kauperts Straßenführer reicht die Wilhelmstraße nicht nur bis Unter den Linden, sondern bis an die Spree am Reichstagufer. Hier erfährst du, wie die Straße verläuft, wie sie zu ihrem Namen kam und welche Orte an ihre Geschichte erinnern.
Wo verläuft die Wilhelmstraße?
Die Wilhelmstraße verläuft vom Halleschen Ufer und Mehringdamm in Kreuzberg nach Norden bis zu Luisenstraße, Reichstagufer und Marschallbrücke in Mitte. Unterwegs kreuzt sie unter anderem die Niederkirchnerstraße, die Leipziger Straße und Unter den Linden. Die Hausnummern laufen von 1 bis 150, verteilt auf zwei Bezirke und zwei Postleitzahlen.
Für Anwohner und Firmen ist die Hausnummer entscheidend, denn an ihr hängen Postleitzahl, Bezirksamt und Gerichtsstand:
| Merkmal | Nr. 43–97 | Nr. 1–42 und 108–150 |
|---|---|---|
| Postleitzahl | 10117 | 10963 (Nr. 1–42, 110–150) |
| Bezirk | Mitte | Friedrichshain-Kreuzberg |
| Amtsgericht | Mitte | Kreuzberg |
| Finanzamt | Mitte/Tiergarten | Friedrichshain-Kreuzberg |
| Polizeiabschnitt | A 28 | A 53 |
Im Kreuzberger Teil nahe dem Mehringdamm steht das Willy-Brandt-Haus: Die SPD gibt als Adresse ihrer Parteizentrale laut Impressum die Wilhelmstraße 140 an.
Seit wann heißt die Wilhelmstraße so?
Den Namen Wilhelmstraße trägt die Straße seit 1735. Angelegt wurde sie laut Kauperts nach 1731 bei der Erweiterung der Friedrichstadt. In einer Kabinettsorder Friedrich Wilhelms I. vom heißt sie noch «neue Husarenstraße», in einer Braukonzession für den Grafen von der Schulenburg vom bereits Wilhelmstraße. Namensgeber ist Friedrich Wilhelm I. (1688–1740), König in Preußen ab 1713, wegen seiner Vorliebe für das Heer «Soldatenkönig» genannt.
Später änderte sich der Name mehrfach. Die Verlängerung von Unter den Linden bis zum Reichstagufer hieß von 1822 bis 1964 Neue Wilhelmstraße. 1964 benannte die DDR den Ost-Berliner Abschnitt von der Zimmerstraße bis Unter den Linden gemeinsam mit der Neuen Wilhelmstraße in Otto-Grotewohl-Straße um. Seit 1993 heißt der ganze Straßenzug wieder Wilhelmstraße.
Warum stand die Wilhelmstraße für die deutsche Regierung?
Die Wilhelmstraße wurde zum Regierungsviertel, weil sich zwischen Unter den Linden und Leipziger Straße im 19. Jahrhundert die wichtigsten Ministerien Preußens und ab 1871 auch des Deutschen Reiches ansiedelten. Das hält die Geschichtsmeile Wilhelmstraße des Bezirks Mitte fest. Zuvor war der nördliche Teil seit den 1730er-Jahren eine vornehme Wohngegend für die preußische Staatsverwaltung.
Zwei Adressen stehen für diese Entwicklung. Das Palais in der Wilhelmstraße 76, gebaut 1737, kaufte der preußische Staat 1819 für seinen Außenminister. Otto von Bismarck wohnte hier von 1862 bis 1878, 1870 wurde das Ministerium in «Auswärtiges Amt» umbenannt, schreibt die Informationstafel zur Wilhelmstraße 76. Nebenan, in der Wilhelmstraße 77, stand das 1736 gebaute Palais Schulenburg. Das Reich erwarb es 1875 und übergab es 1878 Bismarck als Wohn- und Amtssitz. Im selben Jahr tagte dort der Berliner Kongress.
Die Reichskanzlei blieb bis 1945 an dieser Adresse. Am gab Prinz Max von Baden hier die Abdankung Wilhelms II. bekannt, Philipp Scheidemann sprach aus einem Fenster zur Menge. Von 1933 bis 1945 diente das Palais Adolf Hitler als Wohnsitz, im Garten entstand ab 1943 der «Führerbunker», so die Tafel zur Wilhelmstraße 77. 1949 wurde die beschädigte Reichskanzlei abgerissen. Heute stehen dort Plattenbauten aus den späten 1980er-Jahren und die Landesvertretungen von Hessen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und dem Saarland. Vom Wilhelmplatz gegenüber blieben laut Geschichtsmeile nur die wieder aufgestellten Standbilder der Generäle Ziethen und Dessau.
Was ist das Detlev-Rohwedder-Haus an der Wilhelmstraße?
Das Detlev-Rohwedder-Haus an der Ecke Wilhelmstraße und Leipziger Straße ist seit 1999 Dienstsitz des Bundesfinanzministeriums. Gebaut wurde es 1935/36 in rund zwei Jahren als Reichsluftfahrtministerium nach Plänen von Ernst Sagebiel. Mit mehr als 2.000 Räumen und fast sieben Kilometern Flur gehörte es laut berlin.de zu den größten Bürogebäuden seiner Zeit.
Nach dem Krieg zogen DDR-Ministerien ein, daher der Name «Haus der Ministerien». Im Festsaal rief der Deutsche Volksrat am die DDR aus. Am 16. Juni 1953 zogen die streikenden Bauarbeiter der Stalinallee vor das Haus, wo ihr Protestzug auf mehrere tausend Menschen angewachsen war, so die Bundeszentrale für politische Bildung; mehr dazu in unserem Beitrag zum 17. Juni 1953. Nach 1990 saß hier bis 1994 die Treuhandanstalt, seit 1992 trägt das Haus den Namen ihres 1991 von der RAF ermordeten Präsidenten.
Was erinnert an der Wilhelmstraße an Gestapo und SS?
An Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt erinnert das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors an der Ecke Wilhelmstraße und Niederkirchnerstraße, der früheren Prinz-Albrecht-Straße. In der Prinz-Albrecht-Straße 8 saßen das Geheime Staatspolizeiamt und ab 1939 die Zentrale des Reichssicherheitshauptamts. Der Sicherheitsdienst der SS bezog 1934 das Prinz-Albrecht-Palais in der Wilhelmstraße 102, schreibt die Stiftung Topographie des Terrors.
Die Gebäude wurden bis Mitte der 1950er-Jahre abgerissen, das Gelände lag danach am Rand West-Berlins. Erst 1987 wurde es öffentlich zugänglich, das heutige Dokumentationszentrum eröffnete am . Entlang der Niederkirchnerstraße, die hier die Grenze zwischen Mitte und Kreuzberg markierte, steht ein rund 200 Meter langes Stück der Berliner Mauer, seit 1990 Baudenkmal. An der Ecke Wilhelmstraße und Anhalter Straße liegt das «Robinienwäldchen», wo die NS-Planung Monumentalbauten für das Reichssicherheitshauptamt vorsah (Topographie des Terrors).
Warum ist die Wilhelmstraße vor der Britischen Botschaft gesperrt?
Der Abschnitt der Wilhelmstraße zwischen Unter den Linden und Behrenstraße ist seit 2003 für Autos gesperrt, um die Britische Botschaft zu schützen. Die jüngsten Presseberichte dazu stammen von 2014 und 2017, Meldungen über eine Aufhebung der Sperre haben wir bis zum 30. September 2026 nicht gefunden (Stand: 30.09.2026). Anlass war nach Angaben des Tagesspiegels ein Anschlag auf das britische Generalkonsulat in Istanbul. Die Botschaft hat laut britischer Regierung die Adresse Wilhelmstraße 70/71.
Eine teilweise Öffnung wurde 2012 geprüft und verworfen, berichtete der Tagesspiegel 2014; der Senat lehnte eine Freigabe unter der damaligen Sicherheitslage ab. Solange die Sperre gilt, endet die Durchfahrt für Autos aus Süden an der Behrenstraße.
Wie kommst du mit Bus und Bahn zur Wilhelmstraße?
Entlang der Wilhelmstraße liegen laut Kauperts mehrere Bahnhöfe: im Norden S- und U-Bahnhof Brandenburger Tor (S1, S2, S25, U5), in der Mitte der U-Bahnhof Mohrenstraße (U2), in der Nähe der U-Bahnhof Kochstraße (U6) und am Südende der U-Bahnhof Hallesches Tor (U1, U3, U6). Dazu kommen Buslinien wie M41, M48, 200 und 248.
Häufige Fragen zur Wilhelmstraße
Wo beginnt und endet die Wilhelmstraße?
Die Wilhelmstraße beginnt im Süden am Halleschen Ufer und Mehringdamm in Kreuzberg und endet im Norden an Luisenstraße, Reichstagufer und Marschallbrücke in Mitte. Die Hausnummern laufen von 1 bis 150. Die Nummern 1 bis 42 und 110 bis 150 haben die Postleitzahl 10963, die Nummern 43 bis 97 die Postleitzahl 10117.
Warum hieß die Wilhelmstraße Otto-Grotewohl-Straße?
Die DDR benannte 1964 den Ost-Berliner Abschnitt der Wilhelmstraße zwischen Zimmerstraße und Unter den Linden zusammen mit der Neuen Wilhelmstraße in Otto-Grotewohl-Straße um. Otto Grotewohl war der erste Ministerpräsident der DDR. Seit 1993 heißt der ganze Straßenzug bis zum Reichstagufer wieder durchgehend Wilhelmstraße.
Was stand in der Wilhelmstraße 77?
In der Wilhelmstraße 77 stand das Palais Schulenburg, das das Deutsche Reich 1875 erwarb und 1878 Otto von Bismarck als Reichskanzlei übergab. Es blieb Sitz der Reichskanzler, Adolf Hitler nutzte es von 1933 bis 1945 als Wohnsitz, im Garten entstand ab 1943 der Führerbunker. Das beschädigte Gebäude wurde 1949 abgerissen, heute stehen dort Plattenbauten und Landesvertretungen.
Warum ist die Wilhelmstraße vor der Britischen Botschaft gesperrt?
Der Abschnitt der Wilhelmstraße zwischen Unter den Linden und Behrenstraße ist seit 2003 für Autos gesperrt. Anlass war nach Tagesspiegel-Berichten ein Anschlag auf das britische Generalkonsulat in Istanbul, die Sperre soll die Britische Botschaft in der Wilhelmstraße 70/71 schützen. Berichte über eine Öffnung lagen bis zum 30. September 2026 nicht vor.
Quellen
- Kauperts Straßenführer: Wilhelmstraße (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Mitte, Geschichtsmeile Wilhelmstraße: Übersicht (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Mitte, Geschichtsmeile Wilhelmstraße: Wilhelmstraße 76 (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Mitte, Geschichtsmeile Wilhelmstraße: Wilhelmstraße 77 (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Mitte, Geschichtsmeile Wilhelmstraße: Wilhelmplatz (abgerufen am 29.09.2026)
- berlin.de: Detlev-Rohwedder-Haus, Bundesfinanzministerium (abgerufen am 29.09.2026)
- Stiftung Topographie des Terrors: Geschichte vor 1945 (abgerufen am 29.09.2026)
- Stiftung Topographie des Terrors: Geschichte nach 1945 (abgerufen am 29.09.2026)
- Bundeszentrale für politische Bildung: Der 17. Juni in Berlin (abgerufen am 29.09.2026)
- Tagesspiegel: Keine Autos vor Britischer Botschaft, 25.03.2014 (abgerufen am 29.09.2026)
- Tagesspiegel: Wilhelmstraße seit 15 Jahren gesperrt, 31.12.2017 (abgerufen am 29.09.2026)
- GOV.UK: British Embassy Berlin (abgerufen am 29.09.2026)
- SPD: Impressum (abgerufen am 29.09.2026)
Namensgebung
- Namensgeber
-
Friedrich Wilhelm I.
(1688–1740)
Person - Benennung
- 1735
- Hintergrund
- Friedrich Wilhelm I. (1688–1740), ab 1713 König in Preußen, wegen seiner Vorliebe für das Heer «Soldatenkönig» genannt.
Frühere Namen
| Alter Name | Zeitraum | Grund |
|---|---|---|
| Husarenstraße | ca. 1721–1731 | Benennung zu Ehren von König Friedrich Wilhelm I., dem Initiator der Stadterweiterung. |