Stargarder Straße: Verlauf, Lage und Anbindung
Die Stargarder Straße in Prenzlauer Berg: wo sie verläuft, warum sie nach einer pommerschen Stadt heißt, welche Häuser geschützt sind und was im Oktober 1989 an der Gethsemanekirche geschah.
Inhalt (8 Abschnitte)
Die Stargarder Straße ist eine Wohnstraße im Norden von Prenzlauer Berg mit der Postleitzahl 10437. Sie verbindet die Schönhauser Allee mit der Prenzlauer Allee und trägt ihren Namen seit 1891. Bekannt ist sie durch die Gethsemanekirche, die im Oktober 1989 zu einem Treffpunkt der DDR-Opposition wurde.
Die Stargarder Straße ist eine Querverbindung zwischen zwei großen Ausfallstraßen: Im Westen beginnt sie an der Schönhauser Allee, im Osten endet sie an der Prenzlauer Allee. Dazwischen liegen Mietshäuser aus den 1890er Jahren, eine Reformwohnanlage von Alfred Messel und, an der Hausnummer 77, die Gethsemanekirche. Die Straße gehört zum Bezirk Pankow. Hier erfährst du, wie sie verläuft, woher ihr Name stammt, welche Häuser unter Denkmalschutz stehen und was im Herbst 1989 vor der Kirche geschah.
- Ortsteil: Prenzlauer Berg, Bezirk Pankow, Postleitzahl 10437
- Verlauf: Schönhauser Allee/Gleimstraße bis Prenzlauer Allee/Diesterwegstraße
- Hausnummern: 1 bis 39 auf der einen, 44 bis 82 auf der anderen Seite
- Name seit 17. März 1891, benannt nach Stargard in Pommern
- Gethsemanekirche, Stargarder Straße 77, Treffpunkt der Opposition im Oktober 1989
Wo verläuft die Stargarder Straße?
Nach dem Straßenverzeichnis von Kauperts beginnt die Straße an der Kreuzung von Schönhauser Allee und Gleimstraße und führt nach Osten bis zur Prenzlauer Allee, wo die Diesterwegstraße anschließt. Die Hausnummern laufen in Hufeisenform: Auf einer Seite zählen sie von 1 bis 39 hinauf, auf der anderen von 44 bis 82 zurück. Wer die Nummer 77 sucht, findet sie also nicht am Ostende, sondern auf dem Rückweg Richtung Westen.
Unterwegs kreuzt die Straße unter anderem die Greifenhagener Straße, die Pappelallee und die Lychener Straße; an der Gethsemanekirche stößt die Gethsemanestraße auf sie. Der Helmholtzplatz liegt südlich davon. Die Straße gehört zum früheren Sanierungsgebiet Helmholtzplatz, das nach einer Sozialstudie des Bezirksamts Pankow von 2012 von Schönhauser Allee, Prenzlauer Allee, Danziger Straße und Wichertstraße begrenzt wird und im Oktober 1993 förmlich festgelegt wurde.
Früher war die Straße länger. Kauperts hält fest, dass sie ursprünglich über die Prenzlauer Allee hinaus bis zur Greifswalder Straße führte. In den 1920er Jahren wurde sie durch Erweiterungsbauten des Gaswerks verkürzt.
Woher hat die Stargarder Straße ihren Namen?
Die Straße ist nach Stargard in Pommern benannt, bis 1945 Kreisstadt im Regierungsbezirk Stettin und Sitz des Landratsamts für den Kreis Saatzig. Kauperts fasst die Stadtgeschichte zusammen: erste Erwähnung als Burg 1140, Magdeburger Stadtrecht 1253 durch Herzog Barnim I., Lübecker Recht 1292, Teilnahme an den Hansetagen seit 1363. Seit 1945 gehört die Stadt zu Polen und liegt heute in der Woiwodschaft Westpommern. Eine Verwechslung liegt nahe, ist aber falsch: Die Stadt Burg Stargard in Mecklenburg ist nicht gemeint.
Wie viele Straßen im Norden von Prenzlauer Berg stand sie zuerst nur als Nummer im Bebauungsplan, hier als Straße Nr. 16 in Abteilung XII. Den heutigen Namen erhielt sie am 17. März 1891. Mit der Bebauung des westlichen Teils begann man laut Kauperts in den 1890er Jahren; die denkmalgeschützten Häuser der Straße sind überwiegend zwischen 1891 und 1900 datiert.
Welche Häuser stehen unter Denkmalschutz?
Die Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamts führt an der Stargarder Straße 14 Einträge. Der wichtigste ist die Gethsemanekirche an der Nummer 77, eine Backsteinkirche nach Entwurf von August Orth, Bauherrin war die Evangelische Zionskirchgemeinde. Die Datenbank datiert den Bau auf 1889 bis 1893, die Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord nennt als Bauzeit 1891 bis 1893. Kirche, Kirchgarten und die umliegenden Mietshäuser an der Gethsemanestraße, der Greifenhagener Straße und der Stargarder Straße 7, 8, 9, 75 und 77 bilden zusammen das Ensemble Gethsemanekirche.
Architektonisch interessant ist auch die Ecke zur Greifenhagener Straße. Dort steht an den Hausnummern 3, 3A, 4 und 5 eine Wohnanlage des Berliner Spar- und Bauvereins, entworfen von Alfred Messel und Paul Kolb und 1899 bis 1900 gebaut. Weitere Einzeldenkmale sind unter anderem die Mietshäuser Nummer 6 bis 9 nach Entwürfen von Eduard Friedrich aus den Jahren 1891 bis 1895 und die Nummer 75 von Rudolph Miethe.
Was geschah im Herbst 1989 an der Gethsemanekirche?
Am 1. Oktober 1989 beschloss der Kirchenrat der Gethsemanegemeinde, die Kirche für eine Mahnwache zu öffnen. Das schildert die Stiftung Haus der Geschichte auf ihrem Portal Orte der Einheit. Oppositionelle wollten für Demonstrierende beten, die in Leipzig festgenommen worden waren. Am Abend des 4. Oktober kamen rund 3.000 Menschen in die Kirche. Nach den Andachten konnte jeder ans Mikrofon treten; ein Kontakttelefon im Gemeindebüro sammelte rund um die Uhr Nachrichten über Festnahmen in der ganzen DDR.
Am 7. Oktober, dem 40. Jahrestag der DDR, zog ein spontaner Protestzug Richtung Kirche. Polizei und Staatssicherheit gingen rund um das Gebäude brutal gegen die Demonstrierenden vor und nahmen Hunderte fest; viele flüchteten in die Kirche. Westliche Fernsehteams filmten die Übergriffe. Am 9. Oktober kam die Nachricht, dass die Staatsmacht in Leipzig nicht gegen die 70.000 Demonstrierenden vorgegangen war. Die Nachtwachen endeten am 13. Oktober, die Kirche blieb aber Treffpunkt neuer Gruppen wie Neues Forum und Demokratie Jetzt. Nach den freien Wahlen im März 1990 feierte die Volkskammer hier einen Gottesdienst. Einen Überblick über die Tage bis zum Mauerfall findest du in unserem Beitrag zum Mauerfall in Berlin.
Sichtbar ist diese Geschichte bis heute. Seit dem 3. Oktober 1990 steht im Kirchgarten, von der Stargarder Straße aus zu sehen, das Relief «Widerstand» des Bildhauers Karl Biedermann. Laut Kirchengemeinde war es ursprünglich für die Brücke der Schönhauser Allee über die S-Bahn gedacht, wurde in der DDR aber als «nicht kämpferisch genug» abgelehnt. Und das Motto von 1989, «Wachet und betet», lebt weiter: Die Gemeinde lädt täglich um 18 Uhr zu einer Andacht für zu Unrecht Inhaftierte ein.
Wie wird die Gethsemanekirche heute genutzt?
Die Gethsemanekirche ist Gemeindekirche der Evangelischen Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord. Gottesdienst ist nach Angaben der Gemeinde sonntags um 11 Uhr, außerhalb der Schulferien mit Kindergottesdienst. Die Kirche ist zu festen Zeiten als offene Kirche zugänglich; die aktuellen Zeiten stehen auf der Website der Gemeinde, weil sie sich ändern können. Im Innenraum steht die Holzplastik «Christus in Gethsemane kniend» von Wilhelm Groß aus den 1920er Jahren, die 1934 als «entartete Kunst» entfernt und nach dem Krieg wieder aufgestellt wurde.
Rund um die Kirche hat sich das Viertel seit den 1990er Jahren stark verändert. Die Sozialstudie von 2012 hält fest, dass Eigentumswohnungen vor allem in ruhigen Seitenstraßen und an attraktiven Plätzen entstanden sind, ausdrücklich auch «um die Gethsemanekirche herum». Im gesamten Sanierungsgebiet war damals ein gutes Viertel aller Wohnungen in Eigentum umgewandelt.
Wie kommst du zur Stargarder Straße?
Die Straße ist an beiden Enden gut angebunden. Am Westende liegt der S- und U-Bahnhof Schönhauser Allee mit der U2 und der Ringbahn, am Ostende der S-Bahnhof Prenzlauer Allee. Kauperts nennt für die Straße die S-Bahn-Linien S41, S42, S8, S85 und S9 sowie die Straßenbahnlinien M1 und 12; beide Bahnhöfe sind dort als barrierefrei markiert. Zur Gethsemanekirche ist der Weg von der Schönhauser Allee kürzer. Die Straße liegt im Tarifbereich A.
Häufige Fragen zur Stargarder Straße
In welchem Bezirk liegt die Stargarder Straße?
Die Stargarder Straße liegt im Ortsteil Prenzlauer Berg und gehört zum Bezirk Pankow, die Postleitzahl ist 10437. Zuständig sind unter anderem das Finanzamt Prenzlauer Berg und das Amtsgericht Mitte. Bei der Polizei teilt sich die Straße auf: Die Hausnummern 1 bis 31 und 44 bis 82 gehören zum Abschnitt A 15, die Nummern 32 bis 39 zum Abschnitt A 16.
Nach welchem Ort ist die Stargarder Straße benannt?
Nach Stargard in Pommern, einer früheren Kreisstadt im Regierungsbezirk Stettin. Die Stadt gehört seit 1945 zu Polen und liegt heute in der Woiwodschaft Westpommern. Die Stadt Burg Stargard in Mecklenburg ist nicht gemeint. Den Namen trägt die Straße laut Kauperts seit dem 17. März 1891.
Was ist im Herbst 1989 an der Gethsemanekirche passiert?
Ab dem 1. Oktober 1989 stand die Gethsemanekirche für eine Mahnwache offen, am Abend des 4. Oktober kamen rund 3.000 Menschen. Am 7. Oktober, dem 40. Jahrestag der DDR, gingen Polizei und Staatssicherheit rund um die Kirche gewaltsam gegen Demonstrierende vor und nahmen Hunderte fest. Westliche Fernsehteams filmten die Übergriffe.
Wie komme ich mit Bus und Bahn zur Stargarder Straße?
Am Westende liegt der S- und U-Bahnhof Schönhauser Allee mit der U2 und der Ringbahn, am Ostende der S-Bahnhof Prenzlauer Allee. Kauperts nennt außerdem die Straßenbahnlinien M1 und 12. Beide Bahnhöfe sind laut Kauperts barrierefrei, die Straße liegt im Tarifbereich A.
Quellen
- Kauperts Straßenführer: Stargarder Straße (abgerufen am 29.09.2026)
- Landesdenkmalamt Berlin, Denkmaldatenbank: Gethsemanekirche (abgerufen am 29.09.2026)
- Landesdenkmalamt Berlin, Denkmaldatenbank: Ensemble Gethsemanekirche (abgerufen am 29.09.2026)
- Landesdenkmalamt Berlin, Denkmaldatenbank: BSV-Wohnanlage (abgerufen am 29.09.2026)
- Stiftung Haus der Geschichte, Orte der Einheit: Gethsemanekirche (abgerufen am 29.09.2026)
- Evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord: Gethsemanekirche (abgerufen am 29.09.2026)
- Bezirksamt Pankow: Sozialstudie Sanierungsgebiet Prenzlauer Berg – Helmholtzplatz 2012 (PDF) (abgerufen am 29.09.2026)
Namensgebung
- Namensgeber
-
Stargard
Ort / Geografie - Benennung
- 1891-03-17
- Hintergrund
- Stargard in Pommern, bis 1945 Kreisstadt im Regierungsbezirk Stettin, erhielt 1253 Magdeburger Stadtrecht und nahm seit 1363 an den Hansetagen teil. Seit 1945 gehört die Stadt zu Polen (Woiwodschaft Westpommern).
Quellen
- kauperts.de · Web
- wikipedia.org · Web