Chausseestraße: Verlauf, Lage und Anbindung
Vom Oranienburger Tor zur Müllerstraße: Verlauf, Namensherkunft, Borsighaus, Brecht-Haus, zwei Friedhöfe und die U6 an der Chausseestraße.
Inhalt (8 Abschnitte)
- Wo verläuft die Chausseestraße?
- Warum heißt die Chausseestraße so?
- Was erinnert an der Chausseestraße an Borsig und die Industrie?
- Welche Friedhöfe und Gedenkorte liegen an der Chausseestraße?
- Welche Bauten prägen den nördlichen Abschnitt?
- Wie kommst du mit Bus und Bahn zur Chausseestraße?
- Häufige Fragen zur Chausseestraße
- Quellen
Die Chausseestraße ist eine Hauptstraße im Berliner Bezirk Mitte mit den Hausnummern 1 bis 131. Sie führt vom Oranienburger Tor an der Torstraße nach Nordwesten bis zur Müllerstraße und berührt die Ortsteile Mitte und Wedding. Den Namen trägt sie seit etwa 1800. An ihr liegen das Brecht-Haus, zwei denkmalgeschützte Friedhöfe und die BND-Zentrale.
Die Straße ist eine der ältesten Ausfallstraßen der Stadt: Schon im 15. Jahrhundert lief hier der Ruppiner Heerweg nach Norden. Heute liegt an ihr ein ganzes Stück Berliner Geschichte – vom Verwaltungsbau der Lokomotivfabrik Borsig über den Friedhof mit den Gräbern von Hegel und Fichte bis zur Wohnung von Bertolt Brecht und Helene Weigel. Hier erfährst du, wo die Straße genau verläuft, woher der doppelt gemoppelte Name kommt, welche Baudenkmale du nicht verpassen solltest und mit welchen Linien du hinkommst.
Wo verläuft die Chausseestraße?
Die Straße beginnt am Oranienburger Tor, wo Friedrichstraße, Torstraße und Hannoversche Straße zusammentreffen, und endet im Nordwesten an der Müllerstraße. So steht es in Kauperts Straßenführer. Unterwegs kreuzt sie unter anderem die Invalidenstraße und die Liesenstraße.
Die Hausnummern folgen der in Berlin verbreiteten Hufeisennummerierung: Auf der einen Seite zählen sie von 1 bis 75 stadtauswärts, auf der gegenüberliegenden Seite von 76 bis 131 zurück zum Oranienburger Tor. Für die Nummern 1 bis 61 und 84 bis 131 gilt die Postleitzahl 10115, für die Nummern 68 bis 75 und 76 die Postleitzahl 13353. Wer eine Hausnummer sucht, sollte also zuerst die Straßenseite klären – die Nummer 1 und die Nummer 131 liegen sich fast gegenüber.
Warum heißt die Chausseestraße so?
Der Name Chausseestraße ist eine Tautologie: Eine Chaussee ist nichts anderes als eine befestigte Kunststraße mit Pflaster- oder Steindecke. Nach Kauperts wurde die erste preußische Chaussee 1792 bis 1795 zwischen Berlin und Potsdam gebaut. Um 1800 folgte der Ausbau der Straße vor dem Oranienburger Tor zur Kunststraße, danach war sie eine wichtige Verbindung zwischen Berlin und Tegel.
Vorher hieß der Weg Ruppiner Heerweg (bis etwa 1750), dann Ruppiner Straße und Oranienburger Landstraße. 1861 baten Anwohner darum, die Straße wegen der doppelten Bedeutung in Humboldtstraße umzubenennen. Der Magistrat lehnte ab. Zwei weitere Details aus dem Straßenführer: Sie gilt als älteste Straße der Oranienburger Vorstadt, und 1828 war sie die einzige gepflasterte Straße im Wedding.
Was erinnert an der Chausseestraße an Borsig und die Industrie?
Das Borsighaus an der Chausseestraße 13 ist nach Angaben der Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamts das letzte Gebäude am früheren Standort der Maschinenfabrik Borsig. Es wurde 1899 als Hauptkontor der Borsig-Werke nach Plänen der Architekten Reimer und Körte fertiggestellt. Über dem Eingang thront eine Bronzefigur eines Schmieds unter einem Baldachin, in den Rundbogenfenstern daneben sitzen geschmiedete Sonnenblumen.
Ein paar Häuser weiter südlich, an der Nummer 5, steht ein um 1885 erbautes Mietshaus mit einer Werkstatthalle im Hof. Die Denkmalbeschreibung hebt den Kontrast hervor: üppiger Stuck und ein Deckengemälde im Vorderhaus, dazu eine nüchterne Fabrikfassade aus gelben und roten Ziegeln hinten. Die Werkstätten erzählen davon, dass hier im 19. Jahrhundert produziert wurde – und nicht nur gewohnt.
Welche Friedhöfe und Gedenkorte liegen an der Chausseestraße?
Am südlichen Ende der Straße liegen zwei Gartendenkmale direkt nebeneinander. Der Dorotheenstädtische Friedhof mit dem Zugang an der Nummer 126 hat sich seit dem frühen 19. Jahrhundert zum Begräbnisplatz für Gelehrte, Künstler und Politiker entwickelt. Das Landesdenkmalamt zählt rund 200 erfasste Grabstätten, darunter Gräber und Gedenksteine für Hegel und Fichte; auch Schadow, Schinkel und Rauch sind hier bestattet.
Gleich davor liegt der Friedhof I der Französisch-reformierten Gemeinde (Nummer 127). Er wurde 1780 eröffnet und war rasch der wichtigste Begräbnisplatz der Hugenotten. Bekanntestes Grabmal ist der Marmorsarkophag für Jean Pierre Frédéric Ancillon, den Karl Friedrich Schinkel 1840 entwarf. Eine Übersicht weiterer Anlagen findest du in unserem Beitrag zu den Friedhöfen in Berlin.
Nebenan, im Haus Nummer 125, wohnten ab 1953 Bertolt Brecht und Helene Weigel. Das dreigeschossige Haus stammt nach Angaben der Denkmaldatenbank von 1843 und wurde für Christian Friedrich Menzel gebaut, den Leiter der Berliner Eisenzinkerei. Seit 1978 wird es als Brecht-Haus kulturell und museal genutzt; Brechts Wohn- und Arbeitsräume kannst du besichtigen. Beide sind auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof nebenan begraben, ebenso wie Heinrich Mann.
Welche Bauten prägen den nördlichen Abschnitt?
Vor dem Haus Nummer 33 steht eine historische Wasserpumpe in Form einer Brunnensäule, deren Auslass wie ein Wasserspeier gestaltet ist. Laut Denkmaldatenbank hat sie vermutlich Regierungsbaumeister Otto Stahn entworfen. Weiter nördlich, an der Nummer 94, erhebt sich das Erste Krieger-Vereinshaus, zwischen 1907 und 1910 von Conrad Faerber gebaut. Die palastartige Fassade mit Lorbeerkränzen und Eichenlaub verrät die frühere Nutzung durch die Kriegervereine; der große Saalbau im zweiten Hof wurde nach Kriegsschäden abgetragen.
Den größten Block belegt heute der Bundesnachrichtendienst. Seine Zentrale hat laut Impressum des BND die Adresse Chausseestraße 96 bis 99a in 10115 Berlin.
Nach 1961 war die Straße geteilt. Der nördliche Abschnitt gehörte zum West-Berliner Bezirk Wedding, der südliche zum Ost-Berliner Bezirk Mitte; Kauperts führt beide als ehemalige Bezirke der Straße. Wie die Grenze die Stadt prägte, liest du in unserem Beitrag zum Mauerfall in Berlin.
Wie kommst du mit Bus und Bahn zur Chausseestraße?
Unter der Chausseestraße fährt die U-Bahn-Linie U6. Sie hält an vier Bahnhöfen entlang der Straße: Oranienburger Tor, Naturkundemuseum, Schwartzkopffstraße und Reinickendorfer Straße. Kauperts vermerkt alle vier als barrierefrei.
Straßenbahnen kreuzen die Straße auf den Querstraßen. Am U-Bahnhof Naturkundemuseum halten laut BVG die Linien M5, M8 und M10, am Oranienburger Tor die M1 und die M5. Am U-Bahnhof Reinickendorfer Straße hält der Bus 120. Zum S-Bahnhof Nordbahnhof mit den Linien S1, S2 und S25 ist es vom südlichen Abschnitt nicht weit. Die Straße liegt im Tarifbereich A.
Häufige Fragen zur Chausseestraße
Wo beginnt und endet die Chausseestraße?
Die Chausseestraße beginnt am Oranienburger Tor, wo Friedrichstraße, Torstraße und Hannoversche Straße zusammentreffen, und endet im Nordwesten an der Müllerstraße. Die Hausnummern laufen auf der einen Seite von 1 bis 75 stadtauswärts und auf der anderen Seite von 76 bis 131 zurück. Unterwegs kreuzt die Straße unter anderem die Invalidenstraße und die Liesenstraße.
Welche Postleitzahl hat die Chausseestraße?
Die Chausseestraße hat zwei Postleitzahlen. Nach Kauperts gilt für die Hausnummern 1 bis 61 und 84 bis 131 die 10115, für die Nummern 68 bis 75 und 76 die 13353. Der südliche Abschnitt mit Brecht-Haus, Friedhöfen und BND-Zentrale liegt also im Bereich 10115, der Abschnitt nahe der Müllerstraße im Bereich 13353.
Warum heißt die Chausseestraße Chausseestraße?
Chaussee ist die frühere Bezeichnung für eine befestigte Kunststraße, der Name ist also doppelt gemoppelt. Die Straße wurde um 1800 als Kunststraße ausgebaut und verband Berlin mit Tegel. Vorher hieß sie Ruppiner Heerweg, Ruppiner Straße und Oranienburger Landstraße. Ein Antrag der Anwohner von 1861, sie in Humboldtstraße umzubenennen, scheiterte am Magistrat.
Wo genau liegt das Brecht-Haus?
Das Brecht-Haus steht in der Chausseestraße 125 in Berlin-Mitte, direkt neben dem Zugang zum Dorotheenstädtischen Friedhof an der Nummer 126. Bertolt Brecht und Helene Weigel wohnten dort ab 1953 in den Hofgebäuden. Seit 1978 wird das Haus kulturell und museal genutzt. Nächster U-Bahnhof ist Naturkundemuseum an der Linie U6.
Quellen
- Kauperts Straßenführer: Chausseestraße (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Borsighaus, Nr. 13 (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Mietshaus und Werkstatt, Nr. 5 (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Brecht-Haus, Nr. 125 (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Dorotheenstädtischer Friedhof (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Französischer Friedhof I (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Wasserpumpe vor Nr. 33 (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Erstes Krieger-Vereinshaus (abgerufen am 29.09.2026)
- Bundesnachrichtendienst: Impressum mit Anschrift (abgerufen am 29.09.2026)
- BVG: Linienübersicht U6 (abgerufen am 29.09.2026)
- BVG: Linienübersicht M10 (abgerufen am 29.09.2026)
Namensgebung
- Namensgeber
-
Chaussee
Sonstiges / unklar - Benennung
- 1800
- Hintergrund
- Chaussee ist die frühere Bezeichnung für eine befestigte Kunststraße. Die Straße wurde um 1800 als Kunststraße zwischen Berlin und Tegel ausgebaut und hieß vorher Ruppiner Heerweg, Ruppiner Straße und Oranienburger Landstraße.
Berühmte Bewohner & Orte
-
Bertolt Brecht
· Nr. 125
· 1953–1956
Wohnte mit Helene Weigel im Hinterhaus. Heute Brecht-Weigel-Gedenkstätte.
-
Helene Weigel
· Nr. 125
· 1953–1971
Schauspielerin und Intendantin des Berliner Ensembles, lebte hier bis zu ihrem Tod.
Quellen
- kauperts.de · Web
- wikipedia.org · Web