Die Berliner CDU zieht mit Kai Wegner in die Abgeordnetenhauswahl – und kassiert prompt scharfe Kritik von der FDP. Beim Landesparteitag am Dienstagabend wurde der Regierende Bürgermeister mit 92,6 Prozent zum Spitzenkandidaten gewählt. Kurz darauf meldete sich FDP-Generalsekretär Peter Langer zu Wort und warf Kai Wegner unter anderem mangelhaftes Krisenmanagement vor. Wir ordnen Nominierung und Reaktionen ein.
📑 Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Nominierung: Kai Wegner wurde am Dienstag mit 92,6 Prozent (252 von 272 Stimmen) zum CDU-Spitzenkandidaten gewählt.
- Besonderheit: Erstmals trat mit Wolfram Wickert ein Gegenkandidat aus der Parteibasis an.
- Reaktion: FDP-Generalsekretär Peter Langer übte scharfe Kritik an Wegners Bilanz.
- Kontext: Die FDP ist seit 2023 nicht im Abgeordnetenhaus und kämpft um den Wiedereinzug.
- Wahltermin: 20. September 2026.
Die Nominierung: 92,6 Prozent mit Gegenwind

Auf dem Landesparteitag in Neukölln stimmten am Dienstagabend 252 von 272 Delegierten für Kai Wegner – ein Anteil von 92,6 Prozent in geheimer Wahl. Der CDU-Landesvorsitzende und Regierende Bürgermeister zeigte sich nach der Auszählung erleichtert: „92,6 Prozent in geheimer Abstimmung – das ist Unterstützung“, sagte er. „Ich will Regierender Bürgermeister bleiben – was denn sonst!“ Zugleich beschloss der Parteitag das Wahlprogramm.
Bemerkenswert: Anders als bei früheren Nominierungen gab es diesmal einen Gegenkandidaten – Wolfram Wickert, ein Basismitglied aus dem Kreisverband Mitte, hatte überraschend seine Kandidatur erklärt. Beobachter werteten das Ergebnis dennoch als Vertrauensvorschuss für Wegner, der die Partei in eine Wahl führt, die er selbst als richtungsweisend für die Stadt bezeichnet. Wie sich das Feld der Kandidatinnen und Kandidaten sortiert, zeigt sich derzeit quer durch die Parteien.
| Nominierung im Überblick | Angabe |
|---|---|
| Kandidat | Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister seit 2023 |
| Ergebnis | 92,6 Prozent (252 von 272 Stimmen), geheime Wahl |
| Gegenkandidat | Wolfram Wickert (Parteibasis, Kreisverband Mitte) |
| Ort | Landesparteitag in Berlin-Neukölln, 9. Juni 2026 |
| Wahl | Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 |
Was die FDP kritisiert
Die Reaktion der FDP ließ nicht lange auf sich warten. Generalsekretär Peter Langer warf Kai Wegner in einer Stellungnahme „Lügeneskapaden“, mangelhaftes Krisenmanagement und anhaltende Personalprobleme im Senat vor. „Berlin hat mehr verdient, als einen Regierenden, der zwar schnell große Worte findet, aber kaum Taten sprechen lässt“, erklärte Langer. Die Bilanz sei aus FDP-Sicht geprägt von einer schuldenfinanzierten Wirtschaftspolitik, verfehlten Wohnungsbauzielen und – so wörtlich – einer Stadt „am Rande der Verwahrlosung“.
Zur Einordnung gehört: Die FDP ist seit der Wiederholungswahl 2023 nicht im Abgeordnetenhaus vertreten und kämpft im September um den Wiedereinzug. Die Ankündigung, sich als „liberales Korrektiv“ zu positionieren und Wegner „kritisch zu begleiten“, ist damit auch Teil des eigenen Wahlkampfs – scharfe Abgrenzung vom Regierenden inklusive. Es handelt sich um die Bewertung einer konkurrierenden Partei, nicht um eine neutrale Bilanz.
Worauf sich die Vorwürfe beziehen
Sachlich anknüpfen kann die Kritik an Debatten der vergangenen Monate: Beim großen Stromausfall Anfang des Jahres wurde Wegner vorgehalten, am ersten Tag nicht in den betroffenen Stadtteilen gewesen zu sein. Zudem sorgte die Personalie eines inzwischen entlassenen Staatssekretärs für Schlagzeilen, gegen den Ermittlungen liefen. Auch in den eigenen Reihen gab es zuletzt Unruhe – viele CDU-Abgeordnete blicken angesichts der Umfragen mit Sorge auf ihre Mandate.
Wegner und die CDU verweisen ihrerseits auf ihre Regierungsbilanz seit 2023 – vom Wohnungsbau bis zur inneren Sicherheit – und darauf, dass die Partei trotz Gegenwinds weiter vorn liegt. Eine abschließende Bewertung der Senatsarbeit ist Sache der Wählerinnen und Wähler; die Themen reichen von der Haushaltslage über die Stadtsauberkeit bis zur Bildungspolitik.
Die Ausgangslage vor der Wahl
2023 holte die CDU mit Kai Wegner 28,2 Prozent und wurde mit Abstand stärkste Kraft; Wegner wurde der erste christdemokratische Regierungschef Berlins seit mehr als zwei Jahrzehnten. In aktuellen Umfragen liegt die Partei mit rund 19 bis 20 Prozent zwar weiter vorn, aber deutlich unter dem Ergebnis von damals – die aktuelle Koalition hätte demnach keine Mehrheit mehr.
Damit ist der Ausgang offen wie selten: Neben der CDU bringen sich Grüne, Linke, SPD, AfD und eben die FDP in Stellung, alle mit eigenen Spitzenleuten und Themen. Einen Überblick über die Stimmungslage geben die regelmäßigen Umfragen; über die Entwicklungen bis zum 20. September berichten wir laufend in unserem Politik-Ressort – auch aus dem Roten Rathaus, um das es am Ende geht.
Mit der Wegner-Nominierung ist das Kandidatenfeld für den 20. September weitgehend komplett – und der Ton wird rauer, wie die FDP-Reaktion zeigt. Wichtig fürs Einsortieren: Angriffe wie „Lügeneskapaden“ sind Wahlkampfrhetorik einer Partei, die selbst um den Wiedereinzug kämpft; die 92,6 Prozent wiederum sind ein innerparteiliches Signal, kein Wählervotum. Zwischen beidem liegt die eigentliche Frage dieser Wahl: Wie bewerten die Berlinerinnen und Berliner drei Jahre Schwarz-Rot? Die Antwort gibt es an der Wahlurne – nicht in Pressemitteilungen.
– Maik Möhring, Herausgeber, BerlinEcho
Quellen
| Quelle | Inhalt |
|---|---|
| Der Tagesspiegel | Nominierung, Ergebnis und Parteitag |
| t-online / dpa | Hintergrund zur Wahl und zur Ausgangslage |
| FDP Berlin | Stellungnahmen und Positionen der Partei |
Häufige Fragen zu Kai Wegner
Mit welchem Ergebnis wurde Kai Wegner nominiert?
Beim CDU-Landesparteitag in Neukölln erhielt er 92,6 Prozent: 252 von 272 Delegierten stimmten in geheimer Wahl für ihn. Erstmals gab es mit Wolfram Wickert einen Gegenkandidaten aus der Basis.
Was wirft die FDP Kai Wegner vor?
Generalsekretär Peter Langer kritisierte unter anderem das Krisenmanagement, Personalentscheidungen im Senat sowie die Wirtschafts- und Wohnungsbaupolitik. Es handelt sich um die Bewertung einer konkurrierenden Partei im Wahlkampf.
Sitzt die FDP derzeit im Abgeordnetenhaus?
Nein. Die FDP scheiterte bei der Wiederholungswahl 2023 an der Fünf-Prozent-Hürde und kämpft bei der Wahl am 20. September 2026 um den Wiedereinzug.
Wie steht die CDU in den Umfragen?
Aktuell bei rund 19 bis 20 Prozent – vorn, aber deutlich unter den 28,2 Prozent von 2023. Die derzeitige Koalition hätte laut Umfragen keine eigene Mehrheit mehr.
Wann wird gewählt?
Die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus findet am 20. September 2026 statt.
Unsere Einordnung
Nominierungen sind Pflicht, Wahlkampf ist Kür – und der hat mit dem Dienstag spürbar begonnen. Wir geben die Angriffe der FDP wieder, wie sie gefallen sind, und kennzeichnen sie als das, was sie sind: Positionen einer Wettbewerberin. Ebenso ordnen wir Wegners 92,6 Prozent ein. Unser Anspruch bleibt über den ganzen Wahlkampf derselbe: alle Seiten zu Wort kommen lassen, Behauptungen einordnen, keine Partei bevorzugen. Die Entscheidung trifft Berlin am 20. September.
– Maik Möhring, Herausgeber, BerlinEcho
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ℹ️ Transparenz-Hinweis: Dieser Artikel wurde unter Einsatz von KI-Tools (Claude, Gemini) recherchiert und vorstrukturiert, anschließend redaktionell überarbeitet und faktengeprüft durch die BerlinEcho-Redaktion. BerlinEcho berichtet überparteilich; zitierte Vorwürfe sind als Positionen der jeweiligen Partei gekennzeichnet und stellen keine Bewertung der Redaktion dar.





