Erststimme und Zweitstimme: So wählte Berlin am 20. September
Inhalt (9 Abschnitte)
- Was entscheidet die Erststimme in Berlin?
- Was entscheidet die Zweitstimme?
- Wann zieht eine Partei ins Abgeordnetenhaus ein?
- Wie entstehen Überhang- und Ausgleichsmandate?
- Wie haben sich Erst- und Zweitstimmen am 20. September 2026 ausgewirkt?
- Was ändert die Neuauszählung in Spandau?
- Wie unterscheidet sich die Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung?
- Häufige Fragen zu Erst- und Zweitstimme in Berlin
- Quellen
Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus hat jede wahlberechtigte Person zwei Stimmen: Die Erststimme entscheidet, wer einen der 78 Wahlkreise direkt gewinnt, die Zweitstimme bestimmt, wie viele Sitze jede Partei bekommt. Bei der Wahl am 20. September 2026 lag Die Linke im vorläufigen Ergebnis mit 25,7 Prozent der Zweitstimmen vorn.
Am 20. September 2026 hat Berlin ein neues Abgeordnetenhaus gewählt, und wieder hatte jede Wählerin und jeder Wähler zwei Kreuze. Das vorläufige Zweitstimmenergebnis gab der Landeswahlleiter Stephan Bröchler am 21. September um 2.14 Uhr bekannt: Die Linke kam laut Landeswahlleiter auf 25,7 Prozent, die CDU auf 18,8, die AfD auf 16,3, die Grünen auf 14,3 und die SPD auf 12,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 74,2 Prozent. Amtlich wird das Ergebnis erst, wenn der Landeswahlausschuss es am feststellt.
Update vom 2. Oktober 2026: Der Artikel erklärt das Wahlsystem jetzt anhand des vorläufigen Ergebnisses vom 20. September und der Neuauszählung im Wahlkreis Spandau 1. Korrektur: Eine frühere Fassung kündigte für 2026 einen «neuen, kombinierten Stimmzettel» an; dafür gibt es keinen Beleg, die Angabe ist gestrichen.
Zuletzt aktualisiert am .
Was entscheidet die Erststimme in Berlin?
Mit der Erststimme wählst du eine Person in deinem Wahlkreis. Berlin ist für die Abgeordnetenhauswahl in 78 Wahlkreise eingeteilt; wer dort die meisten Erststimmen bekommt, zieht laut Landeszentrale für politische Bildung direkt ins Parlament ein. Antreten dürfen auch Parteilose. Die gewählte Person muss nicht zu der Partei gehören, der du deine Zweitstimme gibst – Stimmensplitting ist erlaubt.
Was entscheidet die Zweitstimme?
Die Zweitstimme legt fest, wie stark eine Partei im Abgeordnetenhaus ist. Gewählt wird damit eine Landesliste oder, je nach Partei, eine Bezirksliste. Das Landeswahlamt teilt die Sitze nach dem Verfahren Hare/Niemeyer auf: Sitze gesamt mal Stimmen der Partei geteilt durch alle berücksichtigten Stimmen, die Reste entscheiden über die letzten Sitze. Auf diese Zahl werden die gewonnenen Wahlkreise angerechnet, der Rest kommt über die Listen. Das Abgeordnetenhaus hat mindestens 130 Sitze.
Wann zieht eine Partei ins Abgeordnetenhaus ein?
Eine Partei braucht berlinweit mindestens 5 Prozent der Zweitstimmen oder mindestens einen gewonnenen Wahlkreis, um Sitze nach ihrem Zweitstimmenanteil zu bekommen. 2026 scheiterte daran das BSW mit vorläufig 4,7 Prozent und ohne Direktmandat, die FDP kam auf 2,5 Prozent. Warum Stimmen für solche Parteien bei der Sitzverteilung herausfallen, erklärt der Text zur Fünf-Prozent-Hürde in Berlin.
Wie entstehen Überhang- und Ausgleichsmandate?
Überhangmandate entstehen in Berlin, wenn eine Partei mehr Wahlkreise gewinnt, als ihr nach Zweitstimmen zustehen. Bei Parteien mit Bezirkslisten wird laut Landeswahlamt jeder Bezirk einzeln betrachtet – deshalb kann Überhang auch dann entstehen, wenn die Partei berlinweit gar nicht zu viele Wahlkreise hat. Diese Sitze behält sie. Damit das Parlament trotzdem dem Zweitstimmenergebnis entspricht, wird es vergrößert, bis auch die Partei mit dem größten Überhang ihren Anteil exakt trifft; die übrigen Parteien erhalten Ausgleichsmandate. 2023 wuchs das Abgeordnetenhaus so von 130 auf 159 Sitze.
Wie haben sich Erst- und Zweitstimmen am 20. September 2026 ausgewirkt?
Erst- und Zweitstimmen gingen 2026 deutlich auseinander. Die CDU holte mit 20,3 Prozent der Erststimmen 27 Wahlkreise, bei den Zweitstimmen lag sie nur bei 18,8 Prozent. Die SPD erreichte 13,7 Prozent der Erststimmen, gewann aber nur einen Wahlkreis. Die Linke gewann 28 Wahlkreise. Nach der Berechnung von wahlrecht.de auf Grundlage der vorläufigen Zahlen hätte das neue Abgeordnetenhaus 158 Sitze.
| Partei | Erststimmen | Zweitstimmen | Wahlkreise | Sitze |
|---|---|---|---|---|
| Die Linke | 24,05 % | 25,65 % | 28 | 47 |
| CDU | 20,27 % | 18,77 % | 27 | 34 |
| AfD | 15,97 % | 16,26 % | 12 | 29 |
| Grüne | 16,39 % | 14,29 % | 10 | 26 |
| SPD | 13,71 % | 12,11 % | 1 | 22 |
| BSW | 4,18 % | 4,72 % | 0 | 0 |
| FDP | 2,23 % | 2,54 % | 0 | 0 |
| Gesamt | 78 | 158 |
Die Linke kommt damit vorläufig auf 47 Sitze, 19 davon über die Liste. Die SPD erhält 22 Sitze, 21 davon über die Liste – ein Beispiel dafür, dass die Zweitstimme über die Stärke einer Partei entscheidet, nicht die Zahl der Wahlkreissiege. Die laufende Regierungsbildung verfolgt der Liveticker zur Berlin-Wahl.
Was ändert die Neuauszählung in Spandau?
Im Wahlkreis Spandau 1 hat eine Neuauszählung laut Tagesspiegel vom 1. Oktober 2026 einen anderen Sieger ergeben: Statt der CDU-Kandidatin, die zunächst mit 80 Stimmen vorn lag, führt nun der AfD-Kandidat mit 5.184 zu 5.150 Stimmen. Grund war, dass das dokumentierte Ergebnis eines Wahlvorstands nicht zur telefonischen Schnellmeldung passte. Weil der AfD-Kandidat ohnehin über die Landesliste abgesichert ist, könnte das Direktmandat wegfallen; Überhang- und Ausgleichsmandate müssten dann womöglich neu berechnet werden. Klarheit bringt erst die amtliche Feststellung am 12. Oktober.
Wie unterscheidet sich die Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung?
Bei der Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung (BVV), die am selben Tag stattfand, hat jede Person nur eine Stimme für die Bezirksliste einer Partei oder Wählergemeinschaft. Die Hürde liegt laut Landeszentrale bei 3 Prozent im Bezirk, jede BVV hat 55 Mitglieder. Wählen dürfen dort auch EU-Bürgerinnen und -Bürger. Neu war 2026: Erstmals durften 16- und 17-Jährige auch das Abgeordnetenhaus wählen, bei den BVV-Wahlen war das schon vorher möglich.
Häufige Fragen zu Erst- und Zweitstimme in Berlin
Welche Stimme ist bei der Berlin-Wahl wichtiger?
Für die Stärke der Parteien im Abgeordnetenhaus ist die Zweitstimme entscheidend. Die Zweitstimme bestimmt, wie viele der mindestens 130 Sitze eine Partei bekommt; gewonnene Wahlkreise werden darauf angerechnet. Die Erststimme entscheidet, welche Person den Wahlkreis vertritt. 2026 zeigte das die SPD, die vorläufig nur einen Wahlkreis gewann, über die Zweitstimmen aber 22 Sitze bekommt.
Darf ich Erst- und Zweitstimme verschiedenen Parteien geben?
Ja. Die Person, die du mit der Erststimme wählst, muss laut Landeszentrale für politische Bildung nicht der Partei angehören, die du mit der Zweitstimme wählst. Dieses Stimmensplitting ist erlaubt. 2026 zeigte es sich etwa bei den Grünen, die vorläufig 16,4 Prozent der Erststimmen, aber nur 14,3 Prozent der Zweitstimmen erhielten.
Wie groß wird das neue Abgeordnetenhaus?
Nach der Berechnung von wahlrecht.de auf Basis des vorläufigen Ergebnisses hätte das Abgeordnetenhaus 158 Sitze, also 28 mehr als die Mindestzahl von 130. Die Zahl kann sich noch ändern, weil die Neuauszählung im Wahlkreis Spandau 1 einen anderen Sieger ergab. Die endgültige Sitzverteilung stellt der Landeswahlausschuss am 12. Oktober 2026 fest.
Wann steht das amtliche Endergebnis fest?
Das amtliche Endergebnis der Abgeordnetenhauswahl vom 20. September 2026 stellt der Landeswahlausschuss am 12. Oktober 2026 fest. Bis dahin gelten alle Zahlen, auch Sitzverteilung und Wahlkreissieger, als vorläufig. Das vorläufige Zweitstimmenergebnis hatte der Landeswahlleiter am 21. September um 2.14 Uhr veröffentlicht.
Quellen
- Landeswahlleiter für Berlin: Vorläufiges Ergebnis festgestellt (21.09.2026) (abgerufen am 02.10.2026)
- Landeswahlleiter für Berlin: Vorläufiges Ergebnis Berliner Wahlen 2026 – Zweitstimmen (PDF) (abgerufen am 02.10.2026)
- Landeswahlamt Berlin: Information zum Sitzzuteilungsverfahren (Stand 07.01.2026, PDF) (abgerufen am 02.10.2026)
- Landeszentrale für politische Bildung: Abgeordnetenhauswahl 2026 (abgerufen am 02.10.2026)
- Landeszentrale für politische Bildung: Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen 2026 (abgerufen am 02.10.2026)
- wahlrecht.de: Abgeordnetenhauswahl in Berlin am 20. September 2026 (abgerufen am 02.10.2026)
- Tagesspiegel: Neuauszählung ergibt anderen Wahlkreissieger in Spandau (01.10.2026) (abgerufen am 02.10.2026)
Maik Möhring
Verantwortlicher & Chefredakteur
Moin, ich bin Maik – Gründer von BerlinEcho und verantwortlicher Redakteur. Ich baue seit Jahren digitale Medien auf, die ich wirklich für notwendig halte: unabhängig, ohne Konzernlogik im Rücken, mit echten Menschen dahinter. Berlin fasziniert mich als Stadt …
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