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Berlin-Wahl 2026

Kulturpolitik Berlin: Linke vorn, Kulturetat bei 957 Millionen

Die Linke hat die Berlin-Wahl gewonnen und will den Kulturanteil am Haushalt auf 2,5 Prozent heben. Was die fünf Parteien im Abgeordnetenhaus für Kultur, Clubs und Museumssonntag planen und was der Kulturetat von 957,3 Millionen Euro hergibt.

Ariane Nagel Veröffentlicht · aktualisiert
Konzertsaal mit leeren Sitzreihen – Kulturpolitik Berlin vor der Wahl
Konzertsaal mit leeren Sitzreihen – Kulturpolitik Berlin vor der Wahl (KI-generiertes Symbolbild) Das Bild wurde mit Kuenstlicher Intelligenz erzeugt, ist keine fotografische Aufnahme und zeigt weder den Ort noch das geschilderte Geschehen.
Inhalt (7 Abschnitte)
  1. Wie steht es um den Berliner Kulturhaushalt?
  2. Was wollen die Parteien für Berlins Kultur?
  3. Was bedeutet das Wahlergebnis für die Kulturpolitik?
  4. BerlinEcho-Einordnung: Warum mehr Geld nicht schnell kommt
  5. Wer führt die Kulturverwaltung, und wie geht es weiter?
  6. Häufige Fragen zur Kulturpolitik nach der Berlin-Wahl
  7. Quellen

Nach der Abgeordnetenhauswahl vom 20. September 2026 hängt die Kulturpolitik in Berlin an der Koalitionsfrage. Wahlsiegerin Die Linke (25,7 Prozent) will den Kulturanteil am Landeshaushalt kurzfristig auf 2,5 Prozent erhöhen. Für 2026 sind 957,3 Millionen Euro für Kultur eingeplant, nach 1,026 Milliarden 2025. Den eintrittsfreien Museumssonntag wollen Linke, CDU, Grüne und SPD zurück.

Update vom 2. Oktober 2026: Ergänzt ist das erste Vorgespräch von Linke, Grünen und SPD am 1. Oktober; formelle Sondierungen haben noch nicht begonnen. Korrektur: Die frühere Fassung sprach von sechs Fraktionen und stellte Positionen der FDP dar. Die FDP ist mit 2,5 Prozent nicht mehr im Abgeordnetenhaus vertreten.

Die Kulturpolitik in Berlin steht nach der Wahl vom 20. September 2026 vor einem möglichen Kurswechsel. Nach dem vorläufigen Ergebnis des Landeswahlleiters wurde Die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft, vor CDU (18,8), AfD (16,3), Grünen (14,3) und SPD (12,1). Linke, Grüne und SPD kritisieren die Kürzungen im Kulturetat der vergangenen Jahre und wollen Mindesthonorare verbindlich machen. Die CDU setzt auf den von ihr aufgelegten Transformationsfonds und auf Investitionen in Opernhäuser. Die AfD will Museen und Archive vor der Förderung von Kulturschaffenden finanzieren. Wer künftig die Kulturverwaltung führt, ist offen.

Wie steht es um den Berliner Kulturhaushalt?

Der Berliner Kulturhaushalt ist 2026 kleiner als im Vorjahr. Laut Senatsverwaltung für Kultur sind im Einzelplan 08 für 2026 rund 957,3 Millionen Euro und für 2027 rund 974,5 Millionen Euro eingeplant; zum Vergleich nennt die Verwaltung 1,026 Milliarden Euro für 2025. Die damalige Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos) versprach im Dezember 2025, trotz des Konsolidierungsdrucks müsse kein Haus schließen.

Die Freie Szene sieht das anders. Der Rat für die Künste und die Koalition der Freien Szene nannten die Kürzungen in einer Stellungnahme vom 6. November 2025 einen Angriff auf die kulturelle Grundlage der Stadt. Der Kulturanteil falle unter 2 Prozent des Landeshaushalts, ein Drittel der geförderten Ateliers sei gefährdet. Beide Gruppen fordern mindestens 2,5 Prozent.

Berliner Kulturhaushalt laut Senatsverwaltung für Kultur (Pressemitteilung vom 19.12.2025)
Posten 2026 2027
Kulturetat (Einzelplan 08) 957,3 Mio. Euro 974,5 Mio. Euro
Transformationsfonds 17 Mio. Euro 17 Mio. Euro
Arbeitsräume für Künstler 21 Mio. Euro 19,7 Mio. Euro
Tarifsteigerungen 30 Mio. Euro 47,7 Mio. Euro
Mindesthonorare ca. 2,6 Mio. Euro ca. 2,6 Mio. Euro

Was wollen die Parteien für Berlins Kultur?

Die fünf Parteien im neuen Abgeordnetenhaus haben ihre Kulturpläne in den Wahlprogrammen festgelegt. BerlinEcho hat die Programme ausgewertet und, wo vorhanden, die Antworten auf die Wahlprüfsteine des Berufsverbands Bildender Künstler (bbk berlin) ergänzt; die Reihenfolge folgt dem Wahlergebnis.

Die Linke: 2,5 Prozent für Kultur

Die Linke will laut Wahlprogramm den Kulturanteil am Gesamthaushalt „kurzfristig auf 2,5 Prozent“ und später auf 3 Prozent anheben. Ein fester Anteil der City Tax soll in Bibliotheken, Musikschulen und Soziokultur fließen. Für 16- bis 21-Jährige plant die Partei einen Landes-KulturPass mit 100 Euro Guthaben pro Jahr, dazu ein 3-Euro-Ticket in allen öffentlichen Kulturinstitutionen und den eintrittsfreien Museumssonntag. Clubs sollen über eine Spielstättenförderung und einen größeren Schallschutzfonds geschützt werden. Dem bbk kündigte die Linke an, das Arbeitsraumprogramm wieder auf 25 Millionen Euro aufzustocken.

CDU: Hochkultur sichern, Strukturen bündeln

Die CDU schreibt im Regierungsprogramm 2026–2031: „Hochkultur ist kein Luxus.“ Die Sanierung der Komischen Oper sei auf den Weg gebracht, die Staatsoper in der Investitionsplanung. Kulturinstitutionen sollen enger zusammenarbeiten, Vorbild ist die Stiftung Oper. Über den Transformationsfonds will die Partei Depots bündeln und Ticketing zentral einkaufen. Das Arbeitsraumprogramm soll weiterlaufen, mit Fokus auf bestehende Räume. Das Programm „KulturLeben Berlin“ will die CDU auf Kinder und Jugendliche ausweiten, den Museumssonntag zurückholen. Geförderte Projekte sollen sich klar zum Grundgesetz und gegen Antisemitismus bekennen.

AfD: Erbe bewahren, Förderung umschichten

Die AfD sieht sich laut Programm als „Erben der christlich-abendländischen Kultur“. Die Finanzierung der Sammlungen und Archive soll „haushaltspolitisch Vorrang gegenüber der Förderung von Kulturschaffenden genießen“. Kulturförderung soll verpflichtet werden, keine Projekte gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung oder mit antisemitischer Tendenz zu finanzieren. Der Bund soll über den Hauptstadtkulturfonds mehr bezahlen. Die Partei beklagt fehlendes Personal in den Denkmalschutzämtern. Auf die Wahlprüfsteine des bbk hat die AfD laut Verband nicht geantwortet.

Grüne: Kulturfördergesetz und City Tax

Die Grünen wollen laut Landeswahlprogramm ein Kulturfördergesetz, das die Berliner Kulturlandschaft langfristig absichert, dazu verbindliche Mindesthonorare und -gagen. Die Freie Szene soll Einnahmen aus der City Tax bekommen. Den kostenfreien Museumssonntag wollen die Grünen wieder einführen und ausweiten, langfristig bis zu eintrittsfreien Dauerausstellungen der Landesmuseen. Weil der Bund den KulturPass gestrichen hat, soll Berlin ein eigenes Angebot entwickeln. Für Clubs mit kuratiertem Programm planen die Grünen eine eigene Förderung und einen Notfallfonds für bedrohte Orte.

SPD: Jugendkulturkarte und Stadtentwicklungsplan

Die SPD schreibt im Wahlprogramm: „Die starken Kürzungen gefährden diese Strahlkraft.“ Ein neues Kulturfördergesetz und ein Stadtentwicklungsplan Kultur sollen Kultur in der Stadtplanung verankern. Die Partei verspricht verbindliche Honoraruntergrenzen, den Museumssonntag und eine Jugendkulturkarte mit 50 Euro Kulturguthaben pro Jahr für alle Berliner zwischen 18 und 23 Jahren. Der Bund soll über den Hauptstadtfinanzierungsvertrag mehr Verantwortung für die Berliner Kultur übernehmen. Dem bbk sagte die SPD zu, den Fonds für Ausstellungsvergütungen wieder auf mindestens 650.000 Euro anzuheben.

Kulturpolitische Kernpunkte der Parteien im neuen Abgeordnetenhaus (Wahlprogramme 2026; Ergebnis und Sitze vorläufig, Stand 21.09.2026)
Partei Ergebnis / Sitze Geld und Strukturen Teilhabe Clubs
Die Linke 25,7 % / 47 Kulturanteil auf 2,5, später 3 Prozent; Anteil der City Tax KulturPass 16–21 Jahre (100 Euro), 3-Euro-Ticket, Museumssonntag Spielstättenförderung, Schallschutzfonds
CDU 18,8 % / 34 Hochkultur sichern, Transformationsfonds, Opern-Sanierung KulturLeben Berlin für Kinder und Jugendliche, Museumssonntag Grundstücke für Clubs und Kreative sichern
AfD 16,3 % / 29 Erhalt von Museen und Archiven vor Förderung von Kulturschaffenden keine Aussage im Programm keine Aussage im Programm
Grüne 14,3 % / 26 Kulturfördergesetz, City-Tax-Mittel für Freie Szene Museumssonntag ausweiten, Landes-Ersatz für KulturPass Förderkulisse und Notfallfonds für Clubs
SPD 12,1 % / 22 Kulturfördergesetz, Stadtentwicklungsplan Kultur, Bund stärker beteiligen 50 Euro Kulturguthaben für 18- bis 23-Jährige, Museumssonntag Clubs als kulturelle Infrastruktur sichern

Was bedeutet das Wahlergebnis für die Kulturpolitik?

Das Wahlergebnis stärkt die Parteien, die mehr Geld für Kultur versprochen haben. Linke, Grüne und SPD kommen nach vorläufiger Sitzverteilung auf 95 von 158 Sitzen, nötig sind 80. Bei Mindesthonoraren, einem Kulturfördergesetz, dem Museumssonntag und dem Schutz von Clubs liegen die drei nah beieinander. Unterschiede gibt es im Detail: Die Linke nennt als einzige eine feste Zielmarke für den Kulturanteil, SPD und Linke planen unterschiedliche Kulturguthaben für junge Menschen.

Ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD (82 Sitze) hätte einen anderen Schwerpunkt: Die CDU setzt auf Hochkultur, Investitionen in Opernhäuser und den Transformationsfonds, Grüne und SPD auf die Rücknahme von Kürzungen bei der Freien Szene. Einig sind sich alle vier Parteien außer der AfD beim Museumssonntag.

BerlinEcho-Einordnung: Warum mehr Geld nicht schnell kommt

  • Der Doppelhaushalt 2026/2027 steht. Mehr Geld für Kultur müsste ein neuer Senat über einen Nachtragshaushalt oder den nächsten Doppelhaushalt durchsetzen.
  • Laut taz gehört eine Haushaltslücke von rund 5 Milliarden Euro pro Jahr bis 2029 zu den Hürden der Sondierungen. Das Ziel der Linken von 2,5 Prozent konkurriert damit mit Wohnen, Verkehr und Sicherheit.
  • Die Förderaffäre um Antisemitismus-Projekte, über die Wedl-Wilson laut nachtkritik im April 2026 stürzte, prägt die Debatte weiter: CDU und AfD wollen Förderung an Bekenntnisse knüpfen; im Etat stehen laut Kulturverwaltung 8 Millionen Euro jährlich für einen Antisemitismusfonds.

Wer führt die Kulturverwaltung, und wie geht es weiter?

Die Berliner Kulturverwaltung wird bis zur Bildung eines neuen Senats kommissarisch von Finanzsenator Stefan Evers (CDU) geführt; das hatte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) laut Tagesspiegel nach dem Rücktritt von Sarah Wedl-Wilson entschieden. Mehr zur Affäre liest du in unserem Artikel zum Rücktritt von Wedl-Wilson.

Über den nächsten Senat sprechen Linke, Grüne und SPD seit dem 1. Oktober 2026 in Vorgesprächen; formelle Sondierungen haben noch nicht begonnen. Ein Parteitag der Linken beschloss laut ZDFheute am 25. September 2026, Grüne und SPD einzuladen; die Grünen sagten zu, der SPD-Landesvorstand stimmte am 26. September zu. Kultur gehört bislang nicht zu den öffentlich genannten Kernthemen: Genannt werden die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne, Verkehr, innere Sicherheit und die Antisemitismus-Vorwürfe gegen Teile der Berliner Linken. Die CDU wirbt parallel für ein Bündnis mit Grünen und SPD. Das erste, rund fünfstündige Vorgespräch am 1. Oktober drehte sich nach dpa-Angaben um Antisemitismus, Rassismus und organisierte Kriminalität und endete ohne Einigung beim Thema Antisemitismus. Welche Bündnisse möglich sind, zeigt unser Text zur Koalition in Berlin, die Pläne der Wahlsiegerin stehen im Überblick zum Wahlprogramm der Linken; aktuelle Kulturthemen findest du im Ressort Kultur.

Häufige Fragen zur Kulturpolitik nach der Berlin-Wahl

Kommt der eintrittsfreie Museumssonntag zurück?

Die Chancen stehen gut, beschlossen ist er aber nicht. Linke, CDU, Grüne und SPD haben die Wiedereinführung in ihren Wahlprogrammen versprochen, zusammen halten sie 129 der 158 Sitze im neuen Abgeordnetenhaus. Die Grünen wollen den Museumssonntag zudem schrittweise ausweiten, bis hin zu eintrittsfreien Dauerausstellungen der Landesmuseen. Einen Termin nennt keine Partei. Ob und ab wann er kommt, hängt vom Koalitionsvertrag und vom Geld im Landeshaushalt ab.

Wie hoch ist der Berliner Kulturhaushalt 2026?

Laut Kulturverwaltung (Pressemitteilung vom 19. Dezember 2025) stehen im Einzelplan 08 für 2026 rund 957,3 Millionen Euro und für 2027 rund 974,5 Millionen Euro bereit, jeweils plus 7,7 Millionen Euro in einem weiteren Kapitel. Zum Vergleich nennt die Verwaltung 1,026 Milliarden Euro für 2025. Die Koalition der Freien Szene kritisiert, der Kulturanteil liege damit unter 2 Prozent des Landeshaushalts.

Wer leitet gerade die Berliner Kulturverwaltung?

Seit dem Rücktritt von Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos) im April 2026 führt Finanzsenator Stefan Evers (CDU) die Kulturverwaltung kommissarisch mit. Wedl-Wilson hatte laut nachtkritik die Konsequenzen aus der Berliner Förderaffäre gezogen. Wer das Kulturressort im nächsten Senat übernimmt und wie es zugeschnitten wird, entscheidet sich erst in Koalitionsverhandlungen, die nach erfolgreichen Sondierungen beginnen könnten.

Quellen

Ariane Nagel

Redakteurin Kultur & Meinung

Ich bin Ariane, und ich schreibe das, was andere vielleicht nicht schreiben wollen: klare Meinungen. Bei BerlinEcho verantworte ich Kultur und Meinung – und ja, das passt gut zusammen, denn Kultur ohne Haltung ist Dekoration. Berlin ist kulturell …

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