Möllendorffstraße

Die Möllendorffstraße in Lichtenberg: eine der ältesten Strassen des Ortskerns, mit dem Rathaus Lichtenberg – von der Dorfstraße über die Jacques-Duclos-Straße zurück zum alten Namen.

📍 Möllendorffstraße – auf einen Blick

  • Ortsteile: Lichtenberg und Fennpfuhl (Bezirk Lichtenberg)
  • Postleitzahlen: 10367, 10369
  • Länge: rund 1,55 Kilometer
  • Namensgeber: Wichard von Möllendorff (1724–1816)
  • Besonderheit: Rathaus Lichtenberg am Rathauspark

Die Möllendorffstraße ist eine der ältesten Strassen des Lichtenberger Ortskerns und zugleich eine der geschichtsträchtigsten. Auf rund 1,55 Kilometern verläuft sie in Süd-Nord-Richtung durch die Ortsteile Lichtenberg und Fennpfuhl – von der Frankfurter Allee bis dorthin, wo sie als Weißenseer Weg weiterführt. Wir nehmen die Adresse zum Anlass, ihre wechselvolle Namensgeschichte, das Rathaus Lichtenberg und ihr Umfeld genauer zu betrachten.

Geschichte und Ursprung

Die Wurzeln der Strasse reichen bis ins alte Dorf Lichtenberg zurück. Rund um den Dorfanger trug sie ursprünglich – wie vielerorts – den Namen Dorfstraße. Mit der Industrialisierung wuchs Lichtenberg rasant: 1907 erhielt die Gemeinde das Stadtrecht, 1920 wurde die Stadt Lichtenberg nach Groß-Berlin eingemeindet und gab dem neuen Bezirk ihren Namen. In dieser Zeit entwickelte sich die heutige Möllendorffstraße zu einer zentralen Achse des Ortskerns.

Die Strasse beginnt gemäss amtlicher Nummerierung im Süden an der Kreuzung mit der Frankfurter Allee; die Hausnummern sind im System der Hufeisennummerierung vergeben. Nach Norden setzt sie sich als Weißenseer Weg Richtung Weißensee fort, nach Süden als Gürtelstraße in Friedrichshain. Damit bildet der Straßenzug Weißenseer Weg–Möllendorffstraße bis heute eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen im Berliner Osten.

Vom Dorfweg zur Möllendorffstraße: die Namensgeschichte

Kaum eine Strasse spiegelt die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts so unmittelbar wider wie diese. Um 1910 wurde die bisherige Dorfstraße nach dem preussischen Generalfeldmarschall Wichard von Möllendorff (1724–1816) benannt; zugleich erhielten die Gebäude neue Hausnummern.

Vier Namen in gut hundert Jahren

Ursprünglich Dorfstraße, wurde der Verkehrsweg um 1910 zur Möllendorffstraße. 1976 ordnete die SED an, die Strasse nach dem französischen kommunistischen Politiker und Widerstandskämpfer Jacques Duclos in Jacques-Duclos-Straße umzubenennen – unter Beibehaltung der Hausnummern. Nach der Friedlichen Revolution und fast zwei Jahren öffentlicher Diskussion folgte das Bezirksamt der Empfehlung des Senats, nach Sozialisten und Kommunisten benannte Strassen zurückzubenennen: 1992 vollzog der sozialdemokratische Bezirksbürgermeister Christian Kind die Rückbenennung in Möllendorffstraße.

Diese Abfolge macht die Strasse zu einem Lehrstück Berliner Erinnerungspolitik: Kaiserzeit, DDR und Nachwendezeit haben hier nacheinander ihre Spuren im Strassenschild hinterlassen. Wer mehr über die Hintergründe erfahren will, findet beim Projekt umbenennen.berlin eine ausführliche Aufarbeitung der Lichtenberger Strassennamen.

Rathaus Lichtenberg und Architektur

Das prägende Bauwerk der Strasse ist das Rathaus Lichtenberg, das Ende des 19. Jahrhunderts am Rathauspark errichtet wurde. Es ist bis heute ein Verwaltungs- und Identifikationsort des Bezirks. Entlang der Möllendorffstraße haben sich zudem mehrere denkmalgeschützte Mietshäuser aus der Gründerzeit erhalten.

Dazu zählt etwa das Mietshaus Nummer 32, das zu Beginn der 1890er Jahre entstand und vollständig unter Denkmalschutz steht – noch zur Bauzeit hiess die Strasse Dorfstraße. Auch das Gebäude Nummer 86/87 erzählt Alltagsgeschichte: Über Jahrzehnte befand sich hier eine Postfiliale, ehe die Schalterräume in den 2020er Jahren aufgegeben wurden. Historische Adressbücher verzeichnen an der Strasse unter anderem die frühere 1. und 2. Lichtenberger Gemeindeschule. So verbindet die Bebauung repräsentative Gründerzeit mit der gewachsenen Nutzungsvielfalt eines alten Ortskerns.

Lage, Verkehr und Alltag

Verkehrlich ist die Möllendorffstraße eine vielbefahrene Hauptachse. Als Teil des Straßenzugs Weißenseer Weg–Möllendorffstraße verbindet sie den Berliner Osten in Nord-Süd-Richtung und kreuzt im Norden die Landsberger Allee. Strassenbahn- und Buslinien sorgen für dichten öffentlichen Nahverkehr, und über die Frankfurter Allee ist die Innenstadt schnell erreichbar.

Im Alltag prägen Wohnhäuser, Verwaltung, Nahversorgung und der nahe Rathauspark das Bild. Trotz des starken Verkehrs bleibt die Strasse durch ihren historischen Kern und die Grünflächen ein lebendiges Stück Lichtenberg. Sie ist Verwaltungssitz, Wohnadresse und Erinnerungsort zugleich.

Häufige Fragen zur Möllendorffstraße

Wo liegt die Möllendorffstraße?

Im Bezirk Lichtenberg, durch die Ortsteile Lichtenberg und Fennpfuhl. Sie verläuft von der Frankfurter Allee nach Norden, wo sie als Weißenseer Weg weiterführt.

Wonach ist die Straße benannt?

Nach dem preussischen Generalfeldmarschall Wichard von Möllendorff (1724–1816). Den Namen erhielt die frühere Dorfstraße um 1910.

Wie hieß die Möllendorffstraße in der DDR?

Von 1976 bis 1992 trug sie den Namen Jacques-Duclos-Straße, benannt nach einem französischen kommunistischen Politiker. 1992 erfolgte die Rückbenennung.

Namensgebung

Namensgeber
Wichard von Möllendorff (1724–1816)
Person
Benennung
1910
Hintergrund
Preussischer Generalfeldmarschall, der unter Friedrich II. und seinen Nachfolgern diente. Die frühere Dorfstraße wurde um 1910 nach ihm benannt.

Frühere Namen

Alter Name Zeitraum Grund
Dorfstraße 1910 Ursprünglicher Name rund um den Lichtenberger Dorfanger; um 1910 nach Wichard von Möllendorff umbenannt.
Jacques-Duclos-Straße 1976–1992 1976 von der SED nach dem französischen kommunistischen Politiker Jacques Duclos benannt; 1992 nach der Friedlichen Revolution zurückbenannt.

Zeitleiste

  1. 1890

    Das heute denkmalgeschützte Mietshaus Möllendorffstraße 32 entsteht – die Strasse heisst damals noch Dorfstraße.

    Quelle: Möllendorffstraße 32 – Wikipedia
  2. 1907

    Lichtenberg erhält das Stadtrecht; der alte Ortskern mit der Dorfstraße urbanisiert sich.

    Quelle: Berlin-Lichtenberg – Wikipedia
  3. 1910

    Um 1910 wird die Dorfstraße nach Wichard von Möllendorff in Möllendorffstraße umbenannt und neu nummeriert.

    Quelle: Möllendorffstraße 32 – Wikipedia
  4. 1920

    Die Stadt Lichtenberg wird nach Groß-Berlin eingemeindet und gibt dem neuen Bezirk ihren Namen.

    Quelle: Berlin-Lichtenberg – Wikipedia
  5. 1976

    Die SED lässt die Strasse nach dem französischen Kommunisten Jacques Duclos in Jacques-Duclos-Straße umbenennen.

    Quelle: Lichtenberg – umbenennen.berlin
  6. 1992

    Bezirksbürgermeister Christian Kind vollzieht die Rückbenennung in Möllendorffstraße.

    Quelle: Lichtenberg – umbenennen.berlin

Kiez & Atmosphäre

Heute erleben wir die Möllendorffstraße als belebte Hauptachse mit historischem Kern. Zwischen Rathaus, Rathauspark, Gründerzeit-Mietshäusern und moderner Nahversorgung spürt man, dass hier einer der ältesten Teile Lichtenbergs liegt. Trotz des dichten Verkehrs bewahrt die Strasse den Charakter eines gewachsenen Ortszentrums. Zugleich ist sie ein Erinnerungsort: Ihre vier Namen in gut hundert Jahren erzählen von Kaiserzeit, DDR und Nachwendezeit. Wir beobachten, dass gerade diese Mischung aus Verwaltungssitz, Wohnadresse und Geschichtszeugnis die Möllendorffstraße zu einer der charaktervollsten Strassen im Berliner Osten macht.

Quellen

  1. kauperts.de · Web
  2. wikipedia.org · Web
  3. Möllendorffstraße – Wikipedia · Web
  4. Lichtenberg (Straßennamen) – umbenennen.berlin · Web
  5. Möllendorffstraße 32 – Wikipedia · Web
  6. Berlin-Lichtenberg – Wikipedia · Web