Grüne Spitzenkandidatur Berlin: Jarasch und Graf bei 14,3 Prozent
Inhalt (8 Abschnitte)
Die Berliner Grünen gingen mit dem Spitzenduo Bettina Jarasch und Werner Graf in die Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026. Die Partei kam auf 14,3 Prozent der Zweitstimmen, 4,1 Punkte weniger als 2023, und nach dem amtlichen Endergebnis 25 von 153 Sitzen. Beide Spitzenkandidaten zogen über die Landesliste ein und gehören zum Team für die Gespräche mit Linke und SPD.
Update vom 13. Oktober 2026: Alle Zahlen stehen jetzt auf dem amtlichen Endergebnis, das der Landeswahlausschuss am 12. Oktober 2026 festgestellt hat. Die Grünen bleiben bei 14,3 Prozent, haben aber 25 statt 26 Sitze (10 Direktmandate, 15 über die Landesliste), weil das Abgeordnetenhaus nach einer Korrektur im Wahlkreis Spandau 1 nur 153 statt 158 Sitze hat. Jarasch und Graf sind weiter gewählt. Linke, Grüne und SPD kämen auf 91, CDU, Grüne und SPD auf 79 Sitze; nötig sind 77. Neu ist der Stand der Sondierungen seit dem 8. Oktober.
Die Berliner Grünen setzten bei der Abgeordnetenhauswahl 2026 auf zwei Köpfe: Bettina Jarasch und Werner Graf. Eine Landesdelegiertenkonferenz wählte sie am 22. November 2025 zum Spitzenduo (Pressemitteilung der Berliner Grünen). Am 20. September 2026 kam die Partei auf 14,3 Prozent der Zweitstimmen, ein Minus von 4,1 Punkten (Landeswahlleiter für Berlin, amtliches Endergebnis vom 12. Oktober 2026). Stärkste Kraft wurde die Linke mit 25,7 Prozent. Trotzdem sitzen die Grünen jetzt an einer Schlüsselstelle: Keines der beiden diskutierten Dreierbündnisse hat ohne sie eine Mehrheit.
Wer waren die grünen Spitzenkandidaten?
Werner Graf, Jahrgang 1980, war der Kandidat der Grünen für das Amt des Regierenden Bürgermeisters (Kandidatenseite der Grünen). Er war von 2016 bis 2021 Landesvorsitzender, sitzt seit 2021 im Abgeordnetenhaus und führt seit 2022 die Grünen-Fraktion mit (Wikipedia). Bekannt war er zu Beginn des Wahlkampfs kaum: Laut einer im Tagesspiegel zitierten Umfrage kannten ihn im November 2025 nur 16 Prozent der Befragten.
Bettina Jarasch, Jahrgang 1968, war schon 2021 und bei der Wiederholungswahl 2023 Spitzenkandidatin. Von Dezember 2021 bis April 2023 war sie Bürgermeisterin und Senatorin für Umwelt, Klimaschutz, Mobilität und Verbraucherschutz (Wikipedia). 2023 lagen die Grünen nur 53 Stimmen hinter der SPD, beide Parteien kamen auf 18,4 Prozent. Die dpa nennt Jarasch aktuell Grünen-Fraktionschefin.
Bei der Aufstellung der Landesliste im April 2026 bekam Jarasch Platz 1 mit 92 Prozent, Graf Platz 2 mit 86 Prozent. Weil die Mitgliederversammlung das nötige Quorum deutlich verfehlte, galt das Votum laut Tagesspiegel zunächst nur als Meinungsbild, das eine Delegiertenversammlung bestätigen musste.
Womit sind Jarasch und Graf angetreten?
Das grüne Spitzenduo warb unter dem Motto «Raus aus dem Rückwärts» für klimagerechte Politik, bezahlbare Mieten und sichere Verkehrswege. Bei der Nominierung im November 2025 forderte Jarasch laut Tagesspiegel einen Stopp für neue Bürobauten zugunsten bezahlbarer Wohnungen; Graf kündigte ein härteres Vorgehen gegen Vermieter an, die gegen Regeln verstoßen. Beide lehnten eine Verlängerung der A 100, der Berliner Stadtautobahn, ab und wollten stattdessen mehr Geld für Bus und Bahn. Die Details stehen in unserem Überblick zum Wahlprogramm der Berliner Grünen.
Wie haben die Grünen bei der Wahl abgeschnitten?
Die Grünen haben bei der Abgeordnetenhauswahl 2026 in allen zwölf Bezirken Zweitstimmen verloren und kommen berlinweit auf 14,3 Prozent. Nach dem amtlichen Endergebnis sind das 25 der 153 Sitze: 10 Direktmandate und 15 Sitze über die Landesliste. Über diese Liste ziehen auch Jarasch und Graf ein. Am stärksten fiel der Verlust in der früheren Hochburg Friedrichshain-Kreuzberg aus.
| Bezirk | Zweitstimmen | Veränderung |
|---|---|---|
| Friedrichshain-Kreuzberg | 20,7 % | −12,8 |
| Mitte | 18,2 % | −9,0 |
| Charlottenburg-Wilmersdorf | 18,1 % | −3,5 |
| Pankow | 18,0 % | −4,5 |
| Tempelhof-Schöneberg | 17,7 % | −4,0 |
| Steglitz-Zehlendorf | 17,0 % | −1,4 |
| Neukölln | 12,4 % | −6,2 |
| Reinickendorf | 11,1 % | −0,9 |
| Treptow-Köpenick | 9,8 % | −2,4 |
| Spandau | 9,0 % | −1,1 |
| Lichtenberg | 8,7 % | −3,0 |
| Marzahn-Hellersdorf | 5,3 % | −0,2 |
| Berlin gesamt | 14,3 % | −4,1 |
Die 10 grünen Direktmandate liegen in Mitte (3), Tempelhof-Schöneberg (3), Charlottenburg-Wilmersdorf (2), Pankow (1) und Steglitz-Zehlendorf (1). In Friedrichshain-Kreuzberg gingen dagegen alle fünf Wahlkreise an die Linke, darunter der von Antje Kapek (Tagesspiegel). Wie sich das im Bezirksparlament niederschlägt, zeigen unsere Artikel zur BVV-Wahl in Friedrichshain-Kreuzberg und zur BVV-Wahl in Mitte.
Welche Rolle spielen Jarasch und Graf jetzt?
Bettina Jarasch und Werner Graf verhandeln für die Grünen über eine neue Landesregierung, gemeinsam mit den Landesvorsitzenden Nina Stahr und Philmon Ghirmai (dpa-Bericht). Die Grünen nahmen die Einladung der Linken vom 25. September 2026 an und wollen später ihre Mitglieder abstimmen lassen. Am 28. September stellten Grüne und SPD eine Bedingung: Das erste Treffen am 1. Oktober sei ein gemeinsames Vorgespräch, keine Sondierung (Handelsblatt/dpa). Vorher müsse Einigkeit beim Kampf gegen Antisemitismus, beim Schutz jüdischen Lebens, bei Rassismus, Organisierter Kriminalität und gesellschaftlichem Zusammenhalt bestehen.
Inhaltlich liegen Grüne und Linke in einem Kernpunkt nah beieinander: Beide sind für die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne, die SPD ist dagegen (ZDFheute). Die CDU wirbt parallel für ein Bündnis mit Grünen und SPD.
Warum die Grünen trotz Verlusten gebraucht werden
- Für eine Mehrheit sind 77 der 153 Sitze nötig. Linke, Grüne und SPD kämen auf 91, CDU, Grüne und SPD auf 79 Sitze.
- Linke und SPD allein hätten 66 Sitze, CDU und SPD 54. In beiden diskutierten Dreierbündnissen sind die 25 grünen Sitze nötig.
- Graf ist als Bürgermeisterkandidat angetreten, die Linke beansprucht das Rote Rathaus als stärkste Partei für Elif Eralp. Mehr dazu im Artikel zur Spitzenkandidatur der Linken.
Wie geht es weiter?
Am 1. Oktober 2026 trafen sich Linke, Grüne und SPD zum ersten gemeinsamen, rund fünfstündigen Vorgespräch; auf eine gemeinsame Linie beim Thema Antisemitismus einigten sie sich laut zdfheute noch nicht. Nach einer gemeinsamen Vereinbarung zum Umgang mit Antisemitismus begannen am 8. Oktober die formellen Sondierungen (dpa). Bis zum 16. Oktober soll laut Tagesspiegel feststehen, ob Koalitionsverhandlungen folgen; bei den Grünen soll darüber ein Kleiner Parteitag entscheiden. Danach kämen Koalitionsverhandlungen und eine Mitgliederbefragung der Grünen. Alle Bündnis-Varianten erklärt unser Artikel zur Koalition in Berlin 2026.
Häufige Fragen zur grünen Spitzenkandidatur
Wer waren die Spitzenkandidaten der Grünen in Berlin 2026?
Die Berliner Grünen traten mit einem Spitzenduo an: Bettina Jarasch und Werner Graf. Eine Landesdelegiertenkonferenz wählte die beiden am 22. November 2025. Graf war der Kandidat der Partei für das Amt des Regierenden Bürgermeisters. Jarasch war bereits 2021 und bei der Wiederholungswahl 2023 Spitzenkandidatin und von Dezember 2021 bis April 2023 Bürgermeisterin und Senatorin für Umwelt und Mobilität.
Wie viele Stimmen haben die Grünen bei der Berlin-Wahl 2026 bekommen?
Die Grünen erhielten nach dem amtlichen Endergebnis des Landeswahlleiters vom 12. Oktober 2026 14,3 Prozent der Zweitstimmen, 4,1 Prozentpunkte weniger als 2023. Das reicht für 25 der 153 Sitze im Abgeordnetenhaus. Die Partei wurde damit viertstärkste Kraft hinter Linke, CDU und AfD und vor der SPD mit 12,1 Prozent.
Haben Bettina Jarasch und Werner Graf ein Direktmandat gewonnen?
Nein. Bettina Jarasch und Werner Graf stehen laut amtlichem Endergebnis unter den 15 Grünen, die über die Landesliste ins Abgeordnetenhaus einziehen. Die übrigen 10 grünen Sitze sind Direktmandate, gewonnen in Mitte, Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg. In Friedrichshain-Kreuzberg verloren die Grünen alle fünf Wahlkreise an die Linke.
Regieren die Grünen künftig in Berlin mit?
Das ist offen. Die Grünen werden für beide diskutierten Mehrheiten gebraucht: Linke, Grüne und SPD kämen auf 91 Sitze, CDU, Grüne und SPD auf 79; nötig sind 77. Die Grünen haben die Einladung der Linken angenommen, verlangen vor formellen Sondierungen aber eine Verständigung über Antisemitismus und weitere Grundsatzfragen. Nach einem ersten Vorgespräch am 1. Oktober und einer Vereinbarung zum Umgang mit Antisemitismus sondieren Linke, Grüne und SPD seit dem 8. Oktober 2026.
Quellen
- Landeswahlleiter für Berlin: Wahl zum Abgeordnetenhaus 2026, amtliches Endergebnis vom 12. Oktober 2026 (abgerufen am 13.10.2026)
- Bündnis 90/Die Grünen Berlin: Werner Graf und Bettina Jarasch sind das Spitzenduo (22.11.2025) (abgerufen am 29.09.2026)
- Bündnis 90/Die Grünen Berlin: Werner Graf, Kandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters (abgerufen am 29.09.2026)
- Tagesspiegel: Berliner Grüne wählen Werner Graf und Bettina Jarasch zu Spitzenkandidaten (abgerufen am 29.09.2026)
- Tagesspiegel: Jarasch und Graf führen die Liste an (abgerufen am 29.09.2026)
- Tagesspiegel: So hat Friedrichshain-Kreuzberg gewählt (21.09.2026) (abgerufen am 29.09.2026)
- dpa-Roundup: Baldige Sondierungen mit Linke in Berlin, SPD stimmt zu (27.09.2026) (abgerufen am 29.09.2026)
- Handelsblatt/dpa: Berliner Linke, Grüne und SPD sprechen ab Donnerstag (28.09.2026) (abgerufen am 29.09.2026)
- ZDFheute: Linke lädt Grüne und SPD zu Sondierungen ein (abgerufen am 29.09.2026)
- Wikipedia: Werner Graf (abgerufen am 29.09.2026)
- Wikipedia: Bettina Jarasch (abgerufen am 29.09.2026)
- Wikipedia: Abgeordnetenhauswahl 2023 (Endergebnis, 53 Stimmen Abstand) (abgerufen am 29.09.2026)
- zdfheute: Vorgespräch von Linken, Grünen und SPD ohne Ergebnis (01.10.2026) (abgerufen am 02.10.2026)
- Tagesspiegel/dpa: Linke, Grüne und SPD sprechen über heikle Themen (01.10.2026) (abgerufen am 02.10.2026)
- Landeswahlleiter für Berlin: Landeswahlausschuss hat endgültiges Ergebnis festgestellt (12.10.2026) (abgerufen am 13.10.2026)
- Tagesspiegel: Liveblog zu den Sondierungen von Linke, Grünen und SPD (Stand 12.10.2026, abgerufen am 13.10.2026)
- dpa-AFX: Linke, Grüne und SPD in Berlin beschließen Sondierungen (08.10.2026) (abgerufen am 13.10.2026)
Maik Möhring
Verantwortlicher & Chefredakteur
Moin, ich bin Maik – Gründer von BerlinEcho und verantwortlicher Redakteur. Ich baue seit Jahren digitale Medien auf, die ich wirklich für notwendig halte: unabhängig, ohne Konzernlogik im Rücken, mit echten Menschen dahinter. Berlin fasziniert mich als Stadt …
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