Niederkirchnerstraße: Verlauf, Lage und Anbindung
Von der Prinz-Albrecht-Straße zur Niederkirchnerstraße: Verlauf, Gestapo-Zentrale, Käthe Niederkirchner, Abgeordnetenhaus mit neuer Adresse und der erhaltene Mauerrest.
Inhalt (8 Abschnitte)
- Wo verläuft die Niederkirchnerstraße?
- Warum hieß die Niederkirchnerstraße früher Prinz-Albrecht-Straße?
- Wer war Käthe Niederkirchner?
- Was steht heute an der Niederkirchnerstraße?
- Was ist von der Mauer an der Niederkirchnerstraße übrig?
- Was solltest du vor einem Besuch wissen?
- Häufige Fragen zur Niederkirchnerstraße
- Quellen
Die Niederkirchnerstraße verbindet die Kreuzung Wilhelm- und Zimmerstraße mit der Stresemannstraße und trennt Mitte von Kreuzberg. Bis 1951 hieß sie Prinz-Albrecht-Straße, hier saßen Gestapo, SS-Führung und Reichssicherheitshauptamt. Heute stehen an ihr Abgeordnetenhaus, Bundesfinanzministerium, Martin-Gropius-Bau, die Topographie des Terrors und rund 200 Meter originale Grenzmauer.
Kaum eine Berliner Straße ist so kurz und trägt so viel Geschichte. Auf der Nordseite tagt das Landesparlament, auf der Südseite liegt das Gelände, von dem aus das NS-Regime seinen Terror organisierte. Dazwischen verlief von 1961 bis 1989 die Mauer, und ein Stück davon steht noch. Die Straße trägt den Namen einer Frau, die von der Gestapo verhaftet und im KZ Ravensbrück ermordet wurde. Hier findest du, was wo steht, woher der Name kommt und was du beim Besuch wissen musst.
Wo verläuft die Niederkirchnerstraße?
Laut Kauperts Straßenführer beginnt die Straße an der Kreuzung Wilhelmstraße und Zimmerstraße und endet an der Stresemannstraße. Die Hausnummern sind überschaubar: Nummer 1 bis 6 liegen auf der Nordseite im Bezirk Mitte, Postleitzahl 10117. Nummer 7 und 8 gehören zur Südseite im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, Postleitzahl 10963.
Die Bezirksgrenze hat praktische Folgen. Für die Nordseite sind Bezirksamt, Amtsgericht und Finanzamt in Mitte zuständig, für die Südseite die Stellen in Kreuzberg und Friedrichshain-Kreuzberg. Auch die Polizei teilt die Straße: Abschnitt 28 auf der einen, Abschnitt 53 auf der anderen Seite.
Wer nach Norden abbiegt, kommt über die Wilhelmstraße zur Leipziger Straße und zum Potsdamer Platz. Die Zimmerstraße führt nach Osten Richtung Checkpoint Charlie.
Warum hieß die Niederkirchnerstraße früher Prinz-Albrecht-Straße?
Den Namen Prinz-Albrecht-Straße trug sie von 1891 bis 1951. Er verwies auf das Prinz-Albrecht-Palais an der Wilhelmstraße, ein Bau aus dem Jahr 1739, den das Landesdenkmalamt in seiner Beschreibung der Straße nennt.
Ab 1933 wurde die Adresse zum Synonym für Verfolgung. Laut Denkmaldatenbank residierten im Prinz-Albrecht-Palais und den umliegenden Gebäuden die Reichsführung-SS unter Heinrich Himmler, der Sicherheitsdienst der SS unter Reinhard Heydrich und die Geheime Staatspolizei. Kurz nach Kriegsbeginn wurden Sicherheitsdienst und Gestapo zum Reichssicherheitshauptamt zusammengelegt. Dessen Dienstsitz war die ehemalige Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums in der Prinz-Albrecht-Straße 8, gebaut zwischen 1901 und 1905.
Im Sockelgeschoss des Südflügels ließ die Gestapo 1933 ein «Hausgefängnis» einbauen, vor allem für politische Gefangene. Etwa 15.000 Häftlinge durchliefen es, in den Büros wurde regelmäßig gefoltert. Bei Grabungen 1986/87 und 2007 kamen die Reste von fünf Zellen zutage, jede zwischen 1,35 und 1,70 Meter breit. Die Stelle ist heute zwischen Dokumentationszentrum und Martin-Gropius-Bau im Boden markiert.
Bis auf den Martin-Gropius-Bau wurden alle Gebäude dieses Areals im Krieg beschädigt oder zerstört und später abgerissen.
Wer war Käthe Niederkirchner?
Käthe Niederkirchner wurde am 7. Oktober 1909 in Berlin in eine Arbeiterfamilie geboren und lernte Schneiderin. Kauperts zeichnet ihren Weg nach: 1925 Eintritt in den Kommunistischen Jugendverband, 1929 in die KPD. Am 27. März 1933 wurde sie erstmals verhaftet und aus Deutschland ausgewiesen. Niederkirchner folgte ihrer Familie in die Sowjetunion und meldete sich 1941 zur Roten Armee.
Am 7. Oktober 1943 sprang sie mit Theo Winter bei Warschau mit dem Fallschirm über besetztem Gebiet ab, um den Widerstand in Deutschland zu unterstützen. Über Warschau und Königsberg schlug sie sich bis Berlin durch und fiel dort der Gestapo in die Hände. Im Sommer 1944 kam sie in strenge Einzelhaft ins KZ Ravensbrück. Am 27. September 1944 las ihr der Lagerführer das Todesurteil vor, die SS vollstreckte es in der folgenden Nacht.
Seit dem 10. Mai 1951 trägt die frühere Prinz-Albrecht-Straße ihren Namen. An ihrem letzten Berliner Wohnhaus, Pappelallee 22 in Prenzlauer Berg, erinnert seit 1950 eine Gedenktafel an sie.
Was steht heute an der Niederkirchnerstraße?
| Adresse | Gebäude | Bauzeit | Nutzung heute |
|---|---|---|---|
| Nr. 1 (Ecke Wilhelmstraße) | Ehemaliges Reichsluftfahrtministerium, Entwurf Ernst Sagebiel | 1935–1936 | Bundesministerium der Finanzen |
| Nr. 5, seit 07.05.2026 Margot-Friedländer-Platz | Ehemaliger Preußischer Landtag, Entwurf Friedrich Schulze | 1892–1897 | Abgeordnetenhaus von Berlin |
| Nr. 7 | Martin-Gropius-Bau, ehemals Kunstgewerbemuseum, Entwurf Martin Gropius und Heino Schmieden | 1877–1881 | Ausstellungshaus der Berliner Festspiele |
| Nr. 8 | Gelände der früheren Gestapo- und SS-Zentrale | Neubau Dokumentationszentrum, eröffnet 2010 | Topographie des Terrors |
| Südseite | Rest der Grenzmauer, Typ «Grenzmauer 75», rund 200 Meter | ab Mitte der 1970er-Jahre | Baudenkmal seit 1990 |
Der Landtag steht nicht zufällig so weit zurück. Mit Rücksicht auf das Licht im gegenüberliegenden Kunstgewerbemuseum wurde der 1897 fertiggestellte Bau laut Denkmaldatenbank um mehr als 20 Meter hinter die Bauflucht gesetzt. 1936 baute Ernst Sagebiel, der Architekt des benachbarten Luftfahrtministeriums, das Haus zum «Haus der Flieger» um. Nach dem Krieg nutzte die Akademie der Wissenschaften der DDR Teile des Gebäudes, nach der Wiedervereinigung zog das Abgeordnetenhaus ein.
Seit dem 7. Mai 2026 hat das Parlament eine neue Anschrift. Der Vorplatz heißt nun Margot-Friedländer-Platz, benannt nach der 2025 verstorbenen Holocaust-Überlebenden und Berliner Ehrenbürgerin, wie das Abgeordnetenhaus mitteilte. Eine Hausnummer gibt es nicht mehr. Mehr dazu steht in unserem Beitrag zur neuen Adresse des Abgeordnetenhauses.
Am Ostende steht das frühere Reichsluftfahrtministerium, das den Krieg weitgehend unbeschädigt überstand. Die DDR nutzte es als Haus der Ministerien. Dort sagte Walter Ulbricht im Juni 1961, zwei Monate vor dem Mauerbau, niemand habe die Absicht, eine Mauer zu errichten. Heute sitzt im Gebäude das Bundesfinanzministerium.
Was ist von der Mauer an der Niederkirchnerstraße übrig?
Von 1961 bis 1989 verliefen die Grenzanlagen von der Stresemannstraße durch die Niederkirchnerstraße Richtung Checkpoint Charlie. Auf der Südseite steht laut Landesdenkmalamt noch ein rund 200 Meter langes Stück der äußeren Grenzmauer am Originalstandort.
Es handelt sich um den Typ «Grenzmauer 75», die vierte Generation der Mauer. Die L-förmigen Betonelemente stammten aus dem landwirtschaftlichen Silobau, jedes 3,60 Meter hoch und 1,20 Meter breit, oben abgeschlossen mit einem Rohr von 40 Zentimetern Durchmesser. Die Elemente brauchten kein Fundament.
Dass dieses Stück überhaupt steht, war umstritten. Die Entscheidung von 1990, es unter Denkmalschutz zu stellen, stieß auf Protest, der Slogan lautete «Die Mauer muss weg». Die tiefen Löcher im Beton, teils bis auf die Stahlbewehrung, stammen von Souvenirjägern aus den Wochen nach der Grenzöffnung. Genau das macht den Abschnitt heute aus: Er zeigt die Grenze und ihre Überwindung zugleich.
Was solltest du vor einem Besuch wissen?
Die Topographie des Terrors in der Niederkirchnerstraße 8 hat täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Die Außenbereiche mit dem Mauerrest und den Grabungsstellen sind bis zur Dunkelheit zugänglich, spätestens bis 20 Uhr. Die Dauerausstellung gibt es seit 1987, seit Mai 2010 läuft sie laut Ständiger Konferenz der NS-Gedenkorte im heutigen Ausstellungsgebäude.
Der Gropius Bau nebenan zeigt wechselnde Ausstellungen, dort gelten eigene Eintrittspreise. Das Abgeordnetenhaus lässt sich bei Plenarsitzungen und Führungen besuchen; wie die Anmeldung läuft, erklärt unser Beitrag Abgeordnetenhaus besuchen.
Mit der Bahn kommst du am einfachsten über den U-Bahnhof Kochstraße der U6 oder den Bahnhof Potsdamer Platz mit U2, S-Bahn und Regionalverkehr. Busse der Linien M29, M41, M48, M85 und 200 halten in der Nähe.
Häufige Fragen zur Niederkirchnerstraße
Wo liegt die Niederkirchnerstraße?
Die Niederkirchnerstraße führt von der Kreuzung Wilhelmstraße/Zimmerstraße bis zur Stresemannstraße. Die Nordseite mit den Hausnummern 1 bis 6 gehört zum Bezirk Mitte (PLZ 10117), die Südseite mit den Nummern 7 und 8 zu Friedrichshain-Kreuzberg (PLZ 10963).
Wie hieß die Niederkirchnerstraße früher?
Von 1891 bis 1951 hieß sie Prinz-Albrecht-Straße. Am 10. Mai 1951 wurde sie nach der Widerstandskämpferin Käthe Niederkirchner umbenannt, die in der Nacht vom 27. zum 28. September 1944 im KZ Ravensbrück von der SS ermordet wurde.
Welche Adresse hat das Abgeordnetenhaus seit 2026?
Seit dem 7. Mai 2026 lautet die Anschrift des Abgeordnetenhauses Margot-Friedländer-Platz, 10117 Berlin, ohne Hausnummer. Bis dahin galt Niederkirchnerstraße 5. Das Gebäude selbst, der frühere Preußische Landtag, steht unverändert an der Nordseite der Straße.
Was kostet der Besuch der Topographie des Terrors?
Nichts. Das Dokumentationszentrum in der Niederkirchnerstraße 8 hat laut Stiftung täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Die Außenbereiche sind bis zum Einbruch der Dunkelheit zugänglich, spätestens bis 20 Uhr.
Welche Bahnhöfe liegen in der Nähe der Niederkirchnerstraße?
Am nächsten liegen der U-Bahnhof Kochstraße der U6 und der Bahnhof Potsdamer Platz mit U2, S1, S2, S25 und Regionalverkehr. Außerdem halten die Buslinien M29, M41, M48, M85 und 200 in der Umgebung.
Quellen
- Kauperts Straßenführer: Niederkirchnerstraße (abgerufen am 29.09.2026)
- Landesdenkmalamt Berlin: Mauer-Denkmal Niederkirchnerstraße (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Bodendenkmal Gelände Topographie des Terrors (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Ehemaliger Preußischer Landtag (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Martin-Gropius-Bau (abgerufen am 29.09.2026)
- Denkmaldatenbank Berlin: Ehemaliges Reichsluftfahrtministerium (abgerufen am 29.09.2026)
- Abgeordnetenhaus Berlin: Das Abgeordnetenhaus künftig mit neuer Adresse, 27.04.2026 (abgerufen am 29.09.2026)
- Stiftung Topographie des Terrors: Öffnungszeiten und Anschrift (abgerufen am 29.09.2026)
- Orte der Erinnerung: Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-Straße (abgerufen am 29.09.2026)
- Berliner Festspiele: Gropius Bau (abgerufen am 29.09.2026)
Namensgebung
- Namensgeber
-
Käthe Niederkirchner
(1909–1944)
Person - Benennung
- 1951-05-10
- Hintergrund
- Berliner Schneiderin und Kommunistin (1909–1944), sprang 1943 als Fallschirmagentin über besetztem Gebiet ab, wurde von der Gestapo verhaftet und in der Nacht vom 27. zum 28. September 1944 im KZ Ravensbrück von der SS ermordet.
Frühere Namen
| Alter Name | Zeitraum | Grund |
|---|---|---|
| Prinz-Albrecht-Straße (bis 1951) – Sitz der Gestapo | — |
Quellen
- kauperts.de · Web
- wikipedia.org · Web