Wilmersdorfer Straße: Verlauf, Lage und Anbindung
Charlottenburgs Einkaufsstraße im Überblick: Verlauf, Fußgängerzone seit 1978, der alte Weg nach Wilmersdorf, Baudenkmale und was aus dem ehemaligen Karstadt werden soll.
Inhalt (7 Abschnitte)
Die Wilmersdorfer Straße ist die Einkaufsstraße von Charlottenburg. Die Straße führt von der Otto-Suhr-Allee bis zur Lewishamstraße am Adenauerplatz, ihr mittlerer Teil ist seit 1978 Fußgängerzone über der U7. Der Name stammt von einem alten Feldweg nach Wilmersdorf. Seit Karstadt im Januar 2024 schloss, sucht die Straße einen neuen Magneten.
Die «Wilmersdorfer», wie viele Berliner sie nennen, ist älter, als ihr Ruf als Shoppingmeile vermuten lässt. Im Norden stehen Häuser aus dem frühen 19. Jahrhundert, in der Mitte Warenhäuser und Einkaufszentren, im Süden bürgerliche Mietshäuser bis zum Kurfürstendamm. Das Bezirksamt spricht in einem Kiezspaziergang von «drei Gesichtern einer Straße». Hier liest du, wo sie verläuft, woher der Name kommt, welche Häuser unter Denkmalschutz stehen und wie es nach dem Karstadt-Aus weitergeht.
Wo verläuft die Wilmersdorfer Straße?
Laut Kauperts Straßenführer beginnt die Wilmersdorfer Straße an der Otto-Suhr-Allee und der Eosanderstraße und endet an der Lewishamstraße. Dazwischen kreuzt sie unter anderem die Bismarckstraße, die Schillerstraße und die Kantstraße. Die Postleitzahlen sind 10585, 10627 und 10629, zuständig ist der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.
Ein häufiger Irrtum: Die Straße liegt nicht in Wilmersdorf. Die Straße liegt komplett in Charlottenburg und führt nur nach Wilmersdorf, darauf weist auch das Bezirksamt ausdrücklich hin. Am Südende, vom Adenauerplatz aus, schließt sie direkt an den Kurfürstendamm an.
Wo genau die Fußgängerzone beginnt und endet, beschreiben die Quellen unterschiedlich. Das Bezirksamt nennt den Abschnitt zwischen Krummer Straße und Schillerstraße, Kauperts den Abschnitt zwischen Schillerstraße und Stuttgarter Platz. Einig sind sich beide: Das Herzstück liegt rund um die Kreuzung mit der Kantstraße, direkt über dem U-Bahnhof.
Woher hat die Wilmersdorfer Straße ihren Namen?
Die Straße war ursprünglich ein Feldweg zwischen den Dörfern Lützow und Wilmersdorf. Schon 1794 ist der Name «Wilmersdorfischer Weg» nachgewiesen, seit etwa 1824 heißt sie Wilmersdorfer Straße. Davor trug sie im 18. Jahrhundert laut Kauperts den Namen Kleine Spreestraße; das Bezirksamt schreibt «Kleine Speerstraße».
Auf dem Stadtplan von 1824 reichte sie nur von der Brauhof- bis zur Wallstraße. 1874 ging sie bereits bis zur Bismarckstraße, zwischen 1894 und 1900 kam die Verlängerung bis zum Kurfürstendamm hinzu. Im Norden war sie früher länger: Bis 1928 führte sie über die heutige Otto-Suhr-Allee hinaus bis zum Tanzlokal Flora an der Spree. Am 16. August 1928 wurde dieser Teil in die Eosanderstraße einbezogen.
Namensgeber Wilmersdorf war lange ein kleines Angerdorf mit 626 Einwohnern im Jahr 1840. Nach 1871 wuchs es rasant, 1906 wurde es Stadt, 1920 Teil von Groß-Berlin. Seit der Bezirksfusion 2001 bildet es mit Charlottenburg einen gemeinsamen Bezirk.
Welche Häuser an der Wilmersdorfer Straße stehen unter Denkmalschutz?
Mehr als 30 Häuser der Straße stehen laut Kiezspaziergang des Bezirksamts unter Denkmalschutz. Die ältesten findest du im Norden, wo die Straße zum alten Charlottenburg gehört. Eine Auswahl aus der Denkmaldatenbank:
| Adresse | Bauwerk | Datierung |
|---|---|---|
| Nr. 17 / Haubachstraße 14 | Mietshaus | vor 1819, Umbau 1880 |
| Nr. 18 / Haubachstraße 13, 15 | Wohnhäuser, darunter ein eingeschossiges Ackerbürgerhaus | vor 1823, 1865, 1875 |
| Bismarckstraße 79, 80, Ecke Nr. 39 | Mietshaus mit Läden, Entwurf Otto March | 1905–1907 |
| Nr. 112 / Kantstraße 56A | Geschäftshaus der Gebrüder Lindow | 1951 |
| Nr. 149 | Mietshaus mit Läden, Entwurf Alfred Schrobsdorff | 1893–1894 |
Die Kreuzung mit der Haubachstraße nennt das Bezirksamt eine der stadthistorisch interessantesten in Berlin. Das einstöckige Eckhaus Haubachstraße 13 / Wilmersdorfer Straße 18 stammt aus der Zeit vor 1823 und entspricht der ursprünglichen Bebauung um 1705, für die Eosander von Göthe ein barockes Modellhaus entworfen hatte. Daneben stehen zweigeschossige Bauten von 1865 und 1880, danach folgen die fünfstöckigen Mietshäuser der Gründerzeit.
Eine Anekdote aus derselben Ecke: Im heutigen Haus Nummer 19, damals Nummer 13, wohnte laut Adressbuch 1885/86 der preußische Scharfrichter Julius Krautz.
Was bedeutet das Karstadt-Aus für die Fußgängerzone?
Das Warenhaus an der Ecke Wilmersdorfer Straße 118 und Goethestraße galt als ältestes Kaufhaus der Stadt. Laut Bezirksamt wurde es 1906 als «Graff und Heyn» gegründet, später zog Karstadt ein. Mitte Januar 2024 schloss die Filiale, berichtete die Berliner Zeitung. Die Folgen der Insolvenz haben wir im Beitrag zur Karstadt-Schließung in der Wilmersdorfer Straße beschrieben.
Das Bezirksamt will laut Pressemitteilung vom 23. Januar 2024 mit dem Eigentümer einen städtebaulichen Vertrag schließen: nachhaltig bauen, Wohnen, Gewerbe und Kultur mischen, die Aufenthaltsqualität der Straße verbessern. Im April 2025 stellte das Büro Drees & Sommer im Stadtentwicklungsausschuss eine Machbarkeitsstudie vor. Die Studie sieht laut Entwicklungsstadt Läden im Erdgeschoss, Büros in den Obergeschossen und rund 40 Wohnungen im hinteren Bereich vor, dafür einen Teilabriss. Im September 2025 stand das Haus laut Berlin Live noch immer leer.
Die Straße hat solche Umbrüche schon erlebt. 2001 ließ der Bezirk Pavillons und Überdachungen der U-Bahn-Abgänge entfernen, um die Zone aufzuwerten. 2005 eröffnete das Kant Center, im September 2007 die Wilmersdorfer Arcaden, die heute «Wilma Shoppen» heißen. Im ruhigeren Nordteil halten sich alteingesessene Läden, bekanntestes Beispiel ist das Feinkostgeschäft Rogacki mit seinen Fischwaren.
Wie kommst du zur Wilmersdorfer Straße?
Unter der Fußgängerzone liegt der U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße der U7. Er wurde laut Bezirksamt am 28. April 1978 eröffnet und von Rainer G. Rümmler gestaltet. Die Lilien in den Wandfliesen, ein grobmaschiges Keramikmosaik, orientieren sich am Bezirkswappen. Seit der Grundrenovierung 2006 gibt es einen Aufzug.
Weitere Bahnhöfe laut Kauperts:
- S-Bahnhof Charlottenburg (S5, S7, S75, Regionalverkehr), in der Nähe des U-Bahnhofs
- U-Bahnhof Richard-Wagner-Platz (U7) am Nordende
- U-Bahnhof Bismarckstraße (U2, U7) und Deutsche Oper (U2)
- U-Bahnhof Adenauerplatz (U7) am Südende
- Buslinien X34, M45, M49, 101, 109 und 309
Straßenbahnen fahren hier seit Langem nicht mehr. Ab 1883 rollte eine Pferdebahn durch die Straße, 1902 kam die elektrische Straßenbahn, 1967 schaffte West-Berlin die Straßenbahn ganz ab. Seit 1978 fährt unter der Fußgängerzone nur noch die U-Bahn.
Häufige Fragen zur Wilmersdorfer Straße
Wo beginnt und endet die Wilmersdorfer Straße?
Die Wilmersdorfer Straße beginnt im Norden an der Otto-Suhr-Allee und der Eosanderstraße und endet im Süden an der Lewishamstraße nahe dem Adenauerplatz. Die Straße liegt vollständig im Ortsteil Charlottenburg und hat die Postleitzahlen 10585, 10627 und 10629.
Seit wann ist die Wilmersdorfer Straße Fußgängerzone?
Seit Herbst 1978. Im selben Jahr, am 28. April 1978, ging darunter der U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße der U7 in Betrieb. Die Fußgängerzone umfasst den mittleren Abschnitt rund um die Kreuzung mit der Kantstraße.
Liegt die Wilmersdorfer Straße in Wilmersdorf?
Nein. Die Straße liegt in Charlottenburg und ist nur nach Wilmersdorf benannt, weil der alte Weg dorthin führte. Beide Orte gehören seit 2001 zum gemeinsamen Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.
Was passiert mit dem ehemaligen Karstadt in der Wilmersdorfer Straße?
Die Filiale in der Wilmersdorfer Straße 118 schloss Mitte Januar 2024. Eine im April 2025 vorgestellte Machbarkeitsstudie sieht Läden im Erdgeschoss, Büros darüber und rund 40 Wohnungen im hinteren Bereich vor. Im September 2025 stand das Haus laut Berichten weiter leer.
Welche U-Bahn fährt zur Wilmersdorfer Straße?
Die U7 hält am U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße unter der Fußgängerzone. Der S-Bahnhof Charlottenburg mit S5, S7, S75 und Regionalverkehr liegt in der Nähe. Am Nordende hält zusätzlich die U7 am Richard-Wagner-Platz, an der Bismarckstraße kreuzen U2 und U7.
Quellen
- Kauperts Straßenführer: Wilmersdorfer Straße (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf: Wilmersdorfer Straße (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf: 233. Kiezspaziergang – Die Wilmersdorfer, drei Gesichter einer Straße (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf: U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Haubachstraße 13, 15 / Wilmersdorfer Straße 18, Nr. 17, Nr. 39 / Bismarckstraße, Nr. 112, Nr. 149 (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf: Neues Management für das Karstadt-Haus an der Wilmersdorfer Straße, 23.01.2024 (abgerufen am 29.09.2026)
- Berliner Zeitung: Nach Karstadt-Schließung – wie zwei Berliner Kieze mit dem Kaufhaus-Verlust umgehen, 29.04.2024 (abgerufen am 29.09.2026)
- Entwicklungsstadt: Umbau des Karstadt-Gebäudes – neue Pläne für die Wilmersdorfer Straße, 14.04.2025 (abgerufen am 29.09.2026)
- Berlin Live: Bitterer Leerstand im ehemaligen Karstadt, 24.09.2025 (abgerufen am 29.09.2026)
Namensgebung
- Namensgeber
-
Wilmersdorf
Ort / Geografie - Hintergrund
- Benannt nach dem Dorf und der späteren Stadt Wilmersdorf, zu dem der alte Feldweg aus Charlottenburg führte. Wilmersdorf ist seit 2001 Ortsteil des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf.
Quellen
- kauperts.de · Web
- wikipedia.org · Web