Glienicker Weg

Der Glienicker Weg in Adlershof: alter Heideweg von KΓΆpenick nach Glienicke und Heimat der β€žSchnapskirche\" – dem denkmalgeschΓΌtzten BΓ€rensiegel-Areal am Adlergestell.

📍 Glienicker Weg – auf einen Blick

  • Ortsteil: Adlershof (Bezirk Treptow-Köpenick)
  • Postleitzahl: 12489
  • Hausnummern: 86–185
  • Namensherkunft: alter Weg von Köpenick zum Vorwerk Glienicke
  • Besonderheit: Bärensiegel-Areal („Schnapskirche von Adlershof“)

Der Glienicker Weg in Adlershof ist eine jener Berliner Strassen, deren Name in die Irre führt: Mit der berühmten Glienicker Brücke hat er nichts zu tun. Stattdessen erzählt die Adresse im Südosten Berlins von einem alten Heideweg, von Spirituosen aus der DDR und von einem markanten Backsteinbau, den die Adlershofer liebevoll „Schnapskirche“ nennen. Wir nehmen den Weg mit den Hausnummern 86 bis 185 zum Anlass, seine Geschichte, sein Industrieerbe und seine Anbindung genauer zu betrachten.

Geschichte und Ursprung

Der Glienicker Weg war ursprünglich eine Verbindung, die von Coepenick – dem heutigen Köpenick – durch die Köllnische Heide zum Vorwerk Glienicke führte. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts diente er als direkte Route zwischen diesen beiden späteren Berliner Ortsteilen. Die Strecke zog sich durch feuchtes Gelände: Bei Glienicke begann im „Bruchland“ der Lauf des „Voll Kropp“, der den Weg gleich zweimal kreuzte und dessen letztes Stück bis heute als Vollkropfgraben bekannt ist. Südlich davon lagen ausgedehnte feuchte Wiesen, die nach ihrem Besitzer als „Kahlbaums Wiesen“ bezeichnet wurden.

An dem alten Weg lag eine Kolonie von acht Büdnern, die je einen Morgen Gartenland, einen Morgen Wiese und das Recht zur Haltung einer Kuh besassen. Aus dieser Kolonie ging 1879 das angrenzende Adlershof hervor. Im Lauf der Zeit wurde der historische Weg aufgeteilt: Das nordwestliche Stück von Köpenick bis zur Bahnbrücke des Berliner Aussenrings erhielt vor 1920 den Namen Glienicker Straße, das südöstliche Ende vom Adlergestell bis Alt-Glienicke heisst bereits seit vor 1890 Köpenicker Straße. Übrig blieb das mittlere Teilstück, das bis heute den ursprünglichen Namen trägt.

Die „Schnapskirche“: das Bärensiegel-Areal am Glienicker Weg

Das prägende Bauwerk der Strasse steht an der Ecke zum Adlergestell. Der Unternehmer Carl August Ferdinand Kahlbaum verlegte seine 1818 gegründete Spritreinigungs- und Likörfabrik 1884 nach Adlershof. Zwischen 1904 und 1906 entstanden hier nach Plänen des Architekten Max Jacob die roten Backsteingebäude, deren zwei mächtige Türme dem Komplex das Aussehen einer Kathedrale geben – daher der Spitzname „Schnapskirche von Adlershof“.

Vom VEB Bärensiegel zum Möbelmarkt

Am 4. August 1950 erhielt der Betrieb den Namen VEB Bärensiegel und wurde zu einem der zwei grössten Spirituosenhersteller der DDR. Hier entstanden bekannte Marken wie der „Adlershofer Bären-Wodka“ und der Likör „Wurzelpeter“. 1989 produzierten rund 400 Beschäftigte etwa 26 Millionen Flaschen pro Jahr. Nach der Wende verkaufte die Treuhand das Unternehmen 1994; der Adlershofer Standort wurde aufgegeben und verfiel über Jahre. 2017 erteilte das Bezirksamt die Baugenehmigung für den Umbau – unter Erhalt der denkmalgeschützten Strassenfassaden und der beiden Türme entstand ein Möbel- und Küchenmarkt.

Damit ist das Areal ein Musterbeispiel dafür, wie Berlin mit seinem Industrieerbe ringt: Vom Inneren der historischen Fabrik blieb wenig erhalten, doch die markante Schauseite zur Strasse prägt das Bild bis heute. Wer den Technologiepark Adlershof besucht, kommt an diesem Wahrzeichen kaum vorbei.

Verkehr und Straßenbahngeschichte

Verkehrlich ist die Adresse eng mit der Geschichte der Teltower Kreisbahnen verbunden. Auf dem westlichen Abschnitt fuhr ab 1909 die Straßenbahn Adlershof–Altglienicke. Vor dem Zweiten Weltkrieg und bis 1962 verlief sie östlich des S-Bahn-Damms auf dem Adlergestell bis zur Kreuzung mit dem Weg; danach musste sie wegen der schmalen Eisenbahnbrücke nach Westen ausweichen, um über die Köpenicker Straße bis zur Endstation Am Falkenberg zu gelangen. 1962 wurde die Trasse auf die westliche Seite der S-Bahn verlegt, seit 1993 endet die Linie bereits am S-Bahnhof Adlershof.

Heute sorgt vor allem das parallel verlaufende Adlergestell mit dem S-Bahnhof Adlershof für die Anbindung. Von hier erreicht man über die S-Bahn schnell die Innenstadt sowie den angrenzenden Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof, eine der grössten Forschungslandschaften Deutschlands. Der Weg selbst bleibt dabei eine ruhigere Achse zwischen Gewerbe, Wohnbebauung und dem markanten Bärensiegel-Areal.

Lage und Alltag heute

Im Alltag verbindet die Strasse Wohnen, Gewerbe und Industriegeschichte auf engem Raum. Während Adlershof rund um den Technologiepark einen rasanten Wandel erlebt hat, ist der Glienicker Weg eine eher unaufgeregte Adresse geblieben – geprägt von Backstein, Bahnnähe und dem Kontrast zwischen alter Fabrik und moderner Wissenschaftsstadt. Weitere hausnummerngenaue Angaben zu Lage und Zuständigkeiten bietet das Berliner Strassennamenlexikon Kauperts.

Häufige Fragen zum Glienicker Weg

Wo liegt der Glienicker Weg?

Im Ortsteil Adlershof (Postleitzahl 12489) im Bezirk Treptow-Köpenick, im Südosten Berlins nahe dem Adlergestell.

Was ist die „Schnapskirche von Adlershof“?

So nennt man das Bärensiegel-Areal an der Ecke Adlergestell: einen Backsteinbau mit zwei Türmen, in dem zu DDR-Zeiten der VEB Bärensiegel Spirituosen herstellte. Heute beherbergt es einen Möbelmarkt hinter den erhaltenen Denkmalfassaden.

Hat der Weg mit der Glienicker Brücke zu tun?

Nein. Der Name geht auf einen alten Weg von Köpenick zum Vorwerk Glienicke zurück, nicht auf die bekannte Glienicker Brücke bei Potsdam.

Namensgebung

Namensgeber
Glienicke
Ort / Geografie
Hintergrund
Brandenburger Ort sΓΌdΓΆstlich von Berlin.

Zeitleiste

  1. 1700

    Seit Anfang des 18. Jahrhunderts dient der Weg als direkte Verbindung von KΓΆpenick durch die KΓΆllnische Heide zum Vorwerk Glienicke.

    Quelle: Glienicker Weg – Wikipedia
  2. 1879

    Aus der BΓΌdner-Kolonie am alten Weg geht das angrenzende Adlershof hervor.

    Quelle: Glienicker Weg – Wikipedia
  3. 1884

    Carl August Ferdinand Kahlbaum verlegt seine Spritreinigungs- und LikΓΆrfabrik nach Adlershof.

    Quelle: Berliner BΓ€ren Siegel – Wikipedia
  4. 1906

    Bis 1906 entstehen am Adlergestell/Glienicker Weg die roten BacksteingebΓ€ude nach PlΓ€nen des Architekten Max Jacob.

    Quelle: Berliner BΓ€ren Siegel – Wikipedia
  5. 1909

    Auf dem westlichen Abschnitt nimmt die Straßenbahn Adlershof–Altglienicke der Teltower Kreisbahnen den Betrieb auf.

    Quelle: Glienicker Weg – Wikipedia
  6. 1950

    Am 4. August erhΓ€lt der Betrieb den Namen VEB BΓ€rensiegel und wird einer der grΓΆssten Spirituosenhersteller der DDR.

    Quelle: Berliner BΓ€ren Siegel – Wikipedia
  7. 1994

    Die Treuhand privatisiert das Unternehmen; der Adlershofer Produktionsstandort wird aufgegeben.

    Quelle: Berliner BΓ€ren Siegel – Wikipedia
  8. 2017

    Das Bezirksamt genehmigt den Umbau des BΓ€rensiegel-Areals zu einem MΓΆbel- und KΓΌchenmarkt unter Erhalt der Denkmalfassaden.

    Quelle: Technologiepark Adlershof – adlershof.de

Kiez & AtmosphΓ€re

Adlershof-Wohngebiet.

Quellen

  1. kauperts.de Β· Web
  2. wikipedia.org Β· Web
  3. Glienicker Weg – Wikipedia Β· Web
  4. Berliner BΓ€ren Siegel – Wikipedia Β· Web
  5. Ehemalige ProduktionsstΓ€tte der VEB BΓ€rensiegel wird MΓΆbel- und KΓΌchenmarkt – adlershof.de Β· Web
  6. Glienicker Weg 86–185, 12489 Adlershof – Kauperts Β· Web