Seestraße: Verlauf, Lage und Anbindung
Von der Goerdelerdammbrücke zum Louise-Schroeder-Platz: Verlauf, Postleitzahlen und Name der Weddinger Seestraße, dazu Kirchhöfe, Osram-Werk und U-Bahnhof von 1923.
Inhalt (8 Abschnitte)
Die Seestraße verbindet die Beusselstraße und den Saatwinkler Damm an der Goerdelerdammbrücke mit dem Louise-Schroeder-Platz an der Osloer Straße. Den Namen trägt sie, weil sie am Plötzensee entlangführt, auf einer Karte von 1827 ist er bereits verzeichnet. Die Hausnummern 1 bis 131 liegen in Charlottenburg-Nord, Moabit und Wedding.
Wer im Wedding zwischen der U6 und den Straßenbahnen M13 und 50 umsteigt, tut das an der Seestraße. Die breite Straße im Norden des Bezirks Mitte beginnt an der Goerdelerdammbrücke im Westen, kreuzt die Müllerstraße und endet am Louise-Schroeder-Platz. Nach dem Straßenführer Kauperts tragen die Häuser die Nummern 1 bis 131, die Postleitzahlen 13347 und 13353 und verteilen sich auf drei Ortsteile. Den Namen hat die Straße vom Plötzensee. Was sie heute ausmacht, zeigt die Denkmalliste: drei Kirchhöfe aus den 1860er Jahren, eine Kirche von 1902, ein Forschungsinstitut für Brauereiwesen und die Fabrikbauten, in denen einmal das größte Glühlampenwerk Europas stand.
- Verlauf: Beusselstraße/Saatwinkler Damm (Goerdelerdammbrücke) bis Louise-Schroeder-Platz (Osloer Straße, Reinickendorfer Straße, Markstraße)
- Ortsteile: Charlottenburg-Nord (Nr. 1–2), Wedding, Moabit (Nr. 131)
- Postleitzahlen: 13347 (Nr. 45–93) und 13353 (übrige Nummern)
- Name nach dem Plötzensee, auf der Karte von 1827 bereits verzeichnet
- U-Bahnhof Seestraße (U6) seit 8. März 1923
Wo verläuft die Seestraße?
Die Seestraße führt laut Kauperts von der Beusselstraße und dem Saatwinkler Damm an der Goerdelerdammbrücke bis zur Osloer Straße, zur Reinickendorfer Straße und zur Markstraße am Louise-Schroeder-Platz. Die Nummern 1 bis 74 laufen stadtauswärts, 80 bis 131 auf der Gegenseite zurück.
Verwaltungstechnisch ist die Straße zweigeteilt. Die Nummern 1 und 2 gehören zu Charlottenburg-Nord und damit zum Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, die Nummern 3 bis 131 zum Bezirk Mitte. Die Nummer 131 zählt Kauperts zu Moabit, den großen Rest zum Wedding. Die Postleitzahl 13347 gilt nur für die Nummern 45 bis 93, überall sonst steht 13353 auf dem Briefumschlag. Am östlichen Ende geht die Seestraße in die Osloer Straße über, die weiter nach Gesundbrunnen führt.
Woher hat die Seestraße ihren Namen?
Die Seestraße heißt so, weil sie am Plötzensee entlangführt. Kauperts datiert den Namen auf «um 1827»: Auf der Karte dieses Jahres ist die Straße bereits namentlich genannt. Angelegt wurde sie bei der Parzellierung der Kämmereiheide, und ab 1920 ist sie auf den Karten bis nach Charlottenburg eingezeichnet.
Am See selbst öffnete laut Kauperts 1877 die erste Badeanstalt, von 1891 bis 1918 gab es dort eine Militär-Badeanstalt. Wie es heute mit Baden und Anfahrt aussieht, steht in unseren Beiträgen zum Plötzensee und zum Sommerbad Plötzensee. Früher war die Seestraße länger: Am 15. November 1957 wurde der Abschnitt in Reinickendorf zwischen dem Oskarplatz, dem heutigen Louise-Schroeder-Platz, und der Letteallee in Reginhardstraße umbenannt.
Wann wurde die Seestraße bebaut?
Kauperts nennt für die Bebauung das Jahr 1907. Die Denkmaldatenbank setzt früher an: Um 1900 entstanden die ersten Mietshäuser nördlich der Seestraße. Das Eckhaus Seestraße 99 an der Lüderitzstraße baute Arnold Kuthe 1899 und 1900 mit großen Wohnungen und Läden, gekrönt von einem steinernen Adler auf dem Giebel. Zwischen Afrikanischer Straße und Müllerstraße, so der Eintrag, wirkt die Seestraße mit ihren fünfgeschossigen Häusern wie ein großstädtischer Boulevard.
An der Kreuzung mit der Müllerstraße steht ein kleines Denkmal der 1950er Jahre: der Kiosk Seestraße 93A von etwa 1955, mit geschwungenem Spannbetondach, zwei Telefonzellen und einer unterirdischen Toilettenanlage. Gleich daneben beginnt das Friedhofsgelände.
Welche Friedhöfe und Denkmale liegen an der Seestraße?
An der Seestraße liegen mehrere Kirchhöfe nebeneinander, die Berliner Kirchengemeinden in den 1860er Jahren anlegten. Die Denkmaldatenbank führt die erhaltenen Grabwände als eigene Denkmale.
| Objekt | Adresse | Angaben laut Denkmaldatenbank |
|---|---|---|
| Institut für Gärungsgewerbe | Seestraße 13 | ab 1890 Brauerei-Versuchsanstalt, Hauptbau 1896–1897, Maschinentechnische Abteilung 1901 |
| Ernst-Schering-Schule | Lütticher Straße 47, 48, Seestraße 28 | 1912–1914, Ludwig Hoffmann |
| Kapernaumkirche | Seestraße 34, 35 | 1901–1902, Carl Siebold |
| Bergmann-/Osram-Werk | u. a. Seestraße 64, 65 | ab 1890, Glühlampen ab 1904, ab 1935 Osram |
| Mietshaus | Seestraße 99 | 1899–1900, Arnold Kuthe |
| St. Paul-Kirchhof I | Seestraße 124 | eröffnet 1866 |
| Nazarethkirchhof I | Seestraße 125 | angelegt 1861 |
| St. Johannis-Kirchhof II | Seestraße 126 | eingerichtet 1864 |
Der Nazarethkirchhof I an der Nummer 125 entstand 1861 für die Gemeinde der Nazarethkirche. Der St. Johannis-Kirchhof II an der Nummer 126 kam 1864 für die Moabiter Johannisgemeinde hinzu, der St. Paul-Kirchhof I an der Nummer 124 im Jahr 1866. Erhalten sind vor allem Erbbegräbnisse an den hinteren Mauern, mit Grabwänden aus Sandstein, Granit und Muschelkalk.
Welche Geschichte haben Kirche, Institut und Fabrik an der Seestraße?
Die Kapernaumkirche an der Ecke Antwerpener Straße wurde 1901 und 1902 in einem noch unbebauten Gebiet errichtet, laut Denkmaldatenbank auch aus Bodenspekulation: Graf Eduard Karl von Oppersdorf schenkte der Nazarethgemeinde Grundstück und Geld, weil eine Kirche das umliegende Bauland aufwertete. Der Architekt Carl Siebold aus Bethel wiederholte dafür einen älteren Entwurf für eine Kirche in Hagen.
An der Nummer 13 siedelte sich 1890 die Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei an, die mit einer Versuchsanstalt für Spiritus-Fabrikation zum Institut für Gärungsgewerbe zusammengelegt wurde. Das Backsteingebäude an der Straße stammt von 1896 und 1897, der östliche Teil wurde nach Kriegsschäden 1958 bis 1962 modern wieder aufgebaut.
Industriegeschichte schrieb das Werk zwischen Liebenwalder und Oudenarder Straße, zu dem auch die Adressen Seestraße 64 und 65 gehören. Siegmund Bergmann, der zuvor bei Thomas Alva Edison gearbeitet hatte, gründete dort 1890 seine Firma und begann 1904 mit der Glühlampenfertigung. Laut Denkmaldatenbank übernahm Osram die Fabrik 1935 und baute sie zum größten Glühlampenwerk Europas aus. Nach 1990 wurde die Produktion verlagert, heute heißen die Gebäude Osram-Höfe. Auf dem Block zwischen Seestraße, Reinickendorfer, Iranischer, Groninger und Oudenarder Straße steht das frühere Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhaus, 1890 von Rudolf Virchow und Adolf Baginsky gegründet, 1995 geschlossen und heute Sitz des Evangelischen Geriatriezentrums; zur Anlage gehört ein Schwesternwohnheim an der Seestraße von 1928 bis 1930.
Wie kommst du mit Bus und Bahn zur Seestraße?
Der wichtigste Umsteigepunkt ist der U-Bahnhof Seestraße an der Müllerstraße. Dort halten laut BVG die U6, die Straßenbahnlinien M13 und 50 mit Endstelle Virchow-Klinikum, die Buslinien 106 und 120 sowie nachts N6, N20 und N26. Der Bahnsteig Richtung Alt-Tegel ist per Aufzug erreichbar. Laut Kauperts liegen außerdem die U9 an der Amrumer Straße und die U8 und U9 an der Osloer Straße in der Nähe der Seestraße.
Der Bahnhof Seestraße ging nach der Chronik Berliner Untergrundbahn am 8. März 1923 in Betrieb, als Nordende der Nord-Süd-Bahn, der ersten Großprofillinie der Stadt. Erst ab 1953 wurde die Strecke Richtung Tegel weitergebaut, 1955 bekam der Bahnhof seine gelben Wandfliesen, die er bis heute trägt. Die U6 verläuft dabei unter der Müllerstraße und kreuzt die Seestraße, sie fährt nicht unter ihr entlang.
Häufige Fragen zur Seestraße
Wo beginnt und wo endet die Seestraße?
Die Seestraße beginnt an der Beusselstraße und dem Saatwinkler Damm an der Goerdelerdammbrücke und endet am Louise-Schroeder-Platz, wo Osloer Straße, Reinickendorfer Straße und Markstraße zusammentreffen. Die Hausnummern laufen von 1 bis 74 und auf der Gegenseite von 80 bis 131 zurück.
In welchem Bezirk liegt die Seestraße?
Fast die ganze Seestraße gehört zum Bezirk Mitte, und zwar zu den Ortsteilen Wedding und Moabit. Nur die Hausnummern 1 und 2 liegen laut Kauperts in Charlottenburg-Nord und damit im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.
Woher hat die Seestraße ihren Namen?
Die Seestraße ist nach dem Plötzensee benannt, an dem sie entlangführt. Laut Kauperts ist sie auf einer Karte von 1827 bereits mit diesem Namen verzeichnet.
Welche Postleitzahl hat die Seestraße?
Die Seestraße hat zwei Postleitzahlen: 13347 für die Hausnummern 45 bis 93 und 13353 für alle übrigen Nummern, also 1 bis 44 und 94 bis 131.
Seit wann hält die U6 an der Seestraße?
Der U-Bahnhof Seestraße ging am 8. März 1923 als nördlicher Endbahnhof der Nord-Süd-Bahn in Betrieb, der heutigen U6. Seit dem Weiterbau nach Tegel in den 1950er Jahren ist er ein Durchgangsbahnhof.
Quellen
- Kauperts Straßenführer: Seestraße (abgerufen am 29.09.2026)
- Berliner Untergrundbahn: Nord-Süd-Bahn und Bahnhof Seestraße (abgerufen am 29.09.2026)
- BVG: Station U Seestr. (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank: Mietshaus Seestraße 99 (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank: Kiosk Seestraße 93A (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank: Institut für Gärungsgewerbe (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank: Kapernaumkirche (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank: Siegmund Bergmann Glühlampen AG und Osram GmbH (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank: Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhaus (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank: Ernst-Schering-Schule (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank: Nazarethkirchhof I, St. Johannis-Kirchhof II und St. Paul-Kirchhof I (abgerufen am 29.09.2026)
Namensgebung
- Namensgeber
-
Plötzensee
Ort / Geografie - Benennung
- um 1827
- Hintergrund
- Die Straße führt am Plötzensee entlang und ist nach ihm benannt. Am See öffnete 1877 die erste Badeanstalt.
Quellen
- kauperts.de · Web
- wikipedia.org · Web