Koalition Berlin 2026: Linke, Grüne und SPD hätten 95 Sitze

Inhalt (8 Abschnitte)
Nach der Abgeordnetenhauswahl vom 20. September 2026 hätte ein Bündnis aus Linke, Grünen und SPD 95 von 158 Sitzen, 80 sind für die Mehrheit nötig. CDU, Grüne und SPD kämen auf 82 Sitze. Wahlsiegerin Die Linke (25,7 Prozent) hat Grüne und SPD eingeladen, die erste gemeinsame Sondierungsrunde ist für den 1. Oktober 2026 angesetzt.
Update vom 29. September 2026: Der Artikel zeigt jetzt das vorläufige Wahlergebnis, die Sitzverteilung, alle rechnerischen Mehrheiten und den Stand der Sondierungen vom 28. September 2026. Die Umfrage-Platzhalter aus der Zeit vor der Wahl sind entfallen. Korrektur: Eine frühere Version enthielt eine falsche Angabe zu den Koalitionen unter Klaus Wowereit; der Abschnitt zur Regierungsgeschichte ist gestrichen.
Die Linke hat die Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 mit 25,7 Prozent der Zweitstimmen gewonnen und will mit Grünen und SPD regieren. Nach dem vorläufigen Ergebnis des Landeswahlleiters vom 21. September kämen die drei Parteien auf 95 der 158 Sitze. Ein Parteitag der Linken beschloss am 25. September, beide zu Sondierungen einzuladen, berichtet zdfheute. Die Grünen sagten zu, der SPD-Landesvorstand am Abend des 26. September einstimmig. Die erste gemeinsame Runde ist für Donnerstag, den 1. Oktober 2026, angesetzt. Die bisherige Koalition aus CDU und SPD unter Kai Wegner (CDU) hat keine Mehrheit mehr: Sie kommt auf 56 Sitze.
Wie ist die Wahl ausgegangen?
Die Berlin-Wahl vom 20. September 2026 hat die Kräfteverhältnisse umgekehrt. Die Linke legte um 13,4 Punkte zu und gewann 28 der 78 Wahlkreise, darunter Friedrichshain-Kreuzberg 1 mit Spitzenkandidatin Elif Eralp. Die CDU verlor 9,5 Punkte, Kai Wegner holte seinen Wahlkreis Spandau 5. Die SPD fiel auf 12,1 Prozent und gewann nur einen Wahlkreis. BSW und FDP scheiterten an der Fünfprozenthürde. Die Sitzverteilung mit 158 Mandaten hat wahlrecht.de aus dem vorläufigen Ergebnis berechnet.
| Partei | Zweitstimmen | Veränderung zu 2023 (Punkte) | Sitze | Gewonnene Wahlkreise |
|---|---|---|---|---|
| Die Linke | 25,7 % | +13,4 | 47 | 28 |
| CDU | 18,8 % | −9,5 | 34 | 27 |
| AfD | 16,3 % | +7,2 | 29 | 12 |
| Grüne | 14,3 % | −4,1 | 26 | 10 |
| SPD | 12,1 % | −6,3 | 22 | 1 |
| BSW | 4,7 % | neu | 0 | 0 |
| FDP | 2,5 % | −2,1 | 0 | 0 |
| Abgeordnetenhaus | Wahlbeteiligung 74,2 % | +11,3 | 158 (Mehrheit ab 80) | 78 |
Die Wahlbeteiligung stieg auf 74,2 Prozent. Wie viele Menschen wählen durften und wie sich das auf die Bezirke verteilt, steht in unserem Artikel zur Wahlberechtigung in Berlin. Die Ergebnisse von BSW, FDP, Volt und den übrigen Kleinparteien haben wir gesondert aufgeschlüsselt.
Welche Koalitionen haben eine Mehrheit?
Im neuen Abgeordnetenhaus mit 158 Sitzen braucht eine Koalition mindestens 80 Stimmen. Zwei Dreierbündnisse erreichen das sicher: Linke, Grüne und SPD mit 95 Sitzen und CDU, Grüne und SPD mit 82. Grüne und SPD werden damit in jedem realistischen Bündnis gebraucht. Kein Zweierbündnis ohne die AfD kommt über 80, außer Linke und CDU mit 81 Sitzen. Alle Parteien haben eine Regierung mit der AfD ausgeschlossen, so die Bundeszentrale für politische Bildung.
| Bündnis | Sitze | Mehrheit | Stand |
|---|---|---|---|
| Linke, Grüne, SPD | 95 | ja | Sondierungen, erste gemeinsame Runde am 1. Oktober 2026 |
| CDU, Grüne, SPD | 82 | ja | CDU wirbt dafür; SPD-Chef Krach zu Gesprächen bereit, falls die CDU einlädt |
| Linke, CDU | 81 | ja, knapp | in den Gesprächen nach der Wahl kein Thema |
| Linke, Grüne | 73 | nein | – |
| Linke, SPD | 69 | nein | – |
| CDU, Grüne | 60 | nein | – |
| CDU, SPD (bisherige Koalition) | 56 | nein | – |
| Bündnisse mit der AfD | – | – | alle anderen Parteien schließen eine Regierung mit der AfD aus |
Eine Minderheitsregierung lehnen die Grünen ab. Fraktionschef und Spitzenkandidat Werner Graf verlangte nach Angaben der taz eine stabile Regierung mit eigener Mehrheit im Parlament.
Worüber sondieren Linke, Grüne und SPD?
Die erste gemeinsame Sondierungsrunde am 1. Oktober 2026 soll sich laut t-online um den Kampf gegen Antisemitismus und den Schutz jüdischen Lebens drehen. SPD und Grüne machen verbindliche Zusagen dazu zur Voraussetzung. Hintergrund sind Antisemitismus-Vorwürfe gegen Teile der Berliner Linken, die Parteiführung weist sie zurück. SPD-Landeschef Steffen Krach verlangt eine Vereinbarung, die für antisemitische Vorfälle «auch klare Konsequenzen vorsieht».
Die kommenden Wochen werden kein Spaziergang, das wird ein steiniger Weg.
Steffen Krach, SPD-Landeschef, laut t-online vom 28. September 2026
Dazu kommen inhaltliche Streitpunkte, die die taz am 27. September auflistete:
- Wohnen: Die Linke will große Wohnungskonzerne vergesellschaften, wie es der Volksentscheid von 2021 verlangt; die Grünen unterstützen das. Die SPD nennt die Vergesellschaftung eine «rote Linie».
- Sicherheit: Die Linke fordert, den Verfassungsschutz abzuschaffen. Die SPD lehnt das ebenso ab wie Kürzungen bei der Polizei.
- Haushalt: Der Landesrechnungshof rechnet für 2026 bis 2029 mit einer jährlichen Finanzierungslücke von rund 5 Milliarden Euro. Jede Koalition müsste damit planen.
Was die drei Parteien vor der Wahl versprochen hatten, steht in unseren Überblicken zum Wahlprogramm der Linken und zum Wahlprogramm der SPD.
Wer sitzt am Verhandlungstisch?
Für die Linke verhandeln nach Angaben der taz Spitzenkandidatin Elif Eralp, die Landesvorsitzenden Kerstin Wolter und Maximilian Schirmer sowie Fraktionschef Tobias Schulze. Die Grünen schicken ihr Spitzenduo Bettina Jarasch und Werner Graf und die Landesvorsitzenden Nina Stahr und Philmon Ghirmai. Die SPD hat ein Team aus bis zu fünf Leuten benannt, darunter die Landesvorsitzenden Steffen Krach und Bettina König sowie Derya Çağlar für die Fraktion, wie der Tagesspiegel berichtet. Krach selbst will dem nächsten Senat nicht angehören, sondern die Regierung aus dem Abgeordnetenhaus begleiten.
Was will die CDU?
Die CDU wirbt nach ihrer Niederlage für ein Bündnis mit Grünen und SPD, das auf 82 Sitze käme. Sie wäre darin mit 34 Sitzen die größte Fraktion, obwohl die Linke mit 47 Sitzen stärkste Kraft im Parlament ist. SPD-Chef Krach zeigte sich laut Tagesspiegel bereit, auch mit der CDU zu sprechen, falls sie einlädt. Eine Einladung an die Christdemokraten gab es bis zum 28. September 2026 nach den vorliegenden Berichten nicht.
Wie geht es weiter?
Die Sondierungen dürften nach Einschätzung von t-online eher Wochen als Tage dauern. Erst wenn sie gelingen, folgen Koalitionsverhandlungen, ein Koalitionsvertrag, die Zustimmung der Parteigremien und die Wahl der oder des Regierenden Bürgermeisters im Abgeordnetenhaus. Kai Wegner (CDU) ist seit dem 27. April 2023 im Amt. Parallel läuft die Feststellung des Wahlergebnisses: Die Bezirkswahlausschüsse tagen vom 29. September bis 2. Oktober 2026, das amtliche Endergebnis soll der Landeswahlausschuss laut Landeswahlleitung am 12. Oktober 2026 feststellen. Neue Entwicklungen tragen wir im Liveticker zur Berlin-Wahl 2026 nach.
Häufige Fragen zur Koalition in Berlin
Welche Koalition hat in Berlin eine Mehrheit?
Nach dem vorläufigen Ergebnis der Wahl vom 20. September 2026 haben zwei Dreierbündnisse eine sichere Mehrheit im Abgeordnetenhaus mit 158 Sitzen: Linke, Grüne und SPD kämen auf 95 Sitze, CDU, Grüne und SPD auf 82. Nötig sind 80. Rechnerisch hätten auch Linke und CDU mit 81 Sitzen eine knappe Mehrheit, dieses Bündnis spielt aber keine Rolle. Die bisherige Koalition aus CDU und SPD kommt nur noch auf 56 Sitze.
Wann beginnen die Sondierungen in Berlin?
Die erste gemeinsame Sondierungsrunde von Linke, Grünen und SPD ist nach Berichten von taz und t-online vom 28. September 2026 für Donnerstag, den 1. Oktober 2026, angesetzt. Erstes Thema soll der Kampf gegen Antisemitismus und der Schutz jüdischen Lebens sein. Die Spitzen von Grünen und SPD trafen sich bereits am 28. September zu einem Vorgespräch. Wie lange die Sondierungen dauern, ist offen; erwartet werden eher Wochen als Tage.
Wird Elif Eralp Regierende Bürgermeisterin?
Das ist offen. Elif Eralp war Spitzenkandidatin der Linken, die mit 25,7 Prozent stärkste Kraft wurde. Käme ein Bündnis aus Linke, Grünen und SPD zustande, wäre sie nach Einschätzung der Bundeszentrale für politische Bildung die erste Regierende Bürgermeisterin der Linken. Vorher müssten Sondierungen und Koalitionsverhandlungen gelingen und das Abgeordnetenhaus sie wählen. Amtsinhaber ist seit dem 27. April 2023 Kai Wegner (CDU).
Wann steht das amtliche Endergebnis der Berlin-Wahl fest?
Das amtliche Endergebnis soll der Landeswahlausschuss am 12. Oktober 2026 feststellen. Vorher prüfen die zwölf Bezirkswahlausschüsse zwischen dem 29. September und dem 2. Oktober 2026 die Ergebnisse. Bis dahin sind Stimmenanteile und Sitzverteilung vorläufig. Beide Dreierbündnisse liegen nach dem vorläufigen Ergebnis mit 95 und 82 Sitzen über der Mehrheit von 80.
Quellen
- Landeswahlleiter für Berlin, vorläufiges Ergebnis vom 21. September 2026 (abgerufen am 29.09.2026)
- wahlrecht.de: Abgeordnetenhauswahl in Berlin am 20. September 2026 (Sitzverteilung) (abgerufen am 29.09.2026)
- Bundeszentrale für politische Bildung: Wahl zum Abgeordnetenhaus Berlin 2026 (abgerufen am 29.09.2026)
- Landeswahlleitung Berlin: Ergebnisse und Termine der Feststellung (abgerufen am 29.09.2026)
- zdfheute: Linke lädt Grüne und SPD zu Sondierungen ein, 25. September 2026 (abgerufen am 29.09.2026)
- Tagesspiegel: Linke, Grüne und SPD sind bereit – Sondierungen starten kommende Woche, 27. September 2026 (abgerufen am 29.09.2026)
- taz: Start der Sondierungsgespräche in Berlin, 27. September 2026 (abgerufen am 29.09.2026)
- taz: Sondierungen in Berlin – SPD und Grüne wären dann soweit, 28. September 2026 (abgerufen am 29.09.2026)
- t-online: SPD entscheidet sich für Sondierungsgespräche mit der Linken, 27. September 2026 (abgerufen am 29.09.2026)
- t-online: Linke, SPD und Grüne sprechen ab Donnerstag, 28. September 2026 (abgerufen am 29.09.2026)
- Wikipedia: Governing Mayor of Berlin (Amtszeit Kai Wegner) (abgerufen am 29.09.2026)
- Wikipedia: 2026 Berlin state election (Spitzenkandidaturen) (abgerufen am 29.09.2026)
Maik Möhring
Verantwortlicher & Chefredakteur
Moin, ich bin Maik – Gründer von BerlinEcho und verantwortlicher Redakteur. Ich baue seit Jahren digitale Medien auf, die ich wirklich für notwendig halte: unabhängig, ohne Konzernlogik im Rücken, mit echten Menschen dahinter. Berlin fasziniert mich als Stadt …
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