Stresemannstraße: Verlauf, Lage und Anbindung
Vom Potsdamer Platz bis zur Wilhelmstraße: Verlauf, Postleitzahlen und frühere Namen der Stresemannstraße, dazu Akzisemauer, Anhalter Bahnhof, Hebbel-Theater und Ministerien.
Inhalt (8 Abschnitte)
- Wo verläuft die Stresemannstraße?
- Woher hat die Stresemannstraße ihren Namen?
- Warum steht mitten auf der Stresemannstraße ein Stück Mauer?
- Was ist vom Anhalter Bahnhof geblieben?
- Welche Gebäude prägen die Stresemannstraße heute?
- Wie kommst du mit Bus und Bahn zur Stresemannstraße?
- Häufige Fragen zur Stresemannstraße
- Quellen
Die Stresemannstraße ist eine Hauptstraße in den Berliner Ortsteilen Kreuzberg und Mitte. Die Straße verläuft vom Potsdamer Platz über den Askanischen Platz bis zur Wilhelmstraße und heißt seit dem 6. Februar 1930 nach dem Außenminister Gustav Stresemann, unterbrochen von 1935 bis 1947. An ihr liegen die Portalruine des Anhalter Bahnhofs und das Hebbel-Theater.
Die Stresemannstraße ist eine der Straßen, an denen sich Berliner Geschichte auf wenigen hundert Metern stapelt: Zollmauer, Verbindungsbahn, Kopfbahnhof, Kriegsruine und Ministerien. Nach dem Straßenverzeichnis von Kauperts reichen die Hausnummern von 15 bis 130. Fast die ganze Straße gehört zu Kreuzberg, nur die geraden Nummern 120 bis 130 am Potsdamer Platz liegen in Mitte. Anders als oft angegeben endet die Straße nicht am Halleschen Tor, sondern an der Wilhelmstraße, wo das Willy-Brandt-Haus steht. Die Hausnummern laufen wechselseitig: rechts gerade, links ungerade.
- Verlauf: Potsdamer Platz/Potsdamer Straße über Askanischen Platz bis Wilhelmstraße
- Postleitzahlen 10963 (Kreuzberg, Nr. 15–127) und 10117 (Mitte, gerade Nr. 120–130)
- Name seit 6. Februar 1930, von 1935 bis 1947 Saarlandstraße, davor Königgrätzer Straße
- S-Bahnhof Anhalter Bahnhof, U-Bahnhof Potsdamer Platz, Busse M29, M41, M48, M85 und 200
Wo verläuft die Stresemannstraße?
Die Stresemannstraße beginnt am Potsdamer Platz, wo die Potsdamer Straße nach Westen weiterführt, und läuft nach Südosten über den Askanischen Platz bis zur Wilhelmstraße. Das bestätigt neben Kauperts auch das Bezirksportal xhain.info. Unterwegs kreuzt sie die Niederkirchnerstraße, an der das Abgeordnetenhaus liegt, sowie Köthener, Dessauer, Anhalter und Hallesche Straße.
Die Bezirksgrenze folgt den Hausnummern. Für die geraden Nummern 120 bis 130 sind laut Kauperts das Amtsgericht Mitte, das Finanzamt Mitte/Tiergarten und der Polizeiabschnitt 28 zuständig, für alle übrigen Adressen das Amtsgericht Kreuzberg, das Finanzamt Friedrichshain-Kreuzberg und der Abschnitt 53.
Woher hat die Stresemannstraße ihren Namen?
Die Stresemannstraße ist nach Gustav Stresemann benannt, der am 10. Mai 1878 in Berlin geboren wurde und am 3. Oktober 1929 in Berlin starb. Er war vom 13. August bis 22. November 1923 Reichskanzler und von 1923 bis 1929 Reichsaußenminister. Laut Kauperts war er maßgeblich am Dawes-Plan 1924, an den Locarno-Verträgen 1925 und am Beitritt Deutschlands zum Völkerbund beteiligt; 1926 erhielt er mit Aristide Briand den Friedensnobelpreis. Beigesetzt ist er auf dem Friedhof der Luisenstädtischen Gemeinde am Südstern.
Den Namen bekam die Straße am 6. Februar 1930, wenige Monate nach seinem Tod. 1935 wurde sie in Saarlandstraße umbenannt, seit 1947 trägt sie wieder den Namen Stresemann.
| Name | Zeitraum | Abschnitt |
|---|---|---|
| Hirschelstraße | 1831–1867 | außerhalb der Mauer zwischen Potsdamer und Anhalter Tor |
| Potsdamer Kommunikation | 1845–1867 | innerhalb der Mauer zwischen Potsdamer und Anhalter Tor |
| Anhaltische Kommunikation | 1845–1867 | Anhalter Tor bis Hallesches Tor |
| Königgrätzer Straße | 1867–1930 | gesamter Straßenzug |
| Saarlandstraße | 1935–1947 | gesamter Straßenzug |
Warum steht mitten auf der Stresemannstraße ein Stück Mauer?
Das Mauerstück auf dem Mittelstreifen der Stresemannstraße ist ein Nachbau der Berliner Zoll- und Akzisemauer. Laut der Gedenktafel-Datenbank ließ König Friedrich Wilhelm I. die Mauer 1734 bis 1736 um Berlin bauen, um Schmuggel und das Desertieren von Soldaten zu verhindern. Kauperts beschreibt, dass die Mauer bis 1868 mitten auf der heutigen Straße stand. Abgetragen wurde sie 1867 und 1868. Auf wiederentdeckten Fundamenten wurde 1987 auf dem Mittelstreifen an den Hausnummern 62 bis 68 ein Stück nachgebildet.
Ein paar hundert Meter weiter, auf dem Mittelstreifen südlich der Halleschen Straße, liegt ein Gleisstück der Verbindungsbahn. Die 1851 eröffnete, erste vom preußischen Staat gebaute Bahn verband die Kopfbahnhöfe und wurde hier nach Eröffnung der Ringbahn 1871 stillgelegt. Danach fuhren Pferde- und Straßenbahnen durch die Straße, bis 1953 die letzte Linie wegen der Spaltung der Stadt eingestellt wurde.
Was ist vom Anhalter Bahnhof geblieben?
Vom Anhalter Bahnhof steht an der Stresemannstraße nur noch die Portalruine am Askanischen Platz 6. Nach der Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamts ging der Bahnhof 1841 in Betrieb, 1876 bis 1880 entstand der Neubau nach Plänen von Franz Schwechten. Er galt als größter Bahnhof des europäischen Kontinents und war der Berliner Kopfbahnhof mit der höchsten Zugfrequenz.
Im Februar 1945 brannte das Gebäude größtenteils aus, Züge fuhren noch bis 1952. 1960 wurde der Bau gesprengt, nur die Portalruine blieb nach starken Protesten stehen. Laut Landesdenkmalamt wurden die Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten im Juni 2005 nach drei Jahren abgeschlossen.
Welche Gebäude prägen die Stresemannstraße heute?
Das bekannteste Kulturhaus an der Straße ist das Hebbel-Theater in der Stresemannstraße 29. Der Bau von Oskar Kaufmann wurde laut Denkmaldatenbank im Januar 1908 eröffnet und war sein erster Theaterbau; heute ist es als HAU1 eine Spielstätte des HAU Hebbel am Ufer. Mehr zu den Bühnen der Stadt steht in unserer Theater-Übersicht.
- Stresemannstraße 30: Von 1963 bis 1969 lebten hier laut Gedenktafel mehr als 1.500 Arbeiterinnen der AEG-Telefunken, vor allem aus Griechenland, Jugoslawien und der Türkei.
- Stresemannstraße 90: Im Deutschlandhaus zeigt die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung seit Juni 2021 ihre Dauerausstellung, so das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung.
- Stresemannstraße 94: Berliner Sitz des Entwicklungsministeriums.
- Stresemannstraße 120: Hier stand von 1884 bis 1961 das Museum für Völkerkunde, das nach Kriegsschäden abgerissen wurde.
- Stresemannstraße 128–130: Berliner Sitz des Bundesumweltministeriums.
Am nördlichen Ende erinnert eine Tafel am U-Bahnhof Potsdamer Platz an die Teilung: Der Bahnhof wurde mit dem Mauerbau am 13. August 1961 geschlossen und 1993 wieder eröffnet.
Wie kommst du mit Bus und Bahn zur Stresemannstraße?
Die Stresemannstraße liegt im Tarifbereich A und ist gut erschlossen. Kauperts nennt den S-Bahnhof Anhalter Bahnhof mit den Linien S1, S2 und S25, den Bahnhof Potsdamer Platz mit S-Bahn, Regionalverkehr und U2 sowie die Buslinien M29, M41, M48, M85 und 200. Am südlichen Ende sind die U-Bahnhöfe Hallesches Tor (U1, U3, U6) und Kochstraße (U6) nah. Aktuelle Baustellen und Sperrungen meldet die Verkehrsinformationszentrale Berlin.
Häufige Fragen zur Stresemannstraße
Wo beginnt und wo endet die Stresemannstraße?
Die Stresemannstraße führt vom Potsdamer Platz, wo die Potsdamer Straße anschließt, nach Südosten über den Askanischen Platz bis zur Wilhelmstraße in Kreuzberg. Bis zum Halleschen Tor reicht sie nicht; den U-Bahnhof Hallesches Tor erreichst du vom südlichen Ende aus nach kurzem Fußweg.
In welchem Bezirk liegt die Stresemannstraße?
Der größte Teil der Stresemannstraße gehört zum Ortsteil Kreuzberg im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, Postleitzahl 10963. Nur die geraden Hausnummern 120 bis 130 am Potsdamer Platz liegen im Ortsteil Mitte, Postleitzahl 10117. Danach richten sich auch Bürgeramt, Finanzamt und Amtsgericht.
Wie hieß die Stresemannstraße früher?
Die Stresemannstraße hieß ab 1867 Königgrätzer Straße, davor trugen ihre Abschnitte die Namen Potsdamer Kommunikation, Hirschelstraße und Anhaltische Kommunikation. Seit dem 6. Februar 1930 ist sie nach Gustav Stresemann benannt. Von 1935 bis 1947 hieß sie Saarlandstraße, seit 1947 wieder Stresemannstraße.
Was ist vom Anhalter Bahnhof an der Stresemannstraße übrig?
Vom Anhalter Bahnhof steht nur noch die Portalruine am Askanischen Platz 6. Das 1876 bis 1880 nach Plänen von Franz Schwechten errichtete Empfangsgebäude brannte im Februar 1945 aus und wurde 1960 gesprengt. Nach Protesten blieb der Portikus stehen, die Restaurierung wurde im Juni 2005 abgeschlossen.
Quellen
- Kauperts Straßenführer: Stresemannstraße (abgerufen am 29.09.2026)
- xhain.info: Stresemannstraße (abgerufen am 29.09.2026)
- Landesdenkmalamt Berlin, Denkmaldatenbank: Portikus des Anhalter Bahnhofs (09031114) (abgerufen am 29.09.2026)
- Landesdenkmalamt Berlin: Portalruine Anhalter Bahnhof (abgerufen am 29.09.2026)
- Landesdenkmalamt Berlin, Denkmaldatenbank: Hebbel-Theater (09031244) (abgerufen am 29.09.2026)
- Gedenktafeln in Berlin: Stadtmauer (Akzisemauer) (abgerufen am 29.09.2026)
- Gedenktafeln in Berlin: Verbindungsbahn (abgerufen am 29.09.2026)
- Gedenktafeln in Berlin: Arbeitsmigration in West-Berlin (abgerufen am 29.09.2026)
- Gedenktafeln in Berlin: Adolf Bastian / Museum für Völkerkunde (abgerufen am 29.09.2026)
- Gedenktafeln in Berlin: U-Bahnhof Potsdamer Platz (abgerufen am 29.09.2026)
- Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung: Deutschlandhaus (abgerufen am 29.09.2026)
- BMZ: Impressum und Bundesumweltministerium: Impressum (abgerufen am 29.09.2026)
- Willy-Brandt-Haus (abgerufen am 29.09.2026)
Namensgebung
- Namensgeber
-
Gustav Stresemann
(1878–1929)
Person - Benennung
- 1930-02-06
- Hintergrund
- Gustav Stresemann (1878–1929) war 1923 Reichskanzler und von 1923 bis 1929 Reichsaußenminister der Weimarer Republik. 1926 erhielt er gemeinsam mit Aristide Briand den Friedensnobelpreis.
Frühere Namen
| Alter Name | Zeitraum | Grund |
|---|---|---|
| Königgrätzer Straße | 1864–1930 | |
| Saarlandstraße | — |
Quellen
- kauperts.de · Web
- wikipedia.org · Web