Die Serie von Schüsse Berlin Kreuzberg reißt nicht ab: Am Freitagabend, dem 22. Mai 2026, gegen 21 Uhr ist in der Naunynstraße ein 25-jähriger Mann angeschossen worden. Nach Angaben der Berliner Polizei kam es auf dem Gehweg zu einem Streit zwischen dem 25-Jährigen und einem bislang unbekannten Mann. Der mutmaßliche Täter zog laut Polizei eine Schusswaffe aus der Hose und feuerte auf die Beine seines Gegenübers. Der Angeschossene wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht – Lebensgefahr bestand nach Polizeiangaben nicht. Der Schütze flüchtete über den Leuschnerdamm. Die Tat ist bereits der zweite Schuss-Vorfall in Kreuzberg innerhalb von 48 Stunden.
📋 Das Wichtigste in Kürze
- Wann: Freitag, 22. Mai 2026, kurz vor 21 Uhr
- Wo: Gehweg der Naunynstraße in Berlin-Kreuzberg, gesperrt zwischen Adalbertstraße und Oranienplatz
- Was: Ein 25-jähriger Mann wurde nach einem Streit auf die Beine geschossen und schwer verletzt
- Zustand: Krankenhaus, laut Polizei keine Lebensgefahr
- Täter: Bislang unbekannt, flüchtete über den Leuschnerdamm
- Ermittlungen: LKA-Sondereinheit Ferrum (lateinisch für „Eisen“) hat den Fall übernommen
- Zweiter Vorfall in 48 h: Bereits am Donnerstag waren in Kreuzberg in der Urbanstraße Schüsse von einem Motorroller auf ein fahrendes Auto gefallen
📖 Inhaltsverzeichnis
🚔 Was am Freitagabend in der Naunynstraße passierte
Nach Mitteilung der Berliner Polizei vom Samstagmorgen war der 25-Jährige am Freitagabend in der Naunynstraße unterwegs, als er auf dem Gehweg in einen Streit mit einem ihm bislang nicht eindeutig zugeordneten Mann geriet. Aus diesem Streit heraus soll der mutmaßliche Täter eine Schusswaffe aus der Hose gezogen und auf die Beine des 25-Jährigen geschossen haben. Der Verletzte wurde von Polizeikräften vor Ort erstversorgt und in ein Krankenhaus gebracht, wo er stationär behandelt wird.
Die Naunynstraße wurde für die Spurensicherung weiträumig gesperrt – zwischen Adalbertstraße und Oranienplatz. Der Schütze hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den Tatort verlassen und war über den nahe gelegenen Leuschnerdamm geflohen. Eine Fahndung blieb am Freitagabend zunächst ohne Ergebnis. Hintergründe der Tat und die Frage, ob das Opfer und der mutmaßliche Täter sich kannten, sind nach jetzigem Stand offen.
⚠️ Schon am Vortag: Schüsse aus dem Motorroller in der Urbanstraße

Der Fall in der Naunynstraße steht nicht für sich. Bereits am Donnerstag, dem 21. Mai 2026, war es ebenfalls in Kreuzberg zu einem Schuss-Vorfall gekommen: In der Urbanstraße hatten Täter am helllichten Tag von einem Motorroller aus mehrfach auf ein fahrendes Auto geschossen. Alarmierte Beamte stellten das Fahrzeug mit mehreren Einschusslöchern in Tatortnähe sicher. Der oder die Schützen flüchteten mit dem Roller unerkannt – auch hier ermittelt die LKA-Sondereinheit Ferrum.
Zwei Schuss-Vorfälle binnen 48 Stunden im selben Bezirk – das ist keine Routine, sondern Teil eines Musters von Schüsse Berlin Kreuzberg, das die Berliner Polizei seit über einem Jahr besorgt. Ein Sprecher des Lagezentrums der Berliner Polizei sagte dem Tagesspiegel am Samstagmorgen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit Ferrum auch den Fall in der Naunynstraße übernehme. Diese Annahme bestätigte die Polizei wenig später offiziell.
🛡️ Wer ist die Sondereinheit Ferrum?
Die BAO Ferrum („Besondere Aufbauorganisation Ferrum“, lateinisch für „Eisen“) wurde im November 2025 vom Berliner Landeskriminalamt eingerichtet. Ihre Aufgabe: zentrale Ermittlung in allen Fällen organisierter Kriminalität mit Schusswaffeneinsatz, insbesondere bei Schutzgelderpressung, Drogenhandel und Bandenkonflikten. Parallel dazu setzte die Staatsanwaltschaft Berlin eine eigene Ermittlungsgruppe ein: EG Telum (lateinisch für „Angriffswaffe“).
Bis Ende Februar 2026 hatte Ferrum nach offiziellen Angaben bereits beachtliche Erfolge:
| Kennzahl Ferrum (Stand Ende Februar 2026) | Wert |
|---|---|
| Eingeleitete Ermittlungsverfahren | 260 |
| Erwirkte Haftbefehle | 13 |
| Beschlagnahmte scharfe Waffen | 18 |
Die Einheit hat in den vergangenen Wochen zudem mehrere Durchsuchungen koordiniert. Erst Anfang Mai 2026 stellten Ferrum-Einsatzkräfte bei einer Razzia in einer Wohnung in der Naunynstraße – also in der gleichen Straße wie nun der aktuelle Vorfall – eine Schusswaffe, Goldbarren und Kokain sicher. Ein 71-jähriger Tatverdächtiger wurde festgenommen.
📊 Schüsse Berlin Kreuzberg in Zahlen – die Statistik alarmiert
Die Berliner Polizeistatistik zeichnet ein Bild, das die aktuellen Schüsse Berlin Kreuzberg in einen größeren Kontext setzt. Im Jahr 2025 zählte die Polizei insgesamt 1.119 Delikte mit Schusswaffen in Berlin. Allein 515 dieser Fälle umfassten eine tatsächliche Schussabgabe – also kein bloßes Vorzeigen oder Bedrohen mit einer Waffe. Das entspricht im Schnitt rund 1,4 Schuss-Vorfälle pro Tag in der Hauptstadt.
Die Lage zu Beginn von 2026 hat sich nach Einschätzung der Berliner Sicherheitsbehörden nicht entspannt. „In der jüngeren Zeit fallen in Berlin fast täglich Schüsse“, schrieb der Tagesspiegel am Samstag in seiner Berichterstattung zum Naunyn-Fall. Mehrere Hintergründe greifen ineinander:
- Bandenkonflikte zwischen organisierten Strukturen, darunter laut Sicherheitsbehörden auch Gruppierungen mit Bezug zum Remmo-Familienverband und mutmaßlich aktive Strukturen der türkischen Mafia in Berlin.
- Schutzgelderpressung gegen Gastronomie und Einzelhandel – mehrere Imbisse und Shisha-Bars wurden in den vergangenen Monaten gezielt beschossen.
- Drogenhandel, insbesondere im Bereich Kokain und Crystal Meth, mit damit verbundenen Revierkämpfen.
- Niedrige Hemmschwelle: Die Bereitschaft, scharfe Waffen auf offener Straße einzusetzen, ist nach Einschätzung der LKA-Ermittler in den vergangenen 18 Monaten messbar gestiegen.
🏘️ Friedrichshain-Kreuzberg als Brennpunkt
Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mit seinen rund 295.000 Einwohnern gehört zu den am stärksten betroffenen Berliner Bezirken bei Schusswaffendelikten. Die Naunynstraße liegt im Zentrum von Kreuzberg – einem Quartier, das touristisch durch Bars und Streetart bekannt ist, das aber zugleich seit Jahren mit Drogenhandel rund um den Kottbusser Tor und mit Bandenkonflikten zu kämpfen hat.
Bei Schüsse Berlin Kreuzberg geht es deshalb selten um Einzelfälle, sondern meist um ein Geflecht aus organisierten Strukturen, das räumlich eng konzentriert ist.
Die Polizei verstärkt die Präsenz im Kreuzberger Zentrum seit Monaten. Im Februar 2026 wurde die mobile Wache am Kottbusser Tor um zusätzliche Beamte aufgestockt, parallel laufen seit Anfang 2026 zivile Streifen rund um den Görlitzer Park, den Oranienplatz und entlang der Wrangelstraße. Trotzdem fallen weiter Schüsse – mit der Naunynstraße erreicht die Gewalt nun erneut eine Straße, die nur wenige hundert Meter vom Görli und vom Oranienplatz entfernt liegt. Beide Schauplätze sind Teil eines Bezirks, in dem sich Wohnviertel und Konfliktgeografie überlappen wie kaum sonst in Berlin.

🔎 Recherche-Quellen im Überblick
| Aspekt | Details | Quelle |
|---|---|---|
| Polizeimitteilung X | Erstmeldung Freitagabend kurz vor 21 Uhr | Polizei Berlin (X) |
| Tagesspiegel-Bericht | 25-Jähriger schwer verletzt, Ferrum ermittelt | Tagesspiegel |
| Ferrum-Bilanz | 260 Verfahren, 13 Haftbefehle, 18 Waffen bis Februar 2026 | BerlinEcho |
| Schusswaffen-Delikte 2025 | 1.119 Delikte, 515 mit tatsächlicher Schussabgabe | Berliner Polizeistatistik |
| Razzia Naunynstraße | Anfang Mai 2026: Waffe, Goldbarren, Kokain sichergestellt | Tagesspiegel |
| Schüsse Urbanstraße | Donnerstag, 21.05.2026: Schüsse aus Motorroller auf Auto | Tagesspiegel |
| Pressemeldung dpa | dpa-infocom 260523-930-120050/1 | dpa |
🏛️ BERLINECHO-EINORDNUNG
Was die Polizeimeldung nicht erzählt
Ein Schuss-Vorfall in Kreuzberg ist 2026 keine Ausnahme mehr, sondern ein wiederkehrendes Ereignis. Vier Punkte, die in der reinen Meldung untergehen.
1. Die Naunynstraße ist kein Zufallsort
Erst vor wenigen Wochen hatte Ferrum in derselben Straße eine Wohnung durchsucht und dort eine Waffe, Goldbarren und Kokain sichergestellt. Dass nun rund 300 Meter entfernt erneut geschossen wird, ist ein Hinweis darauf, dass die Strukturen, gegen die Ferrum vorgeht, noch nicht zerschlagen sind. Die Polizei nennt das öffentlich zurückhaltend „andauernde Lage“.
2. Zwei Vorfälle in 48 Stunden – das ist ein Muster, nicht Zufall
Wer am Donnerstag von einem Motorroller auf ein Auto schießt und am Freitag jemandem in den Oberschenkel feuert, agiert nicht aus Affekt allein. Beide Taten tragen Merkmale, die das LKA in seinen Lagebildern seit Monaten beschreibt: Auswahl zentraler Orte, Schüsse unterhalb der Tötungsschwelle, schnelle Flucht. Schutzgeld-Methodik.
3. Die Politik diskutiert seit Monaten, ohne strukturell zu antworten
In Berliner Senatsdebatten dominieren seit dem Frühjahr 2026 zwei Themen: mehr Polizeipräsenz, mehr Befugnisse. Strukturelle Antworten – etwa zur Eigentumsverflechtung von Bandenstrukturen oder zur Geldwäsche im Berliner Immobilienmarkt – fehlen weitgehend. Dabei sind genau diese Bereiche es, an denen Ferrum hinter den Kulissen arbeitet.
4. Die Bewohner zahlen den Preis
Für die Anwohnerinnen und Anwohner rund um Naunynstraße, Oranienplatz und Kottbusser Tor wird der öffentliche Raum spürbar enger. Bürgerinitiativen, Familien mit Kindern und ältere Mieter berichten in Bezirksversammlungen seit Monaten von zunehmender Verunsicherung. Diese Stimmen kommen in der medialen Berichterstattung selten zu Wort – obwohl sie es sind, die mit den Folgen leben.
📌 EHRLICHE EINORDNUNG:
Die Schüsse Berlin Kreuzberg vom Freitagabend sind ein weiterer Beleg dafür, dass das LKA mit Ferrum eine wichtige, aber begrenzte Antwort gefunden hat. Die Strukturen dahinter sind tief, vernetzt und finanziell potent. Eine schnelle Lösung gibt es nicht – aber Transparenz, faktenbasierte Berichterstattung und politische Konsequenz sind das Mindeste, was die Stadt erwarten darf.
Julian Möhring · Politik- & Kriminalitätsredakteur BerlinEcho
Als Reporter mit Schwerpunkt Innere Sicherheit und Organisierte Kriminalität verfolge ich die Entwicklung der Waffengewalt in Berlin seit mehreren Jahren. Mein Anspruch: nüchterne Faktenlage, keine Skandalisierung, keine Verharmlosung – und immer mit Blick darauf, was die Lage für die Menschen vor Ort bedeutet.
❓ Häufig gestellte Fragen zu den Schüsse Berlin Kreuzberg
Wann genau fielen die Schüsse in der Naunynstraße?
Die Schüsse Berlin Kreuzberg in der Naunynstraße fielen am Freitag, dem 22. Mai 2026, kurz vor 21 Uhr. Die Polizei meldete den Einsatz noch am selben Abend über ihren X-Account, eine ausführlichere Mitteilung folgte am Samstagmorgen.
Wie schwer wurde das Opfer verletzt?
Der 25-jährige Verletzte wurde laut Polizei schwer verletzt, war jedoch zu keinem Zeitpunkt in Lebensgefahr. Er wurde noch vor Ort durch Polizeikräfte erstversorgt und in ein Berliner Krankenhaus gebracht.
Wurde der Täter gefasst?
Nein. Der mutmaßliche Schütze flüchtete vom Tatort über den Leuschnerdamm und ist nach jetzigem Stand weiterhin auf der Flucht. Die LKA-Sondereinheit Ferrum bittet Zeuginnen und Zeugen, sich unter der Notrufnummer 110 oder bei jeder Polizeidienststelle zu melden.
Was ist die LKA-Sondereinheit Ferrum?
Die BAO Ferrum (lateinisch für „Eisen“) ist eine im November 2025 vom Berliner Landeskriminalamt eingerichtete Besondere Aufbauorganisation. Sie ermittelt zentral in allen Fällen organisierter Kriminalität mit Schusswaffeneinsatz, insbesondere bei Schutzgelderpressung, Drogenhandel und Bandenkonflikten.
Was ist die EG Telum?
Die Ermittlungsgruppe Telum (lateinisch für „Angriffswaffe“) ist die parallele Einheit der Berliner Staatsanwaltschaft, die die strafrechtliche Aufarbeitung in Fällen von Schusswaffenkriminalität bündelt. Telum arbeitet eng mit Ferrum zusammen.
Wie viele Schuss-Delikte gab es 2025 in Berlin?
Im Jahr 2025 zählte die Berliner Polizei insgesamt 1.119 Delikte mit Schusswaffen. 515 dieser Fälle waren tatsächliche Schussabgaben – im Schnitt also rund 1,4 Schuss-Vorfälle pro Tag in der Hauptstadt.
Hängt der Fall mit den Schüssen vom Donnerstag in der Urbanstraße zusammen?
Das ist nach jetzigem Stand offen. Die Polizei prüft Verbindungen, hat aber bisher keine Querverbindung öffentlich bestätigt. Beide Fälle werden von der Sondereinheit Ferrum bearbeitet.
Wo liegt die Naunynstraße in Kreuzberg?
Die Naunynstraße verläuft im Zentrum von Berlin-Kreuzberg zwischen Adalbertstraße und Oranienplatz. Sie liegt in unmittelbarer Nähe zum Kottbusser Tor und zum Görlitzer Park und gehört verwaltungstechnisch zum Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg.
🏁 Fazit: Die Serie reißt nicht ab
Die Schüsse Berlin Kreuzberg vom Freitagabend reihen sich in eine Chronik ein, die seit dem Herbst 2024 dichter geworden ist und sich seit Anfang 2026 sichtbar beschleunigt. Mit der Einrichtung der BAO Ferrum hat das LKA personell und strukturell aufgerüstet, die Staatsanwaltschaft zieht mit der EG Telum nach. Erste Erfolge sind dokumentiert – 260 Verfahren, 13 Haftbefehle, 18 sichergestellte Waffen bis Februar 2026. Trotzdem bleibt die Lage angespannt.
Für die Anwohnenden zwischen Oranienstraße und Wassertorstrasse, zwischen Kottbusser Tor und Görlitzer Park heißt das: weiter Vorsicht, weiter mehr Polizeipräsenz, weiter offene Fragen. Schüsse Berlin Kreuzberg bleiben damit das wohl drängendste innenpolitische Thema der Hauptstadt. BerlinEcho wird die Ermittlungen weiterverfolgen und über neue Erkenntnisse berichten.
🗞 Über den Autor: Julian Möhring – Politik- & Kriminalitätsredakteur BerlinEcho
Ich beobachte die Berliner Sicherheitspolitik und die Entwicklung der organisierten Kriminalität seit Jahren. Mein Anspruch bei kriminalpolizeilichen Themen: präzise Faktenlage, klare Quellenführung, kein Voyeurismus und kein Pauschalverdacht.
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