Brunnenstraße: Verlauf, Lage und Anbindung
Vom Rosenthaler Platz zum Gesundbrunnen: Verlauf und Postleitzahlen, die Quelle hinter dem Namen, die U8, das AEG-Gelände mit Behrens-Bauten und die Mauer an der Bernauer Straße.
Inhalt (8 Abschnitte)
Die Brunnenstraße führt vom Rosenthaler Platz in Mitte nach Norden bis zur Badstraße in Gesundbrunnen. Den Namen trägt sie seit dem 18. Februar 1801, er erinnert an die eisenhaltige Quelle des alten Gesundbrunnens. Seit 1930 fährt die heutige U8 unter ihr, von 1961 bis 1989 trennte die Mauer an der Bernauer Straße die Straße in zwei Hälften.
Die Brunnenstraße ist eine der alten Ausfallstraßen nach Norden. Die Straße beginnt am Rosenthaler Platz, quert an der Bernauer Straße die frühere Grenze und läuft durch das Brunnenviertel bis zum Gesundbrunnen. Dazwischen liegen ein Kaufhaus von 1904, eine Hinterhof-Synagoge, das Fabrikgelände der AEG mit den Bauten von Peter Behrens und darunter ein Tunnel, der als Vorläufer der Berliner U-Bahn gilt. Hier erfährst du, woher der Name kommt, wie die Mauer die Straße zerschnitten hat und was du entlang der Strecke findest.
Wo verläuft die Brunnenstraße?
Die Brunnenstraße verläuft vom Rosenthaler Platz, wo Torstraße, Weinbergsweg und Rosenthaler Straße zusammentreffen, bis zur Badstraße. So steht es bei Kauperts Straßenführer. Die Straße liegt ganz im Bezirk Mitte, verteilt sich aber auf die Ortsteile Mitte und Gesundbrunnen. Vor der Bezirksreform 2001 gehörte der nördliche Teil zum Bezirk Wedding.
Die Hausnummern folgen dem Hufeisenprinzip: Auf der einen Seite zählen sie von 1 bis 110C nach Norden, auf der anderen von 111 bis 198 zurück. Anfang und Ende der Zählung liegen deshalb beide am Rosenthaler Platz.
| Hausnummern | Postleitzahl | Ortsteil |
|---|---|---|
| 1–30, 161–197, 176–198 (gerade) | 10119 | Mitte |
| 32–49, 138–160, 174 (gerade) | 10115 | Mitte |
| 53–136 | 13355 | Gesundbrunnen |
Die Anbindung ist sehr gut. Unter der Straße liegen die U8-Bahnhöfe Rosenthaler Platz, Bernauer Straße und Voltastraße, am Nordende der Umsteigebahnhof Gesundbrunnen mit Ring- und Nord-Süd-S-Bahn. Dazu kommen laut Kauperts die Straßenbahnlinien M1, M8, M10 und 12 sowie die Buslinien 142 und 247.
Warum heißt sie Brunnenstraße?
Der Name erinnert an den Gesundbrunnen, eine eisenhaltige Quelle auf dem heutigen Grundstück Badstraße 39. Laut Kauperts wurde sie um 1700 entdeckt und 1758 zum «Friedrichsgesundbrunnen» ausgebaut; ab 1809 hieß die Anlage Luisenbad, 1882 versiegte die Quelle. Die beiden Straßen, die zu ihr führten, heißen bis heute Badstraße und Brunnenstraße. Der Ortsteil trägt ebenfalls den Namen der Quelle, mehr dazu in unserem Porträt von Gesundbrunnen.
Vor 1752 führte hier nur ein Sandweg vom Rosenthaler Tor nach Nord-Nordwest, genannt Straße von Rosenthal. 1752 ließ Friedrich II. die Straße vom Rosenthaler Tor zum Bad Gesundbrunnen anlegen. Den offiziellen Namen erbaten sich die Anwohner: Am bestätigte das Polizeidirektorium die Benennung in einem Antwortbrief.
Seit wann fährt die U-Bahn unter der Brunnenstraße?
Die U-Bahn unter der Brunnenstraße fährt seit dem . An diesem Tag ging laut Berliner Untergrundbahn der Abschnitt von der Heinrich-Heine-Straße bis Gesundbrunnen der damaligen Linie D in Betrieb, der heutigen U8. Die Vorgeschichte ist deutlich länger. Um 1910 wollte eine Nürnberger Gesellschaft hier eine Schwebebahn nach Wuppertaler Vorbild bauen; zur Anschauung wurden in der Brunnenstraße sogar drei Stützpfeiler errichtet. Den Zuschlag bekam die AEG, allerdings mit der Auflage, in der Innenstadt unterirdisch zu fahren.
Die AEG kam mit dem Bau nicht weit. Im Ersten Weltkrieg stockten die Arbeiten; um 1917 war die Strecke in der Brunnenstraße mit den Bahnhöfen Bernauer Straße und Voltastraße im Rohbau fertig, mehr nicht. Fertig wurde die Linie erst Jahre später. Nach dem Mauerbau am 13. August 1961 schloss die DDR die Bahnhöfe Rosenthaler Platz und Bernauer Straße, West-Berliner Züge fuhren ohne Halt durch. Rosenthaler Platz öffnete am 18. Dezember 1989 wieder, Bernauer Straße am 18. April 1990.
Was hat die AEG an der Brunnenstraße gebaut?
Die AEG baute ab 1895 am Humboldthain eine ganze Fabrikstadt, zwischen Brunnenstraße 111, Gustav-Meyer-Allee, Voltastraße und Hussitenstraße. Laut Landesdenkmalamt Berlin begründeten vor allem AEG und Siemens Berlins Ruf als «Elektropolis». Von den ältesten Anlagen steht noch das Beamtentor, 1896 von Franz Schwechten in gotisierenden Formen entworfen.
Ab 1907 prägte Peter Behrens als künstlerischer Beirat der AEG das Gelände. Nach seinen Plänen entstanden die Hochspannungsfabrik (1909–1910), die Kleinmotorenfabrik an der Voltastraße (1910–1912), die Neue Fabrik für Bahnmaterial und die Montagehalle an der Hussitenstraße (beide 1911–1912). Laut Denkmaldatenbank haben diese Bauten eine wegweisende Bedeutung für die Industriearchitektur des 20. Jahrhunderts. Die ganze Anlage steht unter Denkmalschutz.
Unter dem Gelände liegt ein besonderes Stück Verkehrsgeschichte. Die AEG ließ 1895 bis 1897 einen 295 Meter langen Versuchstunnel bauen, der ihre Werke an der Ackerstraße und am Humboldthain verband. Nach Angaben des Berliner Zentrums Industriekultur gilt er als erster U-Bahn-Tunnel Deutschlands. 1984 schloss die AEG den Standort endgültig. Ab 2016 setzte der Verein Berliner Unterwelten den Tunnel instand; er ist nur bei Führungen zugänglich, Eingang Voltastraße 5–6, Eintritt 17 Euro, ab 14 Jahren. Weitere Touren findest du in unserem Überblick zu den Führungen der Berliner Unterwelten.
Wie hat die Mauer die Brunnenstraße verändert?
Ab dem 13. August 1961 endete die Brunnenstraße von beiden Seiten an der Mauer. An der Bernauer Straße verlief die Grenze, der südliche Teil lag in Ost-Berlin, der nördliche in West-Berlin. Die Stiftung Berliner Mauer zeigt Fotos von der West-Berliner Aussichtsplattform an der Ecke Bernauer Straße und Brunnenstraße, von der aus Menschen über die Mauer blickten.
Für den Weddinger Teil war das ein tiefer Einschnitt. Vor 1961 waren Brunnen-, Bad- und Behmstraße voller Geschäfte, Kinos und Wechselstuben, beschreibt der Weddingweiser. Danach lag das Viertel plötzlich am Rand, Kundschaft blieb aus, Läden schlossen. 1963 wies West-Berlin das Gebiet Wedding-Brunnenstraße als Sanierungsgebiet aus. Gemeint war nicht behutsames Reparieren, sondern Abriss und Neubau. Laut Berlin Street wurde 1966 festgelegt, 90 bis 95 Prozent der Gebäude nördlich der Bernauer Straße abzureißen; die Sanierung zog sich bis 1980 hin. Das heutige Brunnenviertel mit seinen Neubauten ist das Ergebnis.
Was steht im südlichen Teil der Brunnenstraße?
An der Ecke zur Veteranenstraße steht das frühere Kaufhaus Jandorf, Brunnenstraße 19–21. Adolf Jandorf eröffnete es 1904 als sein erstes Kaufhaus in den Berliner Vorstädten, entworfen von Lachmann & Zauber, weithin sichtbar mit einem Dachreiter. Drei Jahre später gründete Jandorf das Kaufhaus des Westens, berichtet die Denkmaldatenbank.
Im Hof der Brunnenstraße 33 ließ der Schirmfabrikant Fritz Hellwig 1910 eine Synagoge für die orthodoxe Gemeinde Beth Zion bauen. In der Pogromnacht wurde die Einrichtung zerstört, instand gesetzt wurde das Gebäude erst 1982. Stolpersteine erinnern an weitere jüdische Bewohnerinnen und Bewohner, etwa an Minna Blum vor der Brunnenstraße 165, 1943 nach Auschwitz deportiert, und an Isaak Feilschuss vor der Brunnenstraße 178, der 1938 nach Polen abgeschoben wurde.
Zur jüngeren Geschichte gehört die Brunnenstraße 183. Das Hausprojekt mit Umsonstladen räumte die Polizei im November 2009, berichtete die taz.
Häufige Fragen zur Brunnenstraße
Welche U-Bahn fährt unter der Brunnenstraße?
Unter der Brunnenstraße fährt die U8 mit den Bahnhöfen Rosenthaler Platz, Bernauer Straße und Voltastraße; am Nordende liegt der Bahnhof Gesundbrunnen. Die Strecke ging am 18. April 1930 als Linie D in Betrieb. Nach dem Mauerbau hielten die Züge an Rosenthaler Platz und Bernauer Straße nicht mehr; die Bahnhöfe öffneten im Dezember 1989 und im April 1990 wieder.
Welche Postleitzahl hat die Brunnenstraße?
Die Brunnenstraße hat drei Postleitzahlen. Für die Nummern 1 bis 30 und den Großteil der Nummern ab 161 gilt 10119, für 32 bis 49 und 138 bis 160 gilt 10115. Der Abschnitt in Gesundbrunnen mit den Nummern 53 bis 136 hat die Postleitzahl 13355. Die genaue Zuordnung steht im Kauperts Straßenführer.
Warum heißt die Straße Brunnenstraße?
Die Brunnenstraße ist nach dem alten Gesundbrunnen benannt, einer eisenhaltigen Quelle auf dem heutigen Grundstück Badstraße 39. Die Quelle wurde 1758 zum Friedrichsgesundbrunnen ausgebaut und versiegte 1882. Den Namen Brunnenstraße bestätigte das Polizeidirektorium am 18. Februar 1801 auf Bitte der Anwohner. Vorher hieß der Weg Straße von Rosenthal.
Was ist das AEG-Gelände an der Brunnenstraße?
Das AEG-Gelände an der Brunnenstraße 111 ist eine denkmalgeschützte Fabrikanlage am Humboldthain, die die AEG ab 1895 aufbaute. Bekannt sind das Beamtentor von Franz Schwechten und die Fabrikbauten von Peter Behrens aus den Jahren 1909 bis 1912. Unter dem Gelände liegt der AEG-Tunnel, der als erster U-Bahn-Tunnel Deutschlands gilt.
Quellen
- Kauperts Straßenführer: Brunnenstraße (abgerufen am 29.09.2026)
- Berliner Untergrundbahn: Linie U8 (abgerufen am 29.09.2026)
- Landesdenkmalamt Berlin: AEG am Humboldthain (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: AEG am Humboldthain (abgerufen am 29.09.2026)
- Berliner Zentrum Industriekultur: AEG-Tunnel (abgerufen am 29.09.2026)
- Stiftung Berliner Mauer: Die Bernauer Straße (abgerufen am 29.09.2026)
- Weddingweiser: Gebaut, geteilt, saniert – das Brunnenviertel (1), 12.07.2026 (abgerufen am 29.09.2026)
- Berlin Street: Sanierungsgebiet Wedding (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Kaufhaus Jandorf (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Synagoge Brunnenstraße 33 (abgerufen am 29.09.2026)
- Stolpersteine in Berlin: Minna Blum (abgerufen am 29.09.2026)
- Stolpersteine in Berlin: Isaak Feilschuss (abgerufen am 29.09.2026)
- taz: Hausprojekt in Berlin-Mitte geräumt, 24.11.2009 (abgerufen am 29.09.2026)
Namensgebung
- Namensgeber
-
Gesundbrunnen
Ort / Geografie - Benennung
- 1801-02-18
- Hintergrund
- Benannt nach dem alten Gesundbrunnen, einer eisenhaltigen Quelle auf dem heutigen Grundstück Badstraße 39, die 1758 zum Friedrichsgesundbrunnen ausgebaut wurde und 1882 versiegte. Vorher hieß der Weg Straße von Rosenthal.
Quellen
- kauperts.de · Web
- wikipedia.org · Web