GHB, in der Szene „G“ oder „Liquid Ecstasy“ genannt, gilt Fachleuten als eine der gefährlichsten Substanzen im Berliner Nachtleben. Der Abstand zwischen gewünschter Wirkung und lebensbedrohlicher Überdosierung ist extrem klein und schwer zu kontrollieren. In Berlin wurden 2025 insgesamt 300 mit Drogen assoziierte Todesfälle registriert. Bei Bewusstlosigkeit gilt: sofort 112.
Wer bewusstlos ist oder sich nicht mehr wecken lässt, braucht sofort den Rettungsdienst. Bis der eintrifft: stabile Seitenlage, Atmung beobachten, die Person nicht allein lassen und nicht „ausschlafen“ lassen. Sag den Einsatzkräften offen, was konsumiert wurde – das ist für die Behandlung entscheidend und hat für dich keine strafrechtlichen Folgen.
Das Wichtigste in Kürze
- Substanz: GHB und die Vorstufen GBL und 1,4-Butandiol, im Nachtleben „G“ oder „Liquid Ecstasy“ genannt.
- Kernrisiko: Der Abstand zwischen Wirkung und Überdosierung ist sehr klein – und weil die Substanz meist flüssig und ungenau dosiert vorliegt, kaum kontrollierbar.
- Besonders gefährlich: die Kombination mit Alkohol oder anderen dämpfenden Substanzen.
- Berliner Lage: 2025 wurden 300 mit Drogen assoziierte Todesfälle registriert, 7,7 je 100.000 Einwohner nach 7,6 im Jahr davor.
- Fachliche Einschätzung: Die Charité-Arbeitsgruppe „Recreational Drugs“ zählt GHB und GBL zu den auffälligsten Entwicklungen im Berliner Nachtleben.
- Entzug: Ein Entzug kann lebensbedrohlich verlaufen und gehört in ärztliche Hände.
- Stand der Angaben: 18. August 2026.
Warum GHB als besonders gefährlich gilt
Bei den meisten psychoaktiven Substanzen liegt zwischen spürbarer Wirkung und ernster Vergiftung eine gewisse Spanne. Bei GHB ist dieser Abstand klein. Dazu kommt ein praktisches Problem: Die Substanz liegt in der Regel flüssig vor, oft in unbekannter Konzentration und ohne verlässliche Kennzeichnung. Zwei Portionen aus derselben Szene können sich deutlich unterscheiden.
Der zweite Risikofaktor ist die Zeit. Die Wirkung setzt verzögert ein – wer nachlegt, weil noch nichts passiert, kann die Wirkung beider Portionen gleichzeitig abbekommen. Genau dieses Muster steht hinter vielen Notfällen.
Der dritte Faktor ist der Mischkonsum. Zusammen mit Alkohol oder anderen dämpfenden Substanzen verstärkt sich die Wirkung auf die Atmung. Bewusstlosigkeit mit flacher oder aussetzender Atmung ist die typische Notfallsituation, nicht der viel beschriebene Rausch.
Die Charité-Arbeitsgruppe „Recreational Drugs“ unter Leitung von PD Dr. Felix Betzler forscht seit Jahren zu diesem Feld und benennt in ihren Arbeiten drei Hauptgefahren rund um GHB und GBL: Überdosierung, Abhängigkeit und lebensbedrohliche Entzugssyndrome.
Was die Berliner Zahlen sagen – und was nicht
Für 2025 registrierte die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege 300 mit Drogen assoziierte Todesfälle in Berlin. Bezogen auf die Bevölkerung stieg die Zahl von 7,6 je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Jahr 2024 auf 7,7 im Jahr 2025. Gesundheitssenatorin Ina Czyborra nannte jeden dieser Fälle „einen zu viel“.
Wichtig für die Einordnung: In dieser Gesamtzahl dominieren nicht Partysubstanzen, sondern vor allem Opioide. Berichte über eine Verdreifachung der GHB-Todesfälle beziehen sich auf einen kleinen Ausschnitt dieser Statistik – bei kleinen Ausgangszahlen führen wenige zusätzliche Fälle schnell zu großen Prozentsprüngen. Das macht die Entwicklung nicht harmlos, aber die Prozentzahl allein sagt wenig.
Was sich unabhängig davon belegen lässt: Der Zugang zu Substanzen ist nach Einschätzung der Senatsverwaltung einfacher geworden, und Berlin baut seine Frühwarnstrukturen aus – unter anderem mit einem Runden Tisch zu synthetischen Opioiden und der Beteiligung am bundesweiten Projekt so-par.
Notfall erkennen und richtig reagieren
- Warnzeichen: Die Person lässt sich nicht mehr wecken, atmet flach, unregelmässig oder gar nicht, die Lippen verfärben sich, es kommt zu Krampfanfällen oder Erbrechen im Liegen.
- Sofort 112 rufen. Nicht abwarten, ob es „von allein wieder wird“. Bei dämpfenden Substanzen ist genau dieses Abwarten der häufigste Fehler.
- Stabile Seitenlage, damit Erbrochenes ablaufen kann. Atmung beobachten, bis der Rettungsdienst da ist.
- Niemanden allein lassen und niemanden „ausschlafen“ lassen. Bewusstlosigkeit ist kein Schlaf.
- Offen sagen, was konsumiert wurde. Rettungskräfte behandeln, sie ermitteln nicht. Diese Information kann über die Behandlung entscheiden.
Wer im Nachtleben unterwegs ist, sollte auch die Risiken kennen, die nicht vom eigenen Konsum ausgehen. Worauf beim Schutz vor heimlich verabreichten Substanzen zu achten ist, steht in unserem Beitrag zu K.-o.-Tropfen im Berliner Nachtleben.
Der unterschätzte Teil: der Entzug
Der gefährlichste Moment liegt bei GHB oft nicht im Rausch, sondern danach. Bei regelmässigem Konsum kann sich rasch eine körperliche Abhängigkeit entwickeln, und das Absetzen kann schwere Entzugssyndrome auslösen – bis hin zu Verwirrtheitszuständen und Krampfanfällen. Ein Entzug im Alleingang ist deshalb keine gute Idee.
Wer den Ausstieg plant, sollte sich ärztlich begleiten lassen. Anlaufstellen gibt es in Berlin niedrigschwellig und kostenfrei, eine Diagnose oder Krankenversicherung ist für den ersten Kontakt nicht nötig.
Hilfe in Berlin
- Rettungsdienst 112 bei allen Notfällen – rund um die Uhr.
- Drogennotdienst Berlin: Beratung, Krisenhilfe und Vermittlung in weitere Angebote, auch anonym.
- Drug Checking Berlin: Das Land hat das Angebot als Maßnahme der Schadensminderung ausgebaut. Eine Analyse kann Beimischungen aufdecken, ersetzt aber keine Sicherheit.
- Suchtberatungsstellen der Bezirke: kostenfrei, auf Wunsch anonym, auch für Angehörige.
- Für Angehörige: Beratung gibt es auch dann, wenn die betroffene Person selbst noch nicht bereit ist.
Eine Übersicht der Berliner Anlaufstellen haben wir in unserem Beitrag zu den Beratungsstellen der Drogenhilfe gesammelt. Wie sich der Konsum im öffentlichen Raum entwickelt, beschreibt der Text zum Drogenkonsum in der U-Bahn. Weitere gesellschaftliche Themen stehen in der Rubrik Gesellschaft.
Quellen im Überblick
| Angabe | Quelle |
|---|---|
| 300 mit Drogen assoziierte Todesfälle 2025, Rate 7,7 je 100.000, Maßnahmen des Landes | Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, 21. Juli 2026 |
| Forschung zu GHB und GBL, Risiken Überdosierung, Abhängigkeit, Entzug | AG Recreational Drugs, Charité |
| Beratung und Krisenhilfe in Berlin | Drogennotdienst Berlin, Drug Checking Berlin |

Häufige Fragen zu GHB
Was ist GHB?
GHB ist eine dämpfend wirkende Substanz, die im Nachtleben als „G“ oder „Liquid Ecstasy“ bezeichnet wird. Verwandt sind die Vorstufen GBL und 1,4-Butandiol, die im Körper zu GHB umgewandelt werden. GHB unterliegt in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz.
Warum gilt GHB als besonders riskant?
Weil der Abstand zwischen gewünschter Wirkung und Überdosierung sehr klein ist und die Substanz meist flüssig und in unbekannter Konzentration vorliegt. Dazu kommt die verzögerte Wirkung, die zum Nachlegen verleitet, und die stark erhöhte Gefahr bei gleichzeitigem Alkoholkonsum.
Wie viele Drogentote gibt es in Berlin?
Für 2025 registrierte die Senatsverwaltung 300 mit Drogen assoziierte Todesfälle. Die Rate stieg von 7,6 auf 7,7 je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Den größten Anteil machen dabei nicht Partysubstanzen aus, sondern Opioide.
Was tue ich, wenn jemand nicht mehr ansprechbar ist?
Sofort 112 rufen, die Person in die stabile Seitenlage bringen, die Atmung beobachten und nicht allein lassen. Den Einsatzkräften offen sagen, was konsumiert wurde – das ist für die Behandlung wichtig und hat für die meldende Person keine strafrechtlichen Folgen.
Ist ein Entzug gefährlich?
Er kann es sein. Bei regelmässigem Konsum sind schwere Entzugssyndrome möglich, bis hin zu Verwirrtheit und Krampfanfällen. Ein Entzug sollte deshalb ärztlich begleitet werden. Beratungsstellen in Berlin vermitteln weiter, auf Wunsch anonym.
Wo bekomme ich in Berlin Hilfe?
Beim Drogennotdienst Berlin, bei den Suchtberatungsstellen der Bezirke und über das Drug-Checking-Angebot des Landes. Alle Angebote sind kostenfrei, für den ersten Kontakt braucht es weder Diagnose noch Krankenversicherung. Auch Angehörige können sich dort beraten lassen.
Fazit: Die Zahl allein erklärt wenig, das Risiko bleibt
Ob sich die Todesfälle mit GHB im vergangenen Jahr verdreifacht haben, lässt sich aus den öffentlich verfügbaren Berliner Daten nicht nachrechnen – dafür sind die Ausgangszahlen zu klein und die Statistik zu grob. Was sich sagen lässt: Die Substanz vereint drei Eigenschaften, die im Zusammenspiel gefährlich sind – geringer Abstand zur Überdosierung, unklare Konzentration und verzögerter Wirkeintritt. Wer im Notfall zögert, verliert die Zeit, auf die es ankommt. Deshalb steht die wichtigste Information dieses Textes ganz oben: 112.
🗞 Über den Autor: Julian Möhring – Redaktion Gesellschaft
Dieser Text nennt bewusst keine Mengenangaben. Er soll Notfälle erkennbar machen und den Weg zu Hilfe zeigen, nicht Konsum anleiten.
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