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Kantstraße

Vom Breitscheidplatz zum Amtsgerichtsplatz: Postleitzahlen, Namensgeschichte seit 1887, Theater des Westens, Delphi, Kant-Garagenpalast, Asia-Gastronomie und der Streit um den Radweg.

Inhalt (7 Abschnitte)
  1. Wo verläuft die Kantstraße?
  2. Seit wann heißt die Kantstraße nach Immanuel Kant?
  3. Welche Baudenkmale stehen an der Kantstraße?
  4. Warum heißt die Kantstraße auch Chinatown?
  5. Was passiert mit dem Radweg auf der Kantstraße?
  6. Häufige Fragen zur Kantstraße
  7. Quellen

Die Kantstraße in Charlottenburg führt vom Breitscheidplatz an Hardenberg- und Budapester Straße bis zum Amtsgerichtsplatz, wo sie als Neue Kantstraße weiterläuft. Den Namen des Philosophen Immanuel Kant trägt sie seit dem 23. Februar 1887. Die Hausnummern reichen von 1 bis 165, die Postleitzahlen sind 10623, 10625 und 10627.

Die Kantstraße ist die zweite große Ost-West-Achse der City West, eine Parallele nördlich des Kurfürstendamms. Laut Kauperts Straßenführer beginnt sie am Breitscheidplatz, wo Hardenbergstraße und Budapester Straße einmünden, und endet am Amtsgerichtsplatz an der Suarezstraße. Wer hier unterwegs ist, trifft auf drei Baudenkmale von Rang: das Theater des Westens, den Delphi-Filmpalast und den Kant-Garagenpalast. Dazu kommt eine der dichtesten Ansammlungen asiatischer Restaurants in Berlin. Und seit 2020 ein Radweg, um den gerade vor Gericht gestritten wird.

Wo verläuft die Kantstraße?

Die Kantstraße verläuft vollständig im Ortsteil Charlottenburg des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Nummerierung beginnt am Breitscheidplatz, läuft auf der einen Seite von 1 bis 85A nach Westen und auf der Gegenseite von 86 bis 165 zurück. Am Westende setzt sich der Straßenzug als Neue Kantstraße fort. In die Bismarckstraße geht die Kantstraße nicht über, auch wenn ältere Beschreibungen das behaupten.

Drei Postleitzahlen teilen sich die Straße. Das ist praktisch, wenn du eine Adresse suchst oder Post verschickst:

Postleitzahlen der Kantstraße nach Hausnummern, Stand: Kauperts Straßenführer, abgerufen am 29.09.2026
Hausnummern Postleitzahl
1–30 und 137–165 10623
31–51 und 118–136 10625
52–117 10627

Die Anbindung ist dicht. Am Ostende liegt der Bahnhof Zoologischer Garten mit S-Bahn, U2, U9 und Regionalverkehr. Kauperts führt für die Straße außerdem die S-Bahnhöfe Savignyplatz und Charlottenburg sowie den U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße der U7 auf, an der die Kantstraße die Wilmersdorfer Straße kreuzt. Dazu kommen zahlreiche Buslinien, darunter die Metrobusse M45, M46 und M49.

Seit wann heißt die Kantstraße nach Immanuel Kant?

Die Kantstraße trägt ihren Namen seit dem 23. Februar 1887, damals noch in der selbstständigen Stadt Charlottenburg. Vorher war sie im Bebauungsplan schlicht die Straße Nr. 9, Abteilungen V/1 und V. Das belegt Kauperts. Das oft genannte Datum 31. Mai 1887 und die Behauptung, ein Teil der Straße habe vorher zum Kurfürstendamm gehört, finden sich dort nicht.

Namensgeber ist Immanuel Kant, geboren am 22. April 1724 in Königsberg, gestorben am 12. Februar 1804 ebenda. Mit Berlin verbindet ihn mehr als der Straßenname: In der «Berlinischen Monatsschrift» erschien seine berühmte Antwort auf die Frage «Was ist Aufklärung?», und 1786 wurde er Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Seine Hauptwerke sind die drei Kritiken – der reinen Vernunft (1781), der praktischen Vernunft (1788) und der Urteilskraft (1790).

Welche Baudenkmale stehen an der Kantstraße?

Das Theater des Westens in der Kantstraße 12 ist das älteste der großen Häuser an der Straße. Bernhard Sehring baute es 1895 bis 1896, eröffnet wurde es laut Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf am 1. Oktober 1896. Den Zweiten Weltkrieg überstand es laut Denkmaldatenbank beinahe unbeschadet. Nach dem Krieg spielte hier bis 1961 die Städtische Oper, danach startete das Haus als Musicaltheater mit der deutschen Erstaufführung von «My Fair Lady». Mehr zu den Bühnen der Stadt findest du in unserer Übersicht der Berliner Theater.

Gleich daneben, in der Kantstraße 12a, steht der Delphi-Filmpalast. Auch ihn entwarf Sehring, 1927 bis 1928 als Tanzcafé und Restaurant. Im Krieg stark zerstört, wurde er 1947 bis 1949 als Kino wiederaufgebaut und diente später auch der Berlinale. Theater und Delphi stehen gemeinsam als Gesamtanlage unter Denkmalschutz. Das Bezirksamt nennt rund 1.200 Plätze zu Beginn, nach einem Umbau 1981 waren es 725. Im Keller spielt der Jazzclub Quasimodo.

Weiter westlich, in der Kantstraße 126 und 127, steht der Kant-Garagenpalast. Er entstand 1929 bis 1930 als erste Hochgarage Berlins – nicht, wie oft zu lesen ist, als eine der ersten Europas. Bauherr war der Ingenieur und Kaufmann Louis Serlin, Entwurf und Ausführung lagen beim Garagenbüro Lohmüller, Korschelt & Renker und den jungen Architekten Hermann Zweigenthal und Richard Paulick. Die Denkmaldatenbank hebt die doppelläufige Wendelrampe hervor und nennt die Glasfassaden die erste Vorhangfassade Berlins. Von 2019 bis 2022 wurde der Bau zum Büro- und Geschäftshaus umgebaut, nebenan eröffnete 2022 ein Hotelneubau.

Warum heißt die Kantstraße auch Chinatown?

Die Kantstraße gilt als Berlins Chinatown, weil sich westlich des Savignyplatzes seit den 1990er-Jahren chinesische, vietnamesische, thailändische, japanische und südindische Restaurants dicht aneinanderreihen. Berlin.de spricht von rund 50 asiatischen Betrieben. Genannt werden dort unter anderem Good Friends mit kantonesischer Küche, Aroma mit Dim Sum und Lon Men’s Noodle House mit taiwanesischen Nudelsuppen.

Die Kantstraße ist aber nicht nur Asien. Die Paris Bar serviert seit 1962 französische Bistroküche, das Schwarze Café gibt es seit 1978. Beide gehören zum alten West-Berliner Nachtleben rund um den Savignyplatz. Einen Rundgang durch die Geschichte des Viertels findest du in unserem Spaziergang durch Charlottenburg.

Was passiert mit dem Radweg auf der Kantstraße?

Der Radweg auf der Kantstraße entstand 2020 in der Corona-Zeit als provisorischer Streifen am rechten Fahrbahnrand zwischen Fasanenstraße und Wilmersdorfer Straße. Laut Tagesspiegel war er damals Berlins längster Pop-up-Radweg. Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) will ihn zurückbauen: Feuerwehrdrehleitern reichen nicht über Parkspur und Radweg hinweg bis an die oberen Stockwerke.

Geplant ist folgende Aufteilung: ganz rechts parkende Autos und Lieferwagen, links daneben eine Busspur, die auch Radfahrende nutzen dürfen, dann je ein Fahrstreifen pro Richtung und in der Mitte ein schmaler Grünstreifen. Dagegen läuft ein Eilantrag beim Verwaltungsgericht Berlin, den die Deutsche Umwelthilfe seit dem 7. September 2026 unterstützt. Ihr Argument: Bei einer Zählung vom 25. bis 27. August 2026 fuhren 236 bis 278 Räder pro Stunde und Richtung – gemeinsame Bus- und Radspuren seien aber nur bis 200 Räder in der Spitzenstunde zulässig.

Der Senat hatte dem Gericht zugesagt, nicht vor dem 30. September 2026 mit dem Umbau zu beginnen, wie die Umwelthilfe am 15. September mitteilte. Für den danach geplanten Start der Markierungsarbeiten am 1. Oktober lehnte das Verwaltungsgericht eine Fristverlängerung der Senatsverwaltung ab und verlangte eine umgehende Mitteilung, ob sie nach der Abgeordnetenhauswahl an den Rückbauplänen festhält. Das teilte die Umwelthilfe am 23. September mit. Verkehrssenatorin Bonde verschob den Baustart daraufhin um eine Woche auf den 7. Oktober 2026, berichtete die taz am 25. September. Eine Entscheidung über den Eilantrag lag bis zum 30. September 2026 nicht vor (Stand: 30.09.2026).

Häufige Fragen zur Kantstraße

Welche Postleitzahl hat die Kantstraße?

Die Kantstraße hat drei Postleitzahlen: 10623 für die Hausnummern 1 bis 30 und 137 bis 165, 10625 für 31 bis 51 und 118 bis 136 sowie 10627 für 52 bis 117. So steht es in Kauperts Straßenführer.

Seit wann heißt die Kantstraße so?

Die Kantstraße heißt seit dem 23. Februar 1887 nach dem Philosophen Immanuel Kant. Vorher trug sie im Bebauungsplan nur die Bezeichnung Straße Nr. 9.

Wie komme ich mit Bus und Bahn zur Kantstraße?

Am Ostende liegt der Bahnhof Zoologischer Garten mit S-Bahn, U2, U9 und Regionalverkehr. Kauperts nennt außerdem die S-Bahnhöfe Savignyplatz und Charlottenburg sowie den U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße der U7.

Warum wird die Kantstraße Chinatown genannt?

Die Kantstraße wird Chinatown genannt, weil sich dort vor allem westlich des Savignyplatzes seit den 1990er-Jahren viele asiatische Restaurants angesiedelt haben. Berlin.de zählt rund 50 asiatische Betriebe.

Bleibt der Radweg auf der Kantstraße?

Das ist offen. Der Senat will den Radstreifen von 2020 durch eine für Räder freigegebene Busspur ersetzen. Wegen eines Eilantrags beim Verwaltungsgericht hat Verkehrssenatorin Ute Bonde den Baustart auf den 7. Oktober 2026 verschoben. Eine Gerichtsentscheidung stand am 30. September 2026 noch aus.

Quellen

Namensgebung

Namensgeber
Immanuel Kant (1724–1804)
Person
Benennung
1887-02-23
Hintergrund
Immanuel Kant (1724–1804) war Philosoph der Aufklärung in Königsberg und Verfasser der «Kritik der reinen Vernunft». 1786 wurde er Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin.

Frühere Namen

Alter Name Zeitraum Grund
Kurfürstendamm (Abschnitt) 1887 Zusammenlegung und Neubenennung im Zuge der Stadterweiterung.
Neue Friedrichstraße 1887 Zusammenlegung und Neubenennung im Zuge der Stadterweiterung.

Quellen

  1. Kantstraße im Berliner Straßenlexikon des Kauperts · Web
  2. Kantstraße (Berlin-Charlottenburg) – Wikipedia · Web
  3. Geschichte des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf · Web
  4. Denkmaldatenbank: Kant-Garagenpalast · Web