Strasse des 17. Juni
Vom Brandenburger Tor bis zum Ernst-Reuter-Platz: Name seit 1953, Siegessäule seit 1938/39 auf dem Großen Stern, Charlottenburger Tor von 1907/08 und heute Berlins größte Veranstaltungsfläche.

Inhalt (8 Abschnitte)
- Wo verläuft die Straße des 17. Juni?
- Warum heißt sie Straße des 17. Juni?
- Wie wurde aus der Allee die Ost-West-Achse?
- Was steht heute an der Straße des 17. Juni?
- Welche Rolle spielt die Straße für Berlins Großereignisse?
- Was du vor einem Besuch wissen solltest
- Häufige Fragen zur Straße des 17. Juni
- Quellen
Die Straße des 17. Juni führt vom Brandenburger Tor durch den Großen Tiergarten über den Großen Stern mit der Siegessäule bis zum Ernst-Reuter-Platz. Ihren Namen trägt sie in Erinnerung an den Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953. Der West-Berliner Senat beschloss die Umbenennung am 22. Juni 1953.
Die Straße des 17. Juni ist keine Wohnstraße, sondern Berlins Paradeachse: breit, schnurgerade und auf dem Abschnitt durch den Tiergarten von Bäumen gesäumt. Nach dem Straßenverzeichnis von Kauperts tragen die Häuser die Nummern 31 bis 152, die Postleitzahlen sind 10557, 10623 und 10785. Die Straße liegt in zwei Bezirken: Der östliche Teil bis zum S-Bahnhof Tiergarten gehört zu Mitte (Ortsteile Tiergarten und Hansaviertel), der westliche Teil mit dem Campus der Technischen Universität zu Charlottenburg-Wilmersdorf. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf beschreibt sie als Teil der großen Ost-West-Achse, die vom Schloßplatz in Mitte bis zum Scholzplatz an der Heerstraße reicht.
- Verlauf: Brandenburger Tor (Pariser Platz, Unter den Linden) über den Großen Stern bis Ernst-Reuter-Platz
- Name seit 1953, Senatsbeschluss vom 22. Juni 1953
- Postleitzahlen 10557, 10623, 10785, Hausnummern 31 bis 152
- Bezirke Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf
- Siegessäule seit 1938/39 auf dem Großen Stern, Charlottenburger Tor von 1907/08
Wo verläuft die Straße des 17. Juni?
Sie beginnt am Brandenburger Tor, wo Unter den Linden und der Pariser Platz enden, und führt nach Westen durch den Tiergarten. Mitten im Park erreicht sie den Großen Stern, den großen Kreisverkehr mit der Siegessäule. Dahinter führt sie unter der Stadtbahnbrücke am S-Bahnhof Tiergarten hindurch, überquert am Charlottenburger Tor den Landwehrkanal und läuft zwischen den Gebäuden der Technischen Universität hindurch bis zum Ernst-Reuter-Platz.
Dort endet der Name, nicht aber die Achse. Nach Westen geht es als Bismarckstraße und Kaiserdamm weiter bis zum Theodor-Heuss-Platz, wo die Heerstraße beginnt. Wer vom Brandenburger Tor aus nach Westen fährt, bleibt also viele Kilometer auf derselben Linie.
| Bahnhof | Linien | Lage |
|---|---|---|
| Brandenburger Tor | S1, S2, S25, S26, U5 | östliches Ende |
| Tiergarten | S3, S5, S7, S9 | zwischen Großem Stern und Charlottenburger Tor |
| Ernst-Reuter-Platz | U2 | westliches Ende |
Warum heißt sie Straße des 17. Juni?
Der Name erinnert an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953. An diesem Tag streikten und demonstrierten in Ost-Berlin und vielen Städten der DDR Menschen gegen die SED-Führung, sowjetische Truppen schlugen den Aufstand nieder. Kauperts fasst es so zusammen: Streiks und Demonstrationen wurden mithilfe der sowjetischen Besatzungstruppen gewaltsam unterbunden. Bis 1990 war der 17. Juni in der Bundesrepublik der Tag der deutschen Einheit.
West-Berlin reagierte schnell. Laut Bezirksamt beschloss der Senat den neuen Namen am 22. Juni 1953, zum Gedenken an die Opfer. Kauperts datiert die Umbenennung der Charlottenburger Chaussee zwischen Brandenburger Tor und S-Bahnhof Tiergarten auf den 13. Juli 1953. Am 3. November 1953 bekam auch die Berliner Straße auf Charlottenburger Gebiet den Namen. Die Straße lief damals direkt auf die Sektorengrenze am Brandenburger Tor zu, der Name war also auch eine Botschaft nach Osten.
| Name | Zeitraum |
|---|---|
| Allee nach Berlin | um 1705 bis vor 1824 |
| Charlottenburger Chaussee | 1799 bis 1935 und 1945 bis 1953 |
| Chaussee nach Berlin | vor 1824 bis vor 1874 |
| Berliner Straße | vor 1874 bis 1953 |
| Ost-West-Achse | 1935 bis 1945 |
Wie wurde aus der Allee die Ost-West-Achse?
Angelegt wurde der Weg als Verbindung zwischen dem Berliner Stadtschloss und Schloss Charlottenburg, laut Bezirksamt unter Friedrich I. Den heutigen Charakter bekam die Straße erst in der NS-Zeit. Im Zuge der Hauptstadtplanung von Albert Speer wurde sie zur Ost-West-Achse verbreitert, die von 1935 bis 1945 auch so hieß.
Die Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamts beschreibt, was dabei am Großen Stern geschah: Die 1865 bis 1873 errichtete Siegessäule stand bis dahin auf dem Königsplatz vor dem Reichstag, dem heutigen Platz der Republik. 1938 und 1939 wurde sie versetzt, weil der Königsplatz zur Aufmarschfläche werden sollte. Speer ließ den Sockel verbreitern und den Schaft um eine vierte Säulentrommel erhöhen. Mit ihr kamen die Denkmäler für Bismarck, Moltke und Roon an den Rand des Platzes. Die vier Torhäuser an den Fußgängertunneln entwarf Johannes Huntemüller. Zusammen mit den Kandelabern der Straße erinnern sie laut Landesdenkmalamt an den Ausbau der Achse im Rahmen der NS-Hauptstadtplanung.
Auch das Charlottenburger Tor wurde umgebaut. Nach Angaben der Denkmaldatenbank entstand es 1907 und 1908 nach Entwurf von Bernhard Schaede als Eingangstor zur damals selbstständigen Stadt Charlottenburg und als Gegenstück zum Brandenburger Tor. 1937 bis 1939 wurden für die Verbreiterung die Brücke neu gebaut, Torflügel und Kandelaber versetzt. Nach Kriegsschäden ließ die Stiftung Denkmalschutz die Torflügel 2004 bis 2007 restaurieren, 2007 bis 2010 wurden die fehlenden Steinkandelaber rekonstruiert.
Was steht heute an der Straße des 17. Juni?
Kurz hinter dem Brandenburger Tor liegt auf der Nordseite das Sowjetische Ehrenmal. Laut Landesdenkmalamt war es das erste große Ehrenmal, das nach dem Krieg in Berlin entstand, eingeweiht am 11. November 1945. Die Soldatenfigur von Lew Kerbel ist 20 Meter hoch, im hinteren Teil der Anlage liegen rund 2.500 gefallene Soldaten der Roten Armee.
Westlich des S-Bahnhofs Tiergarten zählt das Bezirksamt die Technische Universität, Gebäude der Universität der Künste, das Ernst-Reuter-Haus und das Charlottenburger Tor zu den Anliegern. An den Wochenenden findet an der Charlottenburger Brücke ein großer Trödel- und Kunstmarkt statt.
Welche Rolle spielt die Straße für Berlins Großereignisse?
Am 12. Juni 1987 hielt US-Präsident Ronald Reagan am Brandenburger Tor seine Rede mit dem Satz «Mr. Gorbachev, tear down this wall!». Laut Deutschem Bundestag hatten sich Zehntausende geladene Gäste auf der Straße des 17. Juni versammelt. Die Mauer stand damals direkt vor dem Tor, die Straße endete an ihr.
Heute wird der Abschnitt vor dem Tor vor allem für Veranstaltungen genutzt. Zur Fußball-EM 2024 wurde dort eine Fanmeile aufgebaut, mit einem 64 mal 26 Meter großen Fußballtor vor dem Brandenburger Tor und rund 24.000 Quadratmetern Kunstrasen, wie berlin.de unter Berufung auf visitBerlin meldete. Beim Berlin-Marathon führt die Strecke laut Senatsverwaltung für Mobilität über die Straße des 17. Juni zum Ernst-Reuter-Platz und endet nach dem Brandenburger Tor wieder auf ihr. Für den Marathon am 26. und 27. September 2026 war die Straße zwischen Großem Stern und Brandenburger Tor ab dem 21. September gesperrt, die letzten Sperrungen sollten am 1. Oktober enden. In derselben Mitteilung taucht die frühere Hofjägerallee am Großen Stern unter ihrem neuen Namen Helmut-Kohl-Allee auf.
Was du vor einem Besuch wissen solltest
Die Straße trennt den Großen Tiergarten in einen nördlichen und einen südlichen Teil, und bei Großveranstaltungen ist sie für den Autoverkehr über Tage dicht. Zur Siegessäule gelangst du nur durch die Fußgängertunnel an den Torhäusern, nicht über die Fahrbahn des Kreisverkehrs. Mit der S-Bahn bist du am Bahnhof Tiergarten am schnellsten mitten auf der Achse, vom Brandenburger Tor bis zum Großen Stern gehst du am Rand des Parks entlang.
Häufige Fragen zur Straße des 17. Juni
Seit wann heißt die Straße des 17. Juni so?
Der West-Berliner Senat beschloss den Namen am 22. Juni 1953, fünf Tage nach dem Volksaufstand in der DDR. Kauperts führt den 13. Juli 1953 als Tag, an dem die Charlottenburger Chaussee zwischen Brandenburger Tor und S-Bahnhof Tiergarten umbenannt wurde. Am 3. November 1953 folgte die Berliner Straße auf Charlottenburger Gebiet bis zum Ernst-Reuter-Platz. Seitdem trägt der ganze Abschnitt einen Namen.
Welche Bahnhöfe liegen an der Straße des 17. Juni?
Am östlichen Ende liegt der S- und U-Bahnhof Brandenburger Tor mit den S-Bahn-Linien S1, S2, S25 und S26 und der U5. Etwa in der Mitte, zwischen Großem Stern und Charlottenburger Tor, hält die S-Bahn am Bahnhof Tiergarten mit S3, S5, S7 und S9. Am westlichen Ende erreichst du am Ernst-Reuter-Platz die U2. Dazu kommen mehrere Buslinien, die die Straße kreuzen oder befahren.
Wann findet der Flohmarkt an der Straße des 17. Juni statt?
Der Trödel- und Kunstmarkt findet an den Wochenenden statt, im Bereich der Charlottenburger Brücke zwischen S-Bahnhof Tiergarten und Charlottenburger Tor. So beschreibt es das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Genaue Öffnungszeiten, Standgebühren und Hinweise zum Angebot findest du in unserem eigenen Artikel zum Flohmarkt, weil sie sich ändern können und dort gepflegt werden.
Warum ist die Straße des 17. Juni so oft gesperrt?
Der Abschnitt zwischen Großem Stern und Brandenburger Tor ist Berlins größte Fläche für Veranstaltungen unter freiem Himmel. Hier endet der Berlin-Marathon, hier stand 2024 die Fanmeile zur Fußball-EM. Für den Marathon 2026 war die Straße laut Verkehrsverwaltung ab dem 21. September gesperrt, die letzten Teilstücke sollten erst am 1. Oktober wieder frei sein. Auf- und Abbau dauern bei solchen Anlässen oft länger als das Ereignis selbst.
Quellen
- Kauperts Straßenführer: Straße des 17. Juni (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf: Straße des 17. Juni (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Großer Stern mit Siegessäule, Denkmälern und Torhäusern (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Charlottenburger Tor (abgerufen am 29.09.2026)
- Landesdenkmalamt Berlin: Sowjetisches Ehrenmal im Tiergarten (abgerufen am 29.09.2026)
- Deutscher Bundestag: Kalenderblatt «Mr. Gorbachev, tear down this wall!» (abgerufen am 29.09.2026)
- berlin.de/dpa: Riesiges Fußballtor am Brandenburger Tor aufgebaut, 15.05.2024 (abgerufen am 29.09.2026)
- Senatsverwaltung für Mobilität: Verkehr zum Berlin-Marathon, 21.09.2026 (abgerufen am 29.09.2026)
- S-Bahn Berlin: Bahnhof Brandenburger Tor und Bahnhof Tiergarten (abgerufen am 29.09.2026)
Namensgebung
- Namensgeber
-
Volksaufstand vom 17. Juni 1953
Ereignis - Benennung
- 1953-06-22
- Hintergrund
- Volksaufstand vom 17. Juni 1953: Streiks und Demonstrationen in Ost-Berlin und der DDR gegen die SED-Führung, die mit Hilfe sowjetischer Truppen gewaltsam niedergeschlagen wurden. Bis 1990 war der 17. Juni in der Bundesrepublik Tag der deutschen Einheit.
Frühere Namen
| Alter Name | Zeitraum | Grund |
|---|---|---|
| Charlottenburger Chaussee | 1953 | Umbenennung durch den Westberliner Senat fünf Tage nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 als Solidaritätsgeste. |