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Berlin-Wahl 2026

Grüne Wahlprogramm Berlin: Die Versprechen und 14,3 Prozent

Das Grünen-Wahlprogramm für Berlin setzte auf ein Bezahlbare-Mieten-Gesetz, Tram- und Radwegeausbau und mehr Gemeinschaftsschulen. Am 20. September 2026 kamen die Grünen auf 14,3 Prozent und sondieren nun mit Linken und SPD.

Maik Möhring Veröffentlicht · aktualisiert
Grüne Wahlprogramm Berlin 2026 mit Berliner Stadtbild, BVG-Bus, Radweg, Wohnhäusern und Klimaschutz-Symbolen
Das Grüne Wahlprogramm Berlin 2026 setzt Schwerpunkte auf Verkehrswende, Klimaschutz, bezahlbares Wohnen und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Inhalt (8 Abschnitte)
  1. Was versprach das Grünen-Wahlprogramm beim Wohnen?
  2. Welche Pläne hatten die Grünen für Verkehr, Sicherheit und Bildung?
  3. Wie haben die Grünen bei der Berlin-Wahl 2026 abgeschnitten?
  4. Welche Rolle spielen die Grünen in den Sondierungen?
  5. BerlinEcho-Einordnung: Wo die Grünen-Versprechen auf die Partner treffen
  6. Wie es weitergeht
  7. Häufige Fragen zum Grünen-Wahlprogramm
  8. Quellen

Das Grünen-Wahlprogramm für Berlin, im Februar 2026 beschlossen, setzte auf ein Bezahlbare-Mieten-Gesetz, den Ausbau von Tram und Radwegen, doppelt so viele Gemeinschaftsschulen und einen automatischen Kitagutschein. Bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 kamen die Grünen auf 14,3 Prozent und 26 Sitze. Seit dem 1. Oktober 2026 sprechen sie mit Linken und SPD über eine Regierung.

Update vom 2. Oktober 2026: Ergänzt ist das erste Vorgespräch von Linke, Grünen und SPD am 1. Oktober: keine Einigung beim Thema Antisemitismus, formelle Sondierungen frühestens ab der Woche ab dem 5. Oktober. Korrektur: In einer früheren Fassung hieß es, die Grünen wollten Berlin bis 2035 klimaneutral machen. Das Programm nennt als Ziel Klimaneutralität bis 2040.

Das Grüne Wahlprogramm Berlin heißt «Politik ändern. Berlin bleiben.» und wurde auf der Landesdelegiertenkonferenz am 14. und 15. Februar 2026 beschlossen. Rund 1.200 Änderungsanträge gingen nach Parteiangaben ein. Mit Werner Graf als Bürgermeisterkandidat und Bettina Jarasch als Co-Spitzenkandidatin zogen die Grünen in den Wahlkampf. Das Ergebnis: 14,3 Prozent laut Landeswahlleiter für Berlin, vorläufiges Ergebnis vom 21. September 2026, ein Minus von 4,1 Punkten. Die Linke wurde mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. Beide Bündnisse, über die seitdem gesprochen wird – mit der Linken oder mit der CDU –, brauchen die Grünen.

Was versprach das Grünen-Wahlprogramm beim Wohnen?

Das Bezahlbare-Mieten-Gesetz ist das zentrale Wohnversprechen im Wahlprogramm der Berliner Grünen. Vermieter mit mehr als 50 Wohnungen sollen einen gestaffelten Anteil ihrer Neuvermietungen mindestens 20 Prozent unter der ortsüblichen Vergleichsmiete anbieten. Dazu kommen eine Pflicht zur Instandhaltungsrücklage, Treuhänder bei Verstößen und als letzte Stufe der Zwangsverkauf: Wer mehrfach abgemahnt wird, soll seine Wohnungen binnen zwei Jahren abgeben müssen, vorzugsweise an ein landeseigenes Unternehmen.

Beim Volksentscheid «Deutsche Wohnen & Co. enteignen» stellen sich die Grünen hinter die Initiative und wollen die Vergesellschaftung weiter vorantreiben. Auf Bundesebene wollen die Grünen einen Mietendeckel ermöglichen – über eine Länderöffnungsklausel oder als Bundesregelung – sowie eine dauerhafte Mietpreisbremse mit Sanktionen. Ferienwohnungen sollen mit einem Mindestbußgeld von 50.000 Euro bekämpft werden, spekulativ leerstehender Wohnraum nach sechs Monaten unter Zwangsverwaltung kommen. Leerstehende Büros sollen verstärkt zu Wohnungen umgebaut werden, wie zdfheute zusammenfasst.

Welche Pläne hatten die Grünen für Verkehr, Sicherheit und Bildung?

Im Verkehr wollen die Grünen den «Tramstopp der CDU» rückgängig machen und das Tramnetz ausbauen, den «Radwegestopp» beenden und das Radverkehrsnetz umsetzen. Mehr Tempo 30 gehört dazu, ebenso das Ziel, U-Bahnen nach Möglichkeit auch unter der Woche nachts fahren zu lassen. Auf Bundesebene setzen sich die Grünen für ein Deutschlandticket zum Ursprungspreis von 9 Euro ein; bis dahin soll ein Berliner Klimaticket für Menschen mit wenig Geld 9 Euro im Monat kosten.

Bei der Sicherheit kombinieren die Grünen eine bessere Ausstattung von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst mit Bürgerrechten: Videoüberwachung nur gezielt statt flächendeckend, ein Berliner Periodischer Sicherheitsbericht neben der Kriminalstatistik und mehr Befugnisse für den unabhängigen Bürger- und Polizeibeauftragten.

In der Bildung versprechen die Grünen, die Zahl der Gemeinschaftsschulen zu verdoppeln. Familien sollen zum ersten Geburtstag ihres Kindes automatisch einen Kitagutschein bekommen. Gegen den Lehrkräftemangel an Schulen in schwieriger Lage plant die Partei Einstellungskontingente. Klimapolitisch nennt das Programm Klimaneutralität bis 2040 als Ziel.

Wie haben die Grünen bei der Berlin-Wahl 2026 abgeschnitten?

Die Grünen erreichten am 20. September 2026 berlinweit 14,3 Prozent der Zweitstimmen und 26 der 158 Sitze (vorläufig). Von den 78 Wahlkreisen gewannen sie 10 direkt: drei in Mitte, drei in Tempelhof-Schöneberg, zwei in Charlottenburg-Wilmersdorf sowie je einen in Pankow und Steglitz-Zehlendorf.

Den härtesten Verlust gab es in der alten Hochburg: In Friedrichshain-Kreuzberg fielen die Grünen auf 20,7 Prozent (minus 12,8 Punkte), alle fünf Wahlkreise dort holte die Linke. Auch in Mitte ging es um 9,0 Punkte nach unten. Am Stadtrand dagegen hielten die Grünen ihr Niveau fast: In Reinickendorf verloren sie 0,9, in Marzahn-Hellersdorf 0,2 Punkte – dort allerdings auf niedrigem Niveau von 5,3 Prozent.

Grünen-Zweitstimmen bei der Abgeordnetenhauswahl 2026 nach Bezirk (vorläufiges Ergebnis, Stand 21.09.2026, Quelle: Landeswahlleiter für Berlin)
Bezirk Zweitstimmen Grüne Veränderung zu 2023 in Punkten
Mitte 18,2 % −9,0
Friedrichshain-Kreuzberg 20,7 % −12,8
Pankow 18,0 % −4,5
Charlottenburg-Wilmersdorf 18,1 % −3,5
Spandau 9,0 % −1,1
Steglitz-Zehlendorf 17,0 % −1,4
Tempelhof-Schöneberg 17,7 % −4,0
Neukölln 12,4 % −6,1
Treptow-Köpenick 9,8 % −2,4
Marzahn-Hellersdorf 5,3 % −0,2
Lichtenberg 8,7 % −3,0
Reinickendorf 11,1 % −0,9

Welche Rolle spielen die Grünen in den Sondierungen?

Die Grünen gehören zu beiden Bündnissen, über die nach der Wahl gesprochen wird: Linke, Grüne und SPD kämen auf 95 Sitze, CDU, Grüne und SPD auf 82 – nötig sind 80. Nachdem ein Parteitag der Linken am 25. September 2026 Grüne und SPD eingeladen hatte, sagten die Grünen zu. «Wir haben jetzt die Verantwortung, für diese Stadt eine stabile Regierung zu bilden», sagten die Landesvorsitzenden Nina Stahr und Philmon Ghirmai laut zdfheute.

Zur Bedingung machen Grüne und SPD eine verbindliche Verständigung über den Kampf gegen Antisemitismus und den Schutz jüdischen Lebens, erklärten Grünen-Fraktionschefin Bettina Jarasch und SPD-Landeschefin Bettina König nach dpa-Angaben. Das erste Dreiertreffen am 1. Oktober 2026 war ein rund fünfstündiges, vertrauliches Vorgespräch. Grünen-Landeschefin Nina Stahr sprach wie die Vorsitzenden von Linke und SPD von einem konstruktiven Austausch; auf eine gemeinsame Linie beim Thema Antisemitismus einigten sich die drei Parteien laut zdfheute aber noch nicht. Eine Minderheitsregierung schloss Werner Graf laut taz aus. Die CDU wirbt parallel für ein Bündnis mit Grünen und SPD.

BerlinEcho-Einordnung: Wo die Grünen-Versprechen auf die Partner treffen

  • Beim Wohnen liegen Grüne und Linke nah beieinander: Beide wollen große Vermieter zu günstigeren Neuvermietungen verpflichten und den Volksentscheid zur Vergesellschaftung umsetzen. Die SPD lehnt die Enteignung ab.
  • Beim Verkehr ist Rot-Grün-Rot programmatisch näher an den Grünen als ein Bündnis mit der CDU, deren Senat den Tram- und Radwegebau nach Darstellung der Grünen gestoppt hat.
  • Bei der Sicherheit gehen die Programme auseinander: Die Grünen wollen Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst besser ausstatten, die Linke will Polizeiarbeit, wo immer möglich, durch soziale Arbeit ersetzen oder ergänzen.

Wie es weitergeht

Ob Linke, Grüne und SPD in formelle Sondierungen gehen, war nach dem ersten Vorgespräch am 1. Oktober 2026 noch offen. Ein weiteres Gespräch könnte dem Vernehmen nach am 3. Oktober folgen, Sondierungen nach dpa-Angaben ab der Woche ab dem 5. Oktober. Ein fester Zeitplan für Koalitionsverhandlungen ist bisher nicht bekannt (Stand: 2. Oktober 2026). Wie die Grünen ihre Spitzenkandidatur aufgestellt haben, steht in unserem Artikel zur Grünen-Spitzenkandidatur. Die Programme der möglichen Partner vergleichst du im Wahlprogramm der Linken und im SPD-Wahlprogramm, die rechnerischen Bündnisse unter Koalition Berlin 2026.

Häufige Fragen zum Grünen-Wahlprogramm

Was ist das Bezahlbare-Mieten-Gesetz der Grünen?

Das Bezahlbare-Mieten-Gesetz ist der Kern des Grünen-Wahlprogramms beim Wohnen. Vermieter mit mehr als 50 Wohnungen sollen einen gestaffelten Anteil ihrer Neuvermietungen mindestens 20 Prozent unter der ortsüblichen Vergleichsmiete anbieten, Geld für die Instandhaltung zurücklegen und es in die Häuser stecken. Bei Verstößen drohen Treuhänder; wer mehrfach abgemahnt wird, soll seine Wohnungen binnen zwei Jahren verkaufen müssen.

Wie haben die Grünen bei der Berlin-Wahl 2026 abgeschnitten?

Die Grünen kamen am 20. September 2026 auf 14,3 Prozent der Zweitstimmen, 4,1 Punkte weniger als 2023 (vorläufiges Ergebnis des Landeswahlleiters). Das ergibt 26 der 158 Sitze. Direkt gewannen sie 10 der 78 Wahlkreise, vor allem in Mitte, Charlottenburg-Wilmersdorf und Tempelhof-Schöneberg. In Friedrichshain-Kreuzberg gingen alle fünf Wahlkreise an die Linke.

Wer waren die Spitzenkandidaten der Grünen in Berlin?

Die Berliner Grünen traten mit einer Doppelspitze an: Werner Graf als Kandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters und Bettina Jarasch als Co-Spitzenkandidatin. Beide ziehen über die Landesliste ins neue Abgeordnetenhaus ein und gehören zum Team, das für die Grünen mit Linken und SPD spricht.

Mit wem könnten die Grünen in Berlin regieren?

Die Grünen gehören zu beiden Bündnissen, über die nach der Wahl gesprochen wird: Linke, Grüne und SPD hätten 95 Sitze, CDU, Grüne und SPD 82; nötig sind 80. Die Grünen haben die Einladung der Linken zu Sondierungen angenommen. Eine Minderheitsregierung schloss Werner Graf laut taz aus. Stand: 29. September 2026.

Quellen

Maik Möhring

Verantwortlicher & Chefredakteur

Moin, ich bin Maik – Gründer von BerlinEcho und verantwortlicher Redakteur. Ich baue seit Jahren digitale Medien auf, die ich wirklich für notwendig halte: unabhängig, ohne Konzernlogik im Rücken, mit echten Menschen dahinter. Berlin fasziniert mich als Stadt …

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