Die E-Akte Berlin Verwaltung ist auch zehn Jahre nach dem ersten E-Government-Gesetz für viele Beschäftigte ein unerfülltes Versprechen. Während in Bezirken wie Spandau oder Steglitz-Zehlendorf die Papierberge wachsen, kämpfen die Ämter mit Personalmangel und fehlerhafter Software. Ich beobachte diese strukturelle Stagnation als Bürgerin und Journalistin seit Jahren mit großem Unverständnis.
- In Spandau und Steglitz-Zehlendorf arbeiten erst 5 Prozent der Beschäftigten mit der digitalen Akte (Stand: Frühjahr 2026).
- Die Berliner Justizverwaltung investiert rund 41 Millionen Euro in die vollständige Umstellung bis 2026.
- Externe Beratungsleistungen für das E-Akte-Projekt kosteten allein im Jahr 2024 rund 1,8 Millionen Euro.
- Aktuell nutzen landesweit 3.600 Beschäftigte das System gleichzeitig im offiziellen Regelbetrieb.
📉 Zehn Jahre Verspätung: Der aktuelle Stand in den Bezirken
Wer sich den Fortschritt der E-Akte Berlin Verwaltung in den einzelnen Bezirksämtern ansieht, findet große regionale Unterschiede. Eine aktuelle Umfrage der Deutschen Presse-Agentur offenbart, dass in Steglitz-Zehlendorf und Spandau lediglich 5 Prozent der Beschäftigten mit dem System arbeiten. In Pankow sind es 11 Prozent, in Mitte 14 Prozent und in Lichtenberg immerhin 15 Prozent. Den Spitzenplatz unter den Bezirken belegt Reinickendorf mit einer Quote von 20 Prozent.
Die Umsetzung der Softwarelösung „nscale“ des Unternehmens Ceyoniq wird durch die Firma Materna realisiert. Das ITDZ Berlin managt dabei den technischen Betrieb im Hintergrund. Doch trotz dieser zentralen Steuerung meldeten vier der zwölf Berliner Bezirke auf die dpa-Anfrage gar keine Zahlen zurück – ein Indiz dafür, wie unübersichtlich das Großprojekt intern geführt wird.
🛑 Personalmangel und fehlerhafte Software als Bremsklötze
Ein Hauptgrund für die schleppende Einführung der E-Akte Berlin Verwaltung ist der massive Personalmangel in den Ämtern. Die Verantwortlichen in den Bezirken beklagen, dass schlichtweg die Kapazitäten fehlen, um Mitarbeiter in den neuen Prozessen zu schulen. Fehlendes Personal und hohe Belastung sind nicht nur in den Ämtern ein strukturelles Problem, sondern prägen auch den Berliner Kultursektor, wie der aktuelle Tarifstreit Bühnenarbeiter Berlin deutlich zeigt.
Zusätzlich klagen die Behörden über fehlerbehaftete Software. Bestimmte Funktionen seien nur eingeschränkt nutzbar, und die Einbindung von bestehenden IT-Fachanwendungen in das neue System bereitet große Schwierigkeiten. Unter der früheren Chief Digital Officer (CDO) Martina Klement wurde das Beratungsunternehmen PD ins Boot geholt – allein für diese externe Expertise flossen seit Januar 2024 rund 1,8 Millionen Euro. Derzeit prüft der neue CDO Matthias Hundt in einem bis ins zweite Quartal 2026 terminierten Abnahmeprozess, ob das System die vertraglichen Anforderungen überhaupt erfüllt.

🏛️ Lichtblicke: Diese Behörden arbeiten bereits digital
Trotz der massiven Kritik gibt es Bereiche, in denen die E-Akte Berlin Verwaltung bereits erfolgreich im Alltag angekommen ist. Zum Jahreswechsel 2025/2026 gingen laut Senatskanzlei sieben Behörden in den vollständigen Regelbetrieb über. Dazu zählen die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO), das Fischereiamt sowie der Landesbeauftragte für Naturschutz und Denkmalpflege.
Die Zahl der Nutzer, die gleichzeitig im System arbeiten, stieg von 1.000 Anfang 2024 auf mittlerweile 3.600 im Frühjahr 2026. Das ursprüngliche Ziel der SPD-Politikerin Iris Spranger, 70.000 Arbeitsplätze in 80 Behörden bis Anfang 2025 anzubinden, wurde jedoch längst gerissen. Ein neues, konkretes Zieldatum nennt der Senat derzeit nicht.
| Behörde / Bezirk | Status der E-Akte (Stand: 2026) | Anteil der Nutzer |
|---|---|---|
| Bezirk Reinickendorf | Test- und Regelbetrieb | 20 Prozent |
| Bezirk Mitte | Test- und Regelbetrieb | 14 Prozent |
| Spandau & Steglitz-Zehlendorf | Test- und Regelbetrieb | 5 Prozent |
| LABO & Fischereiamt | Vollständiger Regelbetrieb | 100 Prozent |
| Berliner Familiengerichte | Vollständiger Regelbetrieb (seit Okt. 2024) | 100 Prozent |
⚖️ Justiz als Vorreiter: Gerichte hängen Bezirksämter ab
Während die E-Akte Berlin Verwaltung in den Rathäusern stockt, zeigt die Justiz, wie eine erfolgreiche Umsetzung aussehen kann. An den Berliner Gerichten ist die digitale Aktenführung mittlerweile der Standard. Laut Angaben der Senatsverwaltung für Justiz arbeiten alle Familiengerichte bereits seit Oktober 2024 vollständig digital. Im März 2025 folgten die Amtsgerichte in Mitte und Spandau.
Verwaltungschaos und schleppende Digitalisierung sind Themen, die Wähler direkt betreffen – das zeigte auch der Live-Ticker: Berlin Wahl bei den vergangenen Abstimmungen sehr deutlich. Einzig bei der Staatsanwaltschaft hakt es aktuell noch: Hier ist die Einführung aufgrund komplexer digitaler Schnittstellen zur Berliner Polizei noch nicht flächendeckend abgeschlossen.

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Warum dauert die Einführung der E-Akte Berlin Verwaltung so lange?
Die Hauptgründe für die Verzögerungen bei der E-Akte Berlin Verwaltung sind massiver Personalmangel für Schulungen, fehlerbehaftete Software-Schnittstellen und eine fehlende Akzeptanz bei den Beschäftigten. Zudem gab es in der Vergangenheit große Defizite in der Projektsteuerung.
Welche Bezirke sind bei der digitalen Akte am weitesten?
Im Frühjahr 2026 führt Reinickendorf mit einer Nutzerquote von 20 Prozent. Dahinter folgen Lichtenberg mit 15 Prozent und Mitte mit 14 Prozent. Schlusslichter sind Spandau und Steglitz-Zehlendorf mit jeweils nur 5 Prozent angebundenen Beschäftigten.
Wann arbeiten alle Behörden in Berlin komplett digital?
Ein konkretes Abschlussdatum nennt der Senat aktuell nicht mehr, nachdem die Ziele für 2023 und 2025 verfehlt wurden. Bis ins zweite Quartal 2026 läuft noch ein technischer Abnahmeprozess. Danach soll die Nutzerzahl landesweit schrittweise auf 70.000 erhöht werden.
Welche Rolle spielt das ITDZ bei der E-Akte Berlin Verwaltung?
Das IT-Dienstleistungszentrum (ITDZ) Berlin ist für den technischen Betrieb der E-Akte Berlin Verwaltung zuständig. Es implementiert die Softwarelösung „nscale“ auf den Servern des Landes und stellt die Infrastruktur für die Bezirksämter und Senatsverwaltungen bereit.
Sind die Berliner Gerichte bereits digitalisiert?
Ja, die Berliner Justiz ist deutlich weiter als die Bezirksämter. Alle Familiengerichte arbeiten seit Oktober 2024 digital. Im März 2025 folgten erste Amtsgerichte. Bis 2026 fließen insgesamt rund 41 Millionen Euro in die vollständige Digitalisierung der Berliner Gerichte.

🏁 Fazit: Ein teurer Dauerlauf
Die E-Akte Berlin Verwaltung bleibt ein Großprojekt mit enormen regionalen Gefällen. Während die Justiz und Landesämter wie das LABO zeigen, dass eine digitale Umstellung mit klaren Zielen funktioniert, hinken die Bezirksämter mit Nutzerquoten zwischen 5 und 20 Prozent stark hinterher. Solange Personalmangel und Softwarefehler den Alltag dominieren, wird das Ziel von 70.000 digitalen Arbeitsplätzen nur schwer zu erreichen sein.
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🎭 Über den Autor: Ariane Nagel – Redakteurin Kultur & Meinung
Wenn ich im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg an der Yorckstraße einen Förderantrag abgebe, sehe ich oft Aktenberge, die bis zur Decke reichen. Dass die Digitalisierung hier seit einem Jahrzehnt ein politisches Versprechen bleibt, zeigt ein tiefgreifendes strukturelles Problem unserer Stadt.
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