Schusswaffengewalt Berlin: Die Ermittler ziehen eine neue Zwischenbilanz. Die Sondereinheit „Ferrum“ des Landeskriminalamts hat rund neun Monate nach ihrer Gründung mehr als 600 Ermittlungsverfahren eingeleitet. 68 Haftbefehle wurden erwirkt, mehr als 50 Beschuldigte sitzen in Untersuchungshaft. Das teilte eine Polizeisprecherin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
📑 Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Bilanz: Die EG „Telum“ bearbeitet 197 Verfahren (Stichtag 4. August), in elf Fällen gibt es Anklagen.
- Untersuchungshaft: mehr als 50 Beschuldigte sitzen in U-Haft.
- Erster Prozess: Vier Männer (21 bis 26) stehen am Landgericht Berlin vor Gericht.
- Hintergrund: mutmaßliche Schutzgelderpressung und Schüsse als Einschüchterung im Milieu der organisierten Kriminalität.
- Struktur: Die Staatsanwaltschafts-Einheit „Telum“ arbeitet eng mit der LKA-Sondereinheit „Ferrum“ zusammen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Was ist die Ermittlungsgruppe „Telum“?

Die Ermittlungsgruppe „Telum“ (lateinisch für „Angriffswaffe“) ist eine Spezialeinheit der Berliner Staatsanwaltschaft. Sie wurde Ende Februar 2026 eingerichtet, um die zunehmende Schusswaffengewalt in Berlin und die organisierte Kriminalität gezielter zu verfolgen.
Die Einheit bündelt die juristische Expertise für ein Kriminalitätsfeld, das die Sicherheitsbehörden seit Monaten beschäftigt. Berlin verzeichnet im Bundesvergleich eine besonders hohe Zahl von Straftaten mit Schusswaffengebrauch. Genau hier setzt „Telum“ an – gemeinsam mit der Polizei, deren Einsätze BerlinEcho regelmäßig begleitet – vom SEK-Einsatz in Hellersdorf über Vorfälle im Stadtverkehr bis zu weiteren Polizei- und Rettungslagen.
| Bilanz der EG „Telum“ | Stand 4. August 2026 |
|---|---|
| Phänomen | Schusswaffengewalt Berlin / organisierte Kriminalität |
| Einheit | EG Telum (Staatsanwaltschaft), seit Ende Februar 2026 |
| Partner | BAO Ferrum (LKA), seit November 2025 |
| Verfahren | 197 |
| Anklagen | 11 |
| In U-Haft | mehr als 50 Beschuldigte |
| Erster Prozess | Landgericht Berlin, 4 Angeklagte (21–26 Jahre) |
Welche Bilanz zieht „Telum“ nach fünf Monaten?
Die erste Bilanz fällt umfangreich aus. Zum Stichtag 4. August bearbeitete die Ermittlungsgruppe 197 Verfahren, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. In elf Fällen wurde inzwischen Anklage erhoben, mehr als 50 Beschuldigte befinden sich in Untersuchungshaft.
Justizsenatorin Felor Badenberg wertete die Zahlen als Bestätigung des Kurses. Einschüchterung habe als Geschäftsmodell keine Zukunft in Berlin, erklärte sie der dpa. Dass die Behörden so viele Verfahren in kurzer Zeit anstoßen konnten, deutet auf die Dimension des Problems hin – wie auch andere aktuelle Ermittlungen gegen organisierte Kriminalität in der Stadt zeigen. Wichtig bleibt: In allen Verfahren gilt die Unschuldsvermutung, bis ein Gericht entscheidet.
Worum geht es im ersten Prozess?
Ein erster Fall wird bereits vor dem Landgericht Berlin verhandelt. Seit Dienstag müssen sich vier Männer im Alter von 21 bis 26 Jahren verantworten – unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, versuchter schwerer räuberischer Erpressung und Bedrohung.
Nach Auffassung der Ermittler geht es um Schutzgelderpressung, bei der Schüsse als Denkzettel und Einschüchterung gedient haben sollen. Bewiesen ist davon bislang nichts: Für die vier Angeklagten gilt – wie für alle Beschuldigten der Berliner Ermittlungen – die Unschuldsvermutung. Das Urteil bleibt dem Gericht vorbehalten.
Wie hängen „Telum“ und „Ferrum“ zusammen?
Die Ermittlungsgruppe „Telum“ ist das staatsanwaltschaftliche Gegenstück zur LKA-Sondereinheit „Ferrum“ (lateinisch für „Eisen“), die es seit November 2025 gibt. Beide Einheiten arbeiten eng zusammen: „Ferrum“ ermittelt polizeilich, „Telum“ führt die Verfahren juristisch. Bei einem Großeinsatz in Berlin waren zuletzt rund 570 Kräfte beteiligt.
Die Polizei hatte „Ferrum“ eingerichtet, nachdem die Schusswaffengewalt in der Hauptstadt deutlich zugenommen hatte. Im Hintergrund stehen nach Behördenangaben Konflikte im Milieu der organisierten Kriminalität: Wiederholt kam es zu Straftaten gegen Gewerbetreibende, darunter Schüsse auf Lokale. Es handelt sich dabei nach Einschätzung der Ermittler um Auseinandersetzungen innerhalb krimineller Strukturen – nicht um ein Phänomen, das einer ganzen Bevölkerungsgruppe zugeschrieben werden darf. Solche Sicherheitsfragen betreffen das Zusammenleben in der ganzen Stadtgesellschaft.
197 Verfahren in drei Monaten – diese Zahl sagt zweierlei. Erstens: Das Problem der Schusswaffengewalt in Berlin ist real und größer, als viele dachten. Zweitens: Der Staat reagiert inzwischen mit gebündelter Schlagkraft. Auffällig ist die nüchterne Sprache der Behörden, die das Thema klar als Sache organisierter Kriminalität benennen, ohne pauschal eine Gruppe zu verdächtigen. Für die Gewerbetreibenden, die unter Erpressung leiden, zählt am Ende nur, ob die Einschüchterung aufhört. Die 29 Untersuchungshäftlinge sind ein Etappenschritt – die eigentliche Bewährungsprobe sind die Urteile, bei denen die Unschuldsvermutung gilt.
Quellen
| Quelle | Inhalt |
|---|---|
| Der Tagesspiegel | Bilanz der EG Telum und Aussagen der Justizsenatorin (dpa) |
| Polizei Berlin | Offizielle Meldung zu BAO Ferrum und EG Telum |
| Statista | Daten zur Schusswaffenkriminalität in Deutschland und Berlin |
Schusswaffengewalt Berlin: Welche Bilanz zieht „Ferrum“?
„Ferrum“, lateinisch für Eisen, arbeitet seit rund neun Monaten beim Landeskriminalamt. Die Einheit war eine Reaktion auf die Serie von Schießereien, die Berlin seit 2024 beschäftigt. Der Zwischenstand fällt umfangreich aus – und zeigt zugleich, welche Dimension das Problem erreicht hat.
| Kennzahl | Stand nach rund neun Monaten |
|---|---|
| Eingeleitete Ermittlungsverfahren | mehr als 600 |
| Erwirkte Haftbefehle | 68 |
| Beschuldigte in Untersuchungshaft | mehr als 50 |
| Überprüfte Fahrzeuge | mehr als 3.800 |
| Überprüfte Lokale und Geschäfte | 866 |
| Vorübergehende Festnahmen | rund 280 |
Die Kontrollen von Fahrzeugen, Lokalen und Geschäften zeigen, worauf die Ermittler zielen: nicht auf einzelne Schützen, sondern auf die Strukturen dahinter. Schutzgelderpressung gehört ebenso dazu wie illegaler Waffenhandel. Wie sich diese Netzwerke aufstellen, ordnen wir in unserem Überblick zur organisierten Kriminalität in Berlin ein.
Schusswaffengewalt Berlin: Wie stark sind die Fälle gestiegen?
Die Entwicklung lässt sich an zwei Zahlenreihen ablesen, die nicht dasselbe messen. Für 2025 registrierte die Berliner Polizei 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch – darin enthalten sind auch Drohungen, bei denen kein Schuss fiel. Gegenüber 2024 ist das nach Behördenangaben ein Anstieg um 68 Prozent.
Enger gefasst ist die zweite Zahl: Bis zum 5. August 2026 zählte die Polizei 62 Straftaten mit scharfen Schusswaffen. Wer beide Werte nebeneinanderlegt, sollte den Unterschied kennen – sonst wirkt die Lage entweder dramatischer oder harmloser, als die Statistik hergibt. Ermittler berichten zudem von zunehmend jungen Tatverdächtigen und von Waffen, die illegal beschafft oder umgebaut wurden. Zur politischen Debatte darüber, wie hart der Besitz bestraft werden soll, haben wir die Position des Senats zu illegalen Waffen in Berlin zusammengefasst.
Wie konkret sich das im Stadtbild niederschlägt, zeigte zuletzt der Fall am Hardenbergplatz: Am 9. August starb dort ein 30-Jähriger nach Schüssen, die 1. Mordkommission ermittelt wegen eines Tötungsdelikts. Die Hintergründe sind offen. Details stehen in unserem Bericht zu den tödlichen Schüssen am Bahnhof Zoo. Einen weiteren Einsatz der Sondereinheit dokumentiert unser Beitrag zu den Schüssen in Schöneberg.
Häufige Fragen zur Schusswaffengewalt Berlin
Was ist die Sondereinheit „Ferrum“?
Ferrum ist eine Sondereinheit des Berliner Landeskriminalamts, die vor rund neun Monaten als Reaktion auf die Serie von Schießereien gegründet wurde. Sie ermittelt zu Schusswaffengewalt, illegalem Waffenbesitz und den Netzwerken dahinter. Nach eigener Bilanz hat sie mehr als 600 Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Wie viele Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft?
Nach Angaben der Polizei wurden 68 Haftbefehle erwirkt, mehr als 50 Beschuldigte befinden sich in Untersuchungshaft. Untersuchungshaft ist keine Strafe, sondern dient der Sicherung des Verfahrens. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Worin unterscheiden sich „Ferrum“ und „Telum“?
Ferrum ist bei der Polizei angesiedelt, genauer beim Landeskriminalamt, und führt die polizeilichen Ermittlungen. Telum ist die Ermittlungsgruppe der Staatsanwaltschaft, die daraus Anklagen entwickelt. Sie wurde nach Ferrum eingerichtet, beide arbeiten eng zusammen.
Wie stark ist die Schusswaffengewalt in Berlin gestiegen?
Für 2025 registrierte die Polizei 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch, ein Plus von 68 Prozent gegenüber 2024. In dieser Zahl sind auch Drohungen ohne Schussabgabe enthalten. Bis zum 5. August 2026 zählte die Polizei 62 Straftaten mit scharfen Schusswaffen.
Was ist am Bahnhof Zoo passiert?
Am 9. August 2026 gegen 23.50 Uhr fielen auf dem Hardenbergplatz Schüsse, ein 30-Jähriger starb. Die 1. Mordkommission des Landeskriminalamts ermittelt wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts und sucht Zeugen. Die Hintergründe sind noch offen.
Quellen im Überblick
| Angabe | Stand | Quelle |
|---|---|---|
| Schusswaffengewalt Berlin: Bilanz „Ferrum“, Fallzahlen 2025 und 2026 | 15. August 2026 | Polizeisprecherin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, Polizei Berlin |
| Verfahrensstand „Telum“ | 4. August 2026 | Staatsanwaltschaft Berlin |
| Tat am Hardenbergplatz | 9. August 2026 | Polizeimeldungen Berlin, Tagesspiegel |
Unsere Einordnung
Dass Polizei und Justiz eigene Spezialeinheiten gegen Schüsse gründen, zeigt, wie ernst die Lage ist – und wie sehr sie zuletzt aus dem Ruder zu laufen drohte. Die erste Bilanz wirkt entschlossen, doch Zahlen wie 197 Verfahren sind kein Sieg, sondern eine Bestandsaufnahme. Entscheidend wird, ob die Gerichte die Fälle tragfähig abschließen und ob die Einschüchterung von Gewerbetreibenden spürbar zurückgeht. Wichtig ist dabei die saubere Trennung: Es geht um kriminelle Strukturen, nicht um Herkunft. Genau diese Differenzierung macht den Unterschied zwischen Aufklärung und Stimmungsmache.
– Julian Möhring, Redaktion BerlinEcho
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ℹ️ Transparenz-Hinweis: Dieser Artikel wurde unter Einsatz von KI-Tools (Claude, Gemini) recherchiert und vorstrukturiert, anschließend redaktionell überarbeitet, mit Berliner Lokalkenntnis ergänzt und faktengeprüft durch die BerlinEcho-Redaktion. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.





