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Bölschestraße

Die Hauptstraße von Friedrichshagen: Verlauf, Spinnerkolonie von 1753, Dorf- und Friedrichstraße, Wilhelm Bölsche und der Dichterkreis, das Denkmalensemble und das Bölschefest.

Inhalt (7 Abschnitte)
  1. Wo verläuft die Bölschestraße?
  2. Wie ist die Bölschestraße entstanden?
  3. Wer war Wilhelm Bölsche?
  4. Warum steht die Bölschestraße unter Denkmalschutz?
  5. Was ist in der Bölschestraße los?
  6. Häufige Fragen zur Bölschestraße
  7. Quellen

Die Bölschestraße ist die Hauptstraße von Friedrichshagen in Treptow-Köpenick und verläuft vom Müggelseedamm bis zum Fürstenwalder Damm und zur Dahlwitzer Landstraße am S-Bahnhof Friedrichshagen. Angelegt wurde sie 1753 als Dorfstraße der Spinnerkolonie, von 1871 bis 1947 hieß sie Friedrichstraße. Seit dem 31. Juli 1947 trägt sie den Namen Wilhelm Bölsches.

Die Bölschestraße ist eine der wenigen Berliner Straßen, an denen sich die Gründungsstruktur eines friderizianischen Kolonistendorfs noch ablesen lässt: Straßenführung, Fluchtlinien und der zentrale Platz stammen aus dem Jahr 1753. Darauf stehen heute Kolonistenhäuser, Bürgerhäuser der Kaiserzeit und Geschäftshäuser nebeneinander. Die Denkmaldatenbank Berlin führt die Straße deshalb als Ensemble. Wer vom S-Bahnhof Friedrichshagen zum Müggelsee will, nimmt genau diesen Weg.

Wo verläuft die Bölschestraße?

Die Bölschestraße verläuft in Nord-Süd-Richtung durch den Ortsteil Friedrichshagen. Laut Kauperts Straßenführer beginnt sie am Müggelseedamm und endet am Fürstenwalder Damm und an der Dahlwitzer Landstraße. Die Hausnummern reichen von 1 bis 137, die Postleitzahl ist 12587. T-online beschreibt sie als rund 1,2 Kilometer lange Straße zwischen S-Bahnhof und Müggelsee.

Am Nordende liegt der S-Bahnhof Friedrichshagen der S3, durch die Straße fahren die Straßenbahnlinien 60 und 61. Zuständig sind das Amtsgericht Köpenick und der Polizeiabschnitt 36. Vor Fahrten mit der S3 lohnt ein Blick in unseren Überblick zu den Baustellen auf der S3.

Wie ist die Bölschestraße entstanden?

Die Bölschestraße entstand 1753 als Hauptstraße der Spinnerkolonie Friedrichshagen, die auf Anregung von König Friedrich II. am Nordwestufer des Großen Müggelsees angelegt wurde. Der Ort hieß zunächst Friedrichsgnade, berichtet Kauperts. Im Januar 1753 wurden zwei Fürstenwalder Zimmermeister verpflichtet, 50 Doppelhäuser für 100 Familien zu bauen, im Mai bestätigte der König die Gründung. So steht es in einer Chronik der Berliner Zeitung, die sich auf die Hausdokumentation von Aribert Giesche und Karl-Ludwig Lange stützt.

Angesiedelt werden sollten nur Auswärtige, und zwar Feinspinner. Die Kolonisten kamen aus Böhmen und vielen deutschen Ländern, bekamen ihre Grundstücke erb- und eigentümlich und waren von Abgaben und Militärdienst befreit. Jedes Haus maß 7,53 mal 7,53 Meter. Versponnen wurden Baumwolle und Wolle – keine Seide, auch wenn die Straße mit Maulbeerbäumen in Viererreihen bepflanzt war. Die Beeren gingen auf den Markt, nicht an Seidenraupen.

Wohlstand brachte erst die Eisenbahn. Die wichtigsten Stationen der Straßengeschichte, nach der Chronik der Berliner Zeitung und Kauperts:

Chronik der Bölschestraße, Stand: Berliner Zeitung (27.08.2018) und Kauperts Straßenführer, abgerufen am 29.09.2026
Jahr Ereignis
1753 Gründung der Kolonie, die Straße heißt Dorfstraße
1843 Friedrichshagen wird Haltepunkt der Niederschlesischen Eisenbahn
1871 Umbenennung in Friedrichstraße
1890 Gaslaternen ersetzen die Petroleumleuchten
1891 Die Straße wird gepflastert
1906 Die elektrische Straßenbahn nimmt den Betrieb auf
1920 Eingemeindung nach Groß-Berlin, Bezirk Köpenick
1947 Umbenennung in Bölschestraße am 31. Juli

Mit den Sommerfrischlern kam Geld in den Ort. Häuser wurden erweitert oder ersetzt, es entstanden Läden, Restaurants, Tanzsäle und Kegelbahnen. Ein Beispiel ist die Bölschestraße 45a: 1755 als Kolonistenhaus errichtet, 1870 erweitert, später Gaststätte und seit 1990 Bürgerhaus. Die beiden Weltkriege richteten an der Bausubstanz wenig an, heikler war laut Berliner Zeitung die DDR-Zeit, in der Geld für Sanierungen fehlte.

Wer war Wilhelm Bölsche?

Wilhelm Bölsche war ein Schriftsteller und Popularisator der Naturwissenschaften, geboren am 2. Januar 1861 in Köln, gestorben am 31. August 1939 in Oberschreiberhau in Schlesien. Laut Kauperts lebte er ab 1890 an wechselnden Adressen in Friedrichshagen und zog im Herbst 1907 in sein Haus an der Seestraße 63, dem heutigen Müggelseedamm 254. Sein erfolgreichstes Buch war «Das Liebesleben in der Natur» (1898/1903), in dem er Darwins Evolutionslehre einem breiten Publikum erklärte.

Mit Bruno Wille und den Brüdern Heinrich und Julius Hart bildete Bölsche den Kern des Friedrichshagener Dichterkreises, einer literarischen Opposition gegen die wilhelminische Gesellschaft. Franz Mehring nannte den Kreis 1894 den «Musenhof am Müggelsee». Auch August Strindberg und Gerhart Hauptmann werden mit Friedrichshagen verbunden. Nach 1945 hieß die Straße im Alltag bereits Wilhelm-Bölsche-Straße, amtlich bestätigt wurde das nie. Amtlich gilt seit dem 31. Juli 1947 der Name Bölschestraße – nicht, wie oft zu lesen, seit dem 31. Mai.

Warum steht die Bölschestraße unter Denkmalschutz?

Die Bölschestraße steht als Ensemble unter Denkmalschutz, weil sie die Entwicklung vom Kolonistendorf zum Vorort vollständig abbildet. Zum Denkmalbereich gehören fast alle Häuser von Nummer 3 bis 136, dazu Am Goldmannpark 1 und 2, Häuser in der Aßmannstraße und der Fürstenwalder Damm 484. Das Bezirksamt Treptow-Köpenick dokumentiert einzelne Bauten: Das Haus Nummer 10 stammt aus der Zeit um 1820 und wurde 1854 erweitert, Nummer 6 entstand 1873, das Mietshaus Nummer 20 im Jahr 1894.

Das Bild einer durchgehend gründerzeitlichen Prachtstraße, das ältere Beschreibungen zeichnen, trifft deshalb nicht ganz. Gerade die Mischung aus niedrigen Kolonistenhäusern und höheren Bürgerhäusern macht die Straße aus.

Was ist in der Bölschestraße los?

Die Bölschestraße ist die Einkaufsstraße des Ortsteils, 2026 war sie gleich zweimal Festmeile. Das Bölschefest fand das Bölschefest im Frühjahr und vom 18. bis 20. September statt, mit Bühnenprogramm, Trödelmarkt und freiem Eintritt, berichtet t-online. Veranstalter ist Hauptstadtkultur. Zum Frühjahrstermin haben wir das Programm des Fests zusammengestellt. Am Südende geht es über den Müggelseedamm zum Wasser – wie es dort um die Wasserqualität im Müggelsee steht, liest du bei uns.

Häufige Fragen zur Bölschestraße

Seit wann heißt die Bölschestraße so?

Die Bölschestraße heißt seit dem 31. Juli 1947 nach dem Schriftsteller Wilhelm Bölsche. Von 1753 bis 1871 hieß sie Dorfstraße, von 1871 bis 1947 Friedrichstraße. Der Name Wilhelm-Bölsche-Straße war ab 1945 in Gebrauch, wurde aber nie amtlich.

Welche Postleitzahl hat die Bölschestraße?

Die Bölschestraße hat die Postleitzahl 12587. Die Hausnummern reichen von 1 bis 137, die Straße gehört zum Ortsteil Friedrichshagen im Bezirk Treptow-Köpenick.

Wie komme ich zur Bölschestraße?

Am Nordende der Bölschestraße liegt der S-Bahnhof Friedrichshagen der S3. Durch die Straße fahren außerdem die Straßenbahnlinien 60 und 61.

Steht die Bölschestraße unter Denkmalschutz?

Ja. Die Bölschestraße ist als Ensemble in der Denkmaldatenbank Berlin eingetragen. Dazu gehören fast alle Hausnummern von 3 bis 136 sowie einzelne Häuser in angrenzenden Straßen.

Wer war Wilhelm Bölsche?

Wilhelm Bölsche (1861–1939) war Schriftsteller und Popularisator der Naturwissenschaften. Er lebte ab 1890 in Friedrichshagen und war mit Bruno Wille und den Brüdern Hart die zentrale Figur des Friedrichshagener Dichterkreises.

Quellen

Namensgebung

Namensgeber
Wilhelm Bölsche (1861–1939)
Person
Benennung
1947-07-31
Hintergrund
Wilhelm Bölsche (1861–1939) war Schriftsteller und Popularisator der Naturwissenschaften. Er lebte ab 1890 in Friedrichshagen und war mit Bruno Wille und den Brüdern Hart die zentrale Figur des Friedrichshagener Dichterkreises.

Frühere Namen

Alter Name Zeitraum Grund
Friedrichstraße 1753–1947 Ehrung des Schriftstellers und Naturforschers Wilhelm Bölsche, der als zentrale Figur des Friedrichshagener Dichterkreises in der Strasse lebte und wirkte.

Quellen

  1. kauperts.de · Web
  2. wikipedia.org · Web
  3. Bölschestraße – Wikipedia · Web
  4. Geschichte des Ortsteils Friedrichshagen – Bezirksamt Treptow-Köpenick · Web
  5. Bölschestraße – Einkaufsmeile, Berlin.de · Web
  6. Wilhelm Bölsche – Wikipedia · Web
  7. Bölschestraße im Berliner Straßenlexikon des Kauperts · Web
  8. Denkmaldatenbank Berlin: Baudenkmalensemble Bölschestraße · Web
  9. Ortsteil Friedrichshagen auf Berlin.de · Web