Schnellerstraße: Verlauf, Lage und Anbindung
Die Schnellerstraße in Niederschöneweide: seit 1947 nach dem Widerstandskämpfer Ernst Schneller benannt, Teil der B96a, mit Bärenquell-Brauerei, Gemeindeschule und dem Probenzentrum in der Nummer 104.

Inhalt (9 Abschnitte)
- Wo verläuft die Schnellerstraße?
- Wer war Ernst Schneller?
- Wie hieß die Schnellerstraße früher?
- Welche Baudenkmale stehen an der Schnellerstraße?
- Was war in der Schnellerstraße 104?
- Liegt die HTW Berlin an der Schnellerstraße?
- Wie kommst du zur Schnellerstraße und wie fährt es sich dort mit dem Rad?
- Häufige Fragen zur Schnellerstraße
- Quellen
Die Schnellerstraße ist eine Hauptverkehrsstraße in Niederschöneweide im Bezirk Treptow-Köpenick, mit der Postleitzahl 12439 und den Hausnummern 1 bis 145. Seit dem 31. Juli 1947 ist sie nach dem KPD-Politiker und Widerstandskämpfer Ernst Schneller benannt, vorher hieß sie Berliner Straße. Ein Teil gehört zur Bundesstraße 96a.
Wer von Treptow Richtung Adlershof fährt, kommt an der Schnellerstraße kaum vorbei. Nach dem Straßeneintrag bei Kauperts führt sie von der Köpenicker Landstraße und dem Güldenhofer Ufer bis zum Bruno-Bürgel-Weg und zur Oberspreestraße und verläuft dabei entlang der Spree. Kauperts nennt sie einen Teil einer der ältesten Wegeverbindungen zwischen Berlin und Köpenick. Das Bezirksamt zählt sie zu den zentralen Verkehrsachsen des Bezirks mit sehr hohem Verkehrsaufkommen. An der Straße stehen eine Brauerei aus dem 19. Jahrhundert, eine neugotische Gemeindeschule und das Gebäude, in dem die Schauspielschule „Ernst Busch“ jahrzehntelang unterrichtete. Nicht an der Schnellerstraße liegt dagegen der Campus der HTW Berlin, auch wenn das oft zu lesen ist.
- Ortsteil: Niederschöneweide, Bezirk Treptow-Köpenick, PLZ 12439
- Verlauf: Köpenicker Landstraße/Güldenhofer Ufer bis Bruno-Bürgel-Weg/Oberspreestraße, Hausnummern 1 bis 145
- Name seit 31. Juli 1947, davor Berliner Straße (um 1885 bis 1947)
- Baudenkmale unter anderem Nr. 31, Nr. 40 und Nr. 137
- Polizeiabschnitt A 35, Finanzamt und Jobcenter Treptow-Köpenick, Amtsgericht Köpenick
Wo verläuft die Schnellerstraße?
Die Schnellerstraße verbindet die Köpenicker Landstraße im Westen mit der Oberspreestraße im Osten und verläuft dabei nahe der Spree. Im Bezirksregionenprofil Niederschöneweide des Bezirksamts von 2021 ist sie Teil der Bundesstraße 96a, die dort über Adlergestell, Michael-Brückner-Straße, Schnellerstraße und Köpenicker Landstraße führt. Das Bezirksamt beschreibt diese Achse und die Schnellerstraße zwischen S-Bahnhof und Köpenick als Straßen mit sehr hohem Verkehrsaufkommen.
Am östlichen Teil, rund um den S-Bahnhof Schöneweide, liegt das Stadtteilzentrum. Dazu zählen laut Bezirksamt das Einkaufszentrum am Bahnhof sowie die Läden entlang von Brückenstraße und Schnellerstraße. Öffnungszeiten und Parkplätze im Einkaufszentrum findest du in unserem Beitrag zum Zentrum Schöneweide. Der westliche Teil Richtung Baumschulenweg ist von Gewerbe und Fachmärkten geprägt, dort hat auch die Bundespolizeidirektion Berlin ihren Sitz.
Die Straße gibt einem ganzen Planungsraum den Namen. Im Planungsraum Schnellerstraße lebten Ende 2019 nach Zahlen des Amts für Statistik 9.268 Menschen, 24,6 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Damit gehörte das Gebiet zu den am schnellsten wachsenden im Bezirk.
Wer war Ernst Schneller?
Ernst Schneller war ein Lehrer und KPD-Politiker, der am 11. Oktober 1944 im KZ Sachsenhausen von einem SS-Kommando erschossen wurde. Geboren wurde er am 8. November 1890 in Leipzig. Laut Kauperts arbeitete er als Lehrer in Kirchberg im Erzgebirge und war im Ersten Weltkrieg Offizier. 1919 trat er der SPD bei, 1920 der KPD, ab 1924 gehörte er deren Zentralkomitee an und saß bis 1933 im Reichstag.
Wegen seiner politischen Arbeit verlor Schneller seine Stelle im Schuldienst. Von 1929 bis 1933 leitete er die Reichsparteischule der KPD in Schöneiche-Fichtenau. Am 28. Februar 1933 wurde er verhaftet und zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Danach kam er ins KZ Sachsenhausen, wo er eine Widerstandsgruppe mit aufbaute. Mit 24 deutschen und drei französischen Mitgliedern dieser Gruppe wurde er ermordet.
Wie hieß die Schnellerstraße früher?
Bis 1947 hieß die Schnellerstraße Berliner Straße, ein Name, den sie nach Kauperts seit etwa 1885 trug. Der Weg führte aus Köpenick nach Berlin, daher der Name. Teile der alten Berliner Straße wurden schon vorher in Oberspreestraße umbenannt, die Oberspreestraße gibt es bis heute als eigene Straße östlich des Bruno-Bürgel-Wegs. Den verbliebenen Abschnitt benannte die Verwaltung am 31. Juli 1947 nach Ernst Schneller.
Welche Baudenkmale stehen an der Schnellerstraße?
An der Schnellerstraße stehen mehrere Bauten aus der Zeit, als Niederschöneweide vom Ausflugsort zum Industrievorort wurde. Das Bezirksamt Treptow-Köpenick beschreibt Niederschöneweide als einst für seine Gartenlokale an der Spree bekannt, bis ab Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Eisenbahn Berlin–Görlitz die Industrie kam. Seit 1994 ist der Ortsteil Sanierungsgebiet. Drei Einträge der Denkmaldatenbank:
| Adresse | Bauwerk | Bauzeit | Entwurf |
|---|---|---|---|
| Schnellerstraße 31 / Hasselwerderstraße 1–2 | Gemeindeschule Niederschöneweide mit Turnhalle | 1898–1899 | Paul Egeling |
| Schnellerstraße 40 | Wohn- und Geschäftshaus mit Jugendstilreliefs | 1906–1907 | Bauherr und Architekt Siebert |
| Schnellerstraße 137 | Borussia-Brauerei, später VEB Bärenquell (Gesamtanlage) | 1882–1888, Umbauten bis 1969 | Robert Buntzel, H. O. Obrikat |
Die Gemeindeschule an der Ecke Hasselwerderstraße erinnert mit Giebeln und neugotischen Formen an ein mittelalterliches Rathaus. Bis zum Bau der Friedenskirche diente ihre Aula auch als Gottesdienstsaal der evangelischen Gemeinde. Am Haus Nummer 40 zeigt die Fassade Allegorien der Musik sowie von Morgen und Abend, die Restaurierung wurde 1999 abgeschlossen.
Die Bärenquell-Brauerei
Die Brauerei an der Schnellerstraße 137 ist nach der Denkmaldatenbank der einzige Ort, der die ursprüngliche Industrieansiedlung in Niederschöneweide noch zeigt. Gegründet 1882 von den Unternehmern Meinert und Kampfhenkel als Borussia-Brauerei, übernahm sie 1898 die Schultheiss AG. Das Beamtenwohnhaus von 1882 gilt als ältestes erhaltenes Bauwerk der Gemeinde. Nach 1945 hieß der Betrieb VEB Bärenquell, 1995 wurde das Brauen eingestellt. Das Berliner Zentrum Industriekultur beschreibt die burgartige Architektur von H. O. Obrikat mit Türmen und Giebeln, hinter der schon um 1900 elektrisch betriebene Technik stand. Heute nutzt das Revier Südost Teile des Geländes für Kultur und einen Biergarten.
Was war in der Schnellerstraße 104?
In der Schnellerstraße 104 hatte die Schauspielschule, aus der die Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ hervorging, über Jahrzehnte ihren Sitz. Laut Chronik der Hochschule bezog die Fachschule für Schauspielkunst 1951 ein ehemaliges Bootshaus an der Schnellerstraße. 1979 zog der Lehrbetrieb wegen des schlechten Bauzustands in ein Schulgebäude in Marzahn. Im Jahr 1981, als die Schule zur Hochschule wurde, eröffnete am 21. September das neue Hochschulgebäude mit saniertem Bootshaus. Am 26. Oktober 2018 weihten die Studierenden den neuen Zentralstandort an der Zinnowitzer Straße in Mitte ein.
Das Haus an der Schnellerstraße bleibt ein Theaterort. Die Senatsverwaltung für Kultur entwickelt es zum größten Produktions- und Probenzentrum für freischaffende Darstellende Künstlerinnen und Künstler in Berlin. Betrieben wird es gemeinsam mit dem Theaterhaus Berlin Mitte durch die Förderband gGmbH, saniert wird in zwei Bauabschnitten bei laufendem Betrieb.
Liegt die HTW Berlin an der Schnellerstraße?
Nein, der Campus Wilhelminenhof der HTW Berlin liegt in Oberschöneweide an der Wilhelminenhofstraße 75 A, auf dem anderen Spreeufer. Auch das AEG-Kabelwerk Oberspree, das laut HTW-Campusübersicht 1897 als größtes Kabelwerk Europas in Betrieb ging, stand in Oberschöneweide. Wer also vom „Wandel der Schnellerstraße vom Kabelwerk zur Hochschule“ liest, bekommt zwei Ortsteile durcheinander. Die Industriegeschichte der Schnellerstraße selbst erzählen vor allem die Brauerei und die Fabrikbrachen im westlichen Teil, für die das Bezirksamt Bebauungspläne mit Fachmärkten aufgestellt hat.
Wie kommst du zur Schnellerstraße und wie fährt es sich dort mit dem Rad?
Mit der S-Bahn erreichst du die Schnellerstraße über die Bahnhöfe Schöneweide und Baumschulenweg, am Bahnhof Schöneweide hält auch die Regionalbahn. Kauperts listet für die Straße außerdem die Buslinien X11, M11, 160, 163, 166, 167 und 265.
Für Radfahrende hat der Bezirk zwischen Bruno-Bürgel-Weg und Fennstraße die vorhandenen Schutzstreifen erneuert. Nach infraVelo wurden sie vom dritten Quartal 2021 bis zum zweiten Quartal 2022 grün beschichtet, Kreuzungen und Einmündungen rot markiert. Weitere Straßen im Südosten findest du im Straßen-Finder, Meldungen aus dem Bezirk unter Treptow-Köpenick.
Häufige Fragen zur Schnellerstraße
Seit wann heißt die Schnellerstraße so?
Die Schnellerstraße trägt ihren Namen seit dem 31. Juli 1947. Vorher hieß sie ab etwa 1885 Berliner Straße, benannt nach der Richtung, in die der alte Weg zwischen Köpenick und Berlin führte. Andere Abschnitte der Berliner Straße waren schon früher in Oberspreestraße umbenannt worden. Die oft genannte Jahreszahl 1951 ist falsch: Kauperts Straßenführer nennt eindeutig 1947 als Jahr der Umbenennung.
Liegt die Schnellerstraße in Niederschöneweide oder Oberschöneweide?
Die Schnellerstraße liegt vollständig im Ortsteil Niederschöneweide und hat durchgehend die Postleitzahl 12439. Oberschöneweide mit dem früheren AEG-Kabelwerk und dem HTW-Campus Wilhelminenhof liegt auf der anderen Seite der Spree, der Campus hat die Postleitzahl 12459. Beide Ortsteile gehören zum Bezirk Treptow-Köpenick, der auch für die Straße zuständig ist, etwa bei Baustellen, Parkregeln und Straßenreinigung.
Was ist heute auf dem Gelände der Bärenquell-Brauerei?
Auf dem Gelände der früheren Bärenquell-Brauerei an der Schnellerstraße 137 betreibt heute das Revier Südost Kultur- und Veranstaltungsräume sowie einen Biergarten, den Baergarten. Laut dem Berliner Zentrum Industriekultur zog im Herbst 2020 der Club Griessmühle auf das Areal. Die Gebäude aus den Jahren 1882 bis 1906 stehen als Gesamtanlage unter Denkmalschutz, gebraut wird dort seit 1995 nicht mehr.
Welche Bahnhöfe liegen an der Schnellerstraße?
Die nächsten S-Bahnhöfe sind Schöneweide am östlichen Ende und Baumschulenweg am westlichen Ende. Kauperts Straßenführer nennt für die Straße die S-Bahn-Linien S45, S46, S47, S8, S85 und S9 sowie die Regionalbahn am Bahnhof Schöneweide. Dazu kommen die Tramlinien M17, 21, 37, 63 und 67 und mehrere Buslinien, darunter X11 und M11. Die Straße liegt im Tarifbereich B.
Quellen
- Kauperts Straßenführer durch Berlin: Schnellerstraße (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Treptow-Köpenick: Bezirksregionenprofil Niederschöneweide, Stand 23.11.2021 (PDF) (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Treptow-Köpenick, Denkmalschutz: Niederschöneweide (abgerufen am 29.09.2026)
- Landesdenkmalamt Berlin, Denkmaldatenbank: Borussia-Brauerei, Obj.-Nr. 09045280 (abgerufen am 29.09.2026)
- Landesdenkmalamt Berlin, Denkmaldatenbank: Wohn- und Geschäftshaus Schnellerstraße 40, Obj.-Nr. 09045217 (abgerufen am 29.09.2026)
- Landesdenkmalamt Berlin, Denkmaldatenbank: Gemeindeschule Niederschöneweide, Obj.-Nr. 09045252 (abgerufen am 29.09.2026)
- Berliner Zentrum Industriekultur: Bärenquell-Brauerei (abgerufen am 29.09.2026)
- Revier Südost: Baergarten (abgerufen am 29.09.2026)
- Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch: Chronik (abgerufen am 29.09.2026)
- Senatsverwaltung für Kultur: Probenzentrum Schnellerstraße 104 (abgerufen am 29.09.2026)
- HTW Berlin: Campusübersicht Wilhelminenhof (PDF) (abgerufen am 29.09.2026)
- infraVelo: Schutzstreifen Schnellerstraße (abgerufen am 29.09.2026)
Namensgebung
- Namensgeber
-
Ernst Schneller
(1890–1944)
Person - Benennung
- 1947-07-31
- Hintergrund
- Ernst Schneller war ein deutscher Lehrer, KPD-Politiker und Reichstagsabgeordneter. Als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus wurde er 1933 verhaftet und nach elfjähriger Haft 1944 im KZ Sachsenhausen ermordet.
Frühere Namen
| Alter Name | Zeitraum | Grund |
|---|---|---|
| Oberspreestraße | 1908–1951 | Zusammenlegung mit der Berliner Straße und Umbenennung zu Ehren von Ernst Schneller. |
| Berliner Straße | unbekannt–1951 | Zusammenlegung mit der Oberspreestraße und Umbenennung zu Ehren von Ernst Schneller. |