Den Görlitzer Bahnbrücken droht die Sperrung zum 30. Juni 2026, da die Deutsche Bahn den Pachtvertrag wegen hoher Sanierungskosten gekündigt hat. Die wichtige Fuß- und Radwegverbindung zwischen Kreuzberg und Treptow steht damit vor dem Aus. Bislang hat der Berliner Senat keine Lösung präsentiert und ein entscheidendes Gespräch mit der Bahn fand nicht statt, wodurch die Zukunft der Trasse ungewiss bleibt.
Das Wichtigste in Kürze
- Vertragsende: Der Pachtvertrag der Deutschen Bahn für die Trasse endet offiziell am 30. Juni 2026.
- Betroffene Bauwerke: Vier historische und denkmalgeschützte Brückenbauwerke auf der Strecke sind sanierungsbedürftig.
- Politische Untätigkeit: Ein für Dezember 2025 angekündigtes Spitzengespräch zwischen dem Berliner Senat und der Bahn hat bis heute nicht stattgefunden.
- Wichtige Verbindung: Die Trasse stellt eine zentrale und sichere Fuß- und Radwegverbindung zwischen den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Treptow-Köpenick dar.
Warum kündigt die Deutsche Bahn den Pachtvertrag für die Bahnbrücken?
Das Areal, ein ehemaliger Bahndamm, über den bis in die 1980er Jahre Güterzüge rollten, ist Eigentum der Deutschen Bahn. Bereits 1993 verpachtete das Unternehmen die Flächen an den Bezirk Treptow-Köpenick. Seitdem entwickelte sich der Grünstreifen vom Ende des Görlitzer Parks bis zur Elsenstraße zu einer unverzichtbaren Verkehrsader für Anwohnende.
Der schlechte Erhaltungszustand der denkmalgeschützten Brücken ist jedoch seit Langem bekannt. Die DB argumentiert mit der Wirtschaftlichkeit und verweist auf die hohen Sanierungskosten. Da unklar ist, wer diese Millionenbeträge aufbringen soll, zog der Konzern die Konsequenz und kündigte den Vertrag zum 30. Juni 2026. Wie die Tageszeitung nd berichtet, wollte die Bahn die nicht mehr für den Bahnbetrieb benötigten Flächen ursprünglich dem Land Berlin schenken. Das Land lehnte jedoch aufgrund der befürchteten Folgekosten ab.

Welche Bedeutung hat die Trasse für Kreuzberg und Treptow?
Die drohende Sperrung der Görlitzer Bahnbrücken ist mehr als ein lokales Ärgernis; sie steht symbolisch für die Gefährdung wertvoller Grünflächen in der verdichteten Berliner Innenstadt. In den betroffenen Bezirken herrscht Unverständnis. „Hier wird eine neue Mauer zwischen Kreuzberg und Treptow aufgebaut“, kritisierte der Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, Oliver Igel (SPD), die Pläne. Die zuständige Baustadträtin Dr. Claudia Leistner (Grüne) betonte laut einer offiziellen Mitteilung des Bezirksamts die Unverzichtbarkeit sicherer Fuß- und Radwege in dieser Lage.
Auch der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg schließt sich dem Protest an. Bezirksstadträtin Annika Gerold (Grüne) nannte die Pläne einen schweren Einschnitt. Gerade in Zeiten, in denen über den Görlitzer Park und dessen nächtliche Schließung debattiert wird, wiegt der Wegfall angrenzender Freiräume besonders schwer. Für vulnerable Gruppen wie Rollstuhlfahrende oder Eltern mit Kinderwagen stellt ein Ausweichen auf den dichten Straßenverkehr eine massive Hürde dar.
| Fakt zum Areal | Detail / Status | Zuständigkeit |
|---|---|---|
| Eigentum | Deutsche Bahn (DB) | DB Immobilien |
| Pachtvertrag | Gekündigt zum 30.06.2026 | Bezirk Treptow-Köpenick |
| Zustand | 4 Brücken sanierungsbedürftig | Ungeklärt (Kostenfrage) |
| Geplante Aufwertung | Hundegarten, Anwohnergärten (gestoppt) | Bezirksamt |
Was unternimmt der Berliner Senat, um die Sperrung zu verhindern?
Die Politik auf Landesebene scheint das Problem bislang auszusitzen. Philipp Wohlfeil, Fraktionsvorsitzender der Linken in Treptow-Köpenick, kritisierte, dass ein bereits für Ende Dezember 2025 angekündigtes Spitzengespräch zwischen dem Senat und der Deutschen Bahn bis heute weder stattgefunden hat noch ein neuer Termin kommuniziert wurde.
Auf Anfragen reagierte die zuständige Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt äußerst knapp. Man habe zwar grundsätzlich Interesse an der weiteren Nutzung der Trasse, fürchte aber die kostenintensive Instandsetzung der Brücken. Einen konkreten Zeitplan für eine Zwischen- oder Dauerlösung blieb der Senat schuldig.

Gibt es Lösungsansätze zur Rettung der Görlitzer Bahnbrücken?
Um die drohende Schließung abzuwenden, hatte der Bezirk Treptow-Köpenick bereits konkrete Verbesserungen für das Areal geplant. Im Raum standen unter anderem Anwohnergärten und ein offizieller Hundeauslaufplatz. All diese Pläne zur Aufwertung der Grünfläche sind mit der Kündigung des Pachtvertrags hinfällig geworden.
Aus der Lokalpolitik kommt die Forderung, dass das Land Berlin die Finanzierung der Sanierung nicht vorschnell aufgeben dürfe. Es wird angeregt, Fördermittel des Bundes oder der EU für urbane Mobilitätsprojekte zu prüfen. Die Görlitzer Bahnbrücken sind nicht nur ein Naherholungsgebiet, sondern ein wichtiger Baustein der Verkehrswende. Jeder Radfahrende, der hier sicher unterwegs ist, entlastet die umliegenden Hauptverkehrsstraßen.

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Häufige Fragen zu Görlitzer Bahnbrücken
Wem gehören die Görlitzer Bahnbrücken aktuell?
Das gesamte Areal der Görlitzer Bahnbrücken befindet sich im Eigentum der Deutschen Bahn (DB). Das Unternehmen hatte die Flächen seit 1993 an den Bezirk Treptow-Köpenick verpachtet, damit diese als öffentliche Grünanlage genutzt werden können.
Wann genau werden die Görlitzer Bahnbrücken gesperrt?
Die Deutsche Bahn hat den Pachtvertrag zum 30. Juni 2026 gekündigt. Wenn bis zu diesem Datum keine Nachfolgelösung mit dem Senat gefunden wird, müssen Sie damit rechnen, dass die Wegeverbindung ab Juli 2026 durch Bauzäune abgeriegelt wird.
Warum kündigt die Deutsche Bahn den Vertrag für das Areal?
Die Kündigung erfolgt aus wirtschaftlichen Gründen. Die historischen Brückenbauwerke weisen Korrosionsschäden auf und müssen dringend saniert werden. Da die DB die hohen Kosten für eine Anlage, die keinem Bahnbetrieb mehr dient, nicht tragen will, zieht sie sich zurück.
Welche Bezirke sind von der Sperrung der Grünanlage betroffen?
Die Trasse verbindet Friedrichshain-Kreuzberg direkt mit Treptow-Köpenick (Alt-Treptow). Für Anwohner beider Bezirke ist sie eine der wenigen verkehrsfreien Routen abseits der stark befahrenen Elsenstraße und des Landwehrkanals.
Gibt es Pläne des Senats zur Rettung der Strecke?
Die Senatsverwaltung hat zwar ein grundsätzliches Interesse am Erhalt bekundet, scheut aber die Übernahme der Sanierungskosten. Ein eigentlich für Ende 2025 geplantes Spitzengespräch mit der Bahn fand nicht statt, weshalb aktuell kein konkreter Rettungsplan vorliegt.
Fazit
Dass die Görlitzer Bahnbrücken wegen eines ungelösten Kostenstreits zwischen dem Land Berlin und der bundeseigenen Deutschen Bahn geopfert werden sollen, ist ein fatales Signal für die Berliner Verkehrswende. In einer Stadt, die sich rühmt, klimagerecht und fahrradfreundlich zu werden, darf eine so zentrale Achse nicht einfach mit einem Bauzaun abgesperrt werden. Die Untätigkeit des Senats ist ein stadtpolitisches Armutszeugnis.
Es ist nun dringend erforderlich, dass die zuständige Senatsverwaltung ihre passive Haltung aufgibt und aktiv das Gespräch mit der Deutschen Bahn sucht. Für die Anwohnenden in Kreuzberg und Alt-Treptow sowie für die gesamte Stadtgesellschaft braucht es eine verbindliche und schnelle Lösung, die den Erhalt dieser wichtigen grünen Infrastruktur für die Zukunft sichert.
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