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Unter den Linden

Vom Reitweg zum Prachtboulevard: Verlauf, Namensgeschichte und Bauten von Unter den Linden, die U5 seit 2020 und was der Umbau der Mittelpromenade bis 2029 bringt.

Inhalt (8 Abschnitte)
  1. Wo verläuft Unter den Linden?
  2. Wie ist Unter den Linden entstanden?
  3. Welche Gebäude prägen den Boulevard?
  4. Was bedeutete die Mauer für Unter den Linden?
  5. Welche U- und S-Bahn hält an Unter den Linden?
  6. Was ändert sich an Unter den Linden bis 2029?
  7. Häufige Fragen zu Unter den Linden
  8. Quellen

Unter den Linden ist der rund 1,5 Kilometer lange Boulevard in Berlin-Mitte zwischen Pariser Platz am Brandenburger Tor und Schloßbrücke. Den Namen trägt die Straße seit 1734, die Allee geht auf eine Pflanzung von 1647 zurück. Die Postleitzahl ist 10117. Bis Ende 2029 will der Senat die Mittelpromenade mit neuen Silberlinden umbauen.

Unter den Linden ist Berlins ältester Boulevard und das Stück Stadt, an dem du Preußen, Nationalsozialismus, DDR und Hauptstadt in einem Spaziergang abgehst. Laut Kauperts Straßenführer war der Vorläufer ein Reit- und Jagdweg, den Kurfürst Johann Georg 1573 vom Stadtschloss zum Tiergarten anlegen ließ. Heute stehen an der Straße Zeughaus, Neue Wache, Staatsoper, Humboldt-Universität und Staatsbibliothek. Hier erfährst du, wie der Boulevard entstanden ist, welche Gebäude ihn prägen und was der Umbau bis 2029 bedeutet.

Wo verläuft Unter den Linden?

Unter den Linden verläuft im Ortsteil Mitte des Bezirks Mitte vom Schloßplatz an der Schloßbrücke nach Westen bis zum Pariser Platz mit dem Brandenburger Tor. Kauperts nennt die Postleitzahl 10117 und die Hausnummern 1 bis 80, rechts gerade, links ungerade. Hinter dem Tor geht die Achse in die Straße des 17. Juni über, nach Osten führt sie über die Schloßbrücke in die Karl-Liebknecht-Straße.

Die Linden selbst stehen nicht auf ganzer Länge. Kauperts verortet sie im Abschnitt zwischen Universitätsstraße und Wilhelmstraße; vor dem Hotel Adlon wurden laut Senatsumweltverwaltung 2012 zusätzlich Kaiserlinden nach historischem Vorbild gepflanzt. Östlich davon, am Forum Fridericianum, standen früher Festungswerke; dort fielen die jungen Bäume schon 1658 den Befestigungen zum Opfer.

Die Denkmaldatenbank teilt den Boulevard in drei Abschnitte: hinter der Schloßbrücke das Zeughaus und das Forum Fridericianum als Bild der Residenz des 18. Jahrhunderts, dann die bürgerliche Geschäftsstadt mit repräsentativen Bauten und schließlich öffentliche Gebäude und Botschaften aus der DDR-Zeit bis zum Pariser Platz. Der ganze Straßenzug steht als Ensemble unter Denkmalschutz.

Wie ist Unter den Linden entstanden?

Unter den Linden entstand aus einem Reitweg des 16. Jahrhunderts, den Kurfürst Friedrich Wilhelm nach dem Dreißigjährigen Krieg zur Allee ausbauen ließ. Die Senatsverkehrsverwaltung beschreibt die Pflanzung von 1647 als sechsreihige Baumallee mit je 1.000 Linden und Nussbäumen. Kauperts nennt für die erste Allee eine Länge von 942 Metern nach holländischem Vorbild.

Bebaut wurde die Straße erst mit den Stadterweiterungen. Ab 1674 entstand die Dorotheenstadt, der Abschnitt zwischen Schadowstraße und Pariser Platz kam mit der Erweiterung von Friedrichstadt und Dorotheenstadt 1734 und 1737 dazu. Ab 1740 ließ Friedrich II. am Ostende das Forum Fridericianum errichten, geplant von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. Nach 1815 erhielt die Allee laut Landesdenkmalamt ihre bis heute bestehende Aufteilung mit vier Baumreihen.

Der Name wechselte mehrfach, bevor er 1734 feststand:

Namen der Straße Unter den Linden, Stand: Kauperts Straßenführer, abgerufen am 29.09.2026
Name Zeitraum
Erste Straße 1673 bis 1674
Neustädtische Allee um 1674 bis 1690
Lindenallee 1690 bis 1723
Lindenstraße 1723 bis 1734
Unter den Linden seit 1734

Im 20. Jahrhundert verlor die Allee zweimal fast alles. 1936 wurden für den Bau der Nord-Süd-S-Bahn sämtliche Bäume gefällt und danach etwa 350 Silberlinden neu gepflanzt. Im Zweiten Weltkrieg waren von 64 Gebäuden nur noch 16 erhalten, so das Landesdenkmalamt. Der Wiederaufbau folgte dem sogenannten Lindenstatut mit den alten Fluchtlinien und Traufhöhen – mit einer großen Ausnahme: der Sowjetischen Botschaft.

Welche Gebäude prägen den Boulevard?

Das älteste Gebäude Unter den Linden ist das Zeughaus, Unter den Linden 2. Laut Denkmaldatenbank wurde es von 1695 bis 1706 als preußisches Waffenarsenal gebaut; beteiligt waren Johann Arnold Nering, Martin Grünberg, Andreas Schlüter und Jean de Bodt. Heute ist dort das Deutsche Historische Museum.

Direkt daneben steht die Neue Wache, Unter den Linden 4, der früheste Bau Karl Friedrich Schinkels in Berlin, errichtet von 1816 bis 1818. Am Volkstrauertag 1993 wurde sie als Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland eröffnet, mit einer vergrößerten Replik der trauernden Mutter von Käthe Kollwitz, so die Denkmaldatenbank.

Gegenüber liegt der Bebelplatz mit Staatsoper, St.-Hedwigs-Kathedrale und Alter Bibliothek. Hier verbrannten die Nationalsozialisten am 10. Mai 1933 Bücher. In der Mitte des Platzes erinnert seit 1995 das unterirdische Denkmal von Micha Ullman daran: leere Regale für 20.000 Bände, von oben einsehbar, wie die Gedenktafel-Datenbank dokumentiert. Das Hauptgebäude der Humboldt-Universität war ursprünglich das Palais des Prinzen Heinrich.

Weiter westlich folgen die Staatsbibliothek Unter den Linden, die berlin.de als größte wissenschaftliche Universalbibliothek Deutschlands beschreibt, die Russische Botschaft im Stil der Stalin-Ära und am Pariser Platz das Hotel Adlon, dessen Geschichte laut berlin.de 1907 begann. Wer eine Vorstellung in der Staatsoper plant, findet in unserem Vergleich der Berliner Opernhäuser die Unterschiede zu Deutscher Oper und Komischer Oper.

Was bedeutete die Mauer für Unter den Linden?

Mit dem Mauerbau im August 1961 endete Unter den Linden faktisch vor dem Brandenburger Tor. Laut berlin.de lag das Tor fortan im Sperrbereich und konnte weder von Ost noch von West durchschritten werden. Erst nach dem Mauerfall wurde der Boulevard wieder zur durchgehenden Ost-West-Achse, und der Pariser Platz bekam laut Landesdenkmalamt seit der Wende eine neue Bebauung.

Welche U- und S-Bahn hält an Unter den Linden?

Seit dem 4. Dezember 2020 fährt die U5 unter dem Boulevard. Die BVG eröffnete an diesem Tag den 2,2 Kilometer langen Lückenschluss zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor. Der neue Bahnhof Unter den Linden an der Kreuzung mit der Friedrichstraße ist seitdem Umsteigepunkt zwischen U5 und U6; der nur wenige Meter entfernte U6-Bahnhof Französische Straße ging gleichzeitig vom Netz. Der Bahnhof Museumsinsel wurde erst ab Sommer 2021 angefahren.

Am Westende hält die S-Bahn mit den Linien S1, S2 und S25 am Bahnhof Brandenburger Tor, dazu kommt der Bahnhof Friedrichstraße in Laufweite. Kauperts nennt außerdem die Buslinien 100, 147, 200 und M41 sowie die Tram M1 und 12 in der Nähe. Aktuelle Fahrpläne und Umleitungen findest du bei der BVG.

Was ändert sich an Unter den Linden bis 2029?

Der Senat will Unter den Linden in zwei Schritten umbauen: zuerst die Mittelpromenade, danach Gehwege, Radwege und Fahrbahnen. Im Fokus steht laut Senatsverkehrsverwaltung der etwa 770 Meter lange Abschnitt zwischen Wilhelmstraße und Universitätsstraße. Den Baubeginn für die Mittelpromenade hatte die Verwaltung für das zweite Quartal 2026 angekündigt.

Weil die alten Bäume laut Senat nur noch eine geringe Lebensdauer haben, soll eine neue, klimaangepasste Allee aus Silberlinden entstehen. Staatssekretär Arne Herz nannte laut Berliner Kurier 157 neue Bäume, Kosten von rund 11,6 Millionen Euro und eine Bauzeit bis voraussichtlich Ende 2029. Die jeweiligen Abschnitte der Mittelpromenade seien während der Arbeiten nicht nutzbar. Für den zweiten Teil mit breiteren Gehwegen und einer Fußgängerampel an der Glinkastraße war ein Baubeginn 2028 genannt.

Schon umgesetzt ist die neue Aufteilung der Fahrbahn: Von Herbst 2021 bis Juni 2023 bekam die Straße je einen Fahrstreifen für Autos, Busse und Räder. Langfristig strebt der Senat an, dass der Abschnitt nicht mehr als Bundesstraße gewidmet ist.

Häufige Fragen zu Unter den Linden

Wie lang ist Unter den Linden?

Kauperts Straßenführer beschreibt Unter den Linden als 60 Meter breite und 1,5 Kilometer lange Prachtstraße zwischen Pariser Platz und Schloßbrücke. Die Hausnummern reichen von 1 bis 80. Der Senat konzentriert den geplanten Umbau auf den etwa 770 Meter langen Abschnitt zwischen Wilhelmstraße und Universitätsstraße, also auf den Kern der Lindenallee.

Seit wann heißt die Straße Unter den Linden?

Den Namen Unter den Linden trägt die Straße laut Kauperts seit 1734. Davor hieß sie Erste Straße, Neustädtische Allee, Lindenallee und von 1723 bis 1734 Lindenstraße. Den östlichen Teil zwischen Universitätsstraße und Schloßbrücke bezog die Stadt erst 1936 ein; vorher hießen diese Flächen Kaiser-Franz-Joseph-Platz und Platz am Zeughaus.

Welche U-Bahn hält an Unter den Linden?

Seit dem 4. Dezember 2020 hält die U5 im Bahnhof Unter den Linden an der Kreuzung mit der Friedrichstraße, dort kreuzt sie die U6. Der alte U6-Bahnhof Französische Straße wurde am selben Tag geschlossen. Am Ostende liegt der U5-Bahnhof Museumsinsel, am Westende der Bahnhof Brandenburger Tor mit U5 und S-Bahn.

Warum wurden die Linden 1936 gefällt?

Laut Landesdenkmalamt wurden 1936 im Zuge des Baus der Nord-Süd-S-Bahn sämtliche Bäume gefällt. Nach dem Ende der Bauarbeiten pflanzte man etwa 350 Silberlinden neu. Die Senatsverkehrsverwaltung beschreibt denselben Umbau für die Olympischen Spiele 1936 und nennt als weitere Gründe den schlechten Zustand der alten Bäume.

Quellen

Namensgebung

Namensgeber
Lindenbäume
Pflanze / Tier / Natur
Benennung
1734
Hintergrund
Beschreibender Name nach der Lindenallee, die Kurfürst Friedrich Wilhelm 1647 anlegen ließ. Frühere Namen waren Erste Straße, Neustädtische Allee, Lindenallee und Lindenstraße.

Quellen

  1. Berliner Strassennamenlexikon (Kauperts) · Web
  2. Unter den Linden im Berliner Strassennamenlexikon · Web
  3. Sehenswürdigkeit Unter den Linden · Web
  4. Artikel 'Unter den Linden' in der deutschen Wikipedia · Web
  5. Das Zeughaus - Deutsches Historisches Museum · Web
  6. Sehenswürdigkeiten: Unter den Linden · Web
  7. Denkmaldatenbank: Baudenkmal Unter den Linden · Web