13 Jahre Haft für die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette: Das Landgericht im niedersächsischen Verden hat die 67-Jährige am Mittwoch, dem 27. Mai 2026, des besonders schweren Raubs in Tateinheit mit erpresserischem Menschenraub und Besitz von Kriegswaffen schuldig gesprochen. Das Daniela Klette Urteil fällt damit knapp zweieinhalb Jahre nach ihrer spektakulären Festnahme in einer Wohnung in Berlin-Kreuzberg. Nach dem Schuldspruch brachen Tumulte im Zuschauerraum aus – Anhänger der Verurteilten skandierten «Freiheit für Daniela» und buhten die Richter aus.
Das Wichtigste in Kürze
- Urteil: 13 Jahre Haft am 27. Mai 2026 – Staatsanwaltschaft hatte 15 Jahre gefordert
- Gericht: Landgericht Verden in einer eigens umgebauten Reithalle am Stadtrand
- Schuldspruch: Besonders schwerer Raub, erpresserischer Menschenraub, Besitz von Kriegswaffen
- Tatzeitraum: 1999 bis 2016 – nach Auflösung der RAF 1998
- 13 Raubüberfälle mit rund 2,7 Millionen Euro Beute auf Geldtransporter und Supermärkte
- Festnahme: 26. Februar 2024 in der Sebastianstraße in Berlin-Kreuzberg
- Komplizen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub weiter auf der Flucht
Daniela Klette Urteil: Was das Landgericht Verden entschied

Das Daniela Klette Urteil fiel am Mittwochmorgen, dem 27. Mai 2026, im Hochsicherheitssaal einer ehemaligen Reithalle in Verden. Die ehemalige Pferdesporthalle wurde eigens für das Verfahren in eine gesicherte Gerichtsstätte umgebaut – der ursprüngliche Landgerichtsbau in Verden erfüllte die Anforderungen an Saalgröße und Sicherheit nicht. Die Richter sprachen die 67-Jährige des besonders schweren Raubs in Tateinheit mit erpresserischem Menschenraub und Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz schuldig.
Das Strafmaß von 13 Jahren bleibt um zwei Jahre unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft Verden zurück, die 15 Jahre Haft gefordert hatte. Klette nahm das Urteil ohne sichtbare Regung entgegen. Nach der Verkündung kam es im Zuschauerraum zu Tumulten: Mehrere Sympathisanten skandierten «Freiheit für Daniela», buhten die Richter aus und mussten teils aus dem Saal gewiesen werden. Laut ZDF-Berichten saß Klette während ihrer Untersuchungshaft seit 2024 in der JVA Vechta in Niedersachsen.
Die Festnahme in Berlin-Kreuzberg im Februar 2024
Der Berliner Bezug des Falls führt direkt in den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Am 26. Februar 2024 nahmen Beamte des LKA Niedersachsen gemeinsam mit der Berliner Polizei die seit über 30 Jahren gesuchte Klette – wie BerlinEcho bereits im Prozessverlauf berichtete – in einer kleinen Wohnung in der Sebastianstraße fest. Die Festnahme verlief ohne Widerstand. Klette hatte unter dem falschen Namen «Claudia Ivone» mit einem italienischen Pass in dem Mietshaus gelebt – jahrelang unentdeckt, mit Nachbarschaftskontakten und sogar einem öffentlichen Facebook-Profil.
Aufflog ihr Versteck durch einen kanadischen Podcasterin-Hinweis: Eine Investigativ-Recherche hatte Klettes Gesicht mittels Gesichtserkennungs-Software in einem öffentlichen Foto identifiziert. Bei der Durchsuchung der Kreuzberger Wohnung fanden Beamte laut internationaler Berichterstattung Munition und Hinweise auf Versteckmaterial. Die Berliner Polizei sicherte den Tatort großräumig ab. Klette wurde noch am selben Abend nach Niedersachsen überführt und kam in Untersuchungshaft in die JVA Vechta.
Die 13 Raubüberfälle: Geldtransporter und Supermärkte
Im Mittelpunkt des Verfahrens standen 13 Raubüberfälle zwischen 1999 und 2016 in Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen. Ziel der Taten waren Geldtransporter und Supermärkte. Mit Schnellfeuerwaffen und einer täuschend echt wirkenden Panzerfaust-Attrappe bedrohten die Täter ihre Opfer – die psychischen Folgen für die betroffenen Werttransport-Fahrer und Supermarkt-Mitarbeiter sind nach Angaben der Verfahrensbeteiligten teils bis heute spürbar.
| Eckdaten | Wert |
|---|---|
| Anzahl Raubüberfälle | 13 |
| Tatzeitraum | 1999 bis 2016 (17 Jahre) |
| Erbeutete Summe | rund 2,7 Millionen Euro |
| Tatorte | Niedersachsen, Bremen, NRW |
| Tatwaffen | Schnellfeuerwaffen, Panzerfaust-Attrappe |
| Prozessbeginn | 25. März 2025 |
Die Staatsanwaltschaft hatte den Überfällen ein klares Motiv zugeordnet: Klette und ihre beiden Mitbeschuldigten Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub sollen mit den Beuten ihr Leben im Untergrund finanziert haben. Klette selbst nannte die Überfälle in ihrem rund 3-stündigen Schlussplädoyer am 28. April 2026 ein «Mittel zum Zweck» – ein Eingeständnis der Beteiligung blieb sie aber schuldig.

Garweg und Staub: Die letzten flüchtigen RAF-Mitglieder
Während Daniela Klette nun urteilsmässig erfasst ist, bleiben ihre beiden Mitbeschuldigten weiter auf der Flucht. Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub gelten ebenfalls als Mitglieder der sogenannten dritten RAF-Generation und sollen an den Raubüberfällen beteiligt gewesen sein. Beide werden seit über drei Jahrzehnten gesucht. Die Sicherheitsbehörden vermuten, dass mindestens einer von beiden über lange Zeit in Berlin gelebt haben könnte – analog zu Klette unter falscher Identität.
Parallel zum Verdener Verfahren prüft das Oberlandesgericht Frankfurt am Main derzeit, ob es eine weitere Anklage gegen Klette zulässt: Es geht um drei RAF-Anschläge aus den frühen 1990er-Jahren, darunter den Granatwerfer-Anschlag auf die US-Botschaft 1991 in Bonn-Plittersdorf. Der Vorwurf wiegt schwer – versuchte Morde in 20 Fällen. Sollte das OLG die Anklage zulassen, würde im Anschluss an das Verdener Urteil ein zweiter Strafprozess gegen Klette folgen.
Was das Urteil für Berlin bedeutet
Berlin spielt im Fall Daniela Klette eine doppelte Rolle. Erstens: Hier war ihr 35-jähriges Versteck – mitten in Kreuzberg, in einem typischen Berliner Mietshaus. Zweitens: Die Berliner Sicherheitsbehörden waren operativ an der Festnahme beteiligt und führen seither Erkenntnisse über Klettes Berliner Umfeld zusammen. Die Frage, wer Klette in Kreuzberg unterstützte, ob bewusst oder unbewusst, wird in Berlin nicht abschliessend beantwortet.
Für die Stadt bleibt der Fall auch ein politisches Symbol: Die Möglichkeit, jahrzehntelang unentdeckt mit falscher Identität in einer deutschen Großstadt zu leben, hat die Sicherheitsbehörden zur Selbstkritik gezwungen. Berliner Innensenator-Kreise hatten 2024 eine bessere Vernetzung von Meldedaten, Fahndungsregistern und biometrischer Erkennung gefordert. Konkrete politische Konsequenzen blieben aber bis heute aus.
Wann: Zweieinhalb Jahre nach der Festnahme, gut 14 Monate nach Prozessbeginn fällt das Daniela Klette Urteil. Was: 13 Jahre Haft – zwei Jahre unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, aber ein klares Schuldsignal. Was bedeutet das: Für Berlin schließt sich juristisch ein Kapitel, das in der Kreuzberger Sebastianstraße im Februar 2024 begann. Geöffnet bleibt es politisch: Garweg und Staub sind noch frei, die Frage nach Klettes Berliner Unterstützernetzwerk ungeklärt, und im Hintergrund läuft eine zweite Anklage wegen versuchter Morde aus den 1990er-Jahren. Klette wird die kommenden Jahre in deutscher Haft verbringen – die Aufarbeitung der dritten RAF-Generation ist damit nicht abgeschlossen, sondern erst richtig angekommen.
Quellenlage zum Daniela Klette Urteil
| Quelle | Inhalt | Stand |
|---|---|---|
| Landgericht Verden | Urteilsverkündung 13 Jahre Haft | 27.05.2026 |
| ZDF heute | Schlussvortrag Staatsanwaltschaft, 15-Jahres-Forderung | 28.04.2026 |
| taz Online | Schlussplädoyer Daniela Klette, Lebensweg | Mai 2026 |
| Berliner Polizei / LKA Niedersachsen | Festnahmeprotokoll Kreuzberg 26.02.2024 | Februar 2024 |
Häufige Fragen zum Daniela Klette Urteil
Wann wurde Daniela Klette verurteilt?
Das Landgericht Verden verurteilte Daniela Klette am Mittwoch, dem 27. Mai 2026, zu 13 Jahren Haft. Sie wurde des besonders schweren Raubs in Tateinheit mit erpresserischem Menschenraub und Besitz von Kriegswaffen schuldig gesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte 15 Jahre gefordert.
Wo wurde Daniela Klette festgenommen?
Daniela Klette wurde am 26. Februar 2024 in einer Wohnung in der Sebastianstraße in Berlin-Kreuzberg festgenommen. Beamte des LKA Niedersachsen und der Berliner Polizei nahmen sie ohne Widerstand fest. Klette hatte dort über Jahre unter dem falschen Namen «Claudia Ivone» mit italienischem Pass gelebt – nach mehr als 30 Jahren Flucht.
Wie wurde Daniela Klette aufgespürt?
Eine Investigativ-Recherche kanadischer Podcaster führte 2023/24 zu ihrem Aufenthaltsort. Die Journalisten hatten Klettes Gesicht mittels Gesichtserkennungs-Software in einem öffentlich zugänglichen Foto identifiziert. Die Information ging an die deutschen Sicherheitsbehörden, das LKA Niedersachsen übernahm den Zugriff.
Was sind die Vorwürfe gegen Daniela Klette?
Sie wurde wegen 13 Raubüberfällen zwischen 1999 und 2016 verurteilt. Tatorte waren Geldtransporter und Supermärkte in Niedersachsen, Bremen und NRW. Insgesamt erbeuteten die Täter rund 2,7 Millionen Euro. Bedroht wurde mit Schnellfeuerwaffen und einer Panzerfaust-Attrappe. Ein zweites Verfahren wegen versuchter Morde aus den 1990er-Jahren wird derzeit vom OLG Frankfurt geprüft.
Was passiert mit Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub?
Die beiden mutmaßlichen Mitbeschuldigten Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub sind weiter auf der Flucht. Sie gelten ebenfalls als Mitglieder der sogenannten dritten RAF-Generation und sollen an den Raubüberfällen beteiligt gewesen sein. Sicherheitsbehörden vermuten, dass mindestens einer von beiden über Jahre in Berlin gelebt haben könnte.
Warum wurde der Prozess in einer Reithalle geführt?
Der ursprüngliche Landgerichtsbau in Verden erfüllte weder die Anforderungen an Saalgröße noch an Sicherheit, die für ein Verfahren gegen eine ehemalige RAF-Terroristin nötig waren. Eine ehemalige Reithalle am Stadtrand wurde daher zum Hochsicherheits-Gerichtssaal umgebaut – mit gepanzerten Türen, mehreren Sicherheitsschleusen und separaten Räumen für Verteidigung und Zuschauer.
Unsere Einordnung
13 Jahre Haft sind ein deutliches Signal – aber kein Schlussstrich. Daniela Klette wird etwa 80 sein, wenn sie regulär freikommen könnte. Was bleibt: ein erfolgreicher Schlag gegen eine der letzten lebenden RAF-Symbolfiguren, aber zwei weiter flüchtige Komplizen, ein offenes zweites Verfahren wegen versuchten Mordes und die Tatsache, dass Berlin als Versteck nicht zufällig gewählt war. Kreuzberg, mit seiner Mischung aus linker Szenekultur und urbaner Anonymität, hatte Klette über Jahre Schutz geboten – ohne dass dies in der Anklage juristisch greifbar wäre. Die wichtigere Lehre aus dem Verfahren: Drei Jahrzehnte erfolgloser Fahndung gegen drei Personen werden am Ende von einem kanadischen Podcaster und einer Gesichtserkennungs-Software beendet. Das sagt mehr über die deutschen Sicherheitsbehörden als jedes Urteilsmaß.
– Maik Möhring, Chefredakteur, BerlinEcho
ℹ️ Transparenz-Hinweis: Dieser Artikel wurde unter Einsatz von KI-Tools (Claude, Gemini) recherchiert und vorstrukturiert, anschließend redaktionell überarbeitet, mit Berliner Lokalkenntnis ergänzt und faktengeprüft durch die BerlinEcho-Redaktion.




