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Schönhauser Allee

Vom Schönhauser Tor bis Pankow: Name seit 1841, U2-Hochbahn seit 1913, Radstreifen seit 2024 und der Neubau der Ringbahnbrücke ab Oktober 2026.

Inhalt (10 Abschnitte)
  1. Wo beginnt und wo endet die Schönhauser Allee?
  2. Woher hat die Schönhauser Allee ihren Namen?
  3. Seit wann fährt die U2 als Hochbahn über die Schönhauser Allee?
  4. Warum heißt die Hochbahn Magistratsschirm?
  5. Was liegt an der Schönhauser Allee?
  6. Welche Rolle spielt die Schönhauser Allee in Film und Literatur?
  7. Was hat sich für Radfahrer auf der Schönhauser Allee geändert?
  8. Wie es weitergeht: Neubau der Brücke über die Ringbahn
  9. Häufige Fragen zur Schönhauser Allee
  10. Quellen

Die Schönhauser Allee führt vom Schönhauser Tor an der Torstraße durch Prenzlauer Berg bis zur Berliner Straße in Pankow. Ihren Namen trägt sie seit dem 27. Dezember 1841, benannt nach dem Dorf Schönhausen, dem heutigen Niederschönhausen. Seit 1913 fährt auf ihrem Mittelstreifen die Hochbahn der heutigen U2, genannt Magistratsschirm.

Wer in Prenzlauer Berg wohnt, kommt an der Schönhauser Allee kaum vorbei: Sie ist die Hauptachse des Ortsteils, Einkaufsstraße, U-Bahn-Trasse und Nord-Süd-Verbindung in einem. Nach dem Straßenverzeichnis von Kauperts reichen die Hausnummern von 5 bis 188, die Allee verteilt sich auf die Postleitzahlen 10119, 10435, 10437 und 10439 und gehört vollständig zum Bezirk Pankow. Zwei Dinge prägen sie bis heute: der alte Landweg nach Norden, aus dem sie hervorging, und der Stahlviadukt der U2, der seit 1913 auf dem Mittelstreifen steht. Dazu kommen ein jüdischer Friedhof aus dem Jahr 1827, eine denkmalgeschützte Brauerei und ein Einkaufszentrum über dem Ringbahnhof.

  • Verlauf: Torstraße/Alte Schönhauser Straße (Schönhauser Tor) bis Berliner Straße/Schonensche Straße
  • Name seit 27. Dezember 1841, zuvor unter anderem Pankowscher Landweg und Schönhauser Weg
  • Hochbahn der U2 eröffnet am 27. Juli 1913, Denkmal als Gesamtanlage
  • Ringbahnhof Schönhauser Allee seit 1. August 1879 in Betrieb
  • Neubau der Ringbahnbrücke: Beginn Oktober 2026, Fertigstellung geplant 2032

Wo beginnt und wo endet die Schönhauser Allee?

Die Allee beginnt am früheren Schönhauser Tor, wo Torstraße und Alte Schönhauser Straße zusammentreffen, und endet an der Kreuzung mit Berliner Straße und Schonensche Straße im Ortsteil Pankow. Kauperts ordnet die Straße den Ortsteilen Prenzlauer Berg und Pankow zu.

Die markanteste Kreuzung liegt in der Mitte: Am U-Bahnhof Eberswalder Straße treffen Eberswalder Straße, Danziger Straße, Kastanienallee und Pappelallee auf die Allee. Weiter nördlich kreuzt die Allee Gleim- und Stargarder Straße, bevor sie die Ringbahn überquert. Nördlich der Ringbahn beginnt an der Allee die Bornholmer Straße, die zur Bösebrücke führt. Am nördlichen Ende, schon im Ortsteil Pankow, setzt die Berliner Straße die Achse fort. Die U2 wechselt hinter dem Ringbahnhof in den Tunnel und erreicht den Bahnhof Vinetastraße.

Woher hat die Schönhauser Allee ihren Namen?

Die Schönhauser Allee ist nach Schönhausen benannt, dem Dorf, das heute Niederschönhausen heißt und seit 2001 zum Bezirk Pankow gehört. Der Name gilt laut Kauperts seit dem 27. Dezember 1841. Vorher hieß der Weg ab etwa 1490 Pankowscher Landweg, vom 17. Jahrhundert bis etwa 1825/26 Schönhauser Weg.

Bedeutung bekam der Landweg durch das Schloss Schönhausen. Nach Angaben des Straßen- und Grünflächenamts Pankow erwarb Kurfürst Friedrich III., der spätere König Friedrich I., das Gut 1691 und ließ das Herrenhaus 1704 von Johann Friedrich Eosander von Göthe erweitern. 1740 schenkte Friedrich II. das Schloss seiner Frau Elisabeth Christine, die es als Sommersitz nutzte. Der Weg aus der Stadt hinaus nach Schönhausen führte damit zu einer königlichen Residenz, und genau diesen Bezug trägt die Allee bis heute im Namen.

Seit wann fährt die U2 als Hochbahn über die Schönhauser Allee?

Die U-Bahn fährt seit dem 27. Juli 1913 über die Allee. An diesem Tag ging nach Angaben der Chronik Berliner Untergrundbahn der Abschnitt vom Alexanderplatz bis zum Bahnhof Nordring in Betrieb, der seit 1936 Schönhauser Allee heißt. Der gesamte Abschnitt ab Alexanderplatz ist 3,278 Kilometer lang und wurde von 1910 bis 1913 gebaut.

Um Geld zu sparen, führte man die Strecke nicht durchgehend unter der Erde. Senefelderplatz ist noch ein Unterpflasterbahnhof unter der Fahrbahn. Zwischen Wörther Straße und Kastanienallee steigt die Bahn über eine lange Rampe auf dem Mittelstreifen zur Hochbahn auf. Das Tourismusportal des Bezirks Pankow beziffert die Hochbahn heute auf 1,7 Kilometer. Die Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamts führt die Hochbahnanlage mit dem Beinamen Magistratsschirm als Gesamtanlage, datiert auf 1911 bis 1913 mit Umbau 1930, entworfen von Alfred Grenander und Johannes Bousset.

U- und S-Bahnhöfe entlang der Allee (Stand: 29. September 2026)
Bahnhof Linie Lage Eröffnet Frühere Namen
Rosa-Luxemburg-Platz U2 am südlichen Anfang, Tunnel 27. Juli 1913 ursprünglich Schönhauser Tor, mehrfach umbenannt
Senefelderplatz U2 Unterpflasterbahnhof 27. Juli 1913 –
Eberswalder Straße U2 Hochbahnhof 27. Juli 1913 Danziger Straße (1913–1950), Dimitroffstraße
Schönhauser Allee U2 Hochbahnhof 27. Juli 1913 Nordring (bis 1936)
Schönhauser Allee S-Bahn-Ring Ringbahn unter der Allee-Brücke 1. August 1879 –
Vinetastraße U2 kurz hinter dem nördlichen Ende, Tunnel 1930 –

Warum heißt die Hochbahn Magistratsschirm?

Magistratsschirm ist der Berliner Spitzname für den Viadukt der U2 über der Allee. Laut dem Pankower Tourismusportal steckt darin zweierlei: Der Magistrat, das damalige Pendant zum heutigen Senat, hat das Bauwerk bezahlt, und die Trasse schützt wie ein Schirm die Menschen darunter. Das Berliner Zentrum Industriekultur beschreibt die Hochbahn als offenen Schirm, unter dem die Berliner vor dem Wetter geschützt flanieren konnten.

Beliebt war der Bau anfangs nicht. Anwohner und Händler protestierten gegen Erschütterungen, Lärm und Geschäftseinbußen. Heute steht der Schirm unter Denkmalschutz, und unter ihm steht seit Oktober 1930 Konnopke’s Imbiss unter der Hausnummer 44B, gegründet von Max und Charlotte Konnopke.

Was liegt an der Schönhauser Allee?

Drei Orte machen die Straße über den Kiez hinaus bekannt: der Jüdische Friedhof, die Kulturbrauerei und das Einkaufszentrum über dem Ringbahnhof.

Jüdischer Friedhof

Der Jüdische Friedhof liegt im Dreieck zwischen der Allee, Kollwitzstraße und Knaackstraße. Die Denkmaldatenbank datiert ihn auf 1827 und führt ihn als Gartendenkmal, Bauherrin war die Jüdische Gemeinde zu Berlin. Nach Angaben von visitBerlin war er mehr als 50 Jahre die einzige Begräbnisstätte der Berliner Juden, rund 25.000 Gräber liegen hier. Der Maler Max Liebermann ist hier begraben, gegenüber dem Wandgrab der Familie Liebermann, das die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bis 2000 restaurieren ließ.

Kulturbrauerei

Die Kulturbrauerei unter der Hausnummer 36 ist die frühere Schultheiss-Brauerei. Laut Chronik der Kulturbrauerei kaufte Jobst Schultheiss die Brauerei 1853, ab 1884 entwarf Franz Schwechten das Ensemble aus sechs Höfen und mehr als 20 Gebäuden auf 25.000 Quadratmetern. 1967 wurde das Brauen eingestellt, 1974 kam der Komplex unter Denkmalschutz, von 1998 bis 2000 wurde er saniert.

Schönhauser Allee Arcaden

Die Arcaden stehen über dem Ringbahnhof, Hausnummer 80. Eröffnet wurden sie am 3. März 1999. Die Berliner Zeitung zählte am ersten Tag rund 30.000 Besucher, 95 der 99 Läden hatten geöffnet. Heute nennt berlin.de etwa 100 Geschäfte.

Welche Rolle spielt die Schönhauser Allee in Film und Literatur?

Ein DEFA-Klassiker trägt die Straße im Titel: „Berlin – Ecke Schönhauser…“ aus dem Jahr 1957. Regie führte Gerhard Klein, das Drehbuch schrieb Wolfgang Kohlhaase. Nach der Bundeszentrale für politische Bildung trifft sich eine Clique Ost-Berliner Jugendlicher unter der U-Bahn-Brücke in Prenzlauer Berg. Der DEFA-Film zählt zu den 100 wichtigsten deutschen Filmen, die Filmhistoriker und Journalisten ausgewählt haben.

Literarisch hat Wladimir Kaminer der Straße ein Buch gewidmet: Der Erzählband „Schönhauser Allee“ erschien am 1. Dezember 2001 als Goldmann-Taschenbuch.

Was hat sich für Radfahrer auf der Schönhauser Allee geändert?

Zwischen Eberswalder/Danziger Straße und Gleim-/Stargarder Straße fährst du seit Juli 2024 auf einem geschützten Radfahrstreifen. Laut infraVelo ist der Abschnitt 720 Meter lang, die Streifen sind zwischen den Schutzelementen 2,20 bis 2,50 Meter breit. Rund 700 Protektionselemente trennen Rad- und Autoverkehr, die Zahl der Ladezonen stieg von 6 auf 11. Gebaut wurde von September 2023 bis Juni 2024, abgeschlossen ist das Projekt seit dem 2. Juli 2024. Dafür fielen Parkplätze am Fahrbahnrand weg.

Weiter nördlich hängt der Ausbau an der Ringbahnbrücke. Nach einem Bericht der Berliner Zeitung vom 13. Mai 2024 ist eine Verlängerung bis zur Wisbyer Straße erst mit dem Brückenneubau möglich.

Wie es weitergeht: Neubau der Brücke über die Ringbahn

Die Straßenbrücke über die Ringbahn wird ab Oktober 2026 ersetzt. Nach der Senatsverkehrsverwaltung entstand sie in Baustufen 1886, 1913 und 1927. In der Antwort auf eine Schriftliche Anfrage vom 2. April 2026 kündigte der Senat für Oktober 2026 bauvorbereitende Arbeiten an, zuerst zur Abstützung der U-Bahn. Fertig sein soll alles 2032, in mehreren Bauphasen mit wechselnden Einschränkungen.

Für dich heißt das: Die Straßenbahnlinie M1 wird unterbrochen, ein Ersatzverkehr fährt über Schivelbeiner und Schönfließer Straße. Der Tagesspiegel berichtete am 6. Mai 2026 von Kosten um 50 Millionen Euro und davon, dass die Tram ab 2030 wieder fahren soll. Autos und Fahrräder teilen sich in den Bauphasen jeweils eine Brückenseite. Die Radführung nannte der Senat selbst „extrem schmal“ und kündigte an, Alternativen zu prüfen. Alle Hintergründe zum Bauprojekt findest du in unserem Artikel zur Schönhauser-Allee-Brücke, weitere Meldungen aus dem Bezirk unter Pankow.

Häufige Fragen zur Schönhauser Allee

Wie viele U-Bahnhöfe liegen an der Schönhauser Allee?

Entlang der Allee liegen drei Bahnhöfe der U2: Senefelderplatz als Tunnelbahnhof, Eberswalder Straße und der gleichnamige Bahnhof am Ring als Hochbahnhöfe. Der U-Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz erschließt das südliche Ende an der Torstraße, der 1930 eröffnete Bahnhof Vinetastraße liegt kurz hinter dem nördlichen Ende. Am nördlichen Hochbahnhof steigst du zur Ringbahn um, seit 1962 über einen direkten Übergang zwischen S- und U-Bahn.

Warum heißt die Hochbahn an der Schönhauser Allee Magistratsschirm?

Der Spitzname Magistratsschirm hat zwei Wurzeln. Bezahlt hat den Viadukt der Berliner Magistrat, das damalige Gegenstück zum heutigen Senat. Zugleich spannt sich die stählerne Trasse wie ein aufgespannter Schirm über den Mittelstreifen, unter dem Fußgänger trocken bleiben. Die Hochbahnanlage aus den Jahren 1911 bis 1913 steht heute als Gesamtanlage unter Denkmalschutz.

Kann man den Jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee besuchen?

Der Jüdische Friedhof im Dreieck mit Kollwitz- und Knaackstraße ist für Besucher geöffnet, am Samstag und Sonntag bleibt er nach Angaben von visitBerlin geschlossen. Der 1827 angelegte Friedhof war mehr als 50 Jahre die einzige Begräbnisstätte der Berliner Juden und zählt rund 25.000 Gräber. Prüfe die aktuellen Öffnungszeiten vor deinem Besuch bei der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

Wann wird die Brücke der Schönhauser Allee über die Ringbahn neu gebaut?

Die Arbeiten an der Ringbahnbrücke beginnen im Oktober 2026 mit bauvorbereitenden Maßnahmen, fertig sein soll der Neubau 2032. Das hat der Senat im April 2026 auf eine Schriftliche Anfrage im Abgeordnetenhaus mitgeteilt. Während der Bauzeit wird die Straßenbahnlinie M1 unterbrochen, ein Ersatzverkehr fährt über die Schivelbeiner und die Schönfließer Straße.

Quellen

Namensgebung

Namensgeber
Schloss Schönhausen / Niederschönhausen
Ort / Geografie
Benennung
1841-12-27
Hintergrund
Schloss im heutigen Pankower Ortsteil Niederschönhausen, zu dem die alte Heerstraße aus Berlin führte.

Zeitleiste

  1. 17. Jh.

    Belegt als Postroute Richtung Schloss Schönhausen.

  2. 1913

    Eröffnung der Hochbahn der heutigen U2.

  3. 1990er

    Beginn umfassender Sanierungen nach der Wiedervereinigung.

Quellen

  1. Berliner Strassennamenlexikon (Kauperts) · Web