Wendenschloßstraße
Die Wendenschloßstraße in Köpenick: Verlauf bis zum Langen See, Postleitzahlen, Namensgeschichte, das frühere Funkwerk Köpenick, Baudenkmale und die Anbindung mit Tram und Fähre F12.

Inhalt (7 Abschnitte)
Die Wendenschloßstraße ist eine Hauptstraße im Südwesten von Köpenick mit den Postleitzahlen 12557 und 12559 und den Hausnummern 2 bis 468. Die Straße führt von der Salvador-Allende-Straße bis zum Möllhausenufer am Langen See. Seit dem 9. November 1926 ist sie nach der Villenkolonie Wendenschloß benannt.
Wer von der Köpenicker Altstadt Richtung Langer See will, nimmt fast zwangsläufig die Wendenschloßstraße. Nach dem Eintrag bei Kauperts beginnt sie an der Salvador-Allende-Straße und endet am Möllhausenufer, die geraden Hausnummern liegen rechts, die ungeraden links. Auf dem Weg dorthin passierst du ein Straßenbahndepot von 1903, ein Pumpwerk von 1906, die Gutsanlage des Meierei-Unternehmers Carl Bolle und das Gelände, auf dem der VEB Funkwerk Köpenick die Sendetechnik für den Fernsehturm am Alexanderplatz baute. Von der Fabrik steht kaum noch etwas. Das Verwaltungsgebäude wurde 2022 abgerissen.
- Ortsteil Köpenick, Bezirk Treptow-Köpenick
- PLZ 12559 für die Nummern 2 bis 110, PLZ 12557 für die Nummern 103 bis 468 (nach Kauperts)
- Verlauf: Salvador-Allende-Straße bis Möllhausenufer am Langen See
- Name seit 9. November 1926, der Südabschnitt hieß bis 1939 Rückertstraße
- Zuständig: Polizeiabschnitt A 36, Amtsgericht Köpenick, Finanzamt Treptow-Köpenick
Wo verläuft die Wendenschloßstraße?
Die Wendenschloßstraße verbindet den Norden Köpenicks rund um die Salvador-Allende-Straße mit der Ortslage Wendenschloß am Langen See, der hier Teil der Dahme ist. Die Straße gehört vollständig zum Ortsteil Köpenick und damit zum Bezirk Treptow-Köpenick.
Bei den Postleitzahlen musst du genau hinschauen. Kauperts ordnet die Hausnummern 2 bis 110 der 12559 und die Nummern 103 bis 468 der 12557 zu, die Bereiche überschneiden sich also. Das Straßenverzeichnis des Amtsgerichts Köpenick zieht die Grenze etwas anders: 1 bis 99 in 12559, 100 bis 468 in 12557. Für Adressen um die Hausnummer 100 lohnt deshalb ein Blick auf den letzten Brief oder die Grundsteuer-Unterlagen.
Woher hat die Wendenschloßstraße ihren Namen?
Die Straße ist nach der Villenkolonie Wendenschloß benannt, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand und zu der die Straße führt. Die Kolonie wiederum hat ihren Namen von einem Ausflugslokal. Der Name geht also nicht auf ein Herrenhaus zurück, sondern auf eine Gaststätte. Das Lokal «Wendenschloß» bestand laut Kauperts schon vor 1896, lag in der heutigen Niebergallstraße 20 direkt an der Dahme und hieß später «Freundschaft».
In diesem Lokal wurde Geschichte geschrieben: Am 5. Juni 1945 unterzeichneten die vier Siegermächte im Saal des Restaurants die Deklaration über die Niederlage Deutschlands und die Übernahme der höchsten Regierungsgewalt durch die Alliierten. Die Niebergallstraße ist eine Querstraße am Südende der Wendenschloßstraße.
Der heutige Straßenzug entstand in drei Schritten. 1926 wurden die Marienstraße und ihre Verlängerung bis zum Stichkanal in Wendenschloßstraße umbenannt, 1927 kam der Abschnitt vom Stichkanal bis zur damaligen Achenbachstraße hinzu, die heute Salvador-Allende-Straße heißt. 1939 schließlich wurde die Rückertstraße einbezogen, der südliche Teil bis zum Langen See.
Welche Industrie gab es an der Wendenschloßstraße?
Die bekannteste Fabrik an der Wendenschloßstraße war der VEB Funkwerk Köpenick auf dem Gelände Wendenschloßstraße 142 bis 154. Industrie gibt es auf diesem Grundstück nach Angaben der Senatsumweltverwaltung seit 1868: im Norden eine Eis- und Seifenfabrik, im Süden eine Linoleumfabrik. In den 1930er Jahren übernahm die GEMA, die Gesellschaft für elektroakustische und mechanische Apparate, das Gelände.
Die GEMA entwickelte sich laut Berliner Zentrum Industriekultur zwischen 1934 und 1945 zum wichtigsten Pionierunternehmen der deutschen Radartechnik. Nach Kriegsende wurde sie aufgelöst, im Dezember 1949 entstand an gleicher Stelle der VEB Funkwerk Köpenick. Nach der Technikgeschichte des VDE baute das Werk Mittel- und Langwellensender für den DDR-Rundfunk, UKW-Sender für Hörfunk und Fernsehen und die komplette Ausrüstung des Fernsehturms am Alexanderplatz. Zeitweise arbeiteten hier bis zu 3.000 Menschen.
1990 übernahm die DeTeWe den Betrieb, einige Jahre später wurde der Standort aufgegeben. Im Boden blieb die Industriegeschichte zurück: Untersuchungen ab 1996 fanden Schwermetalle und Mineralölkohlenwasserstoffe, das Grundwasser war stark mit chlorierten Kohlenwasserstoffen belastet. Eine hydraulische Sanierung lief 2013 und 2014, Erkundung, Planung und Sanierung kosteten zusammen 705.000 Euro. Heute stehen auf dem Gelände ein Discounter und eine Autowerkstatt, Wohnungen sind geplant.
Welche Baudenkmale stehen an der Wendenschloßstraße?
An der Wendenschloßstraße stehen mehrere Baudenkmale aus der Zeit, als Köpenick noch eigenständige Stadt war. Die Denkmaldatenbank des Landes Berlin führt unter anderem diese Anlagen:
| Adresse | Bauwerk | Datierung | Entwurf |
|---|---|---|---|
| Wendenschloßstraße 93 | Abwasserpumpwerk Köpenick I | fertiggestellt 1906 | Stadtbaurat Hugo Kinzer |
| Wendenschloßstraße 138 / Charlottenstraße 25 | Straßenbahndepot der Städtischen Straßenbahn Köpenick | 1903–1906, Umbau 1912–1913 | Stadtbaurat Hugo Kinzer |
| Wendenschloßstraße 254 | Gutshof und Villa Bolle mit Villengarten Marienhain | Gutshof um 1875, Garten um 1880 | Carl Bolle |
| Wendenschloßstraße 290 / Siegfried-Berger-Straße 3, 4 | Meierei Marienhain, Kindermilch-Meierei Bolle | 1899 bis um 1905 | Max Kühnlein |
Carl Bolle ist der Gründer der Berliner Meierei Bolle. In Köpenick ließ er sich einen Gutshof mit Villa und Garten anlegen, die Villa entwarf er laut Denkmaldatenbank selbst. Die Meierei daneben plante der Architekt Max Kühnlein. Das Straßenbahndepot und das Pumpwerk stammen beide von Hugo Kinzer, der als Stadtbaurat das Gesicht des damals selbstständigen Köpenick prägte.
Wie kommst du zur Wendenschloßstraße?
Die Wendenschloßstraße liegt im Tarifbereich B und ist mit Straßenbahn, Bus und Fähre erreichbar. Kauperts nennt die Tramlinien 27, 62 und 67, die Buslinien X69, 164, 167 und 269 sowie den S-Bahnhof Köpenick als nächsten Bahnhof. Die Straßenbahn fährt hier seit 1903, als die Städtische Straßenbahn Cöpenick ihr Depot an der Straße baute.
Die Linienführung ändert sich allerdings immer wieder. Am 29. September 2026 zeigt die BVG die Linie 62 nur zwischen S Köpenick und S Mahlsdorf, an der Haltestelle Betriebshof Köpenick hält die Tram 68 in Richtung Wendenschloß und Alt-Schmöckwitz sowie nachts der Bus N62. Prüf vor der Fahrt die aktuelle Auskunft. Einen Überblick über das Netz findest du in unserer Übersicht zur Berliner Tram.
Am Südende wartet eine der schönsten Verbindungen im BVG-Netz: Die Fährlinie F12 pendelt von der Müggelbergallee über den Langen See zur Wassersportallee in Grünau, die Überfahrt dauert etwa zwei Minuten. Fahrzeiten und die anderen Fährlinien stehen in unserem Beitrag zu den BVG-Fähren. Wer vom nördlichen Ende weiterlaufen will, ist in wenigen Minuten in Alt-Köpenick.
Häufige Fragen zur Wendenschloßstraße
Welche Postleitzahl hat die Wendenschloßstraße?
Die Wendenschloßstraße hat zwei Postleitzahlen. Nach Kauperts gilt 12559 für die Hausnummern 2 bis 110 und 12557 für die Hausnummern 103 bis 468. Das Amtsgericht Köpenick zieht die Grenze in seinem Straßenverzeichnis bei Hausnummer 99 und 100. Bei Adressen um die Hausnummer 100 solltest du die Postleitzahl deshalb im Einzelfall prüfen.
Wie hieß die Wendenschloßstraße früher?
Der nördliche und mittlere Teil hieß bis 1926 Marienstraße, dazu kam deren Verlängerung. Der Südabschnitt bis zum Langen See trug bis 1939 den Namen Rückertstraße. Am 9. November 1926 bekam der Straßenzug den Namen Wendenschloßstraße, 1927 und 1939 wurden weitere Abschnitte einbezogen.
Was wurde in Wendenschloß am 5. Juni 1945 unterzeichnet?
Am 5. Juni 1945 unterzeichneten die vier alliierten Siegermächte die Deklaration über die Niederlage Deutschlands und die Übernahme der höchsten Regierungsgewalt. Ort war der Saal des früheren Ausflugslokals Wendenschloß in der Niebergallstraße 20, einer Querstraße am Südende der Wendenschloßstraße. Nach diesem Lokal ist die Villenkolonie und damit die Straße benannt.
Was ist aus dem Funkwerk Köpenick geworden?
Das Funkwerk Köpenick an der Wendenschloßstraße 142 bis 154 wurde nach 1990 von der DeTeWe übernommen und später aufgegeben. Das Verwaltungsgebäude aus den Jahren 1938 bis 1940 wurde im Frühjahr 2022 abgerissen. Auf dem sanierten Gelände stehen heute ein Discounter und eine Autowerkstatt, ein Wohngebiet ist geplant.
Quellen
- Kauperts Straßenführer: Wendenschloßstraße (abgerufen am 29.09.2026)
- Amtsgericht Köpenick: Straßenverzeichnis (Stand 13.03.2025) (abgerufen am 29.09.2026)
- Berliner Zentrum Industriekultur: GEMA Köpenick (abgerufen am 29.09.2026)
- VDE Geschichte: VEB Funkwerk Köpenick (abgerufen am 29.09.2026)
- Senatsverwaltung für Umwelt: Altlastensanierung Funkwerk Köpenick (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Abwasserpumpwerk Köpenick I (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Straßenbahndepot Wendenschloßstraße 138 (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Marienhain, Gutshof und Villa Bolle (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Marienhain, Villengarten Bolle (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Meierei Marienhain (abgerufen am 29.09.2026)
- BVG: Linie 62 (abgerufen am 29.09.2026)
- BVG: Haltestelle Betriebshof Köpenick (abgerufen am 29.09.2026)
- BVG: Fährlinie F12 (abgerufen am 29.09.2026)
Namensgebung
- Namensgeber
-
Wendenschloss
Sonstiges / unklar - Benennung
- 1926-11-09
- Hintergrund
- Benannt nach der Villenkolonie Wendenschloß, die Ende des 19. Jahrhunderts entstand. Die Kolonie trägt den Namen des Ausflugslokals «Wendenschloß» in der heutigen Niebergallstraße 20, das schon vor 1896 bestand.