Friedrichshagener Straße
Die Friedrichshagener Straße verbindet im Südosten Berlins die Köpenicker Altstadt mit dem Ortsteil Friedrichshagen und gehört zu jenen Straßen, an denen sich d…

Die Friedrichshagener Straße verbindet im Südosten Berlins die Köpenicker Altstadt mit dem Ortsteil Friedrichshagen und gehört zu jenen Straßen, an denen sich die Industriegeschichte der Stadt bis heute mit blossem Auge ablesen lässt. Wir kennen kaum eine zweite Köpenicker Adresse, an der ein einzelnes Areal die gesamte Strasse derart prägt wie hier das ehemalige Kabelwerk. Auf unserem Weg von der Salvador-Allende-Brücke Richtung Müggelspree begleiten uns über weite Abschnitte denkmalgeschützte Backsteinfassaden, hinter denen einst Starkstrom- und Telekommunikationskabel für halb Europa entstanden. Wer die Friedrichshagener Straße verstehen will, muss bei dieser Fabrik beginnen.
Geschichte und Ursprung

Ihren Namen trägt die Strasse nach dem benachbarten Ortsteil Friedrichshagen, der wiederum auf König Friedrich II. zurückgeht. Wie das Bezirksamt Treptow-Köpenick dokumentiert, gründete der König das Kolonistendorf Friedrichshagen am 29. Mai 1753 als eine der grössten friederizianischen Siedlungen im Berliner Umland; angesiedelt wurden rund 100 Familien, vor allem aus Böhmen, Sachsen, Württemberg und Hessen.
Die Friedrichshagener Straße selbst liegt im Ortsteil Köpenick und führt in Richtung jenes namensgebenden Nachbarortsteils. Sie umfasst die Hausnummern 1 bis 59 und gehört zur Postleitzahl 12555. Ihre eigentliche Bedeutung erhielt sie mit der Industrialisierung des Berliner Südostens: Während Adlershof und Schöneweide zu Fabrikstandorten wurden, entstand am Köpenicker Spreeufer ein Werk, das die Strasse für mehr als ein Jahrhundert zur Werks- und Anlieferadresse machte.
Die Friedrichshagener Straße und das Kabelwerk Köpenick
Die Wurzeln des Werks reichen bis 1858 zurück, als Julius Vogel in Berlin-Mitte die C. J. Vogel Telegraphenfabrik gründete. Anfang des 20. Jahrhunderts expandierte das Unternehmen in die Randlagen Berlins; 1916 begann an der Friedrichshagener Straße der Bau des Kabelwerks Köpenick. 1926 folgte eine Umbenennung der Firma, bevor das Werk in den folgenden Jahrzehnten weiter wuchs.
Zu DDR-Zeiten gehörte der Standort zum Kombinat Kabelwerk Oberspree (KWO) und produzierte weiterhin Kabel und Leitungen. Mit der Wende brach diese Tradition ab: Seit 1994 stand das weitläufige Areal weitgehend leer und prägte die Strasse über Jahrzehnte als stiller, denkmalgeschützter Industriekörper direkt an der Müggelspree. Erst in den 2020er Jahren kam Bewegung in die Fläche. Auf Grundlage des Bebauungsplans 9-53 plant das Land Berlin hier ein gemischtes Wohn- und Gewerbequartier; die prägenden Backsteinbauten sollen erhalten und in neue Nutzungen überführt werden. Damit wandelt sich die Friedrichshagener Straße von einer reinen Werksadresse zu einem der grossen Köpenicker Stadtentwicklungsprojekte.
Architektur und Stadtbild
Das Gesicht der Strasse bestimmen die roten Klinkerbauten des früheren Kabelwerks. Mehrere dieser Gebäude stehen unter Denkmalschutz, darunter die Fabrikbauten an der Friedrichshagener Straße 9 und 12. Ihre wuchtigen Backsteinfassaden, hohen Fensterreihen und Hallenstrukturen sind typisch für die Berliner Industriearchitektur des frühen 20. Jahrhunderts und erzählen vom einstigen Massstab der Produktion.
Städtebaulich liegt das Plangebiet nach Angaben des Bebauungsplans in exponierter Lage direkt an der Müggelspree, in Sichtweite der Altstadt Köpenick. Das Gelände fällt leicht zum Wasser hin ab; zur Spree besteht eine Böschung. Genau diese Uferlage macht die Friedrichshagener Straße für Planer so reizvoll: Wo bislang Werksmauern den Blick versperrten, soll künftig ein öffentlich zugänglicher Bereich am Wasser entstehen. Der Kontrast aus erhaltener Backstein-Substanz und geplanten Neubauten dürfte das Stadtbild der Strasse in den kommenden Jahren stärker verändern als jeder Eingriff der vergangenen Jahrzehnte.
Verkehr, Anbindung und Alltag
Im Alltag zeigt sich die Friedrichshagener Straße abschnittsweise sehr unterschiedlich. Je nach Teilstück gelten verschiedene Geschwindigkeitsbegrenzungen von 30 und 50 km/h, einzelne Abschnitte sind als Einbahnstraße geführt, und die Zahl der Fahrstreifen schwankt zwischen einem und vier. Auch der Fahrbahnbelag wechselt zwischen Asphalt und befestigten Oberflächen – ein Hinweis darauf, dass Teile der Strasse noch den Charakter einer Erschliessungs- und Anliegerstraße tragen.
Verkehrlich profitiert die Strasse von ihrer Nähe zur Altstadt Köpenick und zur Spreequerung: Östlich angrenzend wurde die Salvador-Allende-Brücke neu gebaut, die den Köpenicker Süden mit dem Norden verbindet. Über den Müggelseedamm und die umliegenden Hauptstraßen ist Friedrichshagen mit seiner Bölschestraße schnell erreichbar. Für den Alltag bedeutet die geplante Quartiersentwicklung am Kabelwerk perspektivisch mehr Fuss- und Radverkehr, neue Anwohnerinnen und Anwohner sowie eine deutlich höhere Frequenz auf einer Strasse, die jahrzehntelang vor allem als Industrieadresse wahrgenommen wurde. Weitere hausnummerngenaue Angaben zu Zuständigkeiten und Lage finden sich im Berliner Strassennamenlexikon Kauperts.
Namensgebung
- Namensgeber
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Friedrichshagen
Ort / Geografie - Hintergrund
- Ortsteil Köpenicks, früher Friedrich-Wilhelm-Stadt.
Zeitleiste
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1753
König Friedrich II. gründet am 29. Mai das Kolonistendorf Friedrichshagen, den späteren Namensgeber der Strasse.
Quelle: Bezirksamt Treptow-Köpenick, Geschichte des Ortsteils Friedrichshagen -
1858
Julius Vogel gründet in Berlin-Mitte die C. J. Vogel Telegraphenfabrik, den Ursprung des späteren Kabelwerks.
Quelle: Bebauungsplan 9-53, Vorhabenbeschreibung -
1916
An der Friedrichshagener Straße beginnt der Bau des Kabelwerks Köpenick.
Quelle: Bebauungsplan 9-53, Vorhabenbeschreibung -
1926
Die Firma wird umbenannt; das Werk wächst in den folgenden Jahrzehnten weiter.
Quelle: Bebauungsplan 9-53, Vorhabenbeschreibung -
1994
Nach DDR-Zeiten als Teil des Kombinats Kabelwerk Oberspree (KWO) steht das Areal weitgehend leer.
Quelle: Bebauungsplan 9-53, Vorhabenbeschreibung
Kiez & Atmosphäre
Quellen
- kauperts.de · Web
- wikipedia.org · Web
- Friedrichshagener Straße – Berliner Strassennamenlexikon (Kauperts) · Web
- Geschichte des Ortsteils Friedrichshagen – Bezirksamt Treptow-Köpenick · Web
- Berlin-Friedrichshagen – Wikipedia · Web
- Bebauungsplan 9-53 Friedrichshagener Straße 10–12, Vorhabenbeschreibung – Bezirksamt Treptow-Köpenick · PDF
