Wirtschaft · Berlin-Mitte · ⏱ 8 Min. Lesezeit
50 Jahre Spielbank Berlin: Vom Europa-Center zum Potsdamer Platz
Kurz zusammengefasst: Am 1. Oktober 1975 öffnete die Spielbank Berlin als 18. deutsche Spielbank ihre Türen im Europa-Center in West-Berlin. 23 Jahre später, am 2. Oktober 1998, zog das Haupthaus in einen von Renzo Piano entworfenen Gebäudekomplex am Potsdamer Platz. Heute betreibt die Spielbank Berlin GmbH & Co. KG vier Standorte mit rund 600 Mitarbeitenden – das 50-jährige Jubiläum wurde am 1. Oktober 2025 mit einer Gala im Theater am Potsdamer Platz gefeiert.
Das Wichtigste in Kürze
- Gründungsdatum: 1. Oktober 1975, Europa-Center, West-Berlin
- Gründer: Eishockey-Legende Gustav Jaenecke (13-facher Deutscher Meister)
- Umzug zum Potsdamer Platz: 2. Oktober 1998, Architekt Renzo Piano
- Standorte heute: Potsdamer Platz, Fernsehturm, Ku’damm 31, Ellipse Spandau
- Gesellschafter: Novomatic AG (60 %) und MERKUR GROUP / Gauselmann (40 %)
- Konzession: Vom Berliner Senat im November 2016 bis 2032 verlängert
- Beschäftigte: rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Stand 2025)
Das Jubiläum 50 Jahre Spielbank Berlin markiert ein halbes Jahrhundert Hauptstadt-Glücksspiel zwischen Europa-Center und Potsdamer Platz – und wurde am 1. Oktober 2025 offiziell mit einer Gala gefeiert. Wer die Geschichte der Spielbank kennt, kennt auch ein Stück Berliner Wirtschafts- und Stadtgeschichte: vom geteilten West-Berlin über den Mauerfall bis zur heutigen Konzernstruktur. Dieser Rückblick zeigt, wie aus einer Idee des Eishockey-Stars Gustav Jaenecke Deutschlands grösste Spielbank wurde.
Wie alles im Europa-Center begann – der 1. Oktober 1975
Am 1. Oktober 1975 rollte im Europa-Center am Breitscheidplatz erstmals die Roulettekugel der neuen Spielbank Berlin. Die erste Kugel warf die Schauspielerin Loni Heuser – ein symbolischer Auftakt für eine Institution, die zum damaligen Zeitpunkt als 18. deutsche Spielbank an den Start ging. Hinter dem Projekt stand mit Gustav Jaenecke eine Berliner Sportlegende: 13-facher Deutscher Eishockeymeister, mehrfacher WM-Medaillengewinner und Deutscher Tennismeister von 1932.
Jaenecke hatte zuvor bereits die Spielbank in Bad Neuenahr geleitet, blieb aber Berliner mit Leib und Seele. Die im Herbst 1975 vom Land Berlin erteilte Konzession ermöglichte schliesslich, was im damaligen West-Berlin lange politisch umstritten war: ein staatlich konzessioniertes Casino in der geteilten Stadt. Wer heute durch die zwölf Berliner Bezirke im Vergleich blättert, vergisst leicht, wie eng der Westteil bis 1989 wirtschaftlich agierte – die Spielbank im Europa-Center war ein bewusstes Lifestyle-Statement gegen die Trostlosigkeit der Mauer.
Bemerkenswert ist die Eigentümer-Entwicklung der Folgejahre: Nach der Wiedervereinigung übernahm 2011 der österreichische Novomatic-Konzern die Mehrheit, zeitweise hielt der niederösterreichische Glücksspielriese über 92 Prozent der Anteile. Im Januar 2016 stieg dann die Gauselmann-Gruppe (heute MERKUR GROUP) mit 40 Prozent an der Betreibergesellschaft Gustav Jaenecke GmbH & Co. KG ein – und damit entsteht ein direktes Bindeglied zu Merkur Slots als bekanntester Marke des Konzerns, die nach den Erfahrungen von BILD.de zu den führenden Online Spielotheken in Deutschland zählen. Die Beteiligung beendete einen jahrelangen Rechtsstreit, in dem Gauselmann zuvor gegen die Konzessionsvergabe an die bisherige Betreiberin geklagt hatte.
Der Umzug zum Potsdamer Platz: Renzo Piano und die neue Ära
Die zweite grosse Wegmarke schlug am 2. Oktober 1998: Im Zuge der Aufwertung des Potsdamer Platzes nach der Wiedervereinigung verlegte die Spielbank Berlin ihr Haupthaus vom Europa-Center in einen von Renzo Piano entworfenen Gebäudekomplex am Marlene-Dietrich-Platz. Zum selben Bauensemble gehört das Theater am Potsdamer Platz, das später Schauplatz der Berlinale werden sollte. Der Umzug war Teil eines städtebaulichen Aufbruchs, der den Potsdamer Platz vom Mauerstreifen zum architektonischen Aushängeschild machte.
Schon zuvor hatte die Spielbank ihre Standorte ausgebaut: Am 2. Februar 1984 eröffnete im Hotel Steigenberger am Los-Angeles-Platz der erste Nebenstandort – und gleichzeitig die erste Filiale, in der Automatenspiel angeboten wurde. Diese Trennung zwischen klassischem Spiel (Roulette, Black Jack, Poker) und Automatenspiel prägt das Geschäftsmodell bis heute.
Im Jahr 2013 übernahm die Spielbank Berlin zudem die zuvor von der WestSpiel-Gruppe gehaltene zweite Berliner Spielbank-Lizenz inklusive des Standorts am Fuss des Fernsehturms am Alexanderplatz. Ein kurzer Abstecher in fünf gleichzeitig betriebene Standorte endete am 31. Dezember 2017 mit der Schliessung der Filiale Hasenheide. Im Juni 2021 folgte die nächste Standortbereinigung: Der Standort am Los-Angeles-Platz wurde geschlossen, dafür eröffnete die heutige Filiale am Kurfürstendamm 31. Wer den Wandel der City West im Detail nachvollziehen will, findet in unserer Reportage zur Wiederbelebung des Femina Palasts in Schöneberg ein gutes Vergleichsbeispiel für die architektonische Neuordnung dieser Lage.
Die vier Standorte heute im Überblick
| Standort | Eröffnung / Status | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Haupthaus Potsdamer Platz | Eröffnet 2. Oktober 1998 | Klassisches Spiel, Poker, Automaten |
| Casino am Fernsehturm | Übernahme 1. Januar 2013 von WestSpiel | Touristen-Hotspot am Alex |
| Spielbank am Ku’damm 31 | Eröffnet Juni 2021 | Nachfolger des Standorts Los-Angeles-Platz |
| Ellipse Spandau | Vierter Stadt-Standort | Vor allem Automatenspiel |
Quelle: offizielle Standortübersicht der Spielbank Berlin sowie Wikipedia-Eintrag (Stand: Mai 2026).
Wer betreibt die Spielbank Berlin? Novomatic und MERKUR GROUP
Die Eigentümerstruktur der Spielbank Berlin GmbH & Co. KG ist heute klar geregelt: 60 Prozent hält die Novomatic AG aus Niederösterreich, 40 Prozent die MERKUR GROUP (vormals Gauselmann-Gruppe) aus Espelkamp in Ostwestfalen. Beide Konzerne sind zugleich Konkurrenten auf dem deutschen Glücksspielmarkt – Novomatic mit der Löwen-Gruppe, Gauselmann mit den Merkur-Spielotheken. Im November 2016 verlängerte der Berliner Senat die Spielbank-Konzession bis Ende 2032.
Die strategische Bedeutung dieser Beteiligung wird oft unterschätzt. Während die Berliner Spielbank stationär bleibt, hat die MERKUR GROUP das Online-Geschäft längst zu einem zentralen Pfeiler ausgebaut. Der Schulterschluss zwischen Novomatic und Gauselmann zeigt, wie verflochten die deutsche Glücksspielbranche heute ist – ähnlich vernetzt wie die grössten Berliner Wirtschaftsunternehmen 2026, die ihre Geschäftsmodelle ebenfalls längst international skalieren.
Die Jubiläumsgala 2025 am Potsdamer Platz
Auf den Tag genau 50 Jahre nach dem Start im Europa-Center feierte die Spielbank Berlin am 1. Oktober 2025 mit einer Gala im Haupthaus am Potsdamer Platz und im benachbarten Theater am Potsdamer Platz. Ehrengast war der Regierende Bürgermeister Kai Wegner, der die Spielbank als verlässlichen Partner des Landes Berlin würdigte. Auch Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey, Berlin-Partner-Geschäftsführer Stefan Franzke, Landessportbund-Präsident Thomas Härtel sowie Hollywood-Schauspieler Ralf Moeller gratulierten. Moderiert wurde der Abend von Gayle Tufts und Sportmoderator Matthias Killing.
Sportförderung war von Anfang an ein zentrales Anliegen: Die Gesellschaftervertreter Manfred Stoffers (MERKUR GROUP) und Franz Wohlfahrt (Novomatic AG) übergaben einen Scheck über 10.000 Euro an die Manfred und Reinhard von Richthofen-Stiftung. Damit wird der Berliner Windsurfer Jakob Ditzen auf seinem Weg zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles unterstützt. Die Spielbank ist heute Premium-Partner unter anderem von Hertha BSC, dem 1. FC Union Berlin, den Eisbären, Füchsen, BR Volleys und dem ISTAF.
Verantwortungsvolles Spiel: Schutz statt Sucht
Mit über 600 Mitarbeitenden und rund 600.000 Gästen jährlich (Stand 2019) gehört die Spielbank Berlin zu den grössten Casinos Deutschlands. Gleichzeitig nehmen Spielerschutz und Suchtprävention einen zentralen Stellenwert ein. Wer Fragen zum eigenen Spielverhalten oder zu Sucht-Risiken hat, findet kostenlose, anonyme Beratung bei der bundesweiten Initiative Check Dein Spiel der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Auch die Spielbank selbst dokumentiert ihren Verantwortungs-Ansatz öffentlich auf der offiziellen Webseite spielbank-berlin.de.
📊 Fakten-Check Berliner Glücksspiel
Stand 2015 erwirtschaftete die Spielbank Berlin laut Geschäftsbericht der Novomatic-Gruppe 67 Millionen Euro Umsatz. Das Mindestalter für den Besuch liegt im Stadtstaat Berlin bei 18 Jahren, der Eintritt beträgt zwei Euro. Geöffnet sind die Standorte in der Regel täglich von 11 bis 3 Uhr, mit fünf festen Schliesstagen pro Jahr.
Quelle: Wikipedia & Branchenberichte (verifiziert Mai 2026)
Häufige Fragen zur Spielbank Berlin (FAQ)
Wann wurde die Spielbank Berlin eröffnet?
Die Spielbank Berlin wurde am 1. Oktober 1975 im Europa-Center in West-Berlin eröffnet. Sie war damals die 18. konzessionierte Spielbank Deutschlands. Die offizielle Eröffnung erfolgte mit einem Wurf der Roulettekugel durch die Schauspielerin Loni Heuser.
Wer betreibt die Spielbank Berlin heute?
Betreiberin ist die Spielbank Berlin GmbH & Co. KG (vormals Gustav Jaenecke GmbH & Co. KG). Gesellschafter sind die österreichische Novomatic AG mit 60 Prozent und die MERKUR GROUP (frühere Gauselmann-Gruppe) mit 40 Prozent. Die Konzession des Landes Berlin läuft bis 2032.
Wie viele Standorte hat die Spielbank Berlin?
Aktuell betreibt die Spielbank Berlin vier Standorte: das Haupthaus am Potsdamer Platz, die Filiale am Fernsehturm am Alexanderplatz, die Spielbank am Ku’damm 31 sowie die Ellipse Spandau. Insgesamt arbeiten dort rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Wer hat das heutige Haupthaus am Potsdamer Platz entworfen?
Das Haupthaus am Potsdamer Platz wurde vom italienischen Star-Architekten Renzo Piano entworfen. Es ist Teil eines grösseren Gebäudekomplexes, zu dem auch das Theater am Potsdamer Platz gehört. Eröffnet wurde der neue Standort am 2. Oktober 1998.
Wer war Gustav Jaenecke?
Gustav Jaenecke (1908–1997) war eine deutsche Sportlegende: 13-facher Deutscher Eishockey-Meister mit dem Berliner Schlittschuhclub, mehrfacher Welt- und Europameisterschaftsmedaillengewinner und Deutscher Tennismeister 1932. Er gründete 1975 die Spielbank Berlin und war ihr persönlich haftender Gesellschafter.
Wie hoch ist das Mindestalter in der Spielbank Berlin?
Das gesetzliche Mindestalter zum Besuch der Spielbank Berlin beträgt 18 Jahre. Der Eintritt kostet an allen vier Standorten 2 Euro, eine strenge Kleiderordnung gibt es nicht. Spielerschutz und Identitätskontrolle erfolgen am Eingang nach den Vorgaben des Glücksspielstaatsvertrags.
Fazit: 50 Jahre Spielbank Berlin als Spiegel der Hauptstadt
Die Geschichte 50 Jahre Spielbank Berlin ist mehr als ein Konzern-Jubiläum – sie ist ein Stück gelebter Berliner Wirtschafts- und Stadtentwicklung. Vom Eröffnungs-Standort im Europa-Center 1975 über den symbolträchtigen Umzug zum Potsdamer Platz 1998 bis hin zur heutigen Vier-Standort-Struktur mit Novomatic und MERKUR GROUP als Gesellschaftern lässt sich am Beispiel der Spielbank ablesen, wie sich die Hauptstadt nach Mauerfall und Wiedervereinigung neu erfunden hat. Die Konzession bis 2032 sichert die Marke vorerst – wie das Geschäftsmodell auf den nächsten Wandel der Branche reagiert, bleibt eine der spannenden Berliner Wirtschaftsfragen der nächsten Jahre.
Hannes Nagel | Wirtschaft & Verkehr, BerlinEcho
Hannes berichtet bei BerlinEcho seit Jahren über Berliner Wirtschaftsthemen mit Schwerpunkt Stadtentwicklung, Verkehr und Hauptstadtkonzerne. Er hat die Standortwechsel der Spielbank Berlin redaktionell begleitet und kennt die Akteure am Potsdamer Platz aus zahlreichen Hintergrundgesprächen.
Letzte Aktualisierung: 6. Mai 2026




