Bornholmer Straße
Von der Schönhauser Allee über die Bösebrücke zur Osloer Straße: Verlauf, Name, Brücke und die Nacht des 9. November 1989 an der Bornholmer Straße.

Inhalt (8 Abschnitte)
Die Bornholmer Straße verbindet Prenzlauer Berg im Bezirk Pankow mit Gesundbrunnen im Bezirk Mitte. Sie führt von der Schönhauser Allee über die Bösebrücke bis zur Osloer Straße und heißt seit 1903 nach der dänischen Insel Bornholm. Am Grenzübergang an der Brücke öffnete sich am 9. November 1989 gegen 23.30 Uhr die Mauer.
Kaum eine Berliner Straße steht so sehr für eine einzige Nacht wie die Bornholmer Straße. Im Alltag ist sie eine viel befahrene Verbindung zwischen zwei Bezirken, mit Mietshäusern aus der Kaiserzeit, einer Stahlbrücke von 1916 und einem S-Bahnhof, an dem sechs Linien halten. Hier liest du, wo die Straße verläuft, woher ihr Name kommt, was am 9. November 1989 geschah und was heute daran erinnert.
Wo verläuft die Bornholmer Straße?
Die Bornholmer Straße beginnt im Osten an der Kreuzung Schönhauser Allee und Wisbyer Straße und endet im Westen an der Osloer Straße und der Grüntaler Straße. So beschreibt es Kauperts Straßenführer. Die Hausnummern reichen von 1 bis 96.
Die Straße liegt in zwei Bezirken. Die Nummern 1 bis 21 und 65 bis 96 gehören zum Ortsteil Prenzlauer Berg im Bezirk Pankow und haben die Postleitzahl 10439. Die Nummern 38 bis 54 liegen im Ortsteil Gesundbrunnen im Bezirk Mitte, Postleitzahl 13359. Im Prenzlauer Berg führt die Straße durch das Nordische Viertel. Als Ensemble unter Denkmalschutz steht dort das Mietshaus Nr. 89/90, gebaut 1909 bis 1910 nach Entwurf des Architekten A. Wischkat, so die Denkmaldatenbank.
Dazwischen überquert die Bösebrücke die Gleise der früheren Stettiner Bahn und der Nordbahn. Nach Angaben der Denkmaldatenbank gehören der Bahnhof und der östliche Brückenabschnitt bereits zu Pankow. Auf der Straße fahren die Straßenbahnlinien M13 und 50.
Woher hat die Bornholmer Straße ihren Namen?
Die Bornholmer Straße ist nach Bornholm benannt, einer dänischen Insel in der Ostsee. Den Namen trägt sie laut Kauperts seit dem 22. August 1903. Vorher hieß sie im Bebauungsplan schlicht Straße Nr. 1, Abteilung XI. Kauperts erinnert auch an die Geschichte der Insel: Zwischen 1658 und 1660 gehörte Bornholm zu Schweden, im Juni 1676 schlug Kurbrandenburg vor der Insel eine schwedische Flotte.
Was ist die Bösebrücke?
Die Bösebrücke ist eine 138 Meter lange Stahlbrücke, die 1912 bis 1916 unter Friedrich Krause, dem Stadtbaurat für Tiefbau, gebaut wurde. Die Denkmaldatenbank beschreibt einen Bogen aus Fachwerkträgern, an dem die 15 Meter breite Fahrbahn hängt. Mit den Gehwegen ist die Brücke 27 Meter breit. Für das Tragwerk wurde erstmals im Brückenbau hochfester Nickelstahl verwendet, die Eisenkonstruktion wiegt 1.600 Tonnen. Die Treppen an den Brückenköpfen entwarf Richard Wolffenstein.
Ursprünglich hieß das Bauwerk Hindenburgbrücke. 1948 wurde es nach Wilhelm Böse umbenannt. Böse war nach Angaben der Stolpersteine-Initiative Elektriker bei der AEG, KPD-Funktionär im Prenzlauer Berg und gehörte zum Widerstandsnetz um Robert Uhrig. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn zum Tode, am 14. August 1944 wurde er im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.
Unter der Brücke liegt der S-Bahnhof Bornholmer Straße, 1934 bis 1935 nach Plänen von Richard Brademann gebaut und heute ebenfalls Baudenkmal. Du betrittst ihn direkt von der Brücke aus.
| Jahr | Ereignis | Quelle |
|---|---|---|
| 1903 | Benennung nach der Insel Bornholm am 22. August | Kauperts |
| 1909–1910 | Bau des denkmalgeschützten Mietshauses Nr. 89/90 | Denkmaldatenbank |
| 1912–1916 | Bau der Brücke über die Bahn, zunächst Hindenburgbrücke | Denkmaldatenbank |
| 1934–1935 | Bau des S-Bahnhofs Bornholmer Straße | Denkmaldatenbank |
| 1944 | Hinrichtung von Wilhelm Böse am 14. August | Stolpersteine Berlin |
| 1948 | Umbenennung der Brücke in Bösebrücke | Stolpersteine Berlin |
| 1989 | Öffnung des Grenzübergangs am 9. November gegen 23.30 Uhr | Orte der Einheit |
| 1990 | Japan spendet rund 1 Million DM für Zierkirschen am früheren Grenzstreifen | Bezirksamt Pankow |
| 2011 | Eröffnung des Platzes des 9. November 1989 im November | Stiftung Berliner Mauer |
Was geschah am 9. November 1989 an der Bornholmer Straße?
Am Abend des 9. November 1989 öffnete der Grenzübergang an der Bornholmer Straße als einer der ersten in Berlin, meist wird er als erster genannt. Die Chronologie hat das Projekt Orte der Einheit des Hauses der Geschichte zusammengetragen. Kurz nach 19 Uhr hatte SED-Funktionär Günter Schabowski eine neue Reiseregelung bekannt gegeben, die eigentlich erst am nächsten Tag gelten sollte. Schon um 19.30 Uhr standen 50 bis 100 Menschen vor dem Übergang, der zwischen Prenzlauer Berg und Wedding lag.
Das Kommando hatte an diesem Abend Harald Jäger, der von seinen Vorgesetzten keine Weisung bekam. Um 21.20 Uhr durfte er die «Aufsässigsten» ausreisen lassen und ihre Ausweisfotos stempeln, damit sie nicht zurückkehren konnten. Die Menge wuchs weiter, rund 35 Uniformierte standen Tausenden gegenüber. Um 23.30 Uhr meldete Jäger, die Lage sei nicht mehr zu halten, und ließ den Übergang öffnen. In der folgenden Dreiviertelstunde gingen etwa 20.000 Menschen über die Bösebrücke nach West-Berlin, um Mitternacht waren auch die anderen Berliner Übergänge offen. Mehr zum Jahrestag liest du in unserem Beitrag zum Mauerfall in Berlin.
Was erinnert heute an den Mauerfall?
Östlich der Brücke liegt der Platz des 9. November 1989. Nach Angaben der Stiftung Berliner Mauer wurde er im November 2011 eröffnet. 14 rostige Stahlbänder im Boden zeichnen die wichtigsten Ereignisse des Abends nach, drehbare Tafeln erklären die Geschichte des Grenzübergangs. Zum 35. Jahrestag 2024 wurden die Tafeln saniert, eine davon verweist per QR-Code auf die ARD-Tagesthemen vom 9. November 1989.
Gestaltet hat den Platz nach Angaben des Bezirksamts Pankow das Landschaftsarchitekturbüro SINAI. Erhalten blieben ein Stück Mauer, das die Übergangsstelle einfasste, und das Fundament eines Postenturms. Ein Abschnitt der Hinterlandsicherungsmauer am früheren Grenzübergang ist Teil der denkmalgeschützten Gesamtanlage Berliner Mauer. Auf dem Platz stehen acht japanische Zierkirschen, entlang des früheren Grenzstreifens viele weitere: Japan spendete dafür 1990 rund 1 Million DM. Die Bäume blühen meist von Ende April bis Mitte Mai, mehr dazu in unserem Überblick zur Kirschblüte in Berlin.
Wie kommst du zur Bornholmer Straße?
Am S-Bahnhof Bornholmer Straße halten laut BVG die Linien S1, S2, S25, S26, S8 und S85. Damit erreichst du ohne Umstieg unter anderem Oranienburg, Bernau, Hennigsdorf, Wannsee und den Flughafen BER. Am Bahnhof steigst du in die Straßenbahnen M13 und 50 um, die beide zum Virchow-Klinikum fahren, die M13 in der Gegenrichtung zur Warschauer Straße, die 50 zur Guyotstraße. Die Ringbahn hält an der Bornholmer Straße nicht. Mit der S8 oder S85 bist du in einer Station am Ringbahnhof Schönhauser Allee.
Häufige Fragen zur Bornholmer Straße
Warum heißt die Bösebrücke so?
Die Bösebrücke ist nach Wilhelm Böse benannt, einem kommunistischen Widerstandskämpfer. Er arbeitete als Elektriker bei der AEG, war KPD-Funktionär im Prenzlauer Berg und gehörte zum Widerstandsnetz um Robert Uhrig. Am 14. August 1944 wurde er im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet. 1948 erhielt die frühere Hindenburgbrücke seinen Namen.
Welche Postleitzahl hat die Bornholmer Straße?
Die Bornholmer Straße hat zwei Postleitzahlen. Nach Kauperts gilt für die Hausnummern 1 bis 21 und 65 bis 96 im Prenzlauer Berg die 10439. Die Nummern 38 bis 54 in Gesundbrunnen haben die 13359. Die Grenze zwischen beiden Bereichen liegt an der Bahntrasse unter der Bösebrücke.
Um wie viel Uhr öffnete der Grenzübergang Bornholmer Straße?
Der Grenzübergang Bornholmer Straße öffnete am 9. November 1989 gegen 23.30 Uhr. Um diese Zeit meldete der diensthabende Offizier Harald Jäger, die Lage sei nicht mehr zu halten, und ließ die Schlagbäume öffnen. In der folgenden Dreiviertelstunde gingen etwa 20.000 Menschen nach West-Berlin. Die anderen Berliner Übergänge folgten gegen Mitternacht.
Welche S-Bahnen halten an der Bornholmer Straße?
Am S-Bahnhof Bornholmer Straße halten nach Angaben der BVG die Linien S1, S2, S25, S26, S8 und S85. Dazu kommen die Straßenbahnlinien M13 und 50. Die Ringbahnlinien S41 und S42 halten hier nicht, obwohl das oft behauptet wird. Den Bahnhof betrittst du direkt von der Bösebrücke aus.
Quellen
- Kauperts Straßenführer: Bornholmer Straße (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Hindenburgbrücke, Bösebrücke (09030358) (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: S-Bahnhof (09065185) (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Mietshaus Nr. 89/90 (09065186) (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Berliner Mauer, Grenzmauerabschnitte und Wachtürme (09040273) (abgerufen am 29.09.2026)
- Orte der Einheit (Haus der Geschichte): Grenzübergang an der Bösebrücke (abgerufen am 29.09.2026)
- Stiftung Berliner Mauer: Erneuerung der Ausstellung auf dem Platz des 9. November 1989 (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Pankow: Der Platz des 9. November 1989 (abgerufen am 29.09.2026)
- Stolpersteine in Berlin: Friedrich Wilhelm Böse (abgerufen am 29.09.2026)
- BVG: Haltestelle S Bornholmer Str. (abgerufen am 29.09.2026)
Namensgebung
- Namensgeber
-
Bornholm
Ort / Geografie - Benennung
- 1903-08-22
- Hintergrund
- Bornholm ist eine dänische Insel in der Ostsee. Zwischen 1658 und 1660 gehörte sie zu Schweden, danach wieder zu Dänemark.