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Bernauer Strasse

Die Straße, an der die Mauer direkt vor den Haustüren stand: Verlauf, Namensherkunft, Fluchten von 1961, Versöhnungskirche, Tunnel 57 und die Gedenkstätte heute.

Inhalt (9 Abschnitte)
  1. Wo verläuft die Bernauer Straße?
  2. Woher hat die Bernauer Straße ihren Namen?
  3. Warum stand die Mauer an der Bernauer Straße direkt vor den Häusern?
  4. Was geschah mit der Versöhnungskirche?
  5. Welcher Fluchttunnel führte unter der Bernauer Straße durch?
  6. Was zeigt die Gedenkstätte Berliner Mauer heute?
  7. Wo wurde die Mauer an der Bernauer Straße zuerst geöffnet?
  8. Häufige Fragen zur Bernauer Straße
  9. Quellen

Die Bernauer Straße verläuft von der Gartenstraße bis zur Eberswalder Straße und berührt die Ortsteile Mitte, Gesundbrunnen und Prenzlauer Berg. Von 1961 bis 1989 stand die Berliner Mauer hier direkt vor den Häusern der Südseite. Heute erinnert die Gedenkstätte Berliner Mauer auf 1,4 Kilometern daran, ihr Außengelände ist täglich von 8 bis 22 Uhr frei zugänglich.

Kaum eine Berliner Straße ist so eng mit der Teilung verbunden wie die Bernauer Straße. Hier lief die Grenze nicht mitten über die Fahrbahn, sondern an der Hauswand entlang: Der Bürgersteig gehörte zum Westen, die Wohnungen dahinter zum Osten. Seit 1998 entsteht hier die zentrale Gedenkstätte zur Berliner Mauer. Hier erfährst du, wo die Straße verläuft, warum die Grenze gerade hier so brutal wirkte und was du heute vor Ort sehen kannst.

Wo verläuft die Bernauer Straße?

Die Bernauer Straße beginnt an der Gartenstraße und endet an der Kreuzung mit Eberswalder, Oderberger und Schwedter Straße. So beschreibt es Kauperts Straßenführer. Die Hausnummern laufen auf einer Seite von 1 bis 50 und auf der anderen von 63 bis 119 zurück. Im Westen kreuzt sie die Brunnenstraße, im Osten geht sie in die Eberswalder Straße über.

Wer eine Adresse sucht, sollte die Postleitzahl genau lesen: Drei Ortsteile und drei Postleitzahlen teilen sich die Straße, und auch Amtsgericht, Finanzamt und Polizeiabschnitt wechseln je nach Hausnummer.

Postleitzahlen der Bernauer Straße nach Hausnummer, Stand: Kauperts Straßenführer, abgerufen am 29.09.2026
Hausnummern Postleitzahl Ortsteil laut Kauperts
1–37 10115 Mitte
38–50 10435 Mitte
63–64 13355 Prenzlauer Berg
67–119 13355 Gesundbrunnen

Für den Nahverkehr nennt Kauperts die Straßenbahnlinien M8, M10 und 12, die Buslinien 245 und 247, den U-Bahnhof Bernauer Straße der U8 und den S-Bahnhof Nordbahnhof mit S1, S2 und S25.

Woher hat die Bernauer Straße ihren Namen?

Die Bernauer Straße ist nach der Stadt Bernau im heutigen Landkreis Barnim in Brandenburg benannt. Den Namen trägt sie laut Kauperts seit dem . Vorher hießen die Abschnitte Straße Nr. 50 und Nr. 80 des Bebauungsplans. Am 4. Juli 1904 bekam auch die Verlängerung über die Bergstraße bis zur Gartenstraße den Namen Bernauer Straße.

Mit der Bildung von Groß-Berlin 1920 wurde die Grenze zwischen den neuen Bezirken Mitte und Wedding entlang der Bernauer Straße gezogen. Das Stadtmuseum Berlin beschreibt die Folge: Die Häuser auf der Südseite gehörten zu Mitte, die Nordseite samt Fahrbahn und Gehwegen zu Wedding. Nach 1945 wurde daraus die Grenze zwischen französischem und sowjetischem Sektor.

Warum stand die Mauer an der Bernauer Straße direkt vor den Häusern?

An der Bernauer Straße verlief die Grenze entlang der Häuserfront der Ost-Berliner Grenzhäuser. Als am 13. August 1961 die Sperren errichtet wurden, lag vor der Haustür bereits West-Berlin. Viele Bewohnerinnen und Bewohner flohen spontan, wie die Stiftung Berliner Mauer dokumentiert: Manche seilten sich ab oder sprangen in die Sprungtücher der West-Berliner Feuerwehr. Wenige Wochen später wurden die Häuser geräumt, Fenster und Türen zugemauert, die übrigen Bewohner zwangsumgesiedelt.

Die Fluchten forderten Tote. Ida Siekmann verunglückte am tödlich beim Sprung aus ihrer Wohnung in der Bernauer Straße 48. Olga Segler sprang am 25. September aus der Nummer 34 und starb am Tag darauf. Insgesamt nennt die Stiftung zehn Todesopfer im Umfeld der heutigen Gedenkstätte, alle aus den 1960er-Jahren. An der gesamten Berliner Mauer starben mindestens 140 Menschen.

An der Bernauer Straße entstand auch das berühmteste Foto des Mauerbaus. Am 15. August 1961, zwei Tage nach der Abriegelung, sprang der Grenzpolizist Conrad Schumann über den Stacheldraht nach West-Berlin. Die Grenzhäuser selbst verschwanden Mitte der 1960er-Jahre, als die DDR die Grenzanlagen ausbaute. Die Fassade eines Hauses blieb stehen und diente bis Anfang der 1980er-Jahre als Grenzmauer; seine Fundamente sind heute freigelegt.

Was geschah mit der Versöhnungskirche?

Die Versöhnungskirche an der Bernauer Straße 4 wurde am eingeweiht und am 22. Januar 1985 von der DDR gesprengt. Den neugotischen Backsteinbau entwarf Gotthilf Ludwig Möckel, berichtet das Brunnenmagazin.

Nach dem Mauerbau stand die Kirche zwischen Grenzmauer und Hinterlandmauer. Die West-Berliner Gemeindemitglieder kamen nicht mehr hinein, ab Oktober 1961 auch die Ost-Berliner nicht. Die Grenztruppen nutzten den Turm als Wachturm. Sechs Tage nach dem Kirchenschiff wurde am 28. Januar 1985 auch der Turm gesprengt. Auf den Fundamenten steht heute die Kapelle der Versöhnung, eingeweiht am . Seit 2005 wächst neben der Kapelle ein Roggenfeld im früheren Grenzstreifen; die 21. Ernte holte die Stiftung am 22. Juli 2026 ein.

Welcher Fluchttunnel führte unter der Bernauer Straße durch?

Der bekannteste Fluchttunnel unter der Bernauer Straße ist der Tunnel 57. Durch ihn flohen am 3. und 4. Oktober 1964 insgesamt 57 Menschen aus Ost-Berlin, laut Chronik der Mauer. Der 145 Meter lange Tunnel lag zwölf Meter tief und führte von der Bernauer Straße 97 unter der Mauer hindurch bis in die Strelitzer Straße. Gegraben hatten ihn vor allem Studierende der Freien Universität unter Leitung des Fluchthelfers Wolfgang Fuchs.

In der zweiten Nacht wurde der Tunnel verraten. Beim Zugriff im Hof der Strelitzer Straße 55 starb der Grenzsoldat Egon Schultz. Die DDR sprach von Mord durch Fluchthelfer, doch die tödlichen Kugeln stammten aus der Waffe eines DDR-Grenzsoldaten.

Was zeigt die Gedenkstätte Berliner Mauer heute?

Die Gedenkstätte Berliner Mauer erstreckt sich auf 1,4 Kilometern und rund 4,4 Hektar entlang der Bernauer Straße. Laut berlin.de blieben hier 220 Meter Originalmauer stehen, und nur an diesem Ort in Berlin ist die gesamte Tiefenstaffelung der Grenzanlagen zu sehen. Wo Mauerteile fehlen, zeichnen Stäbe und Platten aus rostrotem Cortenstahl sie nach, ebenso die Umrisse der abgerissenen Häuser, der Kirche und der Fluchttunnel.

Die Gedenkstätte wuchs in Etappen, wie die Stiftung Berliner Mauer beschreibt. Am 2. Oktober 1990 stellte der Ost-Berliner Magistrat den Grenzabschnitt am Sophienfriedhof unter Denkmalschutz, nachdem Pfarrer Manfred Fischer von der Versöhnungsgemeinde Abrissversuche verhindert hatte. Das Denkmal folgte am 13. August 1998, das Dokumentationszentrum im Gemeindehaus der Versöhnungsgemeinde am 9. November 1999, das Besucherzentrum an der Ecke Gartenstraße 2009. Im Außengelände erinnert das Fenster des Gedenkens mit Namen, Lebensdaten und Fotos an die Todesopfer der Mauer.

Für deinen Besuch gilt laut Besucherinformation der Stiftung: Das Außengelände ist Montag bis Sonntag von 8 bis 22 Uhr zugänglich, Besucherzentrum (Bernauer Straße 119) und Dokumentationszentrum (Bernauer Straße 111) öffnen dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, öffentliche Führungen kosten 5 Euro. Die zentrale Gedenkfeier zum 65. Jahrestag fand im August 2026 hier statt; mehr dazu in unserem Beitrag zum Mauerbau-Jahrestag an der Bernauer Straße.

Wo wurde die Mauer an der Bernauer Straße zuerst geöffnet?

In der Nacht vom 10. zum 11. November 1989 wurden zwischen Bernauer Straße und Eberswalder Straße die ersten Segmente aus der Mauer gebrochen, um einen neuen Übergang zu schaffen. Im Juni 1990 begann an der Ecke Ackerstraße auch der offizielle Abriss der Grenzanlagen. Mehr zu den Tagen um den 9. November liest du in unserem Beitrag zum Mauerfall in Berlin.

Unter der Straße war die Teilung ebenfalls zu spüren. Der U-Bahnhof Bernauer Straße der heutigen U8 wurde am 13. August 1961 geschlossen, die West-Berliner Züge fuhren ohne Halt durch. Wieder eröffnet wurde er laut Berliner Untergrundbahn erst am 18. April 1990. Am östlichen Ende der Straße liegt der Mauerpark. Zeiten und Anfahrt stehen in unserem Überblick zum Flohmarkt im Mauerpark.

Häufige Fragen zur Bernauer Straße

Was kostet der Eintritt in die Gedenkstätte Berliner Mauer?

Der Eintritt in die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße ist frei, das gilt für das Außengelände und die Ausstellungen. Das Außengelände ist täglich von 8 bis 22 Uhr zugänglich. Besucherzentrum und Dokumentationszentrum öffnen dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Öffentliche Führungen kosten 5 Euro, ermäßigt 3 Euro.

Warum gehörte der Gehweg der Bernauer Straße zum Westen?

Seit der Bildung von Groß-Berlin 1920 verlief die Grenze zwischen den Bezirken Mitte und Wedding entlang der Häuserfront der Bernauer Straße. Die Häuser der Südseite gehörten zu Mitte, Fahrbahn und Gehwege zu Wedding. Ab 1961 stand hier die Mauer.

Welche U-Bahn hält an der Bernauer Straße?

An der Bernauer Straße hält die U8 im gleichnamigen U-Bahnhof. Der Bahnhof war von 1961 bis 1990 geschlossen, West-Berliner Züge fuhren ohne Halt durch; er öffnete am 18. April 1990 wieder. Alternativ fährst du mit der S-Bahn zum Nordbahnhof.

Wer war das erste Todesopfer an der Bernauer Straße?

Ida Siekmann starb am 22. August 1961 als erste Tote an der Bernauer Straße. Siekmann verunglückte beim Sprung aus ihrer Wohnung in der Bernauer Straße 48. Zwei Tage später wurde Günter Litfin als erster Mensch an der Mauer erschossen.

Quellen

Namensgebung

Namensgeber
Bernau bei Berlin
Ort / Geografie
Benennung
1862-05-29
Hintergrund
Benannt nach Bernau, Stadt im Landkreis Barnim (Brandenburg) nordöstlich von Berlin. Bernau erhielt 1232 das Stadtrecht.

Quellen

  1. Stiftung Berliner Mauer · Web
  2. Berliner Strassennamenlexikon (Kauperts) · Web
  3. Bernauer Straße – Kauperts Straßenführer durch Berlin · Web
  4. Die Bernauer Straße – Gedenkstätte Berliner Mauer · Web
  5. Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße · Web
  6. Bernauer Straße – Wikipedia · Web