Lindenstraße: Verlauf, Lage und Anbindung
Die Kreuzberger Lindenstraße vom Landwehrkanal bis zur Oranienstraße: Kollegienhaus und Jüdisches Museum, Jerusalemskirche, Synagoge, Namensherkunft und Anbindung.
Inhalt (9 Abschnitte)
- Wo verläuft die Lindenstraße in Kreuzberg?
- Woher hat die Lindenstraße ihren Namen?
- Was ist das Kollegienhaus in der Lindenstraße 14?
- Seit wann steht das Jüdische Museum an der Lindenstraße?
- Welche Orte an der Lindenstraße haben Geschichte geschrieben?
- Wie kommst du mit Bus und Bahn zur Lindenstraße?
- Welche Ämter sind für die Lindenstraße zuständig?
- Häufige Fragen zur Lindenstraße
- Quellen
Die Lindenstraße in Berlin-Kreuzberg führt rund 980 Meter vom Landwehrkanal an der Zossener Straße bis zur Kreuzung Rudi-Dutschke-Straße und Oranienstraße. An der Hausnummer 14 steht das Kollegienhaus von 1735, das älteste erhaltene Gebäude Kreuzbergs und heute Eingang des Jüdischen Museums Berlin. Die Postleitzahl ist 10969.
Die Lindenstraße gehört zu den ältesten Straßen Berlins und zur historischen südlichen Friedrichstadt. Laut Denkmaldatenbank plante Oberbaudirektor Philipp Gerlach das Viertel, sein Kollegienhaus von 1733 bis 1735 war das erste eigenständige Verwaltungsgebäude Berlins. Heute beginnt dort der Besuch im Jüdischen Museum Berlin mit dem Libeskind-Bau. Hier erfährst du, wo die Straße genau verläuft, woher der Name kommt, was an Kirche und Synagoge erinnert und wie du am besten hinkommst.
Wo verläuft die Lindenstraße in Kreuzberg?
Die Lindenstraße verläuft laut Kauperts Straßenführer von der Kreuzung Zossener Straße, Gitschiner Straße und Waterloo-Ufer am Landwehrkanal nach Norden bis zur Kreuzung Kochstraße, Oranienstraße und Axel-Springer-Straße. Die Kochstraße heißt an dieser Kreuzung heute Rudi-Dutschke-Straße. Die Straße liegt im Ortsteil Kreuzberg des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg.
Das Kreuzberg-Portal xhain.info gibt die Länge mit rund 980 Metern an. Quer- und Seitenstraßen sind unter anderem Alte Jakobstraße, Franz-Klühs-Straße, E.T.A.-Hoffmann-Promenade, Markgrafenstraße und Ritterstraße. Nördlich der Kreuzung führt der Straßenzug als Axel-Springer-Straße weiter, dieser Teil heißt seit 1996 so.
Wer über die Kreuzung hinausgeht, steht in der Oranienstraße oder an der früheren Kochstraße. Parallel im Westen liegt die Friedrichstraße.
Woher hat die Lindenstraße ihren Namen?
Die Lindenstraße ist nach Lindenbäumen benannt. Die Kreuzberger Chronik beschreibt einen Weg von Berlin nach dem Dorf Tempelhof, der schon um 1640 von Linden gesäumt war und später zur Teltower Landstraße ausgebaut wurde. Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden die ersten Häuser, und neben dem Landgut des Staatsministers Franz von Meinders lag eine königliche Lindenbaum-Plantage. So kam die Straße zu ihrem Namen.
Ein amtliches Benennungsdatum haben wir in den geprüften Quellen nicht gefunden. Klar ist dagegen die Einordnung: Die Straße gehört zur südlichen Friedrichstadt, deren Planung laut Landesdenkmalamt bei Philipp Gerlach lag.
Was ist das Kollegienhaus in der Lindenstraße 14?
Das Kollegienhaus in der Lindenstraße 14 ist ein Barockpalais, das von 1733 bis 1735 unter König Friedrich Wilhelm I. nach Plänen von Philipp Gerlach gebaut wurde. Es war laut Denkmaldatenbank das erste eigenständige Verwaltungsgebäude Berlins überhaupt und ist das letzte in der Außenhülle erhaltene Barockpalais der Friedrichstadt.
Hier saßen zunächst das Kammergericht, die Konsistorien, das Kurmärkische Lehnsarchiv und das Pupillencollegium, das Vormundschaftssachen beaufsichtigte. Nach dem Auszug des Kammergerichts nutzte ab 1913 nur noch das Konsistorium der Evangelischen Landeskirche das Haus. 1945 brannte es weitgehend aus. Von 1964 bis 1967 wurde es für das Berlin Museum wiederaufgebaut, innen entkernt, außen in alter Gestalt.
Ein Detail für Spaziergänger: Das Palais steht bewusst als Blickfang am südlichen Ende der Markgrafenstraße. Auch die E.T.A.-Hoffmann-Promenade, angelegt zur Internationalen Bauausstellung 1987, läuft von Westen auf das Gebäude zu.
Seit wann steht das Jüdische Museum an der Lindenstraße?
Das Jüdische Museum Berlin öffnete im Herbst 2001 im Kollegienhaus und im benachbarten Libeskind-Bau. Daniel Libeskind hatte laut Jüdischem Museum bereits 1989 den Wettbewerb für den Erweiterungsbau des Berlin Museums mit seinem Entwurf «Between the Lines» gewonnen. Gebaut wurde von 1993 bis 1998.
Den Zickzack-Bau mit Titanzink-Fassade erreichst du nur unterirdisch aus dem barocken Altbau. Noch vor der Eröffnung besichtigten knapp 350.000 Menschen das leere Gebäude. Gegenüber gehört die Akademie am Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz zum Museum. Und die Berlinische Galerie liegt nur wenige Schritte entfernt, an der Alten Jakobstraße 124 bis 128.
Welche Orte an der Lindenstraße haben Geschichte geschrieben?
Die Lindenstraße war bis zum Zweiten Weltkrieg eine dicht bebaute Straße mit Markthalle, Druckereien und Verlagshäusern am Rand des Zeitungsviertels, so die Kreuzberger Chronik. Die wichtigsten Orte und ihre Daten:
| Ort | Lage | Daten |
|---|---|---|
| Jerusalemskirche | Ecke Rudi-Dutschke-Straße | Kapelle 1484 erwähnt, Neubau 1728, zerstört 3. Februar 1945, Ruine abgerissen 9. März 1961 |
| Kollegienhaus | Nr. 14 | erbaut 1733 bis 1735, bis 1913 Kammergericht |
| Berliner Sternwarte | Nr. 103 (historische Zählung) | erbaut 1835, 1846 Entdeckung des Planeten Neptun |
| Synagoge Lindenstraße | im Hinterhof, Religionsschule im Vorderhaus Nr. 48 | eingeweiht 27. September 1891, Platz für 1.800 Menschen, brannte im November 1938 |
| SPD-Parteizentrale und «Vorwärts» | Nr. 2 bis 4 | Sitz bis zum SPD-Verbot 1933, Abriss 1962 |
| Gemeindezentrum Jerusalems- und Neue Kirche | Nr. 85 | Grundsteinlegung 1967 |
Von der alten Jerusalemskirche ist oberirdisch nichts geblieben. Der Grundriss ist laut Denkmaldatenbank am Ende der Rudi-Dutschke-Straße auf der Straßenoberfläche nachgezeichnet, eine Stele erklärt den Ort. Die Gemeinde baute laut kirchbau.de ab 1967 ein neues Gemeindezentrum in der Lindenstraße 85.
Die Synagoge Lindenstraße war über vier Jahrzehnte Zentrum der liberalen jüdischen Gemeinde im Süden der Stadt. Fünf Tage nach einer Abendansprache des Rabbiners am 4. November 1938 brannte sie, 1939 wurde sie beschlagnahmt und als Getreidespeicher genutzt, 1945 im Krieg zerstört. Heute erinnert ein Denkmal an das Haus.
Wie kommst du mit Bus und Bahn zur Lindenstraße?
Die Lindenstraße liegt im Tarifbereich A. Kauperts nennt die U-Bahn-Linien U1, U3 und U6 am Halleschen Tor und die U6 an der Kochstraße sowie die Buslinien M29, M41 und 248. Die Linie 248 fährt direkt durch die Straße und hält an der Haltestelle Jüdisches Museum. Aktuelle Fahrpläne und Umleitungen findest du bei der BVG.
Welche Ämter sind für die Lindenstraße zuständig?
Für Anwohner und Gewerbe an der Lindenstraße sind laut Kauperts diese Stellen zuständig:
- Amtsgericht, Grundbuchamt und Familiengericht: Kreuzberg
- Finanzamt: Friedrichshain-Kreuzberg
- Jobcenter: Friedrichshain-Kreuzberg; Arbeitsagentur: Berlin Mitte
- Polizei: Abschnitt 53
Häufige Fragen zur Lindenstraße
Ist das die Lindenstraße aus der ARD-Serie?
Nein. Die Fernsehserie «Lindenstraße» spielte in einer fiktiven Straße und wurde in München gedreht, wie die Kreuzberger Chronik festhält. Die erste Folge lief am 8. Dezember 1985 in der ARD, die 1758. und letzte Folge «Auf Wiedersehen» am 29. März 2020. Mit der Kreuzberger Lindenstraße hat die Serie nur den Namen gemeinsam.
Wie viele Lindenstraßen gibt es in Berlin?
Berlin hat mehrere Straßen dieses Namens, unter anderem in Kreuzberg und Pankow, wie die Kreuzberger Chronik aufzählt; Kauperts führt außerdem eine Lindenstraße in Köpenick mit der Postleitzahl 12555. Achte bei Adressen deshalb auf die Postleitzahl: Die Lindenstraße in Kreuzberg mit dem Jüdischen Museum hat die Postleitzahl 10969 und die Hausnummern 1 bis 116.
Wie komme ich zum Jüdischen Museum in der Lindenstraße?
Das Jüdische Museum empfiehlt die U-Bahn-Linien U1 und U6 bis Hallesches Tor oder die U6 bis Kochstraße. Die Buslinie 248 hält direkt an der Haltestelle Jüdisches Museum, die M29 an der Ecke Lindenstraße und Oranienstraße, die M41 an der Zossener Brücke. Das Museum rät, Zeitfenster-Tickets vorab online zu buchen.
Warum heißt die Straße Lindenstraße?
Der Name geht auf Lindenbäume zurück. Laut Kreuzberger Chronik führte schon um 1640 ein von Linden gesäumter Weg von Berlin nach Tempelhof. Als Anfang des 18. Jahrhunderts die ersten Häuser entstanden, lag an diesem Weg auch eine königliche Lindenbaum-Plantage. Ein genaues Benennungsdatum nennen die geprüften Quellen nicht.
Quellen
- Kauperts Straßenführer: Lindenstraße, 10969 Berlin-Kreuzberg (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Kollegienhaus, Lindenstraße 14 (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Bodendenkmal Jerusalemskirche (abgerufen am 29.09.2026)
- Kreuzberger Chronik: Die Lindenstraße (Februar 2008) (abgerufen am 29.09.2026)
- xhain.info: Lindenstraße (abgerufen am 29.09.2026)
- Jüdisches Museum Berlin: Der Libeskind-Bau (abgerufen am 29.09.2026)
- kirchbau.de: Jerusalemskirche Berlin (abgerufen am 29.09.2026)
- evangelisch.de: Abschied von der «Lindenstraße» (abgerufen am 29.09.2026)
- Berlinische Galerie: Besuch (abgerufen am 29.09.2026)
Namensgebung
- Namensgeber
-
Linden
Pflanze / Tier / Natur - Hintergrund
- Benannt nach Lindenbäumen: Schon um 1640 führte ein von Linden gesäumter Weg von Berlin nach Tempelhof, an dem auch eine königliche Lindenbaum-Plantage lag.
Quellen
- kauperts.de · Web
- wikipedia.org · Web