Berlin 📅 2. April 2026 ⏱ 7 Min. 👁 176 Aufrufe

Tarifstreit Bühnenarbeiter Berlin: Kampf gegen prekäre Jobs

Tarifstreit Bühnenarbeiter Berlin – Beschäftigte von 36 Stage XL fordern feste Verträge und mehr Arbeitsschutz. Alle Hintergründe zur Klage der FAU. →

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Kurzantwort

Der aktuelle Tarifstreit der Bühnenarbeiter in Berlin konzentriert sich auf die Firma 36 Stage XL, deren Beschäftigte gegen prekäre Arbeitsverhältnisse protestieren. Gemeinsam mit der Gewerkschaft FAU fordern sie unbefristete Verträge, 2,50 € mehr Stundenlohn und besseren Arbeitsschutz. Der Konflikt reiht sich in eine Welle von Arbeitskämpfen an Berliner Kultureinrichtungen ein, darunter an der Schaubühne und am Gorki Theater.

Inhaltsverzeichnis+
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Warum gibt es einen Tarifstreit bei Berliner Bühnenarbeitern?
  3. Ist das Modell der unständigen Beschäftigung rechtens?
  4. Welche Berliner Theater sind ebenfalls von Streiks betroffen?
  5. Häufige Fragen zu Tarifstreit Bühnenarbeiter Berlin
  6. Fazit

Das Wichtigste in Kürze

  • Kernkonflikt: Beschäftigte der Firma 36 Stage XL wehren sich gegen das Modell der „unständigen Beschäftigung“, das keine Job- oder Stundengarantie bietet.
  • Lohnforderung: Die Betriebsgruppe der Gewerkschaft FAU fordert eine Lohnerhöhung von 2,50 € pro Stunde für alle Bühnenbauer.
  • Arbeitssicherheit: Mitarbeiter kritisieren das Fehlen von bezahlter Schutzausrüstung und Sicherheitstrainings, was ein erhebliches Risiko darstellt.
  • Branchenweiter Protest: Bereits im Januar 2026 streikten Angestellte der Schaubühne, des Maxim Gorki Theaters und der Volksbühne für bessere Tarifbedingungen.
  • Rechtliche Einschätzung: Fachanwälte für Arbeitsrecht bezeichnen die Praxis als rechtliche Grauzone und vergleichen die Arbeitsverhältnisse mit Zuständen aus dem Kaiserreich.

Warum gibt es einen Tarifstreit bei Berliner Bühnenarbeitern?

Der Tarifstreit entzündet sich an den prekären Arbeitsbedingungen bei der Bühnenbaufirma 36 Stage XL. Die Beschäftigten kritisieren das Modell der „unständigen Beschäftigung“, das ihnen weder finanzielle Sicherheit noch grundlegende Arbeitnehmerrechte wie bezahlten Urlaub oder durchgehende Krankenversicherung garantiert.

Hinter den glanzvollen Kulissen der Berliner Event- und Kulturlandschaft verbirgt sich für viele Bühnenarbeiter ein harter Arbeitsalltag. Im Zentrum der Auseinandersetzung im April 2026 steht das Unternehmen 36 Stage XL. Dessen Praxis der „unständigen Beschäftigung“ bedeutet, dass Arbeiter lediglich in eine Art Interessentenliste aufgenommen werden. Das Unternehmen ist jedoch nicht verpflichtet, ihnen regelmäßig Arbeit anzubieten. Dies führt dazu, dass die Beschäftigten das volle finanzielle Risiko tragen, ohne eine Garantie auf ein Mindesteinkommen zu haben.

Zusätzlich zu fehlender Planbarkeit und sozialer Absicherung wird der Arbeitsschutz massiv bemängelt. Der Bühnenarbeiter Vojta C. gab gegenüber der Zeitung nd-aktuell an: „Ich kenne niemanden, der oder die ein Sicherheitstraining oder bezahlte Schutzausrüstung erhalten hat.“ Diese Missstände haben zur Gründung einer Betriebsgruppe innerhalb der Gewerkschaft Freie Arbeiter*innen Union (FAU) geführt, die nun konkrete Forderungen stellt.

Merkmal Details zum Konflikt
Unternehmen 36 Stage XL (Berlin)
Branche Bühnenbau & Eventlogistik
Vertretende Gewerkschaft Freie Arbeiter*innen Union (FAU)
Kernforderungen + 2,50 € Stundenlohn, unbefristete Verträge, bezahlter Urlaub

Ist das Modell der unständigen Beschäftigung rechtens?

Nein, laut juristischer Einschätzung ist die Praxis fragwürdig. Eine Fachanwältin für Arbeitsrecht stellt in einem Gutachten klar, dass keine unständige Beschäftigung vorliegt, wenn sich Einsätze regelmäßig wiederholen. Das Modell wird als Ausnutzung einer rechtlichen Grauzone kritisiert.

Die Auseinandersetzung könnte bald die Gerichte beschäftigen, da die FAU-Betriebsgruppe plant, die bisherigen Vereinbarungen juristisch anzufechten. Die rechtliche Grundlage des Geschäftsmodells von 36 Stage XL wird von Experten stark infrage gestellt. Die Fachanwältin für Arbeitsrecht, Sirkka Schrader, kommt in einem Gutachten zu dem Schluss: „Eine unständige Beschäftigung liegt nicht vor, wenn die einzelnen Beschäftigungen sich vereinbarungsgemäß in regelmäßigen Abständen wiederholen.“

Der Fachanwalt Rupay Dahm, der einen der Beschäftigten vertritt, wählt im Gespräch mit nd-aktuell noch drastischere Worte und spricht von „Arbeitsverhältnissen wie im Kaiserreich“. Seiner Ansicht nach nutzt der Arbeitgeber eine rechtliche Grauzone gezielt aus, um Sozialabgaben und Lohnfortzahlungen zu umgehen. Solche Praktiken untergraben die Schutzmechanismen, die durch das Arbeitsrecht und den geltenden Mindestlohn Berlin 2026 eigentlich gewährleistet sein sollten.

Tarifstreit Bühnenarbeiter Berlin: Kampf gegen prekäre Jobs
Foto: Jimmy Liao

Welche Berliner Theater sind ebenfalls von Streiks betroffen?

Bereits im Januar 2026 legten die Beschäftigten der Schaubühne, des Maxim Gorki Theaters und der Volksbühne ihre Arbeit nieder. Organisiert von der Gewerkschaft ver.di forderten sie die Übernahme der Tarifabschlüsse des öffentlichen Dienstes (TV-L).

Der Arbeitskampf bei 36 Stage XL ist kein Einzelfall, sondern Teil einer breiteren Bewegung in der Berliner Kulturszene. Die Proteste gegen prekäre Arbeitsbedingungen nehmen zu und manifestieren sich nicht nur digital, wie im Fall der Berliner Clubs Instagram Sperrung, sondern auch durch klassische Streiks. Im Januar 2026 kam es bereits zu Arbeitsniederlegungen an drei prominenten Berliner Bühnen.

Tarifstreit Bühnenarbeiter Berlin: Kampf gegen prekäre Jobs - Berlin News Highlights

Die Gewerkschaft ver.di rief die Mitarbeiter der Schaubühne, des Maxim Gorki Theaters und der Volksbühne zum Streik auf. Die zentrale Forderung war die automatische Übertragung der Tarifergebnisse des öffentlichen Dienstes (TV-L) auf die Angestellten der Theater. Lucas Krentel, ver.di-Landesfachbereichsleiter, kritisierte die Politik scharf: „Die Berliner Kürzungspolitik darf nicht auf eurem Rücken ausgetragen werden!“ Währenddessen gab eine Sprecherin von 36 Stage XL auf Anfrage nur an, man nehme die Anliegen ernst, ging aber nicht auf den konkreten Forderungskatalog der FAU ein.

Tarifstreit Bühnenarbeiter Berlin: Kampf gegen prekäre Jobs
Foto: Alex Fu

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Häufige Fragen zu Tarifstreit Bühnenarbeiter Berlin

Warum gibt es einen Tarifstreit bei den Bühnenarbeitern in Berlin?

Der Tarifstreit Bühnenarbeiter Berlin entzündete sich an den Arbeitsbedingungen bei der Firma 36 Stage XL. Beschäftigte kritisieren das Modell der „unständigen Beschäftigung“, das ihnen weder feste Arbeitsstunden noch bezahlten Urlaub oder durchgehenden Krankenversicherungsschutz bietet.

Was fordert die FAU von 36 Stage XL?

Die neu gegründete Betriebsgruppe der Gewerkschaft FAU fordert unbefristete Arbeitsverträge für alle Beschäftigten, eine Lohnerhöhung von 2,50 € pro Stunde, die Bezahlung von Urlaubs- und Krankheitszeiten sowie konkrete Maßnahmen zum Arbeitsschutz und gegen Diskriminierung.

Was bedeutet „unständige Beschäftigung“ im Bühnenbau?

Bei diesem Modell werden Arbeiter lediglich in eine Interessentenliste aufgenommen. Das Unternehmen kann sie für Einsätze anfragen, ist dazu aber nicht verpflichtet. Für die Arbeiter bedeutet dies, dass sie das volle unternehmerische Risiko tragen und keine finanzielle Planungssicherheit haben.

Welche Berliner Theater haben 2026 bereits gestreikt?

Im Januar 2026 haben bereits Mitarbeiter der Schaubühne, des Maxim Gorki Theaters und der Volksbühne gestreikt. Unterstützt von ver.di forderten sie, dass die Tarifabschlüsse aus dem öffentlichen Dienst (TV-L) auch für sie übernommen werden.

Wie reagiert das Unternehmen auf den Tarifstreit?

Eine Sprecherin von 36 Stage XL erklärte auf Medienanfrage lediglich, dass man die Anliegen der Mitarbeiter ernst nehme und sich im Dialog befinde. Auf den konkreten Forderungskatalog der FAU-Betriebsgruppe ging das Unternehmen im Rahmen des Tarifstreits bisher nicht öffentlich ein.

Fazit

Der Tarifstreit der Berliner Bühnenarbeiter bei 36 Stage XL legt ein strukturelles Problem offen, das weit über ein einzelnes Unternehmen hinausgeht. Er zeigt, dass die glanzvolle Fassade der Berliner Kultur- und Eventbranche oft auf dem Rücken von Beschäftigten errichtet wird, die in prekären Verhältnissen ohne soziale Absicherung arbeiten. Die juristische Einschätzung, die von „Arbeitsverhältnissen wie im Kaiserreich“ spricht, ist ein Alarmsignal. Für eine Kulturmetropole wie Berlin ist es unerlässlich, solche Grauzonen zu schließen und für faire, sichere Arbeitsbedingungen für alle Kulturschaffenden zu sorgen. Der Ausgang dieses Konflikts wird zeigen, wie ernst es die Stadt mit dem Schutz derjenigen meint, die ihre Bühnen erst zum Leben erwecken.

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✍ Über den Autor
Redakteurin Kultur & Meinung

Ich bin Ariane, und ich schreibe das, was andere vielleicht nicht schreiben wollen: klare Meinungen. Bei BerlinEcho verantworte ich Kultur und Meinung – und ja, das passt gut zusammen, denn Kultur ohne Haltung ist Dekoration. Berlin ist kulturell einzigartig – das Theaterleben, die Literaturszene, die Kunsträume in Hinterhöfen. Ich besuche Premieren und Ausstellungseröffnungen, schreibe Kritiken, die tatsächlich etwas sagen, und zeige auch, wenn etwas nicht funktioniert. In meiner Kolumne geht es um Dinge, die mir auffallen – gesellschaftliche Widersprüche, Berliner Eigenheiten, manchmal auch einfach Dinge, die mich beschäftigen. Ob das beim Lesen Zustimmung oder Widerspruch auslöst: beides ist mir recht, solange es eine echte Reaktion ist. Für Pressematerialien, Einladungen und Diskussionen bin ich über Twitter oder Instagram erreichbar.

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