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Kurfürstendamm

Vom Knüppeldamm zum Boulevard: Verlauf und Postleitzahlen des Kurfürstendamms, warum die Hausnummern bei 11 beginnen, Bismarcks Pläne, Café des Westens, Dutschke-Attentat und Anbindung.

Inhalt (8 Abschnitte)
  1. Wo verläuft der Kurfürstendamm?
  2. Woher kommt der Name Kurfürstendamm?
  3. Wie wurde der Kurfürstendamm zum Boulevard?
  4. Was machte den Ku'damm vor 1933 berühmt?
  5. Was geschah am Kurfürstendamm nach 1945?
  6. Wie kommst du zum Kurfürstendamm?
  7. Häufige Fragen zum Kurfürstendamm
  8. Quellen

Der Kurfürstendamm ist ein 3,5 Kilometer langer Boulevard im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Er führt vom Breitscheidplatz an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche bis zum Rathenauplatz in Halensee. Eine Kabinettsorder legte am 2. Juni 1875 seine Breite auf 53 Meter fest, mit der Dampfstraßenbahn vom 5. Mai 1886 begann seine Geschichte als Prachtstraße.

Der Ku’damm war zuerst ein Knüppeldamm durch sumpfiges Gelände, auf dem die Kurfürsten zur Jagd in den Grunewald ritten. Aus diesem Weg ließ Otto von Bismarck einen Boulevard nach Pariser Vorbild machen, und um 1905 war er zum größten Teil bebaut. Seither hat die Straße Kinos und Kaffeehäuser der Kaiserzeit, antisemitische Krawalle, Bombenkrieg, Militärparaden, Studentenproteste und die Nacht des Mauerfalls gesehen. Hier findest du den Verlauf, die Hausnummern mit Postleitzahlen, die wichtigsten Daten der Geschichte und die Anbindung.

Wo verläuft der Kurfürstendamm?

Der Kurfürstendamm beginnt laut Kauperts Straßenführer am Breitscheidplatz, wo Tauentzienstraße und Rankestraße einmünden, und endet am Rathenauplatz. Unterwegs quert er drei Ortsteile: Charlottenburg, Wilmersdorf und Halensee, alle im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Parallel verlaufen im Norden die Kantstraße und im Süden die Lietzenburger Straße.

Die Hausnummern reichen von 11 bis 237 und laufen im Hufeisen: stadtauswärts auf der einen Seite von 11 bis 125, zurück auf der anderen von 126 bis 237. Die Nummern 1 bis 10 gibt es nicht mehr. Ursprünglich führte der Kurfürstendamm über den damaligen Auguste-Viktoria-Platz, den heutigen Breitscheidplatz, bis zum Lützowufer in Tiergarten. Am 22. April 1925 bekam dieser Abschnitt den Namen Budapester Straße. Die Postleitzahl hängt von der Hausnummer ab:

Postleitzahlen am Kurfürstendamm nach Hausnummer, Stand: Kauperts, abgerufen am 29.09.2026
Hausnummern PLZ Ortsteil
11–45, 197–237 10719 Charlottenburg
46–69, 182–196 10707 Charlottenburg
70–76 10709 Charlottenburg
90–100, 142–152 10709 Halensee
101–139 10711 Halensee
153–163 10709 Wilmersdorf
165–180 10707 Wilmersdorf

Die Ortsteilgrenzen haben praktische Folgen: Für die Nummern 11 bis 76 und 182 bis 237 ist das Finanzamt Charlottenburg zuständig, für 90 bis 180 das Finanzamt Wilmersdorf. Auch die Polizeiabschnitte wechseln entlang der Straße zwischen A 25, A 24 und A 22.

Woher kommt der Name Kurfürstendamm?

Der Name Kurfürstendamm erinnert an den Weg der brandenburgischen Kurfürsten zu ihrem Jagdschloss. Als 1542 das Jagdschloss Grunewald gebaut wurde, entstand zwischen dem Berliner Stadtschloss und dem Jagdschloss ein Knüppeldamm durch das sumpfige Gelände, so beschreibt es Kauperts. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf nennt Kurfürst Joachim II. Hektor als Bauherrn.

Von etwa 1830 bis 1874 schrieb man den Namen Churfürsten Damm, seit dem 15. August 1874 Kurfürstendamm. Eine Straße im amtlichen Sinn war er bis 1875 nicht, sondern ein Sanddamm. Sowohl der kaiserliche Hof als auch Reichskanzler Bismarck nutzten ihn als Reitweg in den Grunewald.

Wie wurde der Kurfürstendamm zum Boulevard?

Den Anstoß zum Boulevard gab Otto von Bismarck mit einem Brief vom 5. Februar 1873. Das Bezirksamt zitiert daraus die Idee einer Hauptpromenade für Wagen und Reiter in der Breite der Champs-Élysées, der Grunewald sollte Berlins Bois de Boulogne werden. Am 2. Juni 1875 beschloss eine Kabinettsorder die Anlage des Boulevards, die Breite zwischen den Bauluchten wurde auf 53 Meter festgelegt.

Bezahlt hat den Ausbau nicht der Staat. Die Kurfürstendamm-Gesellschaft, ein Konsortium unter Führung der Deutschen Bank, übernahm den Straßenbau und erhielt dafür das Kaufrecht für 234 Hektar Land im Grunewald, auf dem die Villenkolonie entstand. Beim Baubeginn weichen die Quellen voneinander ab: Das Bezirksamt nennt 1883, Kauperts 1889. Einig sind sie beim Symboldatum: Am 5. Mai 1886 fuhr die erste Dampfstraßenbahn vom Bahnhof Zoo nach Halensee.

Bis 1905 war der größte Teil der Straße bebaut, mit Wohnungen von oft mehr als 15 Zimmern. 1913 lebten hier laut Bezirksamt 120 Millionäre. Bei der Volkszählung 1910 zählte der Kurfürstendamm 35.811 Bewohnerinnen und Bewohner, rund ein Viertel davon jüdischen Glaubens.

Was machte den Ku’damm vor 1933 berühmt?

Der Kurfürstendamm war vor 1933 das Zentrum von Kunst, Kino und Kaffeehaus im Berliner Westen. Das Café des Westens an der Ecke Joachimstaler Straße, Kurfürstendamm 18–19, öffnete nach Angaben des Bezirksamts 1898 und wurde Treffpunkt von Else Lasker-Schüler, Christian Morgenstern, Frank Wedekind, George Grosz und John Heartfield. Im Romanischen Haus östlich der 1895 eingeweihten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche lag das Romanische Café.

1905 eröffnete die Berliner Secession unter Max Liebermann ihr Ausstellungshaus am Kurfürstendamm 208/209, im Sommer 1912 zeigte sie dort erstmals in Deutschland Werke von Picasso. 1913 kamen die Kinos Marmorhaus (Nr. 236) und Union-Palast (Nr. 26) dazu. In den 1920er-Jahren prägten das Theater am Kurfürstendamm, die Komödie und das Kabarett der Komiker das Bild.

Schon in diesen Jahren gab es antisemitische Übergriffe. Am 12. September 1931, zum jüdischen Neujahrsfest, inszenierte die SA auf dem Kurfürstendamm Straßenkrawalle. In der Pogromnacht vom 9. November 1938 wurde die Synagoge in der nahen Fasanenstraße angezündet.

Was geschah am Kurfürstendamm nach 1945?

Die Luftangriffe von August bis November 1943 und im Januar 1944 zerstörten die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und weite Teile des Boulevards. In West-Berlin wurde der Kurfürstendamm danach zur Bühne: 1954 fuhr die letzte Straßenbahn, am 20. August 1961 marschierten die West-Alliierten zur Parade auf, am 26. Juni 1963 fuhr US-Präsident John F. Kennedy über den Boulevard. Seit Mitte der 1960er-Jahre zogen hier unzählige Demonstrationen entlang.

Am 11. April 1968 wurde Rudi Dutschke vor dem Haus Kurfürstendamm 141 niedergeschossen. Die Gedenktafel an dieser Stelle hängt seit dem 23. Dezember 1990. Am 1. Juli 1977 wurde der Kurfürstendamm zum geschützten Baubereich erklärt, von 1982 bis 1984 wurde der Breitscheidplatz mit dem Weltkugelbrunnen neu gestaltet. Den Fall der Mauer am 9. November 1989 feierten die Menschen laut Bezirksamt mit einer Trabi-Parade auf dem Ku’damm.

Wie kommst du zum Kurfürstendamm?

Der Kurfürstendamm ist mit U-Bahn, S-Bahn und vielen Buslinien erreichbar. Die U1 hält an den Bahnhöfen Uhlandstraße und Kurfürstendamm, dort hält auch die U9. Die U7 fährt zum Adenauerplatz. Am östlichen Ende liegt der Bahnhof Zoologischer Garten mit U2, U9, S-Bahn und Regionalexpress, am westlichen Ende der Ringbahnhof Halensee mit S41, S42 und S46. Auf der Straße und in den Querstraßen fahren unter anderem die Busse M19, M29, M46, X10, 109 und 110.

Häufige Fragen zum Kurfürstendamm

Wie lang ist der Kurfürstendamm?

Der Kurfürstendamm ist nach Angaben des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf 3,5 Kilometer lang. Er reicht vom Breitscheidplatz an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche bis zum Rathenauplatz in Halensee. Die Breite von 53 Metern zwischen den Bauluchten legte eine Kabinettsorder vom 2. Juni 1875 fest.

Warum beginnen die Hausnummern am Kurfürstendamm bei 11?

Die Hausnummern am Kurfürstendamm beginnen bei 11, weil der Boulevard früher weiter nach Osten reichte, über den heutigen Breitscheidplatz hinaus bis zum Lützowufer in Tiergarten. Am 22. April 1925 wurde dieser östliche Abschnitt in Budapester Straße umbenannt. Die Nummern 1 bis 10 fielen dabei weg, die übrigen Hausnummern blieben unverändert.

Welche U-Bahn fährt zum Kurfürstendamm?

Zum Kurfürstendamm fahren vier U-Bahn-Linien. Die U1 hält an Uhlandstraße und Kurfürstendamm, die U9 ebenfalls am Bahnhof Kurfürstendamm, die U7 am Adenauerplatz. Am Bahnhof Zoologischer Garten kommen U2, U9, S-Bahn und Regionalverkehr dazu, am westlichen Ende liegt der Ringbahnhof Halensee mit S41, S42 und S46.

Wo wurde Rudi Dutschke am Kurfürstendamm angeschossen?

Rudi Dutschke wurde am 11. April 1968 vor dem Haus Kurfürstendamm 141 in Halensee niedergeschossen. Eine Gedenktafel erinnert dort seit dem 23. Dezember 1990 an das Attentat. Dutschke starb 1979 an den Spätfolgen der Schussverletzung. Die Tafel nennt ihn eine der herausragendsten Persönlichkeiten der Studentenbewegung.

Quellen

Namensgebung

Namensgeber
Kurfürsten von Brandenburg (1157–1806)
Beruf / Stand
Benennung
1874-08-15
Hintergrund
Benannt nach den Kurfürsten von Brandenburg: Mit dem Bau des Jagdschlosses Grunewald 1542 entstand hier ihr Knüppeldamm vom Berliner Stadtschloss zur Jagd. Die Schreibweise Kurfürstendamm gilt seit dem 15. August 1874.

Quellen

  1. Berliner Strassennamenlexikon (Kauperts) · Web
  2. Kurfürstendamm · Web
  3. Kurfürstendamm · Web
  4. Kurfürstendamm · Web
  5. Kurfürstendamm im Berliner Straßenlexikon · Web
  6. Sehenswürdigkeiten: Kurfürstendamm · Web
  7. Denkmaldatenbank: Baudenkmal Kurfürstendamm · Web
  8. Kurfürstendamm im Bezirkslexikon Charlottenburg-Wilmersdorf · Web
  9. Straßenführer durch Berlin: Kurfürstendamm · Web
  10. Sehenswürdigkeiten: Kurfürstendamm · Web
  11. Kurfürstendamm im Bezirkslexikon Charlottenburg-Wilmersdorf · Web
  12. Kauperts Straßenführer durch Berlin: Kurfürstendamm · Web
  13. Der Kurfürstendamm – Vom Reitweg zum Boulevard · Web