Karl-Lade-Straße

πŸ“ Karl-Lade-Straße – auf einen BlickOrtsteil: Fennpfuhl (Bezirk Lichtenberg)Postleitzahl: 10369Hausnummern: 2–79Namensgeber: Karl LadΓ© (1909–1945), Widerstandsk…

📍 Karl-Lade-Straße – auf einen Blick

  • Ortsteil: Fennpfuhl (Bezirk Lichtenberg)
  • Postleitzahl: 10369
  • Hausnummern: 2–79
  • Namensgeber: Karl Ladé (1909–1945), Widerstandskämpfer
  • Besonderheit: Villa am Fennpfuhl (1896), ältestes Gebäude des Ortsteils

Die Karl-Lade-Straße verläuft mitten durch die Großsiedlung Fennpfuhl im Berliner Bezirk Lichtenberg – und verbindet auf engem Raum zwei sehr unterschiedliche Epochen. Ihr Name erinnert an einen Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, während die Bebauung vom Plattenbau der 1970er Jahre und einer einzelnen, weit älteren Villa geprägt ist. Wir nehmen die Adresse mit den Hausnummern 2 bis 79 zum Anlass, ihren Namen, ihre Geschichte und ihr Umfeld genauer zu betrachten.

Geschichte und Ursprung

Der heutige Verlauf entstand mit dem Aufbau der Großsiedlung Fennpfuhl, einem der ersten grossen Plattenbaugebiete Ost-Berlins. In den 1970er Jahren wurde das zuvor offene Gelände nördlich der damaligen Landsberger Chaussee systematisch bebaut und mit einem symmetrischen Strassennetz erschlossen. Viele der neuen Strassen erhielten Namen von kommunistischen Widerstandskämpfern aus der Gruppe um Anton Saefkow, Franz Jacob und Bernhard Bästlein.

Die Strasse selbst trug zunächst den Namen Roederstraße. Am 26. Juni 1975 wurde sie nach dem Widerstandskämpfer Karl Ladé umbenannt. Sie verläuft von der Landsberger Allee bis zur Rudolf-Seiffert-Straße und kreuzt dabei unter anderem die Oderbruchstraße sowie den Anton-Saefkow-Platz – das gesamte Quartier liest sich bis heute wie ein in Strassennamen gegossenes Gedenken an den antifaschistischen Widerstand.

Namensgeber: der Widerstandskämpfer Karl Ladé

Karl Ladé wurde am 25. November 1909 in Berlin als Kind französischstämmiger Eltern geboren. Nach der Schulzeit an der Karl-Marx-Schule in Neukölln erlernte er den Beruf des Kartonagenzuschneiders und arbeitete als Hilfsmechaniker und Konstrukteur. Schon früh engagierte er sich in der Sozialistischen Arbeiter-Jugend und später im Kommunistischen Jugendverband Deutschlands.

Widerstand und Verfolgung

In den Askania-Werken in Berlin-Mariendorf organisierte Karl Ladé gemeinsam mit Kommunisten und Sozialdemokraten illegale Aktionen: Störung der Rüstungsproduktion, Verteilung von Flugblättern und Beschaffung von Lebensmitteln für Verfolgte. Zudem stellte er Kontakt zu französischen Zwangsarbeitern her. Am 12. Juli 1944 wurde er im Zuge der Verhaftungswelle gegen die Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation festgenommen. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn am 29. November 1944 zum Tode; das Urteil wurde am 8. Januar 1945 im Zuchthaus Brandenburg-Görden vollstreckt.

Die Benennung der Strasse hält dieses Schicksal im Stadtraum präsent. An den Widerstand aus den Askania-Werken erinnern darüber hinaus Gedenktafeln, und das Museum Lichtenberg dokumentiert Ladés Lebensweg im Rahmen seiner Arbeit zu NS-Widerstand und -Verfolgung. Damit ist die Karl-Lade-Straße mehr als eine Wohnadresse – sie ist Teil der Erinnerungskultur des Bezirks.

Die Villa am Fennpfuhl und das Stadtbild

Architektonisch wird die Strasse von den Wohnbauten der Großsiedlung geprägt – mehrgeschossige Plattenbauten, begrünte Höfe und die typische Großzügigkeit des DDR-Städtebaus. Umso bemerkenswerter ist ein einzelnes Gebäude: An der Karl-Lade-Straße 79 steht die 1896 errichtete Villa am Fennpfuhl, eine ehemalige Hof-Beamtenvilla. Sie ist das älteste Gebäude des gesamten Ortsteils Fennpfuhl.

Dieser Kontrast macht das Stadtbild der Strasse besonders: Wo ringsum die industrielle Bauweise der 1970er Jahre dominiert, hält die historische Villa die Erinnerung an die Zeit vor der Großsiedlung wach. Sie zeigt, dass das Gebiet schon lange vor dem Plattenbau besiedelt war – auch wenn von dieser frühen Bebauung nur noch wenige Zeugnisse erhalten sind.

Lage, Verkehr und Alltag

Im Alltag ist die Strasse eine ruhige Wohnachse: Es gilt durchgehend Tempo 30, einzelne Abschnitte sind als Einbahnstraße geführt, der Belag besteht aus Asphalt. Durch die Anbindung an die Landsberger Allee im Norden ist das Quartier hervorragend erschlossen – dort verkehren Strassenbahn- und Buslinien, die Fennpfuhl mit der Innenstadt und den östlichen Bezirken verbinden.

Rund um die Karl-Lade-Straße prägen Wohnhäuser, Nahversorgung und Grünflächen das Bild; der nahe Fennpfuhlpark mit seinem See ist ein beliebter Naherholungsort. Weitere hausnummerngenaue Angaben zu Lage und Zuständigkeiten bietet das Berliner Strassennamenlexikon Kauperts.

Häufige Fragen zur Karl-Lade-Straße

Wo liegt die Karl-Lade-Straße?

Im Ortsteil Fennpfuhl (Bezirk Lichtenberg), Postleitzahl 10369. Sie verläuft von der Landsberger Allee bis zur Rudolf-Seiffert-Straße.

Wer war Karl Ladé?

Ein 1909 geborener, deutsch-französischer Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, der 1945 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet wurde.

Wie hieß die Straße früher?

Bis zur Umbenennung am 26. Juni 1975 trug sie den Namen Roederstraße.

Namensgebung

Namensgeber
Karl LadΓ© (1909–1945)
Person
Benennung
1975-06-26
Hintergrund
Deutsch-franzΓΆsischer kommunistischer WiderstandskΓ€mpfer gegen den Nationalsozialismus. Organisierte in den Askania-Werken illegale Aktionen, wurde 1944 im Zuge der Verhaftungswelle gegen die Saefkow-Jacob-BΓ€stlein-Organisation festgenommen und 1945 im Zuchthaus Brandenburg-GΓΆrden hingerichtet.

FrΓΌhere Namen

Alter Name Zeitraum Grund
Roederstraße 1975 Am 26. Juni 1975 nach dem NS-WiderstandskÀmpfer Karl Ladé umbenannt, im Zuge der Benennung des Fennpfuhl-Gebiets nach WiderstandskÀmpfern.

Zeitleiste

  1. 1896

    Die Villa am Fennpfuhl (heute Karl-Lade-Straße 79) wird errichtet – das Γ€lteste GebΓ€ude des Ortsteils.

    Quelle: Berlin-Fennpfuhl – Wikipedia
  2. 1909

    Karl LadΓ© wird am 25. November in Berlin geboren.

    Quelle: Karl LadΓ© – Wikipedia
  3. 1944

    Am 12. Juli wird LadΓ© im Zuge der Verhaftungswelle gegen die Saefkow-Jacob-BΓ€stlein-Organisation festgenommen.

    Quelle: Museum Lichtenberg – Karl Lade
  4. 1945

    Am 8. Januar wird Karl LadΓ© im Zuchthaus Brandenburg-GΓΆrden hingerichtet.

    Quelle: Karl LadΓ© – Wikipedia
  5. 1970

    In den 1970er Jahren entsteht die Großsiedlung Fennpfuhl; das Strassennetz wird neu angelegt.

    Quelle: Berlin-Fennpfuhl – Wikipedia
  6. 1975

    Am 26. Juni wird die bisherige Roederstraße nach dem WiderstandskÀmpfer Karl Ladé in Karl-Lade-Straße umbenannt.

    Quelle: Karl LadΓ© – Wikipedia

Kiez & AtmosphΓ€re

Heute erleben wir die Karl-Lade-Straße als ruhige Wohnachse mitten in der Großsiedlung Fennpfuhl. Zwischen den Plattenbauten der 1970er Jahre, begrünten Hâfen und der nahen Nahversorgung lebt es sich hier verkehrsberuhigt und gut angebunden. Der Fennpfuhlpark mit seinem See sorgt für Naherholung direkt vor der Haustür. Zugleich trÀgt die Strasse ein ernstes Erbe: Ihr Name hÀlt die Erinnerung an den WiderstandskÀmpfer Karl Ladé wach, und die historische Villa am Fennpfuhl erzÀhlt von der Zeit vor der Großsiedlung. Wir beobachten, dass gerade dieses Nebeneinander aus Gedenken, DDR-StÀdtebau und einem einzelnen Altbau die Karl-Lade-Straße zu einem charakteristischen Stück Lichtenberg macht.

Quellen

  1. kauperts.de Β· Web
  2. wikipedia.org Β· Web
  3. Karl LadΓ© – Wikipedia Β· Web
  4. Berlin-Fennpfuhl – Wikipedia Β· Web
  5. Karl Lade (1909–1945) – Museum Lichtenberg Β· Web
  6. Karl-Lade-Straße 2–79, 10369 Fennpfuhl – Kauperts Β· Web