Oranienburger Straße: Verlauf, Lage und Anbindung
Vom Hackeschen Markt zum Oranienburger Tor: Verlauf und Postleitzahlen der Oranienburger Straße, der alte Spandauer Heerweg, die Neue Synagoge, das Postfuhramt und was aus dem Tacheles wurde.
Inhalt (7 Abschnitte)
Die Oranienburger Straße führt in Berlin-Mitte vom Hackeschen Markt bis zum Oranienburger Tor an der Friedrichstraße. Den Namen trägt die Straße amtlich seit dem 26. Juni 1824. An ihr stehen die Neue Synagoge mit dem Centrum Judaicum, das frühere Postfuhramt und das ehemalige Kunsthaus Tacheles, in dem heute das Fotografiska ausstellt.
Die Oranienburger Straße ist eine der Ausfallstraßen der Spandauer Vorstadt, des Viertels zwischen Spree und Torstraße. Das Landesdenkmalamt bezeichnet diese Vorstadt als den größten und am besten erhaltenen historischen Stadtteil Berlins, weil sie den Zweiten Weltkrieg anders als Alt-Berlin und Alt-Kölln weitgehend überstanden hat. An der Oranienburger Straße zeigt sich eine besondere Seite dieser Geschichte: Um 1900 wurde sie großstädtisch, mit Synagoge, Postpalast und Einkaufspassage. Auf dieser Seite erfährst du, wo die Straße genau verläuft, woher der Name kommt und was hinter den drei großen Bauten steckt.
Wo verläuft die Oranienburger Straße?
Die Oranienburger Straße beginnt laut Kauperts Straßenführer am Hackeschen Markt, wo Rosenthaler Straße und An der Spandauer Brücke einmünden. Die Straße endet am Oranienburger Tor an der Kreuzung mit Linienstraße und Friedrichstraße. Wer dort weiter nach Norden geht, ist auf der Chausseestraße. Die ganze Straße liegt im Ortsteil und Bezirk Mitte.
Die Hausnummern laufen in Hufeisenform: Auf der einen Seite zählen sie vom Hackeschen Markt aus von 1 bis 50 nach Westen, auf der Gegenseite von 51 bis 92 wieder zurück. Deshalb liegen die Nummer 1 und die Nummer 92 einander fast gegenüber. Zwei Postleitzahlen teilen sich die Straße. Die Nummern 1 bis 23 und 78 bis 92 im Osten gehören zu 10178, die Nummern 26 bis 76 zu 10117.
Nahverkehr gibt es an beiden Enden und in der Mitte. Kauperts nennt den U-Bahnhof Oranienburger Tor der U6 am westlichen Ende, den S-Bahnhof Oranienburger Straße der S1 und S2 im Mittelteil und den S-Bahnhof Hackescher Markt am östlichen Ende. Dazu kommen im Umfeld die Tramlinien M1, M4, M5, M6 und 12 sowie der Bus 142. Welche Linie gerade wo fährt, prüfst du am besten vor der Fahrt bei der BVG.
Woher hat die Oranienburger Straße ihren Namen?
Die Oranienburger Straße ist nach der Stadt Oranienburg im brandenburgischen Landkreis Oberhavel benannt, nördlich von Berlin. Kauperts datiert die amtliche Benennung auf den und merkt an, dass der Name schon vorher in Gebrauch war. Als älteren Namen führt das Straßenverzeichnis «Alter Spandauer Heerweg», vom 13. Jahrhundert bis 1824.
Der alte Name verrät die ursprüngliche Richtung. Die Denkmaldatenbank beschreibt die Straßen der Spandauer Vorstadt als Wege, die vom Spandauer Tor der Stadtbefestigung ausgingen: die Oranienburger Straße nach Spandau, die Hamburger Straßen Richtung Neuruppin und Hamburg, die Rosenthaler Straße nach Rosenthal.
Oranienburg selbst hat seinen Namen von einem Fürstenhaus. Der Ort hieß bis ins 17. Jahrhundert Bötzow. Nach dem Bau eines Schlosses für Kurfürstin Luise Henriette von Brandenburg, geborene Prinzessin von Oranien-Nassau, wurde er laut Kauperts 1652 in Oranienburg umbenannt.
Warum ist die Neue Synagoge so bedeutend?
Die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße 28 bis 30 war die Hauptsynagoge Berlins und ist heute das bedeutendste architektonische Zeugnis jüdischen Lebens in der Stadt – so formuliert es die Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamts. Die Synagoge entstand von 1859 bis 1866 nach Entwürfen von Eduard Knoblauch. Nach dessen Tod 1865 führten sein Sohn Gustav Knoblauch und Friedrich August Stüler den Bau zu Ende, geweiht wurde er 1866.
Die Architekten wählten maurische Formen, das Vorbild der Alhambra ist deutlich zu erkennen. Die Straßenfront ist mit farbigen Ziegelstreifen und Terrakotta geschmückt, über der Vorhalle sitzt die große Kuppel mit Rippennetz. Technisch war der Bau modern: Die eiserne Kuppelkonstruktion entwickelte der Ingenieur Johann Wilhelm Schwedler.
In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge geschändet. Eine Gedenktafel des Bezirksamts Mitte erinnert an den Polizeibeamten Wilhelm Krützfeld, der die Synagoge in dieser Nacht durch sein Eingreifen vor der Zerstörung bewahrte. 1943 beschädigten Bomben den Bau schwer, 1958 wurde der Hauptraum gesprengt und abgetragen. Nach dem Beschluss zum Wiederaufbau vom 27. Juni 1988 wurde der erhaltene Vorderbau gesichert und teilweise wieder aufgebaut. Im Mai 1995 öffnete er als Centrum Judaicum. Der frühere Hauptraum ist heute im Rasen des Hofs als Grundriss nachgezeichnet.
Direkt nebenan, in der Nummer 31, eröffnete am das erste Jüdische Museum Berlins, wenige Tage vor Hitlers Ernennung zum Reichskanzler. Nach dem Novemberpogrom 1938 beschlagnahmte die Gestapo die Sammlung, berichtet das Jüdische Museum Berlin. Ein Großteil der Gemälde kam 1952 an das Israel Museum in Jerusalem, vieles gilt bis heute als verschollen.
Welche Bauten prägen die Straße außerdem?
An der Ecke zur Tucholskystraße steht das Postfuhramt, Oranienburger Straße 35 und 36. Carl Schwatlo entwarf es für die Reichspost, gebaut wurde von 1875 bis 1881. Die Denkmaldatenbank nennt es einen der aufwendigsten Behördenbauten seiner Zeit. Im Haus saßen ein Postamt, die Post- und Telegraphenschule, ein Fernsprechamt und eine der vier Maschinenstationen der Berliner Rohrpost. Mit der Kuppel über dem Eckportal antwortete Schwatlo auf die Kuppel der Synagoge wenige Meter weiter. In den Bogenzwickeln des Erdgeschosses erinnern 26 Bildnismedaillons an Persönlichkeiten des Nachrichtenwesens, vom Perserkönig Darius bis zu Werner von Siemens.
Auf der Südseite beherrscht der Kopfbau der früheren Friedrichstraßen-Passage die Straße, Nummer 54 bis 56A. Franz Ahrens entwarf die Einkaufspassage, gebaut wurde sie von 1907 bis 1909 in Stahlbeton. Eine glasgedeckte Ladengalerie führte bis zur Friedrichstraße 110 bis 112. Das Konzept scheiterte schnell, der Bau wurde laut Denkmaldatenbank schon vor 1914 zwangsversteigert. Nach 1918 zeigte die AEG hier im «Haus der Technik» ihre Produkte. Im Krieg schwer zerstört und in den 1980er-Jahren großteils abgerissen, blieb nur der Kopfbau stehen, bekannt geworden als Kunsthaus Tacheles. Seit September 2023 nutzt das Fotografiemuseum Fotografiska das Haus auf rund 5.500 Quadratmetern, wie berlin.de angibt.
| Bau | Hausnummer | Bauzeit | Entwurf | Nutzung heute |
|---|---|---|---|---|
| Neue Synagoge | 28–30 | 1859–1866 | Eduard Knoblauch, Friedrich August Stüler | Centrum Judaicum (seit 1995) |
| Jüdisches Museum | 31 | eröffnet 1933 | – | 1938 von der Gestapo geschlossen |
| Postfuhramt | 35–36 | 1875–1881 | Carl Schwatlo | Baudenkmal |
| Friedrichstraßen-Passage (Tacheles) | 54–56A | 1907–1909 | Franz Ahrens | Fotografiska (seit 2023) |
Was hat die Spandauer Vorstadt mit der Straße zu tun?
Die Oranienburger Straße liegt im Denkmalbereich Spandauer Vorstadt, der das Gebiet zwischen Spree und Torstraße sowie zwischen Friedrichstraße und Karl-Liebknecht-Straße umfasst. Nach Angaben des Landesdenkmalamts ist es der größte Denkmalbereich Berlins. Bis 1867 umschloss die Akzisemauer entlang der heutigen Torstraße diese Vorstadt.
Anders als die kleinteiligen Nebenstraßen wie die parallele Auguststraße steht die Oranienburger Straße für die sogenannte Citybildung um 1900: großstädtische Wohnhäuser, Geschäftshäuser und die Postbauten. Daneben hat sich älterer Bestand gehalten, etwa das Mietshaus Nummer 52 von 1833.
Zu DDR-Zeiten verfiel viel Bausubstanz in der Spandauer Vorstadt. Ab 1991 kam das Viertel in das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz des Bundes. Zwischen 1991 und 2002 wurden nach Angaben der Denkmaldatenbank Förderverträge für 157 Objekte abgeschlossen. Seitdem ist die Gegend zu einem Ziel für Galerien, Gastronomie und Tourismus geworden, an der Oranienburger Straße spürst du das vor allem abends zwischen Synagoge und Tacheles.
Häufige Fragen zur Oranienburger Straße
In welchem Bezirk liegt die Oranienburger Straße?
Die Oranienburger Straße liegt vollständig im Ortsteil Mitte des gleichnamigen Bezirks Mitte. Zuständig sind laut Kauperts unter anderem das Amtsgericht Mitte, das Finanzamt Mitte/Tiergarten und der Polizeiabschnitt A 56. Die Straße gehört zur historischen Spandauer Vorstadt, die das Landesdenkmalamt als größten Denkmalbereich Berlins führt.
Welche Postleitzahl hat die Oranienburger Straße?
Die Oranienburger Straße hat zwei Postleitzahlen. Die Hausnummern 1 bis 23 und 78 bis 92 am östlichen Ende Richtung Hackescher Markt gehören zu 10178. Die Nummern 26 bis 76 im Mittelteil und am Oranienburger Tor haben die Postleitzahl 10117. Die Neue Synagoge mit den Nummern 28 bis 30 liegt damit im Bereich 10117.
Kann man die Neue Synagoge besichtigen?
Die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße 28 bis 30 ist als Centrum Judaicum ein Museum mit Dauerausstellung und Archiv. Laut Centrum Judaicum ist samstags ganzjährig geschlossen, im Sommer öffnet das Haus montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und sonntags bis 19 Uhr. Die Kuppel ist derzeit geschlossen.
Was ist aus dem Tacheles geworden?
Im ehemaligen Kunsthaus Tacheles zeigt seit September 2023 das schwedische Fotografiemuseum Fotografiska seine Ausstellungen, auf rund 5.500 Quadratmetern. Der Bau ist der erhaltene Kopfbau der Friedrichstraßen-Passage, die Franz Ahrens von 1907 bis 1909 als Einkaufspassage entwarf. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.
Quellen
- Kauperts Straßenführer: Oranienburger Straße (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Denkmalbereich Spandauer Vorstadt (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Neue Synagoge, Oranienburger Straße 30 (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Postfuhramt, Oranienburger Straße 35–36 (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Friedrichstraßen-Passage, Oranienburger Straße 54 (abgerufen am 29.09.2026)
- Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Mitte, Gedenktafel-Datenbank: Wilhelm Krützfeld (abgerufen am 29.09.2026)
- Jüdisches Museum Berlin: The First Jewish Museum in Berlin (abgerufen am 29.09.2026)
- berlin.de: Fotografiska Berlin (abgerufen am 29.09.2026)
Namensgebung
- Namensgeber
-
Oranienburg
Ort / Geografie - Benennung
- 1824-06-26
- Hintergrund
- Oranienburg ist die Kreisstadt des Landkreises Oberhavel nördlich von Berlin. Der Ort hieß früher Bötzow und wurde 1652 nach dem Schlossbau für Kurfürstin Luise Henriette, geborene Prinzessin von Oranien-Nassau, in Oranienburg umbenannt.
Quellen
- kauperts.de · Web
- wikipedia.org · Web