Linke-Spitzenkandidatin Eralp: 25,7 Prozent und Direktmandat
Inhalt (8 Abschnitte)
Elif Eralp war die Spitzenkandidatin der Linken bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026. Die Linke wurde mit 25,7 Prozent der Zweitstimmen stärkste Partei und kommt nach dem amtlichen Endergebnis auf 45 von 153 Sitzen. Eralp gewann den Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg 1 direkt und führt seit dem 22. September die Linksfraktion mit.
Update vom 13. Oktober 2026: Alle Zahlen stehen jetzt auf dem amtlichen Endergebnis, das der Landeswahlausschuss am 12. Oktober 2026 festgestellt hat. Die Linke bleibt bei 25,7 Prozent (plus 13,5 statt 13,4 Punkte), hat aber 45 statt 47 Sitze, weil das Abgeordnetenhaus nach einer Korrektur im Wahlkreis Spandau 1 nur 153 statt 158 Sitze hat. Eralps Ergebnis im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg 1 (50,4 Prozent) ist amtlich bestätigt. Linke, Grüne und SPD kämen auf 91 Sitze, nötig sind 77. Neu ist der Stand der Sondierungen seit dem 8. Oktober.
Die Frage, wer die Berliner Linke in die Wahl führt, hatte die Partei schon im Oktober 2025 beantwortet: mit Elif Eralp. Am 20. September 2026 wurde die Linke mit 25,7 Prozent der Zweitstimmen stärkste Kraft, ein Plus von 13,5 Prozentpunkten gegenüber 2023 (Landeswahlleiter für Berlin, amtliches Endergebnis vom 12. Oktober 2026). CDU (18,8 Prozent) und AfD (16,3 Prozent) folgen mit Abstand. Die Wahlbeteiligung lag bei 74,2 Prozent. Eralp selbst holte das Direktmandat in Friedrichshain-Kreuzberg 1. Jetzt geht es um die Frage, ob aus dem Wahlsieg eine Regierung wird. Entschieden ist damit noch nichts.
Wer ist Elif Eralp?
Elif Eralp ist eine 1981 in München geborene Juristin und seit November 2021 Abgeordnete der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus. Vor ihrem Wechsel ins Landesparlament arbeitete sie von 2010 bis 2021 als Referentin für Rechtspolitik der Linken-Bundestagsfraktion (Wikipedia). Ins Abgeordnetenhaus kam sie 2021 über Platz 7 der Landesliste, nicht über ein Direktmandat. Seit Mai 2025 ist sie stellvertretende Landesvorsitzende; im Oktober 2025 machte die Partei sie zur Spitzenkandidatin (Sonntagsblatt).
Politisch kommt Eralp aus der Mieten- und Antirassismusarbeit in Kreuzberg und ist in der Gewerkschaft Verdi engagiert, wie sie auf ihrer Website schreibt. Im Wahlkampf stand die Linke vor allem für Mietenpolitik und die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne; was genau im Programm steht, fasst unser Überblick zum Wahlprogramm der Berliner Linken zusammen.
Wie hat die Linke bei der Berlin-Wahl 2026 abgeschnitten?
Die Linke hat die Abgeordnetenhauswahl 2026 mit 25,7 Prozent der Zweitstimmen gewonnen und kommt nach dem amtlichen Endergebnis auf 45 der 153 Sitze. Die Partei holte 28 der 78 Wahlkreise direkt, mehr als jede andere Partei; die CDU kam auf 26 Direktmandate. Nach Zweitstimmen lag die Linke in sieben der zwölf Bezirke vorn. In Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau, Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf blieb die CDU stärkste Kraft, in Marzahn-Hellersdorf die AfD.
| Bezirk | Zweitstimmen | Veränderung |
|---|---|---|
| Friedrichshain-Kreuzberg | 44,2 % | +23,2 |
| Mitte | 35,8 % | +20,0 |
| Neukölln | 33,0 % | +19,9 |
| Lichtenberg | 28,8 % | +10,3 |
| Pankow | 28,1 % | +12,0 |
| Treptow-Köpenick | 26,6 % | +10,7 |
| Tempelhof-Schöneberg | 23,2 % | +14,7 |
| Marzahn-Hellersdorf | 20,2 % | +5,7 |
| Charlottenburg-Wilmersdorf | 19,9 % | +12,2 |
| Spandau | 16,3 % | +11,8 |
| Reinickendorf | 16,1 % | +11,6 |
| Steglitz-Zehlendorf | 15,1 % | +9,6 |
| Berlin gesamt | 25,7 % | +13,5 |
Die Tabelle zeigt zwei Linken-Landschaften. In den Innenstadtbezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Neukölln legte die Partei um rund 20 Prozentpunkte zu. In Marzahn-Hellersdorf, einer früheren Hochburg, wuchs sie nur um 5,7 Punkte und liegt deutlich hinter der AfD mit 34,4 Prozent. Berlin halt.
Wie lief es für Eralp im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg 1?
Elif Eralp hat den Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg 1 laut amtlichem Endergebnis direkt gewonnen. Nach einer Auswertung des Tagesspiegels kam sie auf 50,4 Prozent der Erststimmen; das amtliche Endergebnis weist 11.185 Erststimmen und denselben Anteil aus. Bei der Wiederholungswahl 2023 hatte sie im selben Wahlkreis 27,1 Prozent erreicht und den Sitz verpasst. Im ganzen Bezirk holte die Linke 2026 alle fünf Direktmandate und 44,2 Prozent der Zweitstimmen, die Grünen fielen auf 20,7 Prozent. Wie der Bezirk auf kommunaler Ebene gewählt hat, steht in unserem Artikel zur BVV-Wahl in Friedrichshain-Kreuzberg.
Welche Rolle hat Elif Eralp jetzt?
Elif Eralp ist seit dem 22. September 2026 Vorsitzende der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, gewählt einstimmig und gemeinsam mit Tobias Schulze (dpa-Meldung in der Volksstimme). Eralp folgt auf Anne Helm, die nicht mehr im Parlament sitzt. Die Fraktion hat nach dem amtlichen Endergebnis 45 Abgeordnete und ist damit rund doppelt so groß wie zuvor; nach dpa-Angaben hat nur rund ein Fünftel von ihnen Erfahrung im Landesparlament. Wird Eralp Regierende Bürgermeisterin, würde sie den Fraktionsvorsitz abgeben.
Ein Sonderparteitag der Linken beschloss am 25. September 2026 mit großer Mehrheit, Grüne und SPD zu Sondierungen einzuladen (Tagesspiegel-Liveblog). Die Grünen sagten zu, der SPD-Landesvorstand stimmte am 26. September zu. SPD-Landeschef Steffen Krach betonte, es gebe keinen Automatismus hin zu Koalitionsverhandlungen. Am 28. September legten Grüne und SPD nach: Das erste Dreiertreffen am 1. Oktober 2026 sei ein gemeinsames Vorgespräch, keine Sondierung (Handelsblatt/dpa). Voraussetzung sei eine Verständigung über den Kampf gegen Antisemitismus, den Schutz jüdischen Lebens, Rassismus, Organisierte Kriminalität und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Hintergrund sind Antisemitismus-Vorwürfe gegen Teile der Berliner Linken. Eralp wies Kritik laut ZDFheute als Einmischung im Wahlkampf zurück und sagte zu, Jüdinnen und Juden müssten sich in Berlin sicher fühlen. Inhaltlich trennt die möglichen Partner vor allem die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne: Linke und Grüne sind dafür, die SPD ist dagegen.
Was die Zahlen für die Regierungsbildung bedeuten
- Für eine Mehrheit im Abgeordnetenhaus braucht es 77 der 153 Sitze. Linke, Grüne und SPD kämen zusammen auf 91 Sitze.
- Rechnerisch möglich ist auch ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD mit 79 Sitzen. Die CDU wirbt dafür, Krach schloss Gespräche nicht aus.
- Linke und Grüne allein (70 Sitze) hätten keine Mehrheit. Ohne die SPD, die mit 12,1 Prozent nur fünftstärkste Kraft wurde, geht es in beiden Varianten nicht.
Alle Konstellationen im Detail erklärt unser Artikel zur Koalition in Berlin 2026. Wie die Grünen mit ihrem Spitzenduo abgeschnitten haben, steht im Beitrag zur grünen Spitzenkandidatur. Neue Entwicklungen sammelt der Liveticker zur Berlin-Wahl.
Wie geht es weiter?
Das erste Treffen von Linke, Grünen und SPD fand am 1. Oktober 2026 statt: ein rund fünfstündiges, vertrauliches Vorgespräch, bei dem sich die drei Parteien laut zdfheute noch nicht auf eine gemeinsame Linie beim Thema Antisemitismus einigten. Linke, Grüne und SPD sondieren seit dem 8. Oktober 2026, nachdem sie sich auf eine gemeinsame Vereinbarung zum Umgang mit Antisemitismus geeinigt hatten (dpa). Bis zum 16. Oktober soll laut Tagesspiegel feststehen, ob Koalitionsverhandlungen folgen; die Linke hat ihren Parteitag, der darüber entscheiden soll, um zwei Wochen verschoben. Nach dem amtlichen Endergebnis hätten die drei Parteien 91 der 153 Sitze im Abgeordnetenhaus. Die Grünen wollen laut dpa später ihre Mitglieder abstimmen lassen; wer für die drei Parteien am Tisch sitzt, hat die taz zusammengetragen. Die Wahl des Regierenden Bürgermeisters oder der Regierenden Bürgermeisterin findet im neuen Abgeordnetenhaus statt; einen Termin nennen die bisherigen Berichte nicht.
Häufige Fragen zu Elif Eralp und der Linken
Wer war die Spitzenkandidatin der Linken in Berlin 2026?
Die Spitzenkandidatin der Berliner Linken war Elif Eralp. Die 1981 in München geborene Juristin sitzt seit 2021 im Abgeordnetenhaus und ist seit Mai 2025 stellvertretende Landesvorsitzende. Die Partei bestimmte sie im Oktober 2025 zur Spitzenkandidatin. Bei der Wahl am 20. September 2026 holte die Linke unter ihrer Führung 25,7 Prozent der Zweitstimmen, Eralp selbst gewann den Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg 1.
Hat Elif Eralp ihren Wahlkreis gewonnen?
Ja. Elif Eralp gewann laut amtlichem Endergebnis des Landeswahlleiters das Direktmandat im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg 1, nach einer Auswertung des Tagesspiegels mit 50,4 Prozent der Erststimmen. Bei der Wiederholungswahl 2023 hatte sie dort nach eigenen Angaben 27,1 Prozent erreicht und war nur über die Landesliste ins Parlament gekommen. 2026 gingen alle fünf Wahlkreise im Bezirk an die Linke.
Wird Elif Eralp Regierende Bürgermeisterin?
Das ist offen. Eralp strebt das Amt an, braucht dafür aber eine Mehrheit im Abgeordnetenhaus. Die Linke allein hat 45 von 153 Sitzen, nötig sind 77. Ein Bündnis aus Linke, Grünen und SPD käme auf 91 Sitze. Grüne und SPD knüpfen formelle Sondierungen an eine Verständigung über Antisemitismus, Rassismus, Organisierte Kriminalität und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Nach einer gemeinsamen Vereinbarung zu diesen Fragen sondieren die drei Parteien seit dem 8. Oktober 2026.
Welche Funktion hat Elif Eralp nach der Wahl?
Die neue Linksfraktion hat Elif Eralp am 22. September 2026 einstimmig zur Fraktionsvorsitzenden gewählt, gemeinsam mit Tobias Schulze. Eralp folgt auf Anne Helm, die dem neuen Parlament nicht mehr angehört. Sollte Eralp Regierende Bürgermeisterin werden, würde sie den Fraktionsvorsitz nach dpa-Angaben abgeben. Die Fraktion hat nach dem amtlichen Endergebnis 45 Mitglieder.
Quellen
- Landeswahlleiter für Berlin: Wahl zum Abgeordnetenhaus 2026, amtliches Endergebnis vom 12. Oktober 2026 (abgerufen am 13.10.2026)
- Tagesspiegel: So hat Friedrichshain-Kreuzberg gewählt (21.09.2026) (abgerufen am 29.09.2026)
- dpa/Volksstimme: Berliner Linksfraktion wählt Eralp an die Spitze (22.09.2026) (abgerufen am 29.09.2026)
- Tagesspiegel-Liveblog: Sonderparteitag der Berliner Linken stimmt für Sondierungen (abgerufen am 29.09.2026)
- Handelsblatt/dpa: Berliner Linke, Grüne und SPD sprechen ab Donnerstag (28.09.2026) (abgerufen am 29.09.2026)
- ZDFheute: Linke lädt Grüne und SPD zu Sondierungen ein (abgerufen am 29.09.2026)
- taz: Sondierungen in Berlin (abgerufen am 29.09.2026)
- Sonntagsblatt: Wer ist Elif Eralp? (21.09.2026) (abgerufen am 29.09.2026)
- Website von Elif Eralp (abgerufen am 29.09.2026)
- Wikipedia: Elif Eralp (abgerufen am 29.09.2026)
- zdfheute: Vorgespräch von Linken, Grünen und SPD ohne Ergebnis (01.10.2026) (abgerufen am 02.10.2026)
- Tagesspiegel/dpa: Linke, Grüne und SPD sprechen über heikle Themen (01.10.2026) (abgerufen am 02.10.2026)
- Landeswahlleiter für Berlin: Landeswahlausschuss hat endgültiges Ergebnis festgestellt (12.10.2026) (abgerufen am 13.10.2026)
- Tagesspiegel: Liveblog zu den Sondierungen von Linke, Grünen und SPD (Stand 12.10.2026, abgerufen am 13.10.2026)
- dpa-AFX: Linke, Grüne und SPD in Berlin beschließen Sondierungen (08.10.2026) (abgerufen am 13.10.2026)
- Landeswahlleiter für Berlin: Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg 1, amtliches Endergebnis (abgerufen am 13.10.2026)
Maik Möhring
Verantwortlicher & Chefredakteur
Moin, ich bin Maik – Gründer von BerlinEcho und verantwortlicher Redakteur. Ich baue seit Jahren digitale Medien auf, die ich wirklich für notwendig halte: unabhängig, ohne Konzernlogik im Rücken, mit echten Menschen dahinter. Berlin fasziniert mich als Stadt …
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