Felor Badenberg: Plagiatsvorwurf zur Doktorarbeit, Prüfung läuft
Inhalt (8 Abschnitte)
Gegen Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) erhebt der Plagiatsprüfer Stefan Weber seit August 2026 Plagiatsvorwürfe zu ihrer Doktorarbeit von 2005. Badenberg bat die Universität zu Köln um eine unabhängige Prüfung. Ein Ergebnis hat die Universität bis zum 2. Oktober 2026 nicht veröffentlicht. Der Doktortitel ist nicht aberkannt, die Vorwürfe sind unbewiesen.
Der Plagiatsvorwurf gegen Felor Badenberg ist bislang genau das: ein Vorwurf. Erhoben hat ihn der österreichische Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber, der seit Jahren Doktorarbeiten auf Plagiate prüft und sich dafür auch beauftragen lässt. Er will in Badenbergs juristischer Dissertation 83 «Plagiatsfragmente» gefunden haben, inzwischen spricht er von mindestens 217. Badenberg erklärte laut Tagesspiegel, die Arbeit sei «nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt» worden, und übergab die Bewertung der Universität zu Köln. Bis die Hochschule entscheidet, gilt: Kein Gremium hat ein Fehlverhalten festgestellt.
Update vom 2. Oktober 2026: Ergänzt: Weber hat sein Gutachten am 13. September auf mindestens 217 Fundstellen erweitert, der Plagiatsexperte Jochen Zenthöfer hält nach eigener Prüfung 32 der ursprünglich 83 Stellen für überzeugend, und Badenberg hat bei der Abgeordnetenhauswahl vom 20. September ihren Wahlkreis gewonnen. Die Prüfung in Köln läuft weiter. Gestrichen sind Angaben, die sich nicht erneut belegen ließen.
Was wird Felor Badenberg vorgeworfen?
Stefan Weber wirft Felor Badenberg vor, in ihrer Doktorarbeit fremde Texte ohne Kennzeichnung übernommen zu haben. Die Dissertation trägt den Titel «Das Recht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Abstammung unter Berücksichtigung der Problematik der anonymen Geburt». Badenberg reichte sie 2005 an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln ein; als Buch erschien sie 2006.
Auf seiner Website veröffentlichte Weber am 19. August 2026 ein Gutachten mit 83 Fundstellen. Er stuft sie als «schwerwiegend und werkprägend» ein. Nach seiner Darstellung habe Badenberg Passagen aus zwei älteren Dissertationen von 1995 und 1999 sowie aus einem Aufsatz von 1989 ohne Quellenangabe aneinandergereiht – vom Dankeswort bis zum Klappentext. Gegenüber dem Portal Nius, das der Tagesspiegel als rechtes Portal einordnet, nannte Weber den Fall den schwersten in der deutschen Rechtswissenschaft seit Karl-Theodor zu Guttenberg 2011. Am 13. September 2026 legte er nach: Er spricht nun von mindestens 217 Fundstellen und weiteren handwerklichen Mängeln. Auch das ist seine Behauptung, keine Feststellung einer Hochschule.
Wer das Gutachten in Auftrag gab, sagt Weber nicht. Der Deutschen Presse-Agentur antwortete er laut ZDFheute, er sei als Berufsdetektiv zur Verschwiegenheit über etwaige Auftraggeber verpflichtet.
Was sagt Badenberg zu den Plagiatsvorwürfen?
Felor Badenberg hat sich zu einzelnen Fundstellen nicht inhaltlich geäußert. Dem Tagesspiegel sagte sie am 20. August 2026: «Die Dissertation wurde nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt.» Sie habe die Universität zu Köln gebeten, die Arbeit unabhängig zu prüfen; die wissenschaftliche Bewertung einzelner Fundstellen sei Gegenstand dieses Verfahrens. Schon im August 2023 hatte sie nach Angaben der Zeitung erklärt, die Arbeit nach den Grundsätzen guter wissenschaftlicher Praxis erstellt zu haben – damals im Zusammenhang mit den Plagiatsfällen anderer Berliner Politikerinnen.
Wie prüft die Universität zu Köln die Doktorarbeit?
Die Universität zu Köln prüft Badenbergs Dissertation auf deren eigene Bitte in einem standardisierten Verfahren zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis nach den Regeln der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Das bestätigte die Hochschule am 20. August gegenüber Legal Tribune Online und später gegenüber Forschung & Lehre. Über Zwischenstände gibt sie keine Auskunft; über das Ergebnis will sie informieren, sobald es vorliegt. Eine solche Mitteilung hat BerlinEcho bis zum 2. Oktober 2026 nicht gefunden.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 2005 | Promotion an der Universität zu Köln |
| August 2023 | Badenberg erklärt, die Arbeit nach den Grundsätzen guter wissenschaftlicher Praxis erstellt zu haben |
| 19. August 2026 | Stefan Weber veröffentlicht sein Gutachten mit 83 Fundstellen |
| 20. August 2026 | Badenberg bittet die Universität zu Köln um Prüfung, die Universität bestätigt das Verfahren |
| 13. September 2026 | Weber erweitert sein Gutachten auf mindestens 217 Fundstellen |
| 20. September 2026 | Abgeordnetenhauswahl, Badenberg gewinnt ihren Wahlkreis |
| 2. Oktober 2026 | kein veröffentlichtes Ergebnis der Universität |
Wie ordnen Fachleute die Vorwürfe ein?
Der Jurist und Plagiatsexperte Jochen Zenthöfer hat die 83 ursprünglichen Fundstellen für Legal Tribune Online durchgesehen und kommt zu einem gemischten Bild: 32 Stellen hält er für überzeugend, 40 nicht, 11 ließen sich ohne genauere Kenntnis der Arbeit nicht beurteilen. Viele wörtliche Übernahmen hätten ausgewiesen werden müssen, sagte er. Das Dankeswort und den Klappentext hält er dagegen nicht für plagiatsfähig, Formulierungen aus der Rechtsprechung teils für juristisches Allgemeingut. Die Universität könne den Doktorgrad entziehen, die Mängel aber auch als unerheblich bewerten. Weber widerspricht Zenthöfer auf seiner Website scharf.
Plagiatsvorwürfe sind Verdachtsäußerungen. Ob ein wissenschaftliches Fehlverhalten vorliegt und ob ein Doktorgrad entzogen wird, entscheidet allein die Hochschule, die ihn verliehen hat. Bis dahin berichtet BerlinEcho über die Vorwürfe als Vorwürfe.
Ist Felor Badenberg noch Justizsenatorin?
Ja. Die Senatskanzlei führt Felor Badenberg am 2. Oktober 2026 als Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz. Nach der Wahl vom 20. September bleibt der bisherige Senat im Amt, bis ein neuer gebildet ist. Badenberg selbst zog ins Abgeordnetenhaus ein: Laut Tagesspiegel gewann sie den Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf 7 mit 26,2 Prozent der Erststimmen (Stand nach 48 von 50 Stimmbezirken). Wie es mit dem Senat weitergeht, verfolgen wir im Überblick zur Koalitionsbildung in Berlin.
Politisch sind die Lager gespalten. Der CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers stellte sich im August laut LTO hinter Badenberg und lobte ihre Integrität. Die AfD-Fraktion forderte nach Angaben von Forschung & Lehre ihren Rücktritt für den Fall, dass ihr der Doktorgrad aberkannt wird. Brisant ist ein Detail aus Badenbergs Ressort: Ihm ist das Gemeinsame Juristische Prüfungsamt der Länder Berlin und Brandenburg zugeordnet, das die juristischen Staatsexamen organisiert.
Wie geht es weiter?
Der nächste Schritt liegt bei der Universität zu Köln. Einen Termin für ihr Ergebnis hat sie nicht genannt. Badenbergs politische Zukunft hängt zusätzlich an der Regierungsbildung nach der Wahl; Berichte, Ergebnisse und Termine bündelt BerlinEcho im Ressort Berlin-Wahl 2026.
Häufige Fragen zu den Vorwürfen gegen Felor Badenberg
Wie heißt die Doktorarbeit von Felor Badenberg?
Die Dissertation heißt «Das Recht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Abstammung unter Berücksichtigung der Problematik der anonymen Geburt». Felor Badenberg reichte sie 2005 an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln ein und wurde damit zur Doktorin der Rechte promoviert. Als Buch erschien die Arbeit 2006. Sie behandelt die Frage, wie das Recht eines Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft mit der anonymen Geburt zusammenpasst.
Hat Felor Badenberg ihren Doktortitel verloren?
Nein. Bis zum 2. Oktober 2026 hat die Universität zu Köln kein Ergebnis ihrer Prüfung veröffentlicht, ein Entzug des Doktorgrads ist nicht bekannt. Die Hochschule prüft die Arbeit auf Badenbergs eigene Bitte nach den Regeln der Deutschen Forschungsgemeinschaft und gibt über Zwischenstände keine Auskunft. Die Vorwürfe von Stefan Weber sind damit bislang Behauptungen eines privaten Gutachters, keine Feststellung einer Hochschule.
Wer ist Stefan Weber?
Stefan Weber ist ein österreichischer Kommunikationswissenschaftler und Privatdozent an der Universität Wien, der seit 2007 nach eigenen Angaben hunderte Texte auf Plagiate geprüft hat. Auf seiner Website führt er laut ZDFheute 16 Fälle auf, in denen nach Gutachten seines Teams akademische Grade rechtskräftig aberkannt wurden. Er lässt sich für Prüfungen beauftragen. Wer das Gutachten zu Badenberg bezahlt hat, sagt er nicht.
Was hat Nius mit den Vorwürfen gegen Badenberg zu tun?
Das Portal Nius berichtete nach Webers Angaben als erstes über sein Gutachten zu Badenberg. Dort bezeichnete Weber die Arbeit als schwersten Plagiatsfall der deutschen Rechtswissenschaft seit Guttenberg. Der Tagesspiegel ordnet Nius als rechtes Portal ein. Die Vorwürfe selbst stehen im Gutachten auf Webers Website; ob sie zutreffen, prüft die Universität zu Köln.
Quellen
- Tagesspiegel: Plagiatsverdacht gegen Berlins Justizsenatorin – Uni Köln prüft Doktorarbeit von Badenberg, 20.08.2026 (abgerufen am 02.10.2026)
- Legal Tribune Online: Plagiatsvorwürfe gegen Justizsenatorin Badenberg, 20.08.2026 (abgerufen am 02.10.2026)
- ZDFheute: 80 Plagiate? Badenberg lässt Doktorarbeit prüfen, 21.08.2026 (abgerufen am 02.10.2026)
- Forschung & Lehre: Uni Köln prüft Dissertation von Felor Badenberg, 25.08.2026 (abgerufen am 02.10.2026)
- Stefan Weber, plagiatsgutachten.com: Gutachten zur Dissertation Badenberg, 19.08.2026 (Darstellung des Gutachters) (abgerufen am 02.10.2026)
- Stefan Weber, plagiatsgutachten.com: 217 Plagiatsfragmente bei Badenberg, 13.09.2026 (Darstellung des Gutachters) (abgerufen am 02.10.2026)
- Tagesspiegel: So haben sich Berlins Politpromis bei den Direktmandaten geschlagen, 21.09.2026 (abgerufen am 02.10.2026)
- Senatskanzlei Berlin: Senatsmitglieder (abgerufen am 02.10.2026)
Maik Möhring
Verantwortlicher & Chefredakteur
Moin, ich bin Maik – Gründer von BerlinEcho und verantwortlicher Redakteur. Ich baue seit Jahren digitale Medien auf, die ich wirklich für notwendig halte: unabhängig, ohne Konzernlogik im Rücken, mit echten Menschen dahinter. Berlin fasziniert mich als Stadt …
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