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Kochstraße: Verlauf, Lage und Anbindung

Zwischen Wilhelm- und Friedrichstraße: wer Johann Jacob Koch war, warum ein Teil Rudi-Dutschke-Straße heißt, was vom Zeitungsviertel blieb und welche Baudenkmale an der Straße stehen.

Inhalt (8 Abschnitte)
  1. Wo verläuft die Kochstraße?
  2. Nach wem ist die Kochstraße benannt?
  3. Warum heißt ein Teil der Kochstraße heute Rudi-Dutschke-Straße?
  4. Was war das Berliner Zeitungsviertel an der Kochstraße?
  5. Leuchteten in der Kochstraße Berlins erste elektrische Laternen?
  6. Welche Baudenkmale stehen an der Kochstraße?
  7. Häufige Fragen zur Kochstraße
  8. Quellen

Die Kochstraße ist eine kurze Straße in Berlin-Kreuzberg zwischen Wilhelmstraße und Friedrichstraße mit der Postleitzahl 10969. Den Namen trägt die Straße seit 1734 nach dem Kommunalpolitiker Johann Jacob Koch. Der östliche Teil wurde am 30. April 2008 in Rudi-Dutschke-Straße umbenannt. Rund um die Kochstraße lag das Zentrum des alten Berliner Zeitungsviertels.

Heute ist die Kochstraße nur noch ein kurzes Stück zwischen Wilhelmstraße und Friedrichstraße, und doch kennt fast jeder den Namen: vom U-Bahnhof am früheren Grenzübergang Checkpoint Charlie, aus der Geschichte der Berliner Zeitungen und aus dem Streit um die Rudi-Dutschke-Straße. Hier erfährst du, wem die Straße ihren Namen verdankt, was vom Zeitungsviertel geblieben ist, was es mit den ersten elektrischen Laternen auf sich hat und welche Bauten der Internationalen Bauausstellung an der Straße stehen.

Wo verläuft die Kochstraße?

Die Kochstraße verläuft laut Kauperts Straßenführer von der Wilhelmstraße bis zur Friedrichstraße, wo die Rudi-Dutschke-Straße anschließt. Die Straße liegt im Ortsteil Kreuzberg des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg und hat die Postleitzahl 10969. Die Hausnummern laufen auf der einen Seite von 1 bis 14 und auf der anderen zurück von 15 bis 29.

Der U-Bahnhof Kochstraße der U6 liegt an der Kreuzung mit der Friedrichstraße. Kauperts nennt außerdem die Buslinien M29, M41, M48 und 265 sowie den S-Bahnhof Anhalter Bahnhof mit S1, S2 und S25 (Stand: September 2026).

Nach wem ist die Kochstraße benannt?

Die Kochstraße trägt ihren Namen seit 1734 nach Johann Jacob Koch, der aus Aschersleben stammte und vor Mai 1751 in Berlin starb. Kauperts beschreibt ihn als Meiereibesitzer und Kommunalpolitiker: Seit 1721 war er Kommissar der Serviskammer, 1724 stellvertretender Bürgermeister von Berlin. Seine Meierei auf dem Tempelhofer Mühlenberg gab er auf, um das Bauland für die Straße unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Zum Dank erhielt er vom König die Baustellen Kochstraße 21 und 65 sowie Friedrichstraße 209.

Vorher hieß die Straße vom Anfang des 18. Jahrhunderts bis 1734 Kirchstraße. Den Abschnitt zwischen Charlottenstraße und Wilhelmstraße bebauten laut Kauperts 1734 Räte und Zünfte. Die Kochstraße gehört zur südlichen Friedrichstadt, deren barocke Wohnbebauung laut Denkmaldatenbank um 1900 weitgehend Geschäftshäusern gewichen war.

Warum heißt ein Teil der Kochstraße heute Rudi-Dutschke-Straße?

Der Abschnitt der Kochstraße zwischen Friedrichstraße und Lindenstraße heißt seit dem 30. April 2008 Rudi-Dutschke-Straße. Kauperts vermerkt außerdem, dass am 1. Juli 1964 ein neu angelegter Teil bis zur Lindenstraße ebenfalls als Kochstraße benannt worden war. Dieses östliche Stück führt an der Zentrale des Axel-Springer-Verlags vorbei.

Genau diese Nachbarschaft machte die Umbenennung zum Politikum. Der Spiegel berichtete im Dezember 2004, dass die Straße aller Voraussicht nach umbenannt werde und damit an die Springer-Zentrale grenze, «das Symbol der 68er-Studentenrevolte dicht vereint mit dem damaligen Klassenfeind». Die Familie Dutschke unterstützte den Vorschlag, die Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung warben dafür, die Berliner CDU lehnte ihn ab. Wirksam wurde die Umbenennung erst gut drei Jahre später.

Was war das Berliner Zeitungsviertel an der Kochstraße?

Das Berliner Zeitungsviertel war das Quartier der großen Verlage in der südlichen Friedrichstadt, und die Kochstraße bildete laut Kauperts zusammen mit Zimmerstraße und Jerusalemer Straße sein Zentrum. Das Berlin-Lexikon nennt die drei großen Namen: Ullstein erwarb 1881 das Haus Kochstraße 23, Mosse saß an der Jerusalemer Straße 46 bis 49 und der Schützenstraße, Scherl an der Zimmerstraße 40. Mehr über die Verlegerfamilien steht in unserem Beitrag zu Ullstein, Mosse und ihrem Erbe.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Viertel stark zerstört. Wiederbelebt wurde es nach 1945 an der Kochstraße, mit dem Springer-Verlag und später der «taz». Die Redaktion der «taz» zog nach Angaben der Denkmaldatenbank 1989 in das Geschäftshaus Kochstraße 18 von 1909, das heute die Adresse Rudi-Dutschke-Straße 25 trägt. Das schmale Kontorhaus mit vier Atlantenfiguren und großen Glasflächen steht unter Denkmalschutz.

Leuchteten in der Kochstraße Berlins erste elektrische Laternen?

Die Kochstraße gilt als Ort der ersten elektrischen Straßenbeleuchtung Berlins. Der Tagesspiegel datiert die Premiere auf den 20. Mai 1882 und schreibt, sie sei gründlich schiefgegangen: Das Licht der Laterne in der Kochstraße sei so schwach gewesen, dass es Hohn und Spott auslöste. Überzeugt habe erst die Beleuchtung am Potsdamer Platz wenige Monate später.

In der Literatur finden sich abweichende Angaben, etwa ein anderes Datum im Mai 1882 oder die Leipziger Straße als Ort der ersten Bogenlampen. Die oft zu lesende Behauptung, in der Kochstraße hätten die ersten elektrischen Straßenlaternen ganz Europas gebrannt, lässt sich mit den hier geprüften Quellen nicht belegen.

Welche Baudenkmale stehen an der Kochstraße?

Die Kochstraße hat mehrere eingetragene Baudenkmale, von der Kaiserzeit bis zur Internationalen Bauausstellung 1987. Die folgende Auswahl stammt aus der Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamts:

Baudenkmale an der Kochstraße (Auswahl), Stand: Denkmaldatenbank Berlin, abgerufen am 29.09.2026
Adresse Bau Datierung Architekten
Kochstraße 1–4 / Wilhelmstraße 36–38 Mietshaus der IBA 1987 Entwurf ab 1980/81 Aldo Rossi, Gianni Braghieri
Kochstraße 6–7 Haus Merkur, Bürohaus 1912–1913 Otto Bayer, Kurt Berndt
Kochstraße 15 / Friedrichstraße 209 Geschäftshaus, früher Hotel «Pariser Hof» 1906–1907, Wiederaufbau 1951–1953 Ludwig Engel
Kreuzung Koch- und Friedrichstraße U-Bahnhof Kochstraße 1920–1923 Heinrich Jennen, Alfred Grenander, Alfred Fehse

Das Eckhaus an der Wilhelmstraße ist der erste große Auftrag des Italieners Aldo Rossi außerhalb Italiens. Laut Denkmaldatenbank ging es aus dem Wettbewerb «Wohnen und Arbeiten in der Südlichen Friedrichstadt» hervor, die siebengeschossigen Hauseinheiten orientieren sich an der historischen Traufhöhe der Kochstraße. Das Haus Merkur wiederum war ein Kontorhaus des Kunsthändlers Arthur Dahlheim, in den 1920er-Jahren saßen hier zahlreiche Filmgesellschaften, in den 1930er-Jahren Büros der Reichsbahn. Die Merkurbüste über dem Eingang gab dem Haus den Namen.

Der U-Bahnhof Kochstraße gehört zur 1912 begonnenen Nord-Süd-Bahn, deren Bau im Ersten Weltkrieg stockte. Die gelb gestrichenen, genieteten Stützen und die Profilstahltore an den Eingängen stammen aus der Bauzeit. Der Bahnhof liegt nahe dem früheren Alliierten-Grenzübergang Checkpoint Charlie.

Häufige Fragen zur Kochstraße

Wo liegt die Kochstraße in Berlin?

Die Kochstraße liegt im Ortsteil Kreuzberg des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg und führt von der Wilhelmstraße bis zur Friedrichstraße. Dort geht sie in die Rudi-Dutschke-Straße über. Die Postleitzahl ist 10969, die Hausnummern laufen laut Kauperts auf der einen Seite von 1 bis 14 und auf der anderen zurück von 15 bis 29.

Warum wurde ein Teil der Kochstraße in Rudi-Dutschke-Straße umbenannt?

Der Abschnitt zwischen Friedrichstraße und Lindenstraße heißt seit dem 30. April 2008 Rudi-Dutschke-Straße. Die Umbenennung war ein politisches Symbol, weil die Straße an die Zentrale des Axel-Springer-Verlags grenzt. Der Spiegel sprach 2004 vom Symbol der 68er-Studentenrevolte, dicht vereint mit dem damaligen Klassenfeind. Die Familie Dutschke unterstützte den Vorschlag, die Grünen im Bezirk warben dafür, die Berliner CDU war dagegen.

Nach wem ist die Kochstraße benannt?

Die Kochstraße ist nach Johann Jacob Koch benannt, einem Meiereibesitzer und Berliner Kommunalpolitiker, der 1724 stellvertretender Bürgermeister war und vor Mai 1751 starb. Laut Kauperts gab er seine Meierei auf dem Tempelhofer Mühlenberg auf und stellte das Bauland für die Straße unentgeltlich zur Verfügung. Den Namen trägt die Straße seit 1734.

Welcher U-Bahnhof liegt an der Kochstraße?

An der Kreuzung mit der Friedrichstraße liegt der U-Bahnhof Kochstraße der U6. Er entstand von 1920 bis 1923 nach Plänen von Heinrich Jennen, Alfred Grenander und Alfred Fehse und steht unter Denkmalschutz. Die nächste S-Bahn hält am Anhalter Bahnhof mit S1, S2 und S25, dazu kommen die Buslinien M29, M41, M48 und 265.

Quellen

Namensgebung

Namensgeber
Hans Koch
Person
Benennung
1734
Hintergrund
Johann Jacob Koch († vor Mai 1751), Meiereibesitzer und Berliner Kommunalpolitiker, 1724 stellvertretender Bürgermeister. Er stellte das Bauland für die Straße unentgeltlich zur Verfügung.

Quellen

  1. kauperts.de · Web
  2. wikipedia.org · Web