Die Tram M6 Marzahn fährt wieder durch: Seit Samstag, dem 23. Mai 2026, rollen die BVG-Straßenbahnlinien M6 und 16 nach sieben Monaten Sperrung endlich wieder durchgehend vom Bezirk Marzahn-Hellersdorf bis zur City-Endstation am Hackeschen Markt. Grund für die monatelange Unterbrechung waren die Arbeiten am Ersatzneubau der Marzahner Brücken am Schnittpunkt von Landsberger Allee und Märkischer Allee – einem der grössten Verkehrsknoten im Berliner Osten. Für rund 57.000 Fahrgäste, die allein die Linie M6 täglich nutzen, endet damit eine quälende Phase mit Umsteigen am S-Bahnhof Marzahn und überfüllten Ersatzstrecken.
📋 Das Wichtigste in Kürze
- Wiedereröffnung: Samstag, 23. Mai 2026 – Tram M6 Marzahn und Linie 16 fahren wieder durch
- Strecke: Von Hellersdorf bzw. Riesaer Straße über S-Bahnhof Marzahn bis Hackescher Markt (M6) bzw. Frankfurter Allee (16)
- Dauer der Sperrung: Sieben Monate – ursprünglich waren nur zwei Monate bis Dezember 2025 geplant
- Fahrgastzahlen: 57.000 Fahrgäste täglich allein auf der M6 (Stand 2024), zusammen mit Linie 16 bis zu 18 Bahnen pro Stunde und Richtung
- Erste Testfahrt: Donnerstag, 21. Mai 2026 – erst dann war die Wiedereröffnung gesichert
- Provisorium: Die Tram fährt aktuell über die nördliche Auto-Brücke der Landsberger Allee, zwei Auto-Spuren entfallen vorerst
- Endgültiger Trambrücken-Neubau: Fertigstellung Sommer 2027
- Gesamtprojekt Marzahner Knoten: Bauarbeiten seit 2022, Fertigstellung 2029, Gesamtkosten rund 224 Millionen Euro
- U5 weiter unterbrochen: Zwischen Hellersdorf und Wuhletal noch bis 19. Juli 2026
📖 Inhaltsverzeichnis
- Was sich für Fahrgäste der Tram M6 Marzahn ab sofort ändert
- Sieben Monate Sperrung – die Chronik der Verlängerungen
- Wie die provisorische Strecke über die Auto-Brücke entstand
- Doppelt belastet: U5 weiter bis Juli unterbrochen
- Das 224-Millionen-Projekt Marzahner Knoten
- BerlinEcho-Einordnung
- Quellen-Tabelle
- FAQ
- Fazit
🚊 Was sich für Fahrgäste der Tram M6 Marzahn ab sofort ändert
Seit dem Wochenende fährt die Tram M6 Marzahn wieder ihre vollständige Strecke. Von der Endhaltestelle Riesaer Straße in Hellersdorf rollt sie über den S-Bahnhof Marzahn, die Landsberger Allee und die City-Ost-Strecke bis zum Hackeschen Markt in Mitte. Auch die Linie 16, die parallel zwischen Ahrensfelde/Stadtgrenze und Frankfurter Allee verkehrt, ist wieder durchgehend in Betrieb. Bisher endeten beide Linien Richtung Innenstadt bereits am S-Bahnhof Marzahn – wer weiter wollte, musste umsteigen.
Die Fahrzeit der M6 zwischen Hellersdorf und Hackescher Markt beträgt nach BVG-Angaben rund 50 bis 55 Minuten, je nach Tageszeit und Verkehrslage. Im Berufsverkehr fahren die Linien M6 und 16 zusammengenommen 18 Bahnen pro Stunde und Richtung – eine der dichtesten Tram-Takte Berlins. Genau diese Dichte zeigte sich in den vergangenen sieben Monaten als grosses Problem: Wer die direkten Verbindung verlor, wich auf die parallel verkehrenden Linien M8 und 18 aus. Fahrgäste berichteten dort von chronisch überfüllten Bahnen.
📅 Sieben Monate Sperrung – die Chronik der Verlängerungen

Die Geschichte der gesperrten Tram M6 Marzahn ist eine Chronik immer neuer Termine. Ursprünglich war die Unterbrechung zwischen Oktober und Dezember 2025 angekündigt – also gerade einmal zwei Monate. Dann kam der erste Aufschub. Dann der zweite. Erst die Testfahrt am Donnerstagmorgen, dem 21. Mai 2026, bestätigte, dass die Linie nun tatsächlich wieder durchfahren kann.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| Oktober 2025 | Sperrung Marzahner Knoten beginnt, geplante Dauer zwei Monate |
| Dezember 2025 | Erste Verlängerung – neuer Zieltermin: April 2026 |
| März 2026 | Zweite Verlängerung – Begründung: harter Winter, Minustemperaturen |
| 21. Mai 2026 | Erste Testfahrt einer Straßenbahn über die neue Strecke |
| 23. Mai 2026 | Wiederaufnahme des regulären Tram-Betriebs M6 und 16 |
Petra Nelken, Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Verkehr, hatte die zweite Verlängerung im März 2026 mit den anhaltenden Minustemperaturen begründet: Die notwendigen Gleisbau- und Oberleitungsarbeiten an der bauzeitlichen Umfahrungsstrecke seien aufgrund des Wetters nicht planmäßig umgesetzt worden. Arne Huhn, Leiter der Abteilung Brückenbau in der Senatsverkehrsverwaltung, hatte rückblickend auf LinkedIn ergänzt, das Nachprüfungsverfahren zum Vergabeverfahren und die Genehmigungen für die ungewöhnliche Gleisverlegung auf die neue Straßenbrücke seien nicht trivial gewesen.
🌉 Wie die provisorische Strecke über die Auto-Brücke entstand
Die Lösung, mit der die Tram M6 Marzahn nun wieder rollt, ist verkehrspolitisch ungewöhnlich. Statt einer eigenen Tram-Trasse fahren die Bahnen nun über die nördliche Auto-Brücke der Landsberger Allee, die als Teil des Marzahner-Knoten-Neubaus errichtet wurde. Für den Tram-Betrieb wurden auf dieser neuen Auto-Brücke zwei Fahrspuren für PKW und LKW geopfert. Eine bemerkenswerte Entscheidung in einer Berliner Verkehrspolitik, die ansonsten eher dem Auto Vorrang einräumt.
Die alte Straßenbahnbrücke über die S-Bahn-Strecke der S75 ist bereits abgerissen. Der eigentliche Trambrücken-Neubau, der die Provisorium-Lösung später ablösen soll, befindet sich im Bau und soll laut Senatsverkehrsverwaltung im Sommer 2027 fertig sein. Eine kleine Ausnahme: Die östliche Trambrücke näher am S-Bahnhof Marzahn bleibt erhalten – sie ist in deutlich besserem Zustand und der geplanten neuen Straßenführung nicht im Weg.
🚇 Doppelt belastet: U5 weiter bis Juli unterbrochen
Während sich die Lage für die Tram M6 Marzahn entspannt, bleibt der zweite grosse Schmerzpunkt im Bezirk bestehen: Die U5, die wichtigste Schnellverbindung von Hellersdorf in die Innenstadt, ist seit dem 11. Mai 2026 zwischen den Bahnhöfen Hellersdorf und Wuhletal gesperrt. Grund sind Gleisbauarbeiten und der Einbau eines neuen Signalsystems. Die Sperrung dauert nach BVG-Angaben noch bis zum 19. Juli 2026.
Damit hat Hellersdorf zwischen Mai und Juli 2026 zeitweise beide direkten Schienenverbindungen ins Zentrum verloren – ein Doppel-Stresstest für rund 195.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Bezirksteil Hellersdorf, von denen viele auf den ÖPNV angewiesen sind. Mit der Wiedereröffnung der M6 wird zumindest die Tram-Belastung gemildert. Das ist auch politisch relevant: Marzahn-Hellersdorf gehört zu den Bezirken mit den niedrigsten PKW-Quoten Berlins und ist damit besonders stark auf BVG-Linien angewiesen.
💶 Das 224-Millionen-Projekt Marzahner Knoten
Die Wiedereröffnung der Tram M6 Marzahn ist Teilzwischenschritt eines viel grösseren Vorhabens: der vollständige Ersatzneubau des Marzahner Knotens am Schnittpunkt Landsberger Allee und Märkische Allee. Die alten Straßenbrücken aus DDR-Zeiten sind teilweise 50 Jahre alt und in deutlich schlechtem Zustand – Risse, Korrosion, Tragfähigkeitsprobleme. Seit 2022 laufen die Arbeiten. 2024 wurden die Gesamtkosten mit rund 224 Millionen Euro beziffert. Die Fertigstellung ist für 2029 vorgesehen.
| Eckdaten Marzahner Knoten | Wert |
|---|---|
| Baubeginn | 2022 |
| Geplante Fertigstellung | 2029 |
| Gesamtkosten | ca. 224 Mio. € |
| Tram-Brückenneubau | Sommer 2027 |
| Alter der Altbrücken | bis 50 Jahre |
| Fahrgäste M6 täglich (2024) | ~57.000 |
| Bahnen pro Stunde und Richtung (M6+16, Hauptverkehr) | 18 |
Geplant ist eine höhenungleiche Stadtstraßenkreuzung mit Ampelschaltung. Die innenliegenden Auf- und Abfahrtsrampen werden zurückgebaut. Der Anschluss der Gewerbegebiete „Knorrbremse“ und „ALBA“ erfolgt künftig über eine ampelgeregelte Kreuzung. Der Fußgängertunnel im Bereich der Tram-Haltestelle wird instand gesetzt. Auch Rad- und Fußwege werden neu angelegt – die bislang fehlende Infrastruktur war ein zentraler Grund für den Neubau.
🔎 Recherche-Quellen im Überblick
| Aspekt | Details | Quelle |
|---|---|---|
| Wiedereröffnung | Tram M6 und 16 fahren ab 23.05.2026 wieder durch | nd-aktuell.de |
| Fahrgastzahlen | 57.000 Fahrgäste täglich M6 (2024) | nd-aktuell |
| Marzahner Knoten Projekt | Drei Brückenknoten, 224 Mio. €, Fertigstellung 2029 | Senatsverwaltung |
| BVG Linienübersicht M6 | Hellersdorf Riesaer Straße bis Hackescher Markt | BVG |
| BVG Linienübersicht 16 | Ahrensfelde Stadtgrenze bis Frankfurter Allee | BVG |
| U5 Sperrung | 11.05.–19.07.2026 zwischen Hellersdorf und Wuhletal | BVG |
| Senatssprecherin Nelken | Begründung Verlängerung – Minustemperaturen | nd-aktuell |
🏛️ BERLINECHO-EINORDNUNG
Was die Meldung „endlich wieder durch“ nicht erzählt
Die Wiedereröffnung ist eine gute Nachricht für rund 57.000 Tram-Fahrgäste täglich. Aber sie ist auch eine politische Lehrstunde. Vier Punkte, die in der reinen BVG-Pressemeldung untergehen.
1. Zwei Monate angekündigt, sieben Monate geliefert – das Vertrauensthema
Die Spanne zwischen Versprechen und Realität ist im Berliner Verkehrsbau erschreckend gross geworden. Im Oktober 2025 hieß es: bis Dezember 2025. Geworden sind es Mai 2026. Die Begründungen – Vergabeverfahren, Minustemperaturen, Genehmigungen – sind plausibel, aber sie addieren sich für die Fahrgäste zu einer Erfahrung: BVG-Termine sind erst dann real, wenn die Bahn rollt. Diese Erkenntnis prägt die Pendlerstimmung – auch für künftige Bauphasen.
2. Verkehrspolitisch bemerkenswert: Tram bekommt Auto-Spuren
Dass auf der neuen nördlichen Auto-Brücke der Landsberger Allee zwei Fahrspuren für die Straßenbahn geopfert werden, ist – wie das nd in seiner Berichterstattung treffend bemerkt – ungewöhnlich für die aktuelle Verkehrspolitik des Berliner Senats. Es ist allerdings eine Notlösung, kein Programm. Im Sommer 2027 soll die eigene Trambrücke fertig sein, dann sind die Auto-Spuren wieder Auto-Spuren.
3. Hellersdorf ist der eigentliche Verlierer der Doppelsperrung
Während M6 und 16 nun wieder rollen, leben die Menschen östlich vom S-Bahnhof Marzahn weiter mit einer gesperrten U5 zwischen Hellersdorf und Wuhletal – noch bis 19. Juli. Hellersdorf hat überdurchschnittlich viele ältere Menschen, viele Familien mit Kindern und eine geringe PKW-Quote. Der ÖPNV ist hier nicht Komfort, sondern Grundinfrastruktur.
4. Der Marzahner Knoten zeigt das Berliner Infrastruktur-Problem in Reinform
Brücken aus DDR-Zeiten, 50 Jahre alt, längst abgängig – und die Erneuerung wird erst angegangen, als sie nicht mehr verschiebbar ist. 224 Millionen Euro, sieben Jahre Bauzeit, drei Brückenknoten. Berlin hat dutzende vergleichbarer Bauwerke im Stadtgebiet. Die Frage ist nicht, ob solche Sperrungen kommen, sondern wann das nächste „eigentlich nur zwei Monate“ zur Siebenmonatsgeschichte wird.
📌 EHRLICHE EINORDNUNG:
Die Tram M6 Marzahn fährt wieder – das ist die Schlagzeile. Die eigentliche Geschichte ist die Differenz zwischen Versprechen und Liefern in Berliner Verkehrsprojekten. Für die Fahrgäste zählt am Ende, dass die Bahn rollt. Für die Politik sollte zählen, dass das Vertrauen in Termine nicht weiter erodiert.
Hannes Nagel · Wirtschafts- & Verkehrsredakteur BerlinEcho
Als Verkehrsredakteur beobachte ich die Berliner ÖPNV-Großprojekte seit Jahren – von der S21 über das Karower Kreuz bis zum Marzahner Knoten. Mein Anspruch: technische Genauigkeit, klare Quellen, Blick auf die Fahrgäste, nicht nur auf die Pressemitteilungen.
❓ Häufig gestellte Fragen zur Tram M6 Marzahn
Ab wann fährt die Tram M6 Marzahn wieder durchgehend?
Die Tram M6 Marzahn fährt ab Samstag, dem 23. Mai 2026, wieder durchgehend von Hellersdorf bis zum Hackeschen Markt. Auch die Linie 16 ist auf der gesamten Strecke wieder in Betrieb.
Wie lange war die Strecke gesperrt?
Sieben Monate. Die Sperrung begann im Oktober 2025 und endete am 23. Mai 2026. Ursprünglich waren nur zwei Monate vorgesehen – die Wiederinbetriebnahme wurde zweimal verschoben.
Warum dauerten die Bauarbeiten so lange?
Die Senatsverwaltung nannte ein Nachprüfungsverfahren zum Vergabeverfahren, umfangreiche Genehmigungsverfahren für die Gleisverlegung auf die neue Straßenbrücke und die anhaltenden Minustemperaturen im Winter 2025/2026 als Gründe.
Wo genau verläuft die neue Tram-Strecke?
Die Tram fährt provisorisch über die neu gebaute nördliche Auto-Brücke der Landsberger Allee, zwischen den Kreuzungen Landsberger Allee/Märkische Allee und dem S-Bahnhof Marzahn. Auf dieser Brücke wurden für die Tram zwei Auto-Fahrspuren reserviert.
Wie viele Fahrgäste nutzen die M6 täglich?
Laut Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) nutzten 2024 rund 57.000 Fahrgäste täglich allein die Tram M6 Marzahn. Zusammen mit der Linie 16 fahren im Berufsverkehr 18 Bahnen pro Stunde und Richtung – einer der dichtesten Tram-Takte Berlins.
Wann wird die endgültige Trambrücke fertig?
Die endgültige neue Trambrücke über die S75-Strecke soll laut Senatsverwaltung im Sommer 2027 fertiggestellt sein. Bis dahin fährt die Tram über die provisorische Strecke auf der nördlichen Auto-Brücke der Landsberger Allee.
Was kostet der Marzahner Knoten insgesamt?
Die Gesamtkosten für den Ersatzneubau des Marzahner Knotens wurden 2024 mit rund 224 Millionen Euro beziffert. Das Projekt umfasst drei Brückenknoten, neue Verkehrsanlagen, Rad- und Fußwege sowie die Erneuerung der westlichen Trambrücke.
Ist auch die U5 noch betroffen?
Ja. Die U5 ist parallel vom 11. Mai 2026 bis zum 19. Juli 2026 zwischen Hellersdorf und Wuhletal gesperrt. Grund sind Gleisbauarbeiten und der Einbau eines neuen Signalsystems. Auf diesem Abschnitt verkehren Ersatzbusse.
🏁 Fazit: Eine gute Nachricht mit Sternchen
Für 57.000 Fahrgäste täglich ist die Wiedereröffnung der Tram M6 Marzahn eine echte Erleichterung – nach sieben Monaten Umsteigen, überfüllten Ersatzbahnen und immer neuen Terminverschiebungen kommt der Berliner Osten endlich wieder direkt ins Zentrum. Die Botschaft, die der Senat liefert, klingt versöhnlich: Lieber später richtig als früher fehlerhaft. Für die Pendlerinnen und Pendler aus Hellersdorf, Marzahn und Lichtenberg bleibt aber die Erfahrung, dass Bauzeitpläne in Berlin elastisch sind.
Und das nächste Kapitel folgt schon: Bis Juli pendelt die U5 nur eingeschränkt, bis Sommer 2027 entsteht die eigentliche Trambrücke, bis 2029 läuft das gesamte Projekt Marzahner Knoten. Die Tram fährt – das Bauen geht weiter. BerlinEcho wird die nächsten Etappen begleiten.
🗞 Über den Autor: Hannes Nagel – Wirtschafts- & Verkehrsredakteur BerlinEcho
Ich beobachte die Berliner Verkehrspolitik und die ÖPNV-Großprojekte seit Jahren. Mein Anspruch: präzise Daten, klare Quellen, der Blick aus der Fahrgastperspektive – ohne Behördensprech.
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