Skalitzer Straße: Verlauf, Lage und Anbindung
Vom Wassertorplatz zum Schlesischen Tor: Verlauf, Postleitzahlen, die Schlacht hinter dem Namen, die erste Berliner Hochbahn von 1902, denkmalgeschützte Bahnhöfe und das Haus Nummer 32.
Inhalt (9 Abschnitte)
- Wo verläuft die Skalitzer Straße?
- Woher hat die Skalitzer Straße ihren Namen?
- Seit wann fährt die Hochbahn über der Skalitzer Straße?
- Was änderte die Mauer am Ostende der Skalitzer Straße?
- Welche Gebäude an der Skalitzer Straße stehen unter Denkmalschutz?
- Was geschah am 1. Mai 1987 an der Skalitzer Straße?
- Wer lebte in der Skalitzer Straße 32?
- Häufige Fragen zur Skalitzer Straße
- Quellen
Die Skalitzer Straße ist eine Hauptstraße in Kreuzberg und führt vom Wassertorplatz über das Kottbusser Tor bis zum Schlesischen Tor. Über ihrem Mittelstreifen fährt die Hochbahn der Linien U1 und U3, deren Strecke am 18. Februar 1902 als erste Berliner U-Bahn eröffnet wurde. Den Namen trägt die Straße seit 1868.
Wer an die Skalitzer Straße denkt, denkt an die Stahlträger der Hochbahn über dem Mittelstreifen. Die Straße ist eine Hauptachse von Kreuzberg SO 36: im Westen das Kottbusser Tor, im Osten Schlesische Straße und Oberbaumbrücke. Drei denkmalgeschützte Bahnhöfe stehen an ihr, dazu ein expressionistisches Postamt und eine Schule im Blockinneren. Hier erfährst du, wo die Straße genau verläuft, woher der Name stammt, wie die Hochbahn hierherkam und welche Geschichten an einzelnen Hausnummern hängen.
Wo verläuft die Skalitzer Straße?
Die Skalitzer Straße beginnt am Wassertorplatz und endet am Schlesischen Tor, wo Oberbaumstraße, Schlesische Straße und Köpenicker Straße zusammenkommen. So beschreibt es Kauperts Straßenführer. Unterwegs kreuzt sie das Kottbusser Tor und an der Station Görlitzer Bahnhof die Oranienstraße und die Wiener Straße. Die Straße liegt komplett im Ortsteil Kreuzberg im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.
Nummeriert ist nach dem Hufeisenprinzip: Auf einer Seite laufen die Hausnummern von 2 bis 72 nach Osten, auf der anderen von 73 bis 147A zurück. Die Postleitzahl hängt an der Hausnummer.
| Hausnummern | Postleitzahl |
|---|---|
| 2–38 und 108–147 | 10999 |
| 39–107 | 10997 |
Kauperts listet für die Straße die U-Bahnhöfe Kottbusser Tor (U1, U3, U8), Görlitzer Bahnhof und Schlesisches Tor (beide U1 und U3) sowie die Buslinien M29 und 140. Tipps für die Ecke rund um den Kotti sammeln wir in unseren Adressen am Kottbusser Tor.
Woher hat die Skalitzer Straße ihren Namen?
Die Skalitzer Straße heißt nach der Stadt Skalitz in Böhmen, heute Česká Skalice in Tschechien. Den Namen trägt sie laut Kauperts seit dem . Bei Skalitz besiegten am 28. Juni 1866, im Deutschen Krieg zwischen Preußen und Österreich, das V. preußische Korps unter General Steinmetz und eine Brigade des VI. Korps die österreichischen Truppen unter Erzherzog Leopold.
Vorher trugen die beiden Abschnitte andere Namen. Von 1849 bis 1868 hießen sie Kottbusser Kommunikation und Lausitzer Kommunikation. Am 1. Oktober 1975 kam noch ein Stück der Dresdener Straße hinzu, das seitdem ebenfalls Skalitzer Straße heißt.
Seit wann fährt die Hochbahn über der Skalitzer Straße?
Die Hochbahn über der Skalitzer Straße fährt seit dem . An diesem Tag eröffnete laut Berliner Untergrundbahn die erste Berliner U-Bahn-Strecke zwischen Stralauer Tor, östlich des heutigen Schlesischen Tors, und Potsdamer Platz. Gebaut wurde ab 1896, beginnend an der Prinzenstraße; entlang der Gitschiner und der Skalitzer Straße entstand Berlins erste Hochbahnstrecke. Am 17. August 1902 folgte die Verlängerung über die Oberbaumbrücke bis zur Warschauer Brücke.
Die drei Bahnhöfe an der Straße stehen unter Denkmalschutz, und sie sehen sehr verschieden aus:
| Bahnhof | Bauzeit | Entwurf | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Kottbusser Tor | 1926–1929 | Alfred Grenander, Alfred Fehse | Kreuzungsbahnhof mit der U8, ersetzte einen älteren Hochbahnhof weiter östlich |
| Görlitzer Bahnhof | 1898–1901 | Siemens & Halske | hieß bis 1926 Oranienstraße, filigrane Eisen-Glas-Halle nach einem Typenentwurf von 1891 |
| Schlesisches Tor | 1899–1901 | Grisebach & Dinklage | Massivbau in Neorenaissanceformen, benannt nach dem früheren Stadttor |
Die Station Görlitzer Bahnhof ist nach dem nahen Fernbahnhof benannt. Die Denkmaldatenbank beschreibt sie als «filigranes Ingenieurbauwerk» mit großen Rundbogenfenstern. Ganz anders das Schlesische Tor. Weil der Bahnhof am östlichen Knick der Straße auf einem platzartigen Raum steht, erhielt er laut Denkmaldatenbank eine aufwendige Hülle aus Stein statt einer nüchternen Stahl-Glas-Konstruktion. Am Kottbusser Tor verschob man die Hochbahnstation Ende der 1920er-Jahre, damit Fahrgäste bequem zur neuen U-Bahn darunter umsteigen konnten; die Linie nach Gesundbrunnen, heute U8, fährt dort seit 1928.
Was änderte die Mauer am Ostende der Skalitzer Straße?
Mit dem Mauerbau wurde das Schlesische Tor zur Endstation. Am 13. August 1961 wurde der Abschnitt über die Oberbaumbrücke zur Warschauer Straße stillgelegt, weil der Bahnhof Warschauer Straße in Ost-Berlin lag. Erst am 15. Oktober 1995 fuhren die Züge wieder über die Spree, zunächst als Linie U15, heute als U1.
Welche Gebäude an der Skalitzer Straße stehen unter Denkmalschutz?
Neben den drei Bahnhöfen stehen an der Skalitzer Straße unter anderem das Postamt SO 36 und eine Schule von 1887 unter Denkmalschutz. Das Postamt in der Skalitzer Straße 85–86 entstand 1925 bis 1927 nach Entwurf von Fritz Nissle. Die Denkmaldatenbank zählt es mit seinen expressionistischen Formen zu den herausragenden Postbauten der 1920er-Jahre in Berlin. Es steht auf dem früheren Exerzierplatz des 3. Garderegiments zu Fuß und ist eines der wenigen Gebäude, die zwischen den Weltkriegen in der Luisenstadt entstanden.
In der Skalitzer Straße 55–56 führt ein Zugang zu einer Schule im Blockinneren, der früheren 115. und 237. Gemeindeschule, heute Eberhard-Klein-Oberschule. Gebaut wurde sie 1886 und 1887 nach Entwurf von Stadtbaurat Hermann Blankenstein. Um Grundstückskosten zu sparen, nutzte man laut Denkmaldatenbank die Blockinnenfläche; an der Straße steht nur das dreigeschossige Lehrerwohnhaus mit Terrakottaschmuck.
Was geschah am 1. Mai 1987 an der Skalitzer Straße?
Am 1. Mai 1987 wurde der Bolle-Supermarkt an der Ecke Wiener und Skalitzer Straße geplündert und brannte nieder. Die Kreuzberger Chronik sieht in diesem Tag den Beginn der Tradition der Kreuzberger Mai-Krawalle; noch Jahre später blieb das Grundstück unbebaut. Wie der 1. Mai heute in Kreuzberg abläuft, liest du in unserem Überblick zur 1.-Mai-Demo 2026.
Wer lebte in der Skalitzer Straße 32?
In der Skalitzer Straße 32 lebte ab 1941 Margot Bendheim, die spätere Margot Friedländer. Die junge Frau musste mit Mutter und Bruder in eine sogenannte «Judenwohnung» im Vorderhaus ziehen, berichtet die Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin. 1943 verhaftete die Gestapo dort ihren Bruder. Die Mutter stellte sich, um bei ihm zu bleiben, und hinterließ der Tochter die Nachricht: «Versuche Dein Leben zu machen». Mutter und Bruder wurden in Auschwitz ermordet.
Margot Bendheim tauchte unter, wurde 1944 gefasst und nach Theresienstadt deportiert. Dort überlebte sie, heiratete Adolf Friedländer und ging 1946 in die USA. Seit 2010 lebte sie wieder in Berlin, 2018 wurde sie Ehrenbürgerin. Margot Friedländer starb am 9. Mai 2025. Vor dem Haus erinnert ein Stolperstein an sie. Der Platz vor dem Abgeordnetenhaus trägt seit 2026 ihren Namen, mehr dazu in unserem Beitrag zum Margot-Friedländer-Platz.
Häufige Fragen zur Skalitzer Straße
Nach wem ist die Skalitzer Straße benannt?
Die Skalitzer Straße ist nach der böhmischen Stadt Skalitz benannt, heute Česká Skalice in Tschechien. Dort siegten am 28. Juni 1866 im Deutschen Krieg preußische Truppen über die Österreicher. Den Namen trägt die Straße seit dem 24. Oktober 1868. Vorher hießen ihre Abschnitte Kottbusser Kommunikation und Lausitzer Kommunikation.
Welche U-Bahn fährt über die Skalitzer Straße?
Über die Skalitzer Straße fahren die Linien U1 und U3 als Hochbahn. Die Züge halten an den Bahnhöfen Kottbusser Tor, Görlitzer Bahnhof und Schlesisches Tor. Am Kottbusser Tor kannst du in die U8 umsteigen. Die Strecke wurde am 18. Februar 1902 als erste Berliner U-Bahn eröffnet.
Welche Postleitzahl hat die Skalitzer Straße?
Die Skalitzer Straße hat zwei Postleitzahlen. Für die Hausnummern 2 bis 38 und 108 bis 147 gilt 10999, für die Nummern 39 bis 107 gilt 10997. Die Straße liegt vollständig im Ortsteil Kreuzberg und gehört zum Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.
Warum endete die U-Bahn früher am Schlesischen Tor?
Die U-Bahn endete von 1961 bis 1995 am Schlesischen Tor, weil der Bahnhof Warschauer Straße jenseits der Oberbaumbrücke in Ost-Berlin lag. Der Abschnitt wurde am 13. August 1961 stillgelegt. Am 15. Oktober 1995 fuhren die Züge wieder bis zur Warschauer Straße, zuerst als U15, heute als U1.
Quellen
- Kauperts Straßenführer: Skalitzer Straße (abgerufen am 29.09.2026)
- Berliner Untergrundbahn: Linie U1 (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Hoch- und U-Bahnhof Kottbusser Tor (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Hochbahnhof Görlitzer Bahnhof (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Hochbahnhof Schlesisches Tor (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Postamt SO 36 (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: 115. und 237. Gemeindeschule (abgerufen am 29.09.2026)
- Kreuzberger Chronik: Der Mythos von Bolle, Mai 2004 (abgerufen am 29.09.2026)
- Stolpersteine in Berlin: Margot Bendheim (abgerufen am 29.09.2026)
Namensgebung
- Namensgeber
-
Skalitz
Ort / Geografie - Benennung
- 1868-10-24
- Hintergrund
- Benannt nach Skalitz, heute Česká Skalice in Tschechien. Dort siegten am 28. Juni 1866 im Deutschen Krieg preußische Truppen in einem Gefecht über die Österreicher.
Quellen
- kauperts.de · Web
- wikipedia.org · Web