Heerstraße
Vom Theodor-Heuss-Platz bis zur Stadtgrenze: 1903 bis 1911 als Weg zum Truppenübungsplatz Döberitz gebaut, 10,8 Kilometer lang, mit Stößenseebrücke, Siedlung Heerstraße und neuer Grundschule.

Inhalt (7 Abschnitte)
Die Heerstraße führt vom Theodor-Heuss-Platz in Westend schnurgerade nach Westen durch Wilhelmstadt und Staaken bis zur Stadtgrenze, wo sie in die Hamburger Chaussee übergeht. Mit 10,8 Kilometern zählt sie zu den längsten Straßen Berlins. Gebaut wurde sie 1903 bis 1911 als Verbindung zum Truppenübungsplatz Döberitz.
Die Heerstraße ist die große Ausfallstraße im Berliner Westen. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf nennt sie eine wichtige Ausfallstraße nach Nordwesten in Richtung Hamburg. Nach dem Straßenverzeichnis von Kauperts tragen die Häuser die Nummern 1 bis 695, die Straße hat die Postleitzahlen 13591, 13593, 13595, 14052 und 14055 und liegt in zwei Bezirken: Die Nummern 1 bis 166 gehören zu Westend im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, alle weiteren zu Wilhelmstadt und Staaken im Bezirk Spandau. Auf ihrem Weg quert sie auf einer denkmalgeschützten Brücke den Stößensee, passiert Siedlungen aus den 1920er-Jahren und endet an der Landesgrenze zu Brandenburg.
- Verlauf: Theodor-Heuss-Platz über Nennhauser Damm bis Hamburger Chaussee (Landkreis Havelland)
- Länge laut Kauperts 10,8 Kilometer, Hausnummern 1 bis 695
- Postleitzahlen 13591, 13593, 13595, 14052, 14055
- Bau 1903 bis 1911, Verkehrsfreigabe 1911 im Beisein von Kaiser Wilhelm II.
- Name im Spandauer Teil seit etwa 1908, im Charlottenburger Teil seit 30. März 1950
Wo verläuft die Heerstraße?
Sie beginnt am Theodor-Heuss-Platz, wo die U2 hält, und setzt dort den Kaiserdamm nach Westen fort. Kauperts beschreibt die Heerstraße ausdrücklich als Fortsetzung des Kaiserdamms. Das Bezirksamt zählt sie zur großen Ost-West-Achse, die über Kaiserdamm, Bismarckstraße und Straße des 17. Juni bis zum Schloßplatz in Mitte reicht.
Vom Theodor-Heuss-Platz führt die Heerstraße durch Westend, vorbei am S-Bahnhof Heerstraße, und überquert auf der Stößenseebrücke den Stößensee. In Spandau durchquert sie Wilhelmstadt, kreuzt den Nennhauser Damm und erreicht in Staaken die Stadtgrenze. Dahinter heißt sie Hamburger Chaussee und liegt im brandenburgischen Landkreis Havelland.
| Bahnhof | Linien |
|---|---|
| Theodor-Heuss-Platz | U2 |
| Heerstraße | S3, S9 |
| Olympiastadion | S3, S9 |
| Pichelsberg | S3, S9 |
Warum heißt sie Heerstraße?
Heerstraße ist nach Kauperts seit dem Mittelalter die Bezeichnung für eine breite Überland-Verbindungsstraße, die auch von Heeren benutzt wurde und oft über Ländergrenzen hinweg verlief. In Berlin hat der Name einen konkreten militärischen Hintergrund. Gebaut wurde die Straße von 1903 bis 1911, um der Berliner Garnison eine direkte Verbindung zum Truppenübungsplatz Döberitz zu schaffen, der 1897 angelegt worden war. Spandau wurde dabei umgangen.
Laut Bezirksamt fanden in Döberitz damals die Paraden der Garderegimenter statt, die zuvor auf dem Tempelhofer Feld abgehalten wurden. Der Charlottenburger Teil geht auf eine Chaussee von Charlottenburg nach Pichelsberg zurück, die schon 1874 angelegt worden war. 1911 wurde die Straße im Beisein von Kaiser Wilhelm II. als Döberitzer Heerstraße dem Verkehr übergeben. Kauperts gibt eine Anekdote wieder, die du mit Vorsicht nehmen solltest: Angeblich rührt der schnurgerade Verlauf daher, dass der Kaiser Start und Ziel auf der Landkarte mit dem Lineal verbunden habe.
| Name | Zeitraum | Hinweis |
|---|---|---|
| Döberitzer Heerstraße | vor 1908 bis um 1921 | Bezeichnung auf Karten, bis etwa 1934 noch verbreitet |
| Heerstraße | seit um 1908 | Spandauer Teil |
| An der Heerstraße | um 1921 bis 1950 | Charlottenburger Teil |
| Heerstraße | seit 30. März 1950 | auch Charlottenburger Teil und Kaiserdamm-Stück zwischen Ahornallee und Preußenallee |
Was ist aus der NS-Zeit geblieben?
Die Nationalsozialisten bauten die Verbindung laut Bezirksamt zu einer durchgängigen Ost-West-Achse aus. Der Architekt Albert Speer entwarf dafür die Kandelaber der Straßenbeleuchtung. Auf der Straße des 17. Juni im Tiergarten stehen solche Kandelaber bis heute, die Denkmaldatenbank nennt sie dort als Erinnerung an den Ausbau der Achse im Rahmen der NS-Hauptstadtplanung.
Welche Bauwerke und Siedlungen liegen an der Heerstraße?
Die Stößenseebrücke ist Baudenkmal. Die Denkmaldatenbank datiert sie auf 1908 und 1909 mit einem Umbau 1959, entworfen von dem Ingenieur Karl Bernhard und dem Architekten Johann Emil Schaudt. Bauherr war der Forstfiskus, also die staatliche Forstverwaltung.
Südlich der Straße, zwischen dem S-Bahnhof Heerstraße, der Teufelsseestraße, der Waldschulallee und der S-Bahn-Trasse, liegt die Siedlung Heerstraße. Sie steht laut Bezirksamt als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. 1914 wurde aus einem Teil des Gutsbezirks Grunewald-Forst ein eigener Gutsbezirk Heerstraße gebildet, der 1920 zu Groß-Berlin kam. Von 1920 bis 1926 entstand hier nach einem Bebauungsplan von Bruno Möhring eine Gartenstadtsiedlung mit insgesamt 250 Wohnungen, gedacht als Eigenheime für Angestellte und Beamte. Wegen der Straßennamen heißt das Viertel auch Ostpreußenviertel.
An der Heerstraße liegen außerdem der Britische Soldatenfriedhof Berlin War Cemetery und der Jüdische Friedhof Heerstraße am Scholzplatz, beide nennt das Bezirksamt ausdrücklich. In Staaken steht an den Hausnummern 642 bis 658 die Flachbausiedlung Staaken, auch Neu-Jerusalem genannt, 1923 bis 1925 nach Entwurf von Erwin Anton Gutkind für die Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft gebaut. Kurz vor der Stadtgrenze, an der Heerstraße 691, steht ein Berliner Bär der Bildhauerin Lily Voigt aus dem Jahr 1968.
Was ist neu an der Heerstraße?
Im Spandauer Teil wächst die Infrastruktur. An der Heerstraße 580 in Staaken hat die neue 33. Grundschule zum Schuljahr 2026/27 den Betrieb aufgenommen, offiziell eröffnet am 9. September 2026. Laut Bezirksamt Spandau lernen dort derzeit rund 125 Kinder, in den kommenden Jahren sollen es etwa 432 werden.
Beim Nahverkehr geht es um die U-Bahn. Die U7 endet bisher am Rathaus Spandau, das Gebiet Heerstraße Nord mit der Obstallee-Siedlung und der Rudolf-Wissell-Siedlung wird größtenteils mit Bussen erschlossen. Die Senatsverwaltung für Mobilität prüft eine Verlängerung der U7 bis Heerstraße Nord. Eine Machbarkeitsstudie der BVG aus dem Jahr 2020 hat die betriebliche Umsetzbarkeit bestätigt, 2024 lief die Grundlagenermittlung mit Wirtschaftlichkeitsuntersuchung. Über die weiteren Planungsphasen ist danach zu entscheiden, einen Bautermin gibt es nicht. Mehr dazu in unserem Artikel zur U7-Verlängerung in Spandau.
Häufige Fragen zur Heerstraße
Wie lang ist die Heerstraße?
Die Heerstraße ist nach Angaben von Kauperts 10,8 Kilometer lang und gehört damit neben Adlergestell und Landsberger Allee zu den längsten Straßen Berlins. Sie reicht vom Theodor-Heuss-Platz in Westend bis zur Stadtgrenze hinter Staaken, wo sie in die Hamburger Chaussee im Landkreis Havelland übergeht. Die Hausnummern laufen von 1 bis 695, die Nummern 1 bis 166 liegen in Charlottenburg-Wilmersdorf, der Rest in Spandau.
Welche Postleitzahlen hat die Heerstraße?
Kauperts ordnet der Heerstraße fünf Postleitzahlen zu: 14052 und 14055 für den Abschnitt in Westend sowie 13591, 13593 und 13595 für die Spandauer Ortsteile Wilhelmstadt und Staaken. Welche Postleitzahl für eine Adresse gilt, hängt von der Hausnummer ab. Bei längeren Straßen wie dieser lohnt sich deshalb vor dem Versand ein Blick ins Straßenverzeichnis, statt einfach die erste Postleitzahl zu nehmen.
Seit wann heißt die Heerstraße so?
Im Spandauer Teil trägt die Straße den Namen laut Kauperts seit etwa 1908. Auf Karten hieß sie lange Döberitzer Heerstraße, im Charlottenburger Teil ab etwa 1921 An der Heerstraße. Erst am 30. März 1950 bekamen auch die Charlottenburger Abschnitte und ein Stück des Kaiserdamms zwischen Ahornallee und Preußenallee den Namen Heerstraße. Feierlich für den Verkehr freigegeben wurde sie 1911 im Beisein von Kaiser Wilhelm II.
Welche S-Bahnhöfe liegen an der Heerstraße?
An der Heerstraße und in ihrer Nähe halten die S-Bahn-Linien S3 und S9 an den Bahnhöfen Heerstraße, Olympiastadion und Pichelsberg, so steht es in der Bahnhofsübersicht der S-Bahn Berlin. Am östlichen Anfang erreichst du am Theodor-Heuss-Platz die U2. Für den langen Spandauer Abschnitt Richtung Staaken bist du dagegen auf Busse angewiesen, eine U-Bahn gibt es dort bisher nicht.
Quellen
- Kauperts Straßenführer: Heerstraße (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf: Heerstraße (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf: Straße des 17. Juni (Ost-West-Achse bis Scholzplatz/Heerstraße) (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf: Siedlung Heerstraße (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Großer Stern mit Siegessäule (Kandelaber der Ost-West-Achse), Stößenseebrücke, Flachbausiedlung Staaken, Berliner Bär, Heerstraße 691 (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Spandau: Neue Grundschule in Staaken eröffnet, 09.09.2026 (abgerufen am 29.09.2026)
- Senatsverwaltung für Mobilität: U7 Rathaus Spandau – Heerstraße Nord (abgerufen am 29.09.2026)
- S-Bahn Berlin: Bahnhöfe Heerstraße, Olympiastadion und Pichelsberg (abgerufen am 29.09.2026)
Namensgebung
- Namensgeber
-
Heer (Armee)
Beschreibend - Benennung
- 1908
- Hintergrund
- Heerstraße ist seit dem Mittelalter die Bezeichnung für eine breite Überland-Verbindungsstraße, die auch von Heeren benutzt wurde. Die Berliner Heerstraße entstand 1903 bis 1911 als direkte Verbindung zum Truppenübungsplatz Döberitz.
Quellen
- Heerstraße im Straßen- und Ortsteilverzeichnis des Kaupert · Web
- Heerstraße (Berlin) – Wikipedia · Web
- Lexikon: Charlottenburg-Wilmersdorf von A bis Z - Heerstraße · Web
- Heerstraße im Bezirkslexikon Charlottenburg-Wilmersdorf · Web
- Kauperts Straßenführer durch Berlin: Heerstraße · Web
- FIS-Broker - Geoportal Berlin · Web