Wendenschloßstraße

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📍 Wendenschloßstraße – auf einen Blick

  • Ortsteil: Köpenick / Ortslage Wendenschloß (Bezirk Treptow-Köpenick)
  • Postleitzahlen: 12557 und 12559
  • Hausnummern: 2–468
  • Länge: rund 4,8 Kilometer
  • Name seit: 1926, nach der Villenkolonie Wendenschloß

Die Wendenschloßstraße ist mit rund 4,8 Kilometern eine der längsten Strassen im Südwesten von Köpenick – und eine der vielseitigsten. Zwischen dem Ufer der Dahme, einer historischen Villenkolonie und stillgelegten Fabrikarealen erzählt sie ein ganzes Stück Berliner Industrie- und Verkehrsgeschichte. Wir nehmen die Adresse mit den Hausnummern 2 bis 468 zum Anlass, ihren Ursprung, ihr industrielles Erbe und ihre Anbindung genauer zu betrachten.

Geschichte und Ursprung

Den Namen trägt die Strasse seit 1926. Er geht auf die Villenkolonie Wendenschloß zurück, die ab 1893 durch die Parzellierung eines Teils der Landzunge „Eichhorn“ entstand. Vorausgegangen war 1890 die Einrichtung einer Fähre von Grünau über den Langen See, die bis heute als BVG-Fährlinie F12 betrieben wird. Aus der einstigen Villenkolonie entwickelte sich die heutige Ortslage Wendenschloß, die vom Langen See, den Müggelbergen und der Köpenicker Altstadt umschlossen wird.

Vor der einheitlichen Benennung 1926 trugen Abschnitte andere Namen – Teile der heutigen Adresse erscheinen in den Köpenicker Adressbüchern noch als „Marienstraße“. Die Strasse beginnt im Nordosten an der Salvador-Allende-Straße und verläuft von dort in südwestlicher Richtung weitgehend parallel zur Dahme. Schon früh prägte ein deutlicher Gegensatz das Bild: Wohnen im Osten, Gewerbe und Industrie im Westen Richtung Fluss.

Industrie an der Wendenschloßstraße: vom Linoleum zum Funkwerk

Die industrielle Geschichte der Strasse beginnt 1882 mit der Eröffnung einer Linoleumfabrik. An genau dieser Stelle entstanden später die Produktionshallen eines Betriebs, der weit über Köpenick hinaus Bedeutung erlangte: des VEB Funkwerk Köpenick.

Hier entstand die Technik für den Fernsehturm

Bis 1945 arbeitete auf dem Gelände die Gesellschaft für elektroakustische und mechanische Apparate (GEMA) – im Zweiten Weltkrieg einer der führenden Betriebe der Radar-Entwicklung. Im Dezember 1949 ging der Standort in den VEB Funkwerk Köpenick über, der in den 1950er Jahren zum führenden Unternehmen der elektronischen Nachrichtentechnik der DDR aufstieg. Hier entstanden Mittel- und Langwellensender für den Rundfunk sowie die ersten UKW-Sender – und die komplette Sendeausrüstung des Fernsehturms am Alexanderplatz.

Auch andere Betriebe prägten die Westseite. Zwischen 1890 und 1899 bestand eine Filiale der Meierei C. Bolle; auf dem Gelände liess der Gutsbesitzer Carl Bolle nach Entwürfen des Architekten Max Kühnlein einen Wohnhof mit der ausgedehnten Gartenanlage „Marienhain“ errichten. Villa Bolle und der Marienhain stehen heute unter Denkmalschutz. Viele dieser Industrie- und Gewerbeflächen schlossen nach Wende und Wiedervereinigung 1990 – ihre Areale prägen das Gesicht der Strasse bis heute.

Straßenbahn und Verkehr

Verkehrlich ist die Wendenschloßstraße eng mit der Berliner Straßenbahngeschichte verbunden. 1903 baute die Städtische Straßenbahn Cöpenick eine Linie zum Schloßplatz; zwischen 1903 und 1906 entstanden zudem ein Straßenbahnhof und ein Pumpwerk an der Strasse. Seit der Verlängerung nach Mahlsdorf 1907 gilt die heutige Linie 62 als die am längsten bestehende Straßenbahnstrecke Berlins, deren Linienführung unverändert geblieben ist.

Heute zeigt sich die Adresse abschnittsweise sehr unterschiedlich: Je nach Teilstück gelten Tempo 10, 30 oder 50, einzelne Bereiche sind Einbahnstraße, und es stehen ein bis drei Fahrstreifen sowie Radwege zur Verfügung. Neben der Straßenbahn sorgt die Fährlinie F12 über den Langen See für eine reizvolle Verbindung Richtung Grünau – eine der letzten innerstädtischen Fährverbindungen Berlins.

Lage am Wasser und Alltag heute

Im Alltag vereint die Strasse eine grosse bauliche Vielfalt: prunkvolle historische Villen, kleine Backsteinhäuschen, moderne Mehrfamilienhäuser und Neubauten städtischer Wohnungsbaugesellschaften reihen sich aneinander. Auf der Ostseite dominiert das Wohnen, während entlang der Dahme nahe dem Westufer Wassersportanlagen, Parks und Kleingärten entstanden sind.

Damit ist die Wendenschloßstraße heute eine Wohn- und Erholungsachse mit industriellem Erbe – grün, wassernah und geschichtsträchtig zugleich. Weitere hausnummerngenaue Angaben zu Lage und Zuständigkeiten bietet das Berliner Strassennamenlexikon Kauperts.

Häufige Fragen zur Wendenschloßstraße

Wo liegt die Wendenschloßstraße?

Im Südwesten des Ortsteils Köpenick (Bezirk Treptow-Köpenick), in der Ortslage Wendenschloß, mit den Postleitzahlen 12557 und 12559.

Woher kommt der Name?

Von der Villenkolonie Wendenschloß, die ab 1893 entstand. Den Strassennamen trägt die Adresse seit 1926.

Was hat die Straße mit dem Fernsehturm zu tun?

Auf dem Gelände des VEB Funkwerk Köpenick an der Strasse wurde unter anderem die komplette Sendeausrüstung des Fernsehturms am Alexanderplatz gefertigt.

Namensgebung

Namensgeber
Wendenschloss
Sonstiges / unklar
Benennung
1926
Hintergrund
Historisches Schloss in KΓΆpenick.

Kiez & AtmosphΓ€re

KΓΆpenick-Halbinsel, Strandbad.

Quellen

  1. kauperts.de Β· Web
  2. wikipedia.org Β· Web
  3. Wendenschloßstraße – Wikipedia Β· Web
  4. Wendenschloß – Wikipedia Β· Web
  5. VEB Funkwerk KΓΆpenick – VDE Geschichte Β· Web
  6. Warum heißt es Wendenschlossstraße? – degewo-Blog Β· Web
  7. Wendenschloßstraße 2–468, 12557/12559 KΓΆpenick – Kauperts Β· Web