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Rykestraße: Verlauf, Lage und Anbindung

Die Rykestraße im Kollwitzkiez: wo sie verläuft, wer Bernd Ryke war, was die Synagoge an der Nummer 53 seit 1904 erlebt hat und welche Häuser unter Denkmalschutz stehen.

Inhalt (8 Abschnitte)
  1. Wo verläuft die Rykestraße?
  2. Wer war Bernd Ryke?
  3. Was hat die Synagoge Rykestraße seit 1904 erlebt?
  4. Wie wird die Synagoge heute genutzt?
  5. Welche Häuser stehen unter Denkmalschutz?
  6. Wie kommst du zur Rykestraße?
  7. Häufige Fragen zur Rykestraße
  8. Quellen

Die Rykestraße ist eine Wohnstraße im Kollwitzkiez in Prenzlauer Berg mit der Postleitzahl 10405. Sie führt von der Knaackstraße zur Danziger Straße und trägt ihren Namen seit 1891. An der Hausnummer 53 steht die Synagoge Rykestraße, nach Angaben der Jüdischen Gemeinde die größte Synagoge Berlins.

Die Rykestraße gehört zu den ruhigeren Straßen des Kollwitzkiezes: Altbauten aus den 1890er Jahren, im Süden der Wasserturmplatz, auf halber Strecke ein Hof mit einer Backsteinsynagoge, die man von der Straße aus nur durch zwei Tordurchfahrten sieht. Auf dieser Seite erfährst du, wie die Straße verläuft, wer der Namensgeber Bernd Ryke war, was die Synagoge seit 1904 erlebt hat und welche Häuser unter Denkmalschutz stehen.

  • Ortsteil: Prenzlauer Berg, Bezirk Pankow, Postleitzahl 10405
  • Verlauf: Knaackstraße bis Danziger Straße
  • Hausnummern: 2 bis 28 auf der einen, 30 bis 54 auf der anderen Seite
  • Name seit 2. April 1891, vorher Straße Nr. 35 im Bebauungsplan
  • Synagoge Rykestraße, Hausnummer 53, eingeweiht 1904, wiedereröffnet 2007

Wo verläuft die Rykestraße?

Nach dem Straßenverzeichnis von Kauperts verläuft die Rykestraße von der Knaackstraße bis zur Danziger Straße. Die Hausnummern laufen in Hufeisenform: Auf der einen Seite zählen sie von 2 bis 28 hinauf, auf der anderen von 30 bis 54 zurück. Die Synagoge an der Nummer 53 liegt deshalb nahe am Südende, schräg gegenüber dem Anfang der Zählung.

An beiden Ecken zur Knaackstraße stehen Denkmale. Das Eckhaus Rykestraße 1 gehört zu einer Häusergruppe an der Knaackstraße 16 bis 20, die Nummer 54 zu den Häusern Knaackstraße 22 und 24. Beide Ecken und die Synagoge gehören zum Denkmalensemble Wasserturmplatz. Der Wasserturm selbst steht an der Knaackstraße 23; die Denkmaldatenbank datiert die frühere Wasserturmanlage mit ihren Tiefbehältern auf 1852 bis 1875.

Wer war Bernd Ryke?

Die Straße erinnert an Bernd Ryke, in Quellen auch Reiche geschrieben, geboren um 1390 in Berlin, gestorben um 1449. Kauperts beschreibt die Rykes als reiches Patriziergeschlecht, das seit dem 12. Jahrhundert in der Mark ansässig war und über Generationen Ratsmänner und Bürgermeister in Berlin und Cölln stellte. Wer genau sein Vater war, ist unsicher; vermutet wird ein älterer Bernd Ryke, der 1417 als Berliner Bürgermeister genannt ist.

Bekannt wurde Bernd Ryke durch den Konflikt mit Kurfürst Friedrich II. Der hob 1442 die Selbständigkeit der Doppelstadt Berlin-Cölln auf; 1448 kam es zum offenen Aufruhr, dem «Berliner Unwillen». Ryke war 1447 zum Bürgermeister gewählt worden und galt als Anführer. Nach der Niederlage musste er am 24. September 1448 vor dem Strafgericht in Spandau erscheinen. Er verlor seine Lehen, musste 3.000 Schock böhmische Groschen zahlen und durfte Berlin, Cölln, Frankfurt an der Oder und Spandau nicht mehr betreten. Auf dem Weg nach Sachsen wurde er kurz vor der Grenze überfallen und starb an seinen Wunden. Begraben wurde er in Wittenberg.

In Berlin trägt die Straße seinen Namen seit dem 2. April 1891. Vorher war sie im Bebauungsplan als Straße Nr. 35 in Abteilung XII verzeichnet.

Was hat die Synagoge Rykestraße seit 1904 erlebt?

Die Synagoge steht nicht an der Straße, sondern im Hof. Nach der Jüdischen Gemeinde zu Berlin geben zwei breite Tordurchfahrten den Blick frei auf einen Backsteinbau in Form einer neoromanischen Basilika. Entworfen hat ihn Gemeindebaumeister Johann Hoeniger, eingeweiht wurde er 1904. Die Denkmaldatenbank führt die Anlage als Synagoge «Friedenstempel» mit Religionsschule und Schulbaracke, datiert 1903 bis 1904 und 1929; ausgeführt hat den Bau das Baugeschäft Joseph Fränkel.

In der Pogromnacht 1938 wurde die Synagoge in Brand gesteckt. Der Polizeikommandant des Reviers ordnete laut Gemeinde rasch das Löschen an, weil das Feuer auch die umliegenden Wohnhäuser gefährdete. Bis 1940 konnten noch Gottesdienste stattfinden, danach nutzte die Wehrmacht das Gebäude als Lager. 1953 wurde der Komplex restauriert; in der DDR war der «Friedenstempel» die einzige Synagoge Ost-Berlins. Die Architekten Ruth Golan und Kay Zareh setzten ihn gemeinsam mit der Berliner Denkmalpflege erneut instand, 2007 wurde er mit 1.200 Plätzen wieder eröffnet.

Oft liest man, die Rykestraße beherberge die größte Synagoge Deutschlands. Die Gemeinde selbst formuliert vorsichtiger: größte Berliner Synagoge und, mit ursprünglich über 2.000 Sitzplätzen, neben der großen Synagoge in Budapest die größte in Europa. Eine amtliche Rangliste gibt es nicht, deshalb übernehmen wir die Formulierung der Gemeinde.

Zur Geschichte des Hauses gehört auch das Vorderhaus. Dort waren nach Angaben der Gemeinde die III. Volksschule des Jüdischen Schulvereins und die VI. Religionsschule der Jüdischen Gemeinde mit etwa 500 Schülerinnen und Schülern untergebracht. Nach 1933 bereitete der Schulverein die Kinder auf die Auswanderung nach Palästina vor. Sportlehrerin war die Leichtathletin und Weltrekordhalterin Lilli Henoch, die später in der Nähe von Riga ermordet wurde.

Wie wird die Synagoge heute genutzt?

Die Synagoge Rykestraße ist eine Synagoge der Jüdischen Gemeinde zu Berlin mit konservativem Ritus. Seit 2016 ist Boris Ronis dort Gemeinderabbiner; die Repräsentantenversammlung berief ihn laut Gemeinde am 30. November 2016, die Stelle war damit erstmals seit fast 30 Jahren wieder besetzt. Kabbalat Schabbat beginnt im Sommer um 19 Uhr, im Winter um 18 Uhr, das Schabbat-Morgengebet um 9.30 Uhr. Der frühere Trausaal dient als Wochentagssynagoge.

Welche Häuser stehen unter Denkmalschutz?

Die Denkmaldatenbank nennt für die Rykestraße sechs Einträge. Neben der Synagoge und dem Ensemble Wasserturmplatz sind das die Mietshäuser Nummer 2, von W. Gläser entworfen und 1891 bis 1893 gebaut, und Nummer 25, 1892 nach Entwurf von H. Enders, sowie die beiden Eckhäuser an der Knaackstraße. Die übrigen Häuser stehen nicht einzeln auf der Denkmalliste.

Ganz anders ist es in der Husemannstraße am Kollwitzplatz: Dort steht jedes einzelne Mietshaus auf der Denkmalliste.

Wie kommst du zur Rykestraße?

Einen Bahnhof direkt an der Straße gibt es nicht. Kauperts nennt die U2 mit den Bahnhöfen Senefelderplatz und Eberswalder Straße sowie die Straßenbahnlinie M2. Vom Senefelderplatz ist das Südende mit Synagoge und Wasserturmplatz näher, von der Eberswalder Straße das Nordende an der Danziger Straße. Die Straße liegt im Tarifbereich A.

Häufige Fragen zur Rykestraße

In welchem Bezirk liegt die Rykestraße?

Die Rykestraße liegt im Ortsteil Prenzlauer Berg und gehört zum Bezirk Pankow, die Postleitzahl ist 10405. Zuständig sind unter anderem das Finanzamt Prenzlauer Berg, das Amtsgericht Mitte und der Polizeiabschnitt A 16. Kauperts führt als ehemaligen Bezirk Prenzlauer Berg.

Nach wem ist die Rykestraße benannt?

Nach Bernd Ryke, auch Reiche geschrieben, einem Berliner Patrizier, der um 1390 geboren wurde und um 1449 starb. Er wurde 1447 Bürgermeister von Berlin und galt als Anführer des Aufstands gegen Kurfürst Friedrich II., der als Berliner Unwille bekannt ist. Den Namen trägt die Straße seit dem 2. April 1891.

Ist die Synagoge Rykestraße die größte Synagoge Deutschlands?

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin bezeichnet sie als größte Berliner Synagoge und schreibt, sie gelte mit ursprünglich über 2.000 Sitzplätzen neben der großen Synagoge in Budapest als größte in Europa. Seit der Wiedereröffnung 2007 hat sie 1.200 Plätze. Eine amtliche Rangliste für Deutschland gibt es nicht.

Wann finden in der Synagoge Rykestraße Gottesdienste statt?

Die Jüdische Gemeinde nennt für Kabbalat Schabbat am Freitagabend 19 Uhr im Sommer und 18 Uhr im Winter, das Schabbat-Morgengebet beginnt um 9.30 Uhr. Die Synagoge folgt dem konservativen Ritus. Aktuelle Änderungen stehen auf der Website der Gemeinde.

Wie komme ich mit Bus und Bahn zur Rykestraße?

Kauperts nennt die U2 mit den Bahnhöfen Senefelderplatz und Eberswalder Straße sowie die Straßenbahnlinie M2. Vom Senefelderplatz erreichst du das Südende an der Knaackstraße, von der Eberswalder Straße das Nordende an der Danziger Straße. Die Straße liegt im Tarifbereich A.

Quellen

Namensgebung

Namensgeber
Bernd Ryke (um 1390–um 1449)
Person
Benennung
1891-04-02
Hintergrund
Bernd Ryke (Reiche), um 1390 bis um 1449, Berliner Patrizier aus einer Familie von Ratsmännern und Bürgermeistern. 1447 zum Bürgermeister gewählt, galt er als Anführer des «Berliner Unwillens» gegen Kurfürst Friedrich II. und wurde 1448 verbannt.

Quellen

  1. kauperts.de · Web
  2. wikipedia.org · Web