Möllendorffstraße: Verlauf, Lage und Anbindung
Die alte Lichtenberger Dorfstraße: seit 1910 nach Wichard von Möllendorff benannt, 1976–1992 Jacques-Duclos-Straße, mit Rathaus, Dorfkirche und Loeperplatz.

Inhalt (8 Abschnitte)
Die Möllendorffstraße ist die alte Dorfstraße von Lichtenberg und führt von der Frankfurter Allee bis zu Weißenseer Weg und Herzbergstraße. Benannt ist sie nach dem preußischen Generalfeldmarschall Wichard von Möllendorff (1724–1816). Von 1976 bis 1992 hieß sie Jacques-Duclos-Straße. In der Nummer 6 steht das 1898 eingeweihte Rathaus Lichtenberg.
Wer ins Rathaus Lichtenberg muss, landet in der Möllendorffstraße. Die Straße ist aber mehr als eine Behördenadresse: Sie war die Hauptstraße des Dorfes Lichtenberg, an ihr liegt der alte Dorfanger mit der Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert, und ihr Straßenschild hat in gut hundert Jahren mehrmals gewechselt. Nach dem Straßenverzeichnis von Kauperts reichen die Hausnummern von 3 bis 118, die Straße hat die Postleitzahl 10367 und berührt die Ortsteile Lichtenberg, Fennpfuhl und Friedrichshain. Oben rollen die Straßenbahnen, am südlichen Ende erreichst du U5 und Ringbahn am Bahnhof Frankfurter Allee.
- Verlauf: Frankfurter Allee/Gürtelstraße bis Weißenseer Weg/Herzbergstraße
- Hausnummern 3–57 und zurück 63–118, PLZ 10367
- Bezirk Lichtenberg (Nr. 3–117), Nr. 118 gehört zu Friedrichshain-Kreuzberg
- Namen: Dorfstraße, ab 1910 Möllendorffstraße, 1976–1992 Jacques-Duclos-Straße
- Rathaus Lichtenberg (Nr. 6), gebaut 1896–1898, eingeweiht am 11. November 1898
Wo verläuft die Möllendorffstraße?
Die Möllendorffstraße beginnt im Süden an der Kreuzung von Frankfurter Allee und Gürtelstraße und endet im Norden, wo Weißenseer Weg und Herzbergstraße anschließen. So beschreibt Kauperts den Verlauf. Nach Süden setzt die Gürtelstraße die Achse in Friedrichshain fort, nach Norden der Weißenseer Weg.
Die Hausnummern laufen auf einer Seite von 3 bis 57 nach Norden und kommen auf der anderen Seite mit 63 bis 118 zurück, eine klassische Hufeisennummerierung. Etwa auf halber Strecke liegt der Loeperplatz, den Kauperts an Möllendorffstraße, Scheffelstraße und Bornitzstraße verortet. Er ist nach der Gutsbesitzerfamilie Loeper benannt und trägt seinen Namen seit 1914.
Woher hat die Möllendorffstraße ihren Namen?
Die Möllendorffstraße ist nach Wichard Joachim Heinrich von Möllendorff benannt, einem preußischen Offizier, der am 7. Januar 1724 in Lindenberg in der Prignitz geboren wurde und am 28. Januar 1816 in Havelberg starb. Nach der Namenserläuterung bei Kauperts begann er 1740 als Page Friedrichs II. und zeichnete sich im April 1741 in der Schlacht bei Mollwitz aus.
Für Berlin wichtig ist ein Datum: Am 11. Dezember 1782 wurde Möllendorff Gouverneur von Berlin und bekam damit den Oberbefehl über alle Regimenter der Garnison. Im August 1793 ernannte ihn Friedrich Wilhelm II. zum Generalfeldmarschall. Das Gouverneursamt gab er 1806 vorläufig ab, 1808 endgültig. Im Feldzug gegen Napoleon geriet der Zweiundachtzigjährige bei Erfurt in Gefangenschaft.
Warum hatte die Straße so viele Namen?
Die Möllendorffstraße hatte seit dem 19. Jahrhundert vier verschiedene Namen und Schreibweisen, weil Schreibregeln und politische Systeme wechselten. Kauperts listet die Stationen einzeln auf.
| Zeitraum | Name | Anlass |
|---|---|---|
| vor 1878 bis 1910 | Dorfstraße | Hauptstraße des Dorfes Lichtenberg |
| 1910 bis 1921 | Möllendorffstraße | Benennung nach Wichard von Möllendorff |
| 1922 bis 3. Mai 1935 | Möllendorfstraße | Schreibweise mit einem f |
| ab 3. Mai 1935 | Möllendorffstraße | amtliche Schreibweise wieder mit ff |
| 1976 bis 1992 | Jacques-Duclos-Straße | Umbenennung auf Anordnung der SED |
| seit 1992 | Möllendorffstraße | Rückbenennung durch den Bezirk |
Schon kurz nach 1945 sollte der Name verschwinden, weil er als monarchistisch und militaristisch galt. Durchgesetzt wurde das damals nicht. Erst 1976 ordnete die SED nach Angaben des Projekts umbenennen.berlin an, die Straße nach dem französischen Kommunisten und Widerstandskämpfer Jacques Duclos zu benennen. 1991 beschlossen Bezirksamt und Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg die Rückbenennung. Begründet wurde sie damit, die Vernichtung traditioneller Straßennamen durch die SED-Führung zu revidieren. Vollzogen hat sie 1992 der sozialdemokratische Bezirksbürgermeister Christian Kind.
Was steht am Rathaus Lichtenberg?
Das Rathaus Lichtenberg in der Möllendorffstraße 6 wurde von 1896 bis 1898 gebaut und am 11. November 1898 eingeweiht. Damals war es nach Angaben des Bezirksamts der Amtssitz der Gemeinde Lichtenberg, der Bürgermeister wohnte mit seiner Familie im Haus. Der Backsteinbau im Stil der Gotik steht unter Denkmalschutz. Wer ihn entworfen hat, ist nicht bekannt, weil im Zweiten Weltkrieg viele Unterlagen verbrannten. Die Bauausführung lag bei Franz Emil Knipping.
Heute sitzt dort das politische Bezirksamt, außerdem finden im Rathaus Eheschließungen statt. 2017 wurde das Dach denkmalgerecht saniert. Nahe der Haltestelle Rathaus Lichtenberg liegt der Rathauspark, eine 1,8 Hektar große Grünanlage. Das Bezirksamt kündigte im Februar 2019 an, den Park in drei Bauabschnitten umzugestalten, unter anderem mit einem neuen Spielplatz von rund 230 Quadratmetern und beleuchteten Wegen. Vom 9. bis 18. Oktober 2026 ist der Park zum neunten Mal Schauplatz des Festival of Lights in Lichtenberg. Für Anliegen im Bürgeramt hilft dir unsere Übersicht der Berliner Bürgerämter.
Welche Denkmale gibt es sonst an der Möllendorffstraße?
Das älteste Bauwerk an der Möllendorffstraße ist die Dorfkirche Lichtenberg auf dem Loeperplatz, ein Feldsteinbau aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Das Bezirksamt nennt sie den ältesten Bau im einstigen Siedlungskern. 1792 kam ein Westturm dazu, kurz vor Kriegsende 1945 brannte die Kirche nach einem Bombentreffer aus. Instand gesetzt wurde sie Anfang der 1950er Jahre, den Westturm mit Spitzhelm baute man 1964 bis 1966 neu.
Ein Stück Stadtgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts zeigt das Mietshaus Möllendorffstraße 27, das die Denkmaldatenbank auf 1914 bis 1915 datiert, Entwurf August Rave. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beschreibt eine Jugendstilfassade mit Erker und Eckbalkonen sowie reich bemalte und stuckierte Treppenhäuser. Die Stiftung beteiligte sich 2003 an deren Restaurierung.
Am Eingang zum Gutspark an der Möllendorffstraße 34 enthüllte das Bezirksamt am 2. Dezember 2022 Gedenktafeln zum historischen Ortskern. Anlass war laut Pressemitteilung der 200. Todestag des preußischen Reformministers Karl August von Hardenberg, der sich 1810 auf seinem Lichtenberger Gut an der heutigen Möllendorffstraße mit Wissenschaftlern und Politikern traf.
Wie kommst du zur Möllendorffstraße?
Die Möllendorffstraße erreichst du am einfachsten mit der Straßenbahn: Laut Kauperts fahren hier die Linien M8, M13, 16 und 21, dazu der Bus 240. Am südlichen Ende liegt der Bahnhof Frankfurter Allee mit der U5 und den S-Bahn-Linien S41, S42, S8, S85 und S9.
Wichtig für Anwohnerinnen und Anwohner: Für die Hausnummern 3 bis 117 sind das Amtsgericht Lichtenberg, das Finanzamt Lichtenberg und der Polizeiabschnitt 34 zuständig. Für die Nummer 118 gelten dagegen das Amtsgericht Kreuzberg, das Finanzamt Friedrichshain-Kreuzberg und der Polizeiabschnitt 51, so steht es bei Kauperts.
Häufige Fragen zur Möllendorffstraße
Wie hieß die Möllendorffstraße in der DDR?
Von 1976 bis 1992 hieß die Straße Jacques-Duclos-Straße, benannt nach dem französischen kommunistischen Politiker und Widerstandskämpfer Jacques Duclos. Die Umbenennung ordnete die SED an, die Hausnummern blieben gleich. Bezirksamt und Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg beschlossen 1991 die Rückbenennung, vollzogen wurde sie 1992.
Welche Postleitzahl hat die Möllendorffstraße?
Die Möllendorffstraße hat laut Kauperts durchgehend die Postleitzahl 10367. Das gilt für die Hausnummern 3 bis 118, also auch für das Rathaus Lichtenberg in der Möllendorffstraße 6.
In welchem Bezirk liegt die Möllendorffstraße?
Fast die ganze Möllendorffstraße liegt im Bezirk Lichtenberg, und zwar in den Ortsteilen Lichtenberg und Fennpfuhl. Eine Ausnahme ist die Hausnummer 118: Sie gehört zum Ortsteil Friedrichshain und damit zum Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, mit eigenem Finanzamt, Amtsgericht und Polizeiabschnitt.
Wer war Wichard von Möllendorff?
Wichard Joachim Heinrich von Möllendorff lebte von 1724 bis 1816 und war preußischer Offizier. Er begann 1740 als Page Friedrichs II., wurde am 11. Dezember 1782 Gouverneur von Berlin und im August 1793 Generalfeldmarschall. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Havelberg.
Quellen
- Kauperts Straßenführer: Möllendorffstraße (abgerufen am 29.09.2026)
- Kauperts Straßenführer: Loeperplatz (abgerufen am 29.09.2026)
- umbenennen.berlin: Lichtenberg (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Lichtenberg: Rathaus Lichtenberg (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Lichtenberg: Pressemitteilung zum Rathauspark vom 1. Februar 2019 (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Lichtenberg: Denkmal des Monats, Dorfkirche Lichtenberg (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Mietshaus Möllendorffstraße 27 (abgerufen am 29.09.2026)
- Deutsche Stiftung Denkmalschutz: Mietshaus Möllendorffstraße (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Lichtenberg: Gedenktafeln zum historischen Ortskern (2022) (abgerufen am 29.09.2026)
Namensgebung
- Namensgeber
-
Wichard von Möllendorff
(1724–1816)
Person - Benennung
- 1910
- Hintergrund
- Wichard Joachim Heinrich von Möllendorff (1724–1816) war preußischer Offizier, ab 1782 Gouverneur von Berlin und ab 1793 Generalfeldmarschall. Die frühere Lichtenberger Dorfstraße trägt seit 1910 seinen Namen, unterbrochen von 1976 bis 1992 als Jacques-Duclos-Straße.
Frühere Namen
| Alter Name | Zeitraum | Grund |
|---|---|---|
| Dorfstraße | 1910 | Ursprünglicher Name rund um den Lichtenberger Dorfanger; um 1910 nach Wichard von Möllendorff umbenannt. |
| Jacques-Duclos-Straße | 1976–1992 | 1976 von der SED nach dem französischen kommunistischen Politiker Jacques Duclos benannt; 1992 nach der Friedlichen Revolution zurückbenannt. |
Quellen
- kauperts.de · Web
- wikipedia.org · Web
- Möllendorffstraße – Wikipedia · Web
- Lichtenberg (Straßennamen) – umbenennen.berlin · Web
- Möllendorffstraße 32 – Wikipedia · Web
- Berlin-Lichtenberg – Wikipedia · Web