Verkehr 📅 24. Mai 2026 ⏱ 8 Min. 👁 7 Aufrufe

Drogenkonsum U-Bahn Berlin: U8 bleibt seit 30 Jahren Hotspot

Drogenkonsum U-Bahn Berlin: U8 wird zur Konsumzone. BVG setzt seit 2024 auf Reinigungsstreife mit 250 Sicherheitskräften. Was bringt es wirklich?

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Drogenkonsum U-Bahn Berlin am helllichten Tag: In der U8 Richtung Hermannstraße zog ein Mann am Sonntagvormittag, 24. Mai 2026, vor einer Familie mit Kindern eine Line eines weißen Pulvers – die Szene beschreibt Tagesspiegel-Reporter Robert Klages in seinem Kommentar. Sie ist kein Einzelfall: Die U8 gilt seit fast 30 Jahren als «Kriminalitätsbelasteter Ort». Die BVG investierte 2024 rund 700.000 Euro in eine erste «Reinigungsstreife» auf der Linie und baut ihr Sicherheitspersonal kontinuierlich aus. Was bringt das wirklich – und reicht es?

Kurz zusammengefasst
Drogenkonsum U-Bahn Berlin ist auf der U8 ein bekanntes Problem. Die BVG setzt 250 Sicherheitskräfte rund um die Uhr und rund 7.000 Kameras ein. Die seit Februar 2024 laufende Reinigungsstreife reduzierte Sicherheitsvorfälle laut BVG-Auswertung um 75 Prozent.

Das Wichtigste in Kürze

  • Tagesspiegel-Reporter Robert Klages beobachtete am 24. Mai 2026 mutmaßlichen Kokainkonsum in der U8 vor einer Familie mit Kindern.
  • Die U8 gilt seit rund 30 Jahren durchgehend als «Kriminalitätsbelasteter Ort» (KBO) der Polizei Berlin – damit darf dort anlasslos kontrolliert werden.
  • Die BVG startete im Februar 2024 das Pilotprojekt «Reinigungsstreife» auf der Süd-U8, Kosten: 700.000 Euro für drei Monate.
  • Bilanz nach drei Monaten: 334.000 Liter Müll entfernt, 81 Prozent positive Fahrgast-Resonanz, 75 Prozent weniger Sicherheitsvorfälle.
  • Rund 250 BVG-Sicherheitskräfte sind 24/7 unterwegs, im Schnitt 1.900 Einsatzstunden pro Tag (Stand 2024).
  • Polizei-Direktor Markus van Stegen (Direktion 5) nennt Crack als Hauptursache der zugespitzten Lage auf der U8.

Was geschah in der U8 Richtung Hermannstraße?

Drogenkonsum U-Bahn Berlin – Was geschah in der U8 Richtung Hermannstraße?
Was geschah in der U8 Richtung Hermannstraße?

Am Sonntagvormittag, 24. Mai 2026, schilderte Tagesspiegel-Redakteur Robert Klages in einem Kommentar eine Szene aus der U-Bahnlinie U8: Ein Mann rollte einen Zehneuroschein zusammen, zog weißes Pulver durch die Nase – und eine ihm gegenübersitzende Familie mit Kindern wurde unfreiwillig zur Zuschauerin. Klages ordnete die Substanz mutmaßlich als Kokain oder Amphetamin ein. Der Vorfall ist eine persönliche Beobachtung aus der Kolumne, keine bestätigte polizeiliche Lagemeldung.

Die U8 verbindet Wittenau in Reinickendorf mit der Hermannstraße in Neukölln – einmal quer durch fünf Bezirke. Hermannstraße liegt im Bezirk Neukölln, dessen Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) seit Jahren auf die strukturellen Probleme der Linie hinweist. Die mittleren Stationen Schönleinstraße, Kottbusser Tor und Hermannplatz liegen in Friedrichshain-Kreuzberg unter Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne).

Drogenkonsum U-Bahn Berlin: Warum die U8 als Problem-Linie gilt

Der Drogenkonsum U-Bahn Berlin verteilt sich nicht gleichmäßig über alle neun Linien. Die U8 ist die Brennpunkt-Strecke – und das nicht erst seit gestern. Seit fast 30 Jahren steht sie auf der internen Polizei-Liste der «Kriminalitätsbelasteten Orte» (KBO). Andere Berliner Orte verschwanden im Lauf der Jahre von dieser Liste – die U8 nie. An KBOs darf die Polizei Berlin verdachtsunabhängig kontrollieren.

Markus van Stegen, Chef der zuständigen Polizei-Direktion 5 City, brachte gegenüber dem Tagesspiegel die Ursache auf ein Wort: Crack. Die rauchbare Kokain-Variante hat das Konsumverhalten an den U8-Bahnhöfen ab etwa 2022 verändert – aggressiver, sichtbarer, öffentlicher. Bahnhöfe wie Kottbusser Tor, Schönleinstraße, Hermannplatz und Leinestraße gelten als Hotspots. Drei davon liegen in Friedrichshain-Kreuzberg, zwei in Neukölln. Ein Sanierungsstau verstärkt die Lage: Die Sanierung des Bahnhofs Schönleinstraße war jahrelang verschoben worden, der aktuelle Baustart liegt bei 2026.

BVG-Reinigungsstreife: Was die Bilanz 2024 zeigt

Im Februar 2024 startete die BVG zusammen mit Reinigungspartner Dr. Sasse das Pilotprojekt «Reinigungsstreife» auf dem Südabschnitt der U8 – zwischen Jannowitzbrücke, Kottbusser Tor und Hermannplatz. Kosten: 700.000 Euro für drei Monate. Vorgestellt wurde das Projekt vom Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU), gemeinsam mit BVG-Vorstandschef Henrik Falk und Vertretern der Polizei Berlin.

Die Bilanz nach drei Monaten: 334.000 Liter Abfall wurden zwischen den drei Hauptbahnhöfen weggekehrt. BVG-Chef Falk sprach von einer für ihn «negativ beeindruckenden» Müllmenge. Wichtiger fürs Sicherheitsgefühl: 81 Prozent der rund 10.000 befragten Fahrgäste bewerteten die Maßnahme positiv. Die Zahl der Vorfälle, bei denen das Sicherheitspersonal eingreifen musste, sank laut BVG um 75 Prozent.

Im Mai 2024 wurde das Projekt auf die gesamte Linie ausgeweitet – von Wittenau bis Hermannstraße. Die Kosten für die sechsmonatige zweite Phase lagen laut BVG-Pressemitteilung «bei weniger als dem Doppelten» der ersten Phase, also unter 1,4 Millionen Euro. Die Polizei Berlin steuerte allein in der Pilotphase rund 2.700 Einsatzkräftestunden bei. Im Dezember 2024 kündigte die BVG an, das Modell schrittweise auf weitere Linien zu übertragen.

250 Sicherheitskräfte und 7.000 Kameras: Wie die BVG sonst schützt

Die offizielle BVG-Sicherheitsstatistik (Stand 2024) liefert nüchterne Zahlen: Rund 250 Sicherheitskräfte sind 24 Stunden am Tag in den Fahrzeugen und Bahnhöfen unterwegs – das ergibt rund 1.900 Einsatzstunden pro Tag. Die Bahnhöfe Kottbusser Tor, Hermannplatz, Alexanderplatz und Osloer Straße sind dauerhaft besetzt. Die Endbahnhöfe Wittenau und Hermannstraße werden nachts zwischen 20 und 5 Uhr bestreift.

Hinzu kommt die Videoüberwachung: Seit 2022 sind alle U-Bahnhöfe und die komplette Fahrzeugflotte mit Kameras ausgerüstet – rund 7.000 Kameras insgesamt. 2026 schließt die BVG die letzten Lücken in Bahnhöfen wie Pankstraße und Birkenstraße. Diskutiert wird parallel der Einsatz KI-gestützter Mustererkennung, biometrische Gesichtserkennung ist nach BVG-Angabe aber nicht im System.

Was Wegner, Bonde und der Senat dazu sagen

Der Berliner Senat hat das Thema politisch klar besetzt. Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister seit April 2023, nennt das Reinigungsstreife-Modell ein «Erfolgsmodell» und einen Schlüssel zur Verkehrswende. Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU), seit Mai 2024 im Amt und früher Geschäftsführerin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB), betont Sauberkeit und Sicherheit als Voraussetzungen für höhere ÖPNV-Nutzung – und hat öffentlich das Ziel von 99 Prozent durchschnittlicher U-Bahn-Zuverlässigkeit bis Herbst 2026 ausgegeben.

BVG-Aufsichtsratsvorsitzende ist Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). In der zweiten Projektphase kam zusätzlich die Polizei-Direktion 1 dazu, parallel arbeitet die BVG enger mit sozialen Trägern. Kritisch begleitet das Kristian Ronneburg (Linke), verkehrspolitischer Sprecher im Abgeordnetenhaus, der Bonde wiederholt vorwirft, soziale und Verkehrsprobleme nicht zusammenzudenken. Die Berliner Mietergewerkschaft und der Fahrgastverband IGEB fordern parallel mehr Konsumräume und aufsuchende Sozialarbeit in den Bahnhöfen.

🗞 BerlinEcho-Einordnung

Seit Februar 2024 läuft die Reinigungsstreife auf der U8 – also gut zwei Jahre. In dieser Zeit hat die BVG 334.000 Liter Müll entfernt und nach eigener Zählung 75 Prozent weniger Sicherheitsinterventionen gemessen. Konkret für die Berliner heißt das: Die Bahnhöfe sind sichtbar sauberer geworden, das subjektive Sicherheitsgefühl bei der Mehrheit gestiegen. Was die offene Drogenproblematik selbst angeht, ist eine BVG-Reinigungsstreife allerdings nicht das passende Werkzeug – die Crack-Krise an Kottbusser Tor und Hermannplatz ist primär eine Sucht- und Sozialpolitik-Aufgabe. Solange Berlin hier keine durchsetzungsfähigen Konsumräume und Beratungsangebote in U-Bahn-Nähe schafft, bleibt jede Reinigung Symptom-Management – und die Tagesspiegel-Szene wiederholt sich.

Quellen und Hintergrund

Quelle Inhalt
Tagesspiegel Robert Klages, Kommentar «Koksen vor Kindern in der U-Bahn» vom 24.05.2026
BVG Offizielle BVG-Sicherheitsstatistik: 250 Sicherheitskräfte, rund 7.000 Kameras, 1.900 Einsatzstunden/Tag (2024)
BVG Pressemitteilung Reinigungsstreife-Ausweitung auf gesamte U8, Mai 2024
Berlin.de Vereidigung Ute Bonde als Verkehrssenatorin (23.05.2024)

Häufige Fragen zum Drogenkonsum in der Berliner U-Bahn

Welche U-Bahn-Linie hat in Berlin die meisten Drogen-Vorfälle?

Die U8 zwischen Wittenau (Reinickendorf) und Hermannstraße (Neukölln) gilt als die problematischste Linie. Sie ist als einziger Berliner Brennpunkt seit rund 30 Jahren durchgehend als «Kriminalitätsbelasteter Ort» eingestuft. Hotspots sind Kottbusser Tor, Schönleinstraße, Hermannplatz und Leinestraße.

Was kostet die BVG-Reinigungsstreife auf der U8?

Die erste dreimonatige Pilotphase ab Februar 2024 kostete 700.000 Euro. Die anschließende sechsmonatige Ausweitung auf die gesamte U8 lag laut BVG «bei weniger als dem Doppelten» der Pilotphase, also unter 1,4 Millionen Euro. Eine offizielle Gesamtbilanz für 2025 und 2026 hat die BVG bisher nicht veröffentlicht.

Wie viele Sicherheitskräfte hat die BVG insgesamt?

Rund 250 Sicherheitskräfte sind nach BVG-Angaben rund um die Uhr unterwegs – in Bahnhöfen und Fahrzeugen. 2024 leisteten sie im Schnitt 1.900 Einsatzstunden pro Tag. Bahnhöfe wie Kottbusser Tor, Hermannplatz, Alexanderplatz und Osloer Straße sind 24 Stunden besetzt, die Endhaltestellen Wittenau und Hermannstraße nachts zwischen 20 und 5 Uhr.

Warum ist die U8 ein «Kriminalitätsbelasteter Ort»?

Die Polizei Berlin führt eine interne Liste mit Orten, an denen erfahrungsgemäß überdurchschnittlich viele Straftaten passieren. An diesen Orten darf anlasslos kontrolliert werden. Die U8 steht seit den 1990er-Jahren durchgehend auf dieser Liste – Hauptgründe sind Drogenhandel, offener Drogenkonsum und damit verbundene Gewaltdelikte. Polizei-Direktor van Stegen verweist konkret auf die Crack-Welle ab 2022 als Verschärfung.

Wo kann ich Drogenkonsum in der BVG melden?

Akute Vorfälle gehen über den Notruf 110 der Polizei Berlin oder die Notrufsäulen direkt am Bahnsteig. Die BVG bietet zusätzlich eine Sicherheits-Servicenummer (030 256 27071) sowie die BVG-FahrInfo-App. Wer selbst oder eine angehörige Person Hilfe sucht, findet bei der Sucht- und Drogenhotline der BZgA unter 01806 313031 anonyme Beratung. Bei sensiblen Lagen wie Suizidalität: Telefonseelsorge 0800 111 0 111.

Unsere Einordnung

Der Tagesspiegel-Kommentar trifft einen Nerv – aber die Geschichte ist älter. Auf der U8 ist offener Drogenkonsum seit der Crack-Welle 2022 eine wiederkehrende Realität, und der BVG-Werkzeugkasten – 250 Sicherheitskräfte, 7.000 Kameras, Reinigungsstreife – verbessert nachweislich das Sicherheitsgefühl. Das eigentliche Problem, eine sichtbare Sucht im urbanen Raum, löst er nicht. Hier ist die Berliner Sucht- und Sozialpolitik gefragt: mehr Konsumräume, mehr aufsuchende Sozialarbeit an den U8-Bahnhöfen. Bis dahin gilt: Wer Kinder in der Bahn schützen will, setzt sich für funktionierende Hilfsstrukturen ein – und beschränkt sich nicht auf Empörung.

– Hannes Nagel, Wirtschafts- und Verkehrsredakteur, BerlinEcho

ℹ️ Transparenz-Hinweis: Dieser Artikel wurde unter Einsatz von KI-Tools (Claude, Gemini) recherchiert und vorstrukturiert, anschließend redaktionell überarbeitet, mit Berliner Lokalkenntnis ergänzt und faktengeprüft durch die BerlinEcho-Redaktion.

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HN
✍ Über den Autor
Redakteur Wirtschaft & Verkehr

Ich bin Hannes, und ich schreibe bei BerlinEcho über Wirtschaft und Verkehr – zwei Themen, die in Berlin enger zusammenhängen, als man denkt. Wer in einer Stadt wohnt, in der die BVG täglich ausläuft und gleichzeitig das teuerste Pflaster für Büroflächen in Deutschland vermietet wird, merkt das. Beim Wirtschaftsthema interessieren mich weniger die Quartalszahlen grosser Konzerne als die Frage: Wer profitiert eigentlich von Berlins Wachstum, und wer nicht? Die Startup-Förderung, der Immobilienmarkt, die Haushaltspolitik des Senats – das sind Themen, die das Leben von echten Menschen verändern. Beim Verkehr ist mein Ansatz ähnlich: nicht die Pressemitteilung der BVG, sondern der Alltag der Fahrgäste. Ich fahre selbst täglich mit dem ÖPNV und weiss, was gemeint ist, wenn wieder mal "erhebliche Verspätungen" gemeldet werden. Für Hinweise und Recherche-Tips bin ich über Twitter und LinkedIn erreichbar.

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