An einem Dienstag Mitte Mai steht in der Gorkistraße in Berlin-Tegel, am Ende der Fußgängerzone, ein Infostand mit blauen Plakaten. Thomas Ruschin, AfD-Spitzenkandidat im Bezirk Reinickendorf und Rechtsanwalt aus Hermsdorf, wirbt um Stimmen für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026. Sein Gesicht ist gross auf den Plakaten gedruckt, daneben das Logo der Partei. Vier Monate vor der Wahl ist die zentrale Frage in Berlin nicht mehr, ob die AfD ins Parlament einzieht. Sondern: Wie weit nach oben reicht ihre Kurve – und wie realistisch ist das selbst gesteckte Ziel der Partei, in der Hauptstadt zur stärksten politischen Kraft zu werden?
📋 Das Wichtigste in Kürze
- Wahltermin: Die Wahl zum 20. Abgeordnetenhaus von Berlin findet am Sonntag, dem 20. September 2026 statt.
- Spitzenkandidatin: Kristin Brinker, Berliner AfD-Landeschefin, wurde am 11. Oktober 2025 mit rund 92 Prozent zur Spitzenkandidatin gewählt.
- Umfragestand Mai 2026: CDU 20–22 Prozent, AfD 16–19 Prozent, Linke 16–19 Prozent, Grüne 14–17 Prozent, SPD 13–17 Prozent (Bandbreite Infratest dimap, Insa, dawum-Trend).
- Vergleich: Bei der Wiederholungswahl am 12. Februar 2023 erreichte die AfD Berlin 9,1 Prozent der Zweitstimmen.
- Einstufung: Seit dem 2. Mai 2025 stuft das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD bundesweit als „gesichert rechtsextremistisch“ ein. Die Partei klagt dagegen.
- Selbsterklärtes Ziel: Alexander Bertram, Nummer 2 auf der Landesliste, gab beim Parteitag das Ziel aus, 2026 stärkste Oppositionskraft zu werden und 2031 das Rote Rathaus zu erreichen.
- Bezirks-Strategie: Westbezirke wie Reinickendorf, Steglitz-Zehlendorf und Spandau gelten als Wachstumsfelder der AfD jenseits ihrer Hochburgen in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg.
📖 Inhaltsverzeichnis
- Was die aktuellen Berliner Umfragen wirklich sagen
- Kristin Brinker und der bürgerliche Kurs der Berliner AfD
- Warum Reinickendorf, Spandau und Steglitz wichtig werden
- Die Verfassungsschutz-Einstufung als Hintergrund
- Zwischen Bundestrend und Berliner Realität
- Drei Szenarien für den 20. September
- Quellen-Tabelle
- BerlinEcho-Einordnung
- FAQ
- Fazit
📊 Was die aktuellen Umfragen zur Berlin-Wahl wirklich sagen
Die Berliner Umfragelandschaft ist im Mai 2026 dicht gestaffelt. Nach dem dawum-Wahltrend mit Stand 15. Mai 2026 führt die CDU mit rund 20 Prozent vor AfD und Linke (je 16 bis 17 Prozent), gefolgt von Grünen, SPD und kleineren Parteien. Eine Insa-Umfrage im Auftrag der „B.Z.“ vom April 2026 sah die CDU bei 21 Prozent, die AfD und die SPD bei je 17 Prozent. Eine Insa-Umfrage für die „Bild“ im Februar 2026 hatte die AfD erstmals bei 17 Prozent als zweitstärkste Kraft hinter der CDU (22 Prozent) gezeigt – ein historischer Wert für den Berliner Landesverband.
Wer das Wahlergebnis von 2023 daneben legt, erkennt die Dimension: Damals erreichte die AfD 9,1 Prozent der Zweitstimmen, die CDU 28,2 Prozent, SPD und Grüne je 18,4 Prozent, die Linke 12,2 Prozent. Eine Verdopplung der AfD-Werte innerhalb von drei Jahren ist real – ein Sprung auf Platz 1 nach derzeitiger Datenlage allerdings nicht. Dafür müsste die Partei zusätzlich rund fünf Prozentpunkte gewinnen, ohne dass die CDU ihren Vorsprung verteidigt. Das ist möglich, aber kein Selbstläufer.
🎙️ Kristin Brinker und der bürgerliche Kurs der Berliner AfD

Die Berliner AfD wird seit Jahren von Kristin Brinker geführt. Auf dem Landesparteitag am 11. Oktober 2025 wurde sie mit rund 92 Prozent erneut zur Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl 2026 gewählt. Brinker, eine Steuerberaterin mit ruhigem Auftreten, steht für einen anderen Stil als ihr brandenburgisches Pendant: weniger Lautstärke, mehr bürgerliches Wahlplakat.
Die Strategie hat eine klare Logik. In Brandenburg holt die AfD nach jüngster Insa-Umfrage 34 Prozent – mit aggressivem, identitätspolitischem Profil. In Berlin wäre derselbe Ansatz kontraproduktiv. Die Hauptstadt ist jünger, urbaner, migrantischer und politisch fragmentierter. Wer hier Stimmen jenseits des klassischen AfD-Milieus gewinnen will, muss ansprechbar bleiben für ehemalige CDU-Wähler aus den Westbezirken, für unzufriedene SPD-Wähler aus Randlagen und für Erstwähler, die mit der „Großen Koalition“ im Roten Rathaus fremdeln.
Auf Platz 2 der Landesliste steht Alexander Bertram, Jahrgang 1988, seit 2023 Abgeordneter und stellvertretender Landesvorsitzender. Bertram formulierte beim Parteitag das Etappenziel offen: 2026 stärkste Oppositionskraft, 2031 ins Rote Rathaus. Ein Anspruch, der in der Berliner CDU für genauso viel Aufmerksamkeit gesorgt hat wie bei der SPD.
🏘️ Warum Reinickendorf, Spandau und Steglitz wichtig werden
Die Berliner AfD war traditionell stark in den östlichen Bezirken – Marzahn-Hellersdorf (280.000 Einwohner) und Lichtenberg (311.000 Einwohner) galten als ihre Stammbasis. 2023 holte die Partei dort zweistellige Bezirksergebnisse. Neu ist 2026, dass der Aufwärtstrend auch in westlichen Bezirken sichtbar wird. Reinickendorf mit seinen 273.000 Einwohnern, oft als CDU-Hochburg geführt, ist dafür ein Indikator.
Genau hier setzt der Wahlkampf von Thomas Ruschin an. Der heute als Rechtsanwalt in Hermsdorf praktizierende Ex-CDU-Politiker war zwischen 2006 und 2011 Bezirksstadtrat für Bürgerdienste und Ordnungsangelegenheiten in Reinickendorf, später zeitweise Beigeordneter in Lüdenscheid (Nordrhein-Westfalen). Sein Profil – CDU-Vergangenheit, langjährige Verwaltungserfahrung, juristische Ausbildung – ist exakt das, was die Berliner AfD im Westen sucht: eine bürgerliche Fassade, die Wähler aus dem ehemaligen Unionslager anspricht.
Ähnliche Konstellationen finden sich in Spandau (257.000 Einwohner) und in Teilen von Steglitz-Zehlendorf (313.000 Einwohner). Wo CDU-Stammwähler im Rentenalter mit Themen wie Sicherheit, Verkehrspolitik und Bürgeramt-Frust angesprochen werden, gewinnt die AfD seit 2023 messbar. Innenstadt-Bezirke wie Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow bleiben für die Partei dagegen weiter schwierig. Hier dominieren Linke, Grüne und SPD.
⚖️ Die Verfassungsschutz-Einstufung als ständiger Hintergrund
Jede Berichterstattung über die AfD muss diesen Fakt benennen: Am 2. Mai 2025 stufte das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD bundesweit als „gesichert rechtsextremistisch“ ein. Grundlage war ein 1.100-seitiges Gutachten, das nach Aussage der damaligen Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) das Ergebnis einer „umfassenden und neutralen Prüfung“ sei. Die AfD hat dagegen geklagt; eine endgültige gerichtliche Entscheidung steht noch aus. Bis dahin gilt die Einstufung weiter.
Auf Landesebene gibt es Unterschiede. Der AfD-Landesverband Brandenburg wurde am 14. April 2025 vom dortigen Verfassungsschutz separat als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft. Für den Berliner Landesverband liegt eine eigenständige Einstufung als Landesverband bislang nicht vor – als Teil der bundesweit eingestuften Partei ist er aber von der Bundeseinstufung mitumfasst. Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport mit ihrer Abteilung Verfassungsschutz zählte das rechtsextremistische Personenpotenzial in Berlin im Berichtsjahr 2023 auf rund 1.550 Personen (parteibezogene und parteiungebundene Strukturen zusammen).
Politisch hat die Einstufung Folgen: Sicherheitsüberprüfungen für AfD-Mitarbeiter im öffentlichen Dienst werden strikter, eine breitere Debatte über einen Parteiverbotsantrag läuft seit 2025 in Bundestag und Wissenschaft. Eine Entscheidung über ein Verbot kann ausschliesslich das Bundesverfassungsgericht treffen. Die Hürden sind hoch und werden in der juristischen Fachwelt unterschiedlich bewertet.
🇩🇪 Zwischen Bundestrend und Berliner Realität
Die Bundespolitik gibt der Berliner AfD Rückenwind. Im DeutschlandTREND von Infratest dimap im Mai 2026 ist die AfD mit 27 Prozent erstmals bundesweit stärkste Kraft, vor der Union mit 24 Prozent. Bei Ipsos liegt die AfD im Mai 2026 bei 26 Prozent, die Union bei 23. In den ostdeutschen Flächenländern Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern erreicht die Partei in Umfragen 29 bis 34 Prozent.
Berlin ist anders. Die Stadt hat 3,77 Millionen Einwohner, davon rund 35 Prozent mit Migrationshintergrund. Bei Bundestagswahlen schneidet die AfD in Berlin systematisch schwächer ab als im Bundesdurchschnitt. Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 holte sie bundesweit 20,8 Prozent – in Berlin lag der Wert deutlich darunter. Eine pauschale Übertragung des Bundestrends auf das Abgeordnetenhaus ist daher nicht statthaft.
🗳️ Drei Szenarien für den 20. September 2026
Wer vier Monate vor einer Wahl ehrlich kalkuliert, denkt in Bandbreiten, nicht in Punktprognosen. Drei Szenarien sind aus heutiger Sicht plausibel:
| Szenario | AfD-Ergebnis | Wahrscheinlichkeit |
|---|---|---|
| Konsolidierung – Werte stabil bei aktuellem Umfrageniveau | 15–18 % (Platz 2 oder 3) | am wahrscheinlichsten |
| Bundestrend zieht – AfD profitiert von bundesweitem Schub | 19–22 % (Platz 1 oder knapp dahinter) | denkbar, aber unsicher |
| Mobilisierung gegen AfD – Verfassungsschutz-Debatte und Anti-AfD-Bündnisse | 12–14 % (Verluste gegenüber Umfragen) | möglich bei Wahlkampf-Eskalation |
Aufschlussreich wird sein, ob die Wahlbeteiligung bei der Berliner Wahl wieder über 60 Prozent steigt. Höhere Beteiligung hat in den letzten Wahlen tendenziell gegen die AfD gewirkt – weil sich Wechselwähler und Erstwähler stärker mobilisieren liessen. Bei der Wiederholungswahl 2023 lag die Beteiligung bei rund 63 Prozent, bei der ursprünglichen Wahl 2021 bei rund 75 Prozent (zeitgleich mit der Bundestagswahl).
🔎 Recherche-Quellen im Überblick
| Aspekt | Details | Quelle |
|---|---|---|
| Wahltermin | 20. September 2026 (Senatsbeschluss 03.06.2025) | berlin.de |
| Spitzenkandidatur Brinker | ~92 % Zustimmung am 11.10.2025 | Tagesspiegel |
| Berlin-Umfragen Mai 2026 | CDU 20 %, AfD/Linke 16–17 % | dawum.de |
| Wahlergebnis 2023 | AfD: 9,1 % der Zweitstimmen | Landeswahlleiter |
| BfV-Einstufung | 02.05.2025 als „gesichert rechtsextremistisch“ | ZDFheute |
| Bundestrend Mai 2026 | AfD 26–27 % (Infratest dimap, Ipsos) | Infratest dimap |
| Bertram-Zitat (Parteitag) | 2026 stärkste Opposition, 2031 Rotes Rathaus | taz |
| Ruschin-Profil | Ex-CDU, Bezirksstadtrat 2006–2011, Rechtsanwalt | abgeordnetenwatch.de |
🏛️ BERLINECHO-EINORDNUNG
Was die Schlagzeilen nicht erklären
„Auch in Berlin kämpft die AfD um Platz 1″ – das ist eine zugespitzte Schlagzeile, die im Detail differenzierter aussieht. Vier Punkte, die in der Berichterstattung oft fehlen.
1. Platz 1 ist nicht in Reichweite, Platz 2 schon
Nach allen vorliegenden Berliner Umfragen vom Frühjahr 2026 liegt die CDU drei bis fünf Prozentpunkte vor der AfD. „Stärkste Kraft“ zu werden, würde einen erheblichen weiteren Aufschwung erfordern – oder einen massiven CDU-Einbruch. Realistisch und neu wäre, wenn die AfD erstmals zweitstärkste Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus wird. Das wäre auch ohne Platz 1 ein historischer Einschnitt.
2. Der bürgerliche Anstrich verdeckt die bundesweite Einstufung nicht
Kristin Brinker tritt zugewandt auf, die Plakate in der Gorkistraße kommen ohne Wut-Rhetorik aus. Die AfD bleibt aber Teil einer Partei, die das Bundesamt für Verfassungsschutz seit Mai 2025 als „gesichert rechtsextremistisch“ einstuft – mit einem 1.100-Seiten-Gutachten als Grundlage. Wer den Berliner Landesverband bewertet, muss dies einbeziehen, ohne ihn pauschal auf die Bundesebene zu reduzieren.
3. Die Westverlagerung ist die eigentliche Geschichte
Dass die AfD in Reinickendorf, Spandau und Steglitz-Zehlendorf zulegt, ist politisch bedeutsamer als ein Punktwert in der Sonntagsfrage. Hier verschiebt sich ein klassisch konservativ-bürgerliches Wählersegment, das jahrzehntelang die Berliner CDU getragen hat. Die Folgen für Koalitionsarithmetik und Bezirksparlamente sind langfristig grösser als das Landesergebnis vom 20. September.
4. Die Wahlbeteiligung entscheidet mit
Bei niedriger Wahlbeteiligung gewinnt die AfD strukturell. Bei hoher Beteiligung – vor allem in Innenstadt-Bezirken – verliert sie an Boden. Welches Lager im September mobilisiert, ist die offene Variable. Die Wahl 2023 mit 63 Prozent Beteiligung war eine Ausnahme; 2021 lag der Wert bei 75 Prozent (gemeinsam mit der Bundestagswahl).
📌 EHRLICHE EINORDNUNG:
Die Berliner AfD hat sich in drei Jahren fast verdoppelt – das ist ein politischer Fakt, unabhängig davon, wie man ihn bewertet. Ob daraus Platz 1, Platz 2 oder ein Verharren wird, hängt von Mobilisierung, Koalitionsfrage und Wahlkampfdynamik ab. Wer heute Punktprognosen formuliert, überdehnt die vorhandenen Daten.
Maik Möhring · Chefredakteur BerlinEcho
Als Beobachter der Berliner Politik seit Jahren versuche ich, Schlagzeilen-Zuspitzungen vom belastbaren Befund zu trennen. Was sich in Berlin verschiebt, ist real – aber nicht jedes Umfragehoch ist ein Wahlsieg. Mein Anspruch: Die Faktenlage benennen, ohne sie zu skandalisieren oder zu verharmlosen.
❓ Häufig gestellte Fragen zur AfD bei der Berliner Wahl 2026
Wann ist die Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026?
Die Wahl zum 20. Abgeordnetenhaus von Berlin und zu den zwölf Bezirksverordnetenversammlungen findet am Sonntag, dem 20. September 2026 statt. Wahlberechtigt sind deutsche Staatsangehörige ab 16 Jahren, die seit mindestens drei Monaten in Berlin gemeldet sind.
Wer ist Spitzenkandidatin der AfD Berlin 2026?
Spitzenkandidatin ist Kristin Brinker, Berliner AfD-Landesvorsitzende und Steuerberaterin. Sie wurde am 11. Oktober 2025 auf dem Landesparteitag mit rund 92 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Auf Listenplatz 2 steht Alexander Bertram, stellvertretender Landesvorsitzender.
Wie hoch sind die aktuellen Umfragewerte der AfD in Berlin?
Im Mai 2026 lag die AfD in Berlin nach den vorliegenden Umfragen bei 16 bis 19 Prozent (Bandbreite Infratest dimap, Insa). Damit ist sie zweit- bis drittstärkste Kraft, knapp hinter oder gleichauf mit der Linken. Die CDU führt mit 20 bis 22 Prozent.
Wie schnitt die AfD bei der letzten Berliner Wahl ab?
Bei der Wiederholungswahl zum Abgeordnetenhaus am 12. Februar 2023 erzielte die AfD in Berlin 9,1 Prozent der Zweitstimmen. Bei der ursprünglichen Wahl am 26. September 2021 hatte sie 8,0 Prozent erreicht.
Ist die AfD vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft?
Ja. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft die AfD seit dem 2. Mai 2025 bundesweit als „gesichert rechtsextremistisch“ ein. Grundlage ist ein 1.100-seitiges Gutachten. Die Partei klagt gegen die Einstufung; eine endgültige gerichtliche Entscheidung steht aus.
In welchen Berliner Bezirken ist die AfD am stärksten?
Traditionell sind die Hochburgen der AfD die östlichen Bezirke Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg. 2026 zeigt sich eine wachsende Verankerung in den westlichen Bezirken Reinickendorf, Spandau und Teilen von Steglitz-Zehlendorf.
Wer ist Thomas Ruschin?
Thomas Ruschin ist Spitzenkandidat der AfD im Berliner Bezirk Reinickendorf. Er war zwischen 2006 und 2011 Bezirksstadtrat für Bürgerdienste und Ordnungsangelegenheiten (damals CDU) und arbeitet heute als Rechtsanwalt in Hermsdorf.
Welche Koalitionen sind nach der Wahl rechnerisch möglich?
Eine Regierungsbeteiligung der AfD haben CDU, SPD, Grüne und Linke ausgeschlossen. Rechnerisch möglich wären Dreierbündnisse aus CDU, SPD und Grünen oder aus SPD, Grünen und Linken. Eine Fortsetzung der amtierenden CDU-SPD-Koalition hätte nach aktuellen Umfragen keine Mehrheit mehr.
🏁 Fazit: Der Wahlkampf in Berlin wird zur Belastungsprobe für alle
Vier Monate vor dem 20. September 2026 ist klar: Die Berliner AfD wird so stark werden wie nie zuvor in ihrer Geschichte. Ob daraus ein historischer Platz 1 wird, ein historischer Platz 2 oder ein Verharren im oberen Mittelfeld, lässt sich seriös erst in den letzten Wochen vor dem Wahltag absehen. Die Daten geben heute keine eindeutige Prognose her – sie zeigen aber, dass die Verschiebung von Ost nach West in der Hauptstadt politisch bedeutsam ist.
Für die übrigen Parteien wird der Wahlkampf zur Belastungsprobe. Die CDU muss verteidigen, was sie 2023 mit 28,2 Prozent geholt hat – ohne den Wegner-Bonus aus der Wiederholungswahl-Stimmung. Die SPD kämpft um die Verbindung zu Stammwählern, die teilweise zur AfD abwandern. Die Linke setzt mit ihrer Bürgermeister-Kandidatin Elif Eralp auf Mobilisierung gegen den Rechtsruck. Und die Grünen müssen zeigen, dass sie auch in Sicherheits- und Bezirksthemen mitsprechen können. Am Infostand in der Tegeler Gorkistraße wird sich von all dem wenig zeigen. Aber dort, am Ende der Fußgängerzone, beginnt ein Teil der Antwort.
🗞 Über den Autor: Maik Möhring – Chefredakteur BerlinEcho
Ich beobachte die Berliner Landespolitik seit Jahren und versuche, journalistisch zwischen Aufgeregtheit und Verharmlosung den Faden zu halten. Mein Anspruch bei sensiblen Themen wie der AfD: belegen, einordnen, nicht skandalisieren – aber auch nicht beschönigen.
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