Genau 101 Jahre nach dem Inkrafttreten des Berliner Spree-Badeverbots ruft der Verein Flussbad Berlin am Mittwoch, dem 20. Mai 2026, zur ersten Mitschwimm-Demonstration des Jahres auf. Treffpunkt ist um 17 Uhr der Schinkelplatz in Berlin-Mitte, anschließend soll es im Spreekanal an der Museumsinsel ins Wasser gehen. Der Verein will mit insgesamt fünf monatlichen Mitschwimm-Demos bis zur Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 politischen Druck aufbauen. Die Losung der Auftaktveranstaltung: „101 Jahre Badeverbot abwählen!“. Die Berliner Senatsumweltverwaltung hat ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Baden im Spreekanal weiterhin untersagt ist und auch für Schwimmdemonstrationen keine Ausnahmegenehmigung besteht.
📋 Das Wichtigste in Kürze
- Termin: Mittwoch, 20. Mai 2026, ab 17 Uhr Kundgebung am Schinkelplatz
- Veranstalter: Verein Flussbad Berlin e.V. (gegründet 2012, Vorstand Jan Edler)
- Aktionsort: Spreekanal an der Berliner Museumsinsel (UNESCO-Weltkulturerbe)
- Motto: „101 Jahre Badeverbot abwählen!“
- Demo-Reihe: Fünf Mitschwimm-Demos jeweils am 20. des Monats bis zur Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026
- Historischer Anlass: Inkrafttreten des Spree-Badeverbots am 20. Mai 1925
- Rechtslage: Senatsumweltverwaltung bekräftigt das Verbot – keine Ausnahmegenehmigung für Schwimmdemos
- Politisches Signal: Bezirksstadtrat Ephraim Gothe (Mitte) hatte sich für Wiederzulassung 2026 ausgesprochen
📖 Inhaltsverzeichnis
🏊 Was am 20. Mai am Schinkelplatz passiert
Der Ablauf folgt einem inzwischen eingespielten Muster. Um 17 Uhr beginnt am Schinkelplatz – zwischen Friedrichswerderscher Kirche und Bauakademie-Brache, wenige Schritte vom Schlossplatz entfernt – die offiziell als Versammlung angemeldete Kundgebung. Reden, Demoschilder, Trillerpfeifen, das übliche Programm. Im Anschluss zieht der Demo-Zug zur kleinen Treppe, die hinunter zum Spreekanal führt. Wer mag, geht ins Wasser.
„Verkleidet euch bunt und kreativ, bringt die schönsten Demoschilder, seid laut, tretet ein für euer Recht an Stadt und Spree“, heißt es im Aufruf des Vereins. Eine offizielle Anmeldung als politische Versammlung schützt rechtlich den Demo-Teil – nicht aber das Schwimmen im Spreekanal selbst. Genau auf diesen feinen Unterschied weist die Berliner Senatsumweltverwaltung in einer Reaktion auf den Aufruf hin: „Wer im Rahmen dieser Veranstaltungen in den Spreekanal steigt, handelt daher rechtswidrig und auf eigenes Risiko.“
Polizeilich aufgelöst wurden bisherige Aktionen aber nicht – auch bei vergleichbaren Schwimm-Demos im Juni und August 2025 ließen die Behörden die Wasser-Aktion gewähren. Auf einem internationalen Foto-Highlight vom August 2025 schwimmen mehrere hundert Menschen vor dem Berliner Dom – ein Bild, das in Medien von AP bis Euronews um die Welt ging.
🏛️ Wer ist der Verein Flussbad Berlin?

Der Verein Flussbad Berlin e.V. existiert seit 2012 und verwaltet das gleichnamige Stadtentwicklungsprojekt. Die ursprüngliche Idee stammt von dem Architekten-Künstler-Kollektiv „realities:united“: Ein 1,8 Kilometer langer Abschnitt des Spreekanals – der Seitenarm der Spree, der die Museumsinsel im Süden umfließt – soll wieder als öffentliches Flussbad nutzbar werden. Das Konzept sieht eine ökologische Filterung des Wassers über Schilf-Kies-Reinigung und ergänzende UV-Anlagen vor, sodass das Wasser stabile Badegewässer-Qualität erreicht.
Das Projekt wird seit 2014 vom Bundesumweltministerium im Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ gefördert und hat die Unterstützung der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Vorstandsmitglied Jan Edler, der das Projekt mitbegründet hat, formulierte das Anliegen in einem Interview deutlich: „Seit nun 100 Jahren dürfen die Leute nicht mehr in der innerstädtischen Spree schwimmen, und wir halten das nicht mehr für gerechtfertigt, weil wir zeigen können, dass die Wasserqualität in der Saison meistens gut genug zum Schwimmen ist.“
Der Verein argumentiert mit kontinuierlichen Wasserqualitäts-Messungen. Diese werden unter anderem in Zusammenarbeit mit der TU Berlin durchgeführt und zeigen, dass die Belastung mit Bakterien an den meisten Sommertagen unter den EU-Grenzwerten für Badegewässer liegt. Kritisch sind vor allem die Tage nach Starkregen, wenn Berlins überlastete Mischwasserkanalisation Abwasser direkt in Spree und Spreekanal überlaufen lässt – ein Problem, an dem die Berliner Wasserbetriebe parallel arbeiten.
📜 101 Jahre Badeverbot: Wie es 1925 dazu kam
Vor 1925 war Baden in der Spree für Berlinerinnen und Berliner Alltag. Mehrere historische Flussbäder existierten direkt im Stadtgebiet, etwa das traditionsreiche Flussbad an der Möckernbrücke oder das Flussbad Gartenstraße in Köpenick, das auch heute noch an der Dahme in Betrieb ist. Die Spree selbst diente vielen Berliner Familien als Sommer-Erfrischung.
Das änderte sich mit der explodierenden Urbanisierung. Industrialisierung, ungeklärte Abwässer aus den wachsenden Wohnvierteln und das Wachstum der Berliner Bevölkerung auf rund vier Millionen Menschen in den 1920er-Jahren machten die Spree zu einem schwer belasteten Gewässer. Am 20. Mai 1925 setzte die Berliner Verwaltung daher ein pauschales Badeverbot in der innerstädtischen Spree in Kraft – aus Hygiene- und Gesundheitsgründen. Es gilt bis heute.
Eingebettet ist das Verbot in eine wassersicherheitsrechtliche Logik, die sich in einem Jahrhundert nicht grundlegend verändert hat: Berliner Gewässer dürfen nur an ausgewiesenen Badestellen zum Schwimmen genutzt werden. Diese liegen ausschließlich am Stadtrand – Wannsee, Müggelsee, Plötzensee –, nicht im Zentrum. Der Spreekanal um die Museumsinsel ist offiziell Schifffahrtsweg und steht damit unter der Regulierung der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes.
🗳️ Die Wahlkampf-Strategie hinter den fünf Demos
Dass der Verein gerade jetzt zu einer Reihe von fünf monatlichen Mitschwimm-Demos aufruft, ist kein Zufall. Am 20. September 2026 findet die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus statt – genau vier Monate nach dem ersten Schwimm-Termin. Indem Flussbad Berlin jeweils am 20. des Monats demonstriert, erzeugt der Verein eine eingängige Symbolik: Mai, Juni, Juli, August, dann der Wahltag im September.
| Termin | Anlass |
|---|---|
| 20. Mai 2026 | Auftakt: 101 Jahre Badeverbot abwählen |
| 20. Juni 2026 | Sommer-Auftakt-Demo |
| 20. Juli 2026 | Ferien-Demo (Berliner Schulferien) |
| 20. August 2026 | Hochsommer-Demo |
| 20. September 2026 | Wahltag Abgeordnetenhaus Berlin |
Die Strategie zielt darauf, das Thema in die Berliner Wahlprogramme zu drücken. SPD, Grüne und Linke haben sich in der Vergangenheit überwiegend positiv zum Flussbad-Projekt geäußert. Die CDU als Berliner Regierungspartei ist zurückhaltender – Innen- und Umweltbehörden warnen seit Jahren vor Gesundheitsrisiken. Die FDP unterstützt das Projekt aus stadtentwicklungspolitischen Gründen.
Ein wichtiges Signal kam aus dem Bezirk Mitte selbst: Bezirksstadtrat Ephraim Gothe hatte im vergangenen Jahr gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärt, er sei optimistisch, dass eine Wiederzulassung des Schwimmens 2026 gelingen könne. „Es gibt noch viele Dinge zu klären, aber ich bin optimistisch“, sagte Gothe damals. Damit hat der Verein einen bezirklichen Verbündeten – allerdings keinen Senatspartner.
⚖️ Die Rechtslage und das Risiko
Die Berliner Senatsumweltverwaltung hat im Vorfeld der Demo nochmals klargestellt: Baden im Spreekanal ist nach geltendem Recht verboten. Das gilt auch dann, wenn die Aktion als politische Versammlung angemeldet ist. Eine Ausnahmegenehmigung für Schwimmdemonstrationen wurde laut Verwaltung nicht erteilt. „Wer im Rahmen dieser Veranstaltungen in den Spreekanal steigt, handelt daher rechtswidrig und auf eigenes Risiko“, teilte die Behörde mit.
Konkret bedeutet das: Wer ins Wasser geht, riskiert nach geltender Berliner Wassersicherheitsverordnung ein Bußgeld in Höhe von bis zu 500 Euro. Strafrechtliche Folgen drohen nicht – es handelt sich um eine Ordnungswidrigkeit. In der Praxis haben die Berliner Behörden bei vergleichbaren Aktionen 2025 keine Bußgelder verhängt. Die Polizei beschränkte sich auf Beobachtung, die Wasserschutzpolizei sicherte die Aktion in Bezug auf den Schiffsverkehr.
Hinzu kommt das gesundheitliche Eigenrisiko: Bei verschmutztem Wasser nach Starkregen können Magen-Darm-Erkrankungen, Hautreizungen oder Bindehautentzündungen auftreten. Der Verein Flussbad Berlin weist darauf hin, dass an Tagen mit kritischen Werten nicht ins Wasser gegangen werden sollte – die Demo am 20. Mai wird laut Veranstalter nur bei akzeptabler Wasserqualität durchgeführt.
🇫🇷 Paris als Vorbild: Was die Seine-Öffnung zeigt
Eines der stärksten Argumente von Flussbad Berlin ist der Blick auf Paris. Im Sommer 2024 öffnete die französische Hauptstadt erstmals seit über 100 Jahren wieder Teile der Seine für Schwimmerinnen und Schwimmer – ein Prestige-Projekt im Vorfeld der Olympischen Spiele, das mit massiven Investitionen in die Mischwasserkanalisation einherging. Auch in Paris hatte ein Schwimmverbot von 1923 fast ein Jahrhundert lang gegolten.

Die Pariser Lösung kam über drei Wege: Sanierung der Kanalisation, Bau riesiger Auffangbecken für Regenwasser und engmaschiges Wasserqualitäts-Monitoring. Berlin hat technisch ähnliche Voraussetzungen, vor allem auch die Mischkanalisation, die bei Starkregen überläuft. Die Berliner Wasserbetriebe arbeiten seit Jahren an einer Trennung der Systeme und am Bau von Stauraumkanälen – allerdings in einem Tempo, das das Flussbad-Projekt frustriert.
„Wir brauchen das Pariser Selbstbewusstsein, dass Stadtflüsse zur Stadt gehören – nicht nur als Kulisse, sondern als Lebensraum“, formulierte ein Sprecher von Flussbad Berlin in einer früheren Demo. Genau diese Botschaft wollen die fünf Sommer-Demos in die Berliner Wahlkampf-Köpfe drücken.
🏛️ BERLINECHO-EINORDNUNG
Eine Stadt im Wasser – oder am Wasser vorbei
Hand aufs Herz: 101 Jahre Badeverbot in einer Stadt, die von der Spree durchschnitten wird, mit Müggelsee im Osten, Tegeler See im Norden, Havel im Westen – das ist mehr als eine Hygieneregel. Es ist eine Entscheidung darüber, wie Berlin mit seinem eigenen Wasser umgeht.
1. Die Demo ist clever inszeniert
Fünf Termine jeweils am 20., bis zur Wahl am 20. September. Das ist nicht zufällig, das ist Strategie. Der Verein nutzt das Versammlungsrecht als Vehikel, sein Anliegen in die Schlagzeilen zu spielen – und das funktioniert seit 2025 international. AP-Fotos vom Berliner Dom, die um die Welt gehen, sind ein Wahlkampf-Asset, das keine Partei kaufen kann.
2. Die Senatslinie wirkt überholt
Mit dem Verweis „Es ist verboten“ verteidigt die Berliner Umweltverwaltung 2026 eine Verordnung von 1925. Das ist legal, aber ein bisschen wenig. Wenn das Verbot heute noch sinnvoll ist, müsste die Verwaltung das offensiv begründen – mit aktuellen Messwerten, mit konkreten Gefahren, mit einer Argumentation, die über das schlichte „so steht es im Gesetz“ hinausgeht.
3. Mitte zeigt, was möglich wäre
Dass Ephraim Gothe, immerhin Bezirksstadtrat des betroffenen Bezirks, öffentlich Sympathie für die Wiederzulassung zeigt, ist politisch bemerkenswert. Bezirke sind in Berlin oft näher an den Bürgerinnen und Bürgern als der Senat. Hier wird das spürbar.
4. Berlin sollte sich an Paris messen
Paris hat geliefert, was Berlin verhindern wollte: einen Stadtfluss, in dem man wieder schwimmen kann. Das war nicht nur Olympia-Marketing, das war ein urbanistisches Statement. Eine Hauptstadt, die ihre eigenen Gewässer als Lebensraum versteht. Berlin könnte das auch – wenn es wollte.
📌 EHRLICHE EINORDNUNG:
Die Mitschwimm-Demos sind keine Lösung für das Problem überlasteter Mischkanalisation. Aber sie sind ein notwendiges Symbol. Berlinerinnen und Berliner zeigen, dass sie ihren Fluss wiederhaben wollen. Es liegt am nächsten Senat, ob er das nach dem 20. September ernst nimmt.
Ariane · Redakteurin Kultur & Meinung BerlinEcho
Ich schreibe über das, was Berlin als Stadt im Inneren zusammenhält – und was an seinen Rändern reibt. Wasser gehört zu Berlin wie der Beton.
📚 Quellen-Übersicht
| Aspekt | Details | Quelle |
|---|---|---|
| Demo-Reihe 2026 | Fünf Mitschwimm-Demos, jeweils 20. des Monats | Berliner Abendblatt / dpa |
| Verein Flussbad Berlin | Gegründet 2012, Vorstand Jan Edler, 1,8 km Spreekanal-Konzept | Flussbad Berlin e.V. |
| Jan Edler Zitat | Wasserqualität meistens gut genug | AP via AOL News |
| Bezirksstadtrat Gothe | Optimistisch für Wiederzulassung 2026 | BA Mitte – Bezirksstadträte |
| Wahltermin Abgeordnetenhaus | 20. September 2026 | Landeswahlleiterin Berlin |
| Vergleich Seine Paris | Wiedereröffnung 2024 | Euronews |
❓ Häufige Fragen zur Spree-Mitschwimm-Demo
Wann und wo findet die Mitschwimm-Demo statt?
Die erste Mitschwimm-Demo des Vereins Flussbad Berlin findet am Mittwoch, dem 20. Mai 2026, statt. Treffpunkt ist um 17 Uhr der Schinkelplatz in Berlin-Mitte zwischen Friedrichswerderscher Kirche und Bauakademie-Brache. Nach der Kundgebung mit Reden und Demoschildern zieht der Demo-Zug zum Spreekanal an der Museumsinsel, wo Schwimmerinnen und Schwimmer ins Wasser gehen sollen. Vier weitere Termine sind jeweils am 20. Juni, 20. Juli, 20. August und 20. September 2026 geplant – der letzte fällt auf den Tag der Abgeordnetenhauswahl.
Was ist der Verein Flussbad Berlin?
Der Verein Flussbad Berlin e.V. wurde 2012 gegründet und entwickelt das gleichnamige Stadtentwicklungsprojekt. Die Idee stammt vom Architekten-Künstler-Kollektiv „realities:united“: Ein 1,8 Kilometer langer Abschnitt des Spreekanals südlich der Museumsinsel soll wieder als öffentliches Flussbad nutzbar werden. Vorgesehen ist eine ökologische Wasserreinigung über Schilf-Kies-Filter und UV-Anlagen. Das Projekt wird seit 2014 vom Bundesumweltministerium im Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ gefördert. Vorstandsmitglied ist unter anderem Jan Edler.
Warum ist Schwimmen in der Spree seit 1925 verboten?
Am 20. Mai 1925 setzte die Berliner Verwaltung das pauschale Badeverbot in der innerstädtischen Spree in Kraft. Hintergrund war die starke Verschmutzung des Flusses durch Industrialisierung, ungeklärte Abwässer und das schnelle Wachstum der Berliner Bevölkerung auf rund vier Millionen Menschen in den 1920er-Jahren. Hygiene- und Gesundheitsrisiken durch Magen-Darm-Infektionen waren ausschlaggebend. Vor 1925 war Spree-Baden in Berlin Alltag mit zahlreichen Flussbädern. Das Verbot besteht heute noch und gilt für den gesamten innerstädtischen Spree-Verlauf inklusive Spreekanal.
Ist die Mitschwimm-Demo legal?
Die Kundgebung am Schinkelplatz ist als politische Versammlung beim Berliner Versammlungsbehörde angemeldet und damit rechtlich geschützt. Das anschließende Schwimmen im Spreekanal ist es nicht: Die Berliner Senatsumweltverwaltung hat ausdrücklich klargestellt, dass es keine Ausnahmegenehmigung für Schwimmdemonstrationen gibt und dass Personen, die ins Wasser steigen, rechtswidrig und auf eigenes Risiko handeln. Theoretisch droht ein Bußgeld nach der Wassersicherheitsverordnung. In der Praxis haben die Behörden bei vergleichbaren Aktionen 2025 keine Bußgelder verhängt.
Wie ist die Wasserqualität der Spree heute?
Nach Angaben des Vereins Flussbad Berlin liegt die Wasserqualität der Spree an den meisten Sommertagen unter den EU-Grenzwerten für Badegewässer. Messungen werden unter anderem mit der TU Berlin durchgeführt. Kritisch wird die Lage nach Starkregen: Berlins teils noch vorhandene Mischwasserkanalisation lässt bei intensiven Niederschlägen Abwasser direkt in Spree und Spreekanal überlaufen. Die Berliner Wasserbetriebe arbeiten seit Jahren am Bau von Stauraumkanälen, um diese Überläufe zu reduzieren. Eine kontinuierliche Wasserqualitäts-Information für Badegewässer fehlt aktuell.
Was hat das mit der Berliner Wahl 2026 zu tun?
Sehr viel. Am 20. September 2026 wird das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt – und der Verein Flussbad Berlin legt seine fünf Mitschwimm-Demos exakt auf den 20. eines jeden Monats bis zum Wahltag. Damit verschafft sich das Anliegen kontinuierliche mediale Präsenz über vier Monate und setzt die Parteien unter Druck, das Thema in ihre Wahlprogramme aufzunehmen. SPD, Grüne, Linke und FDP haben sich in der Vergangenheit überwiegend positiv positioniert, die CDU ist zurückhaltender. Bezirksstadtrat Ephraim Gothe (SPD) aus Berlin-Mitte hatte sich öffentlich für eine Wiederzulassung des Schwimmens 2026 ausgesprochen.
Was ist mit Paris und der Seine?
Paris öffnete im Sommer 2024 erstmals seit über 100 Jahren wieder Teile der Seine für Schwimmerinnen und Schwimmer – ein Prestige-Projekt im Vorfeld der Olympischen Spiele, das massive Investitionen in die Kanalisation und in Auffangbecken für Regenwasser erforderte. Auch in Paris hatte ein Schwimmverbot von 1923 fast ein Jahrhundert lang Bestand. Berlin hat technisch ähnliche Voraussetzungen, vor allem die Mischwasserkanalisation. Der Verein Flussbad Berlin nutzt das Pariser Beispiel ausdrücklich als Argument, dass das Berliner Verbot überholbar ist – wenn der politische Wille da ist.
🏁 Fazit: Eine Stadt streitet um ihr Wasser
Die Mitschwimm-Demo am 20. Mai ist mehr als nur ein bunter Sommer-Protest. Sie ist der Auftakt einer politischen Kampagne, die bis zum Wahltag am 20. September Druck auf den nächsten Berliner Senat aufbauen wird. Ob sich das 101 Jahre alte Badeverbot tatsächlich abwählen lässt, hängt von politischen Mehrheiten ab – aber auch vom Tempo, mit dem die Berliner Wasserbetriebe ihre Kanalisation modernisieren. Bis dahin werden Berlinerinnen und Berliner an warmen Sommertagen im Spreekanal schwimmen – und das letztlich auf eigenes Risiko, aber mit der vielleicht stärksten Bildsprache, die diese Stadt zu bieten hat: Menschen im Wasser vor dem Dom.
🗞 Über die Autorin: Ariane – Redakteurin Kultur & Meinung BerlinEcho
Ich schreibe über das, was Berlin als Stadt zusammenhält und was an seinen Rändern reibt. Kultur, Stadtgesellschaft und urbane Politik – alles, was die Hauptstadt zu der Stadt macht, die sie ist.
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🤖 Dieser Artikel entstand mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen – insbesondere des Vereins Flussbad Berlin e.V., der Berliner Senatsumweltverwaltung, Stellungnahmen von Bezirksstadtrat Ephraim Gothe gegenüber der dpa sowie Berichten von Berliner Abendblatt, Euronews und der Associated Press. Für Korrekturen oder Hinweise: Kontakt zur Redaktion →




