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Tempelhof-Schöneberg

Nollendorfplatz: Geschichte vom Schmuckplatz zum Regenbogenkiez

Vom Schmuckplatz zum Regenbogenkiez: Wie der Nollendorfplatz in Schöneberg zu Verkehrsknoten, Theaterort und Zentrum der queeren Szene wurde – mit belegten Jahreszahlen und dem Stand nach der U-Bahn-Sanierung 2026.

Ariane Nagel Veröffentlicht · aktualisiert
Historischer Hochbahnhof mit offener Stahlkuppel über einer belebten Straßenkreuzung in Berlin
Der Nollendorfplatz in Schöneberg verbindet über ein Jahrhundert Verkehrsgeschichte mit lebendiger Kieztradition. (KI-generiertes Symbolbild)
Inhalt (7 Abschnitte)
  1. Woher hat der Nollendorfplatz seinen Namen?
  2. Was hat die U-Bahn aus dem Platz gemacht?
  3. Welche Rolle spielten Theater und Literatur am Platz?
  4. Seit wann ist der Nollendorfkiez der Regenbogenkiez?
  5. Ist der Nollendorfplatz gefährlich?
  6. Häufige Fragen zum Nollendorfplatz
  7. Quellen

Der Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg trägt seinen Namen seit dem 27. November 1864 und wurde 1880 als Schmuckplatz nach Ideen von Peter Joseph Lenné angelegt. Am 11. März 1902 eröffnete hier ein Bahnhof der ersten Berliner Hochbahn. Seit den 1920er-Jahren ist die Gegend ein Zentrum queeren Lebens, heute bekannt als Regenbogenkiez.

Wer heute am Nollendorfplatz aus der U-Bahn steigt, sieht vor allem Verkehr: eine breite Kreuzung, die Hochbahntrasse, darüber die offene Stahlkuppel des Bahnhofs. Vom alten Schmuckplatz mit Rasenrondell ist laut Wikipedia-Artikel zum Platz nichts mehr erkennbar. Auf wenigen hundert Metern liegen trotzdem 160 Jahre Stadtgeschichte – Gründerzeit, Theater der Weimarer Jahre, NS-Verfolgung, ein Flohmarkt auf dem stillgelegten Bahnsteig und die queere Szene, die den Kiez bis heute prägt. Der Platz gehört zum Ortsteil Schöneberg im Bezirk Tempelhof-Schöneberg; die BVG nennt ihn in ihrem Rückblick vom 30. Juni 2026 den einzigen Berliner U-Bahnhof, an dem alle vier Kleinprofillinien U1, U2, U3 und U4 halten.

Update vom 2. Oktober 2026: Der Text wurde vollständig überarbeitet, alle Jahreszahlen sind neu belegt. Neu sind der Abschluss der Deckensanierung im U-Bahnhof am 10. Mai 2026, die Einordnung zur Frage, ob der Platz als gefährlicher Ort gilt, und die Stadtfest-Termine. Korrektur: Das Lesbisch-schwule Stadtfest findet nicht «jedes Jahr im Juni» statt, sondern am Wochenende vor dem Christopher Street Day, 2026 also am 18. und 19. Juli.

Woher hat der Nollendorfplatz seinen Namen?

Der Platz erinnert an die Schlacht bei Kulm und Nollendorf Ende August 1813, einen preußischen Sieg in den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Das Dorf Nollendorf liegt im heutigen Tschechien und heißt Nakléřov. Benannt wurde das Areal am 27. November 1864. Er gehört zum Generalszug, dessen Straßennamen an Heerführer und Schlachtorte dieser Kriege erinnern. Die Kleiststraße ist nach General Friedrich von Kleist benannt, der nach dem Sieg den Beinamen «von Nollendorf» erhielt; die Bülowstraße nach General Friedrich Wilhelm von Bülow.

Grundlage war der Hobrecht-Plan von 1862. Angelegt wurde der Platz 1880 nach den Vorstellungen des 1866 gestorbenen Generalgartendirektors Peter Joseph Lenné: kreisrunde Rasenfläche, Blumen, Baumreihen. Der nordwestliche Teil gehörte zu Charlottenburg, der südöstliche zu Schöneberg – beides damals eigenständige Gemeinden. Erst mit der Gebietsreform vom 1. April 1938 kam der ganze Platz zu Schöneberg.

Was hat die U-Bahn aus dem Platz gemacht?

Der U-Bahnhof Nollendorfplatz hat den Schmuckplatz in einen Verkehrsknoten verwandelt. Am 11. März 1902 eröffnete der Hochbahnhof der Architekten Wilhelm Cremer und Richard Wolffenstein, mit einer markanten Kuppel. Zwischen 1908 und 1910 baute die damals selbstständige Stadt Schöneberg ihre eigene Untergrundbahn, die heutige U4. 1926 wurde die Station zu dem Umsteigebau, den Fahrgäste bis heute kennen: oben die Hochbahn, darunter zwei unterirdische Ebenen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Hochbahnhof schwer beschädigt, die Kuppel zerstört. Nach dem Mauerbau war die Strecke nach Osten unterbrochen; laut Wikipedia-Artikel zum U-Bahnhof endete 1972 der reguläre Betrieb auf dem oberen Bahnsteig. Dort zog ein Trödelmarkt ein, ausrangierte U-Bahn-Wagen dienten als Verkaufsstände, und zwischen Nollendorfplatz und Bülowstraße pendelte eine Straßenbahn auf der Hochbahntrasse. Nach der Wiedervereinigung fährt seit 1993 wieder die U2. 1999 begann eine denkmalgerechte Sanierung; die Kuppel entstand neu als offene Eisenkonstruktion in den alten Abmessungen. Seit Dezember 2013 leuchtet sie nach BVG-Angaben in Regenbogenfarben.

Die jüngste Großbaustelle ist vorbei. Seit Januar 2026 erneuerte die BVG 250 Quadratmeter Zwischendecke der unteren Bahnsteigebene; rund 400 Tonnen Beton wurden abtransportiert. Am 10. Mai 2026 endeten die Arbeiten, seit dem 11. Mai fahren U1, U3 und U4 wieder normal, wie die BVG in ihrer Pressemitteilung vom 8. Mai 2026 mitteilte.

Nollendorfplatz: Daten zur Geschichte (Quellen: BVG, Wikipedia, Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg; Stand 2. Oktober 2026)
Jahr Ereignis
1864 Benennung am 27. November
1880 Anlage als Schmuckplatz nach Lennés Ideen
1902 Eröffnung des Hochbahnhofs am 11. März
1905/06 Bau des Neuen Schauspielhauses, heute Metropol
1927–1931 Erwin Piscator inszeniert im Theater am Nollendorfplatz
1929–1933 Christopher Isherwood wohnt in der Nollendorfstraße 17
1938 Ganzer Platz kommt am 1. April zu Schöneberg
1989 Gedenktafel für homosexuelle NS-Opfer am U-Bahnhof
1993 U2 fährt wieder; erstes Lesbisch-schwules Stadtfest
1999 Beginn der denkmalgerechten Sanierung, neue Kuppel
2013 Kuppel leuchtet in Regenbogenfarben (ab Dezember)
2026 Deckensanierung im U-Bahnhof, Ende am 10. Mai

Welche Rolle spielten Theater und Literatur am Platz?

Das Metropol an der Südseite ist das bekannteste Gebäude am Platz. Es entstand 1905/06 als Neues Schauspielhaus nach Plänen von Albert Fröhlich für das Büro Boswau & Knauer und hieß später Theater am Nollendorfplatz. Von 1927 bis 1931 inszenierte Erwin Piscator hier mit damals modernster Bühnentechnik politisches Theater. Seit April 2019 trägt das Haus wieder den Namen Metropol.

Literarisch ist der Kiez vor allem durch Christopher Isherwood bekannt. Der britische Schriftsteller wohnte von 1929 bis 1933 in der Nollendorfstraße 17. Seine Romane «Mr. Norris steigt um» (1935) und «Leb wohl, Berlin» (1939) spielen teilweise in dieser Straße und in Lokalen wie dem Eldorado in der Motzstraße. Auch Erich Kästners «Emil und die Detektive» (1929) spielt in der Umgebung.

Seit wann ist der Nollendorfkiez der Regenbogenkiez?

Der Nollendorfkiez ist seit den 1920er-Jahren ein Treffpunkt schwuler und lesbischer Berliner. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg nennt Tanzlokale wie das Eldorado in der Motzstraße 24, das in den 1920er-Jahren mit Travestie-Shows berühmt wurde. Die Nationalsozialisten schlossen die Lokale; das Eldorado wurde 1932 beschlagnahmt und von der SA genutzt. Nach 1945 entstand die Szene neu und wuchs zu dem, was heute als Regenbogenkiez bekannt ist.

An die Verfolgung erinnert seit 1989 eine Gedenktafel in Form eines Rosa Winkels an der Südseite des U-Bahnhofs. Die Inschrift lautet «Totgeschlagen – Totgeschwiegen». Es war das erste öffentliche Denkmal für homosexuelle NS-Opfer in einer deutschen Stadt. Seit dem 17. Dezember 2013 heißt die frühere Einemstraße Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße, benannt nach Karl Heinrich Ulrichs, der 1867 die Abschaffung der Strafgesetze gegen Homosexuelle forderte.

Jedes Jahr feiert der Kiez das Lesbisch-schwule Stadtfest, organisiert seit 1993 vom Regenbogenfonds e.V. auf rund 20.000 Quadratmetern rund um Motz-, Eisenacher, Fugger- und Kalckreuthstraße. 2026 fand es am 18. und 19. Juli statt, eine Woche vor dem CSD; erwartet wurden mehr als 350.000 Gäste. Für 2027 steht laut berlin.de noch kein Termin fest.

Ist der Nollendorfplatz gefährlich?

Der Nollendorfplatz gilt bei der Polizei Berlin seit Ende Januar 2019 nicht mehr als kriminalitätsbelasteter Ort. Zuvor war Schöneberg-Nord im Bereich des Platzes und von Teilen des Regenbogenkiezes so eingestuft; laut Übersicht zu kriminalitätsbelasteten Orten waren Zahl und Schwere der Straftaten unter die festgelegte Schwelle gefallen. Die aktuelle Liste führt die Polizei nicht öffentlich. Eine aktuelle, nach Plätzen aufgeschlüsselte Kriminalitätsstatistik der Polizei für den Nollendorfplatz liegt nicht vor.

Häufige Fragen zum Nollendorfplatz

In welchem Bezirk liegt der Nollendorfplatz?

Der Nollendorfplatz liegt im Ortsteil Schöneberg und gehört zum Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Bis 1938 war das nicht eindeutig: Der nordwestliche Teil des Platzes gehörte zu Charlottenburg, der südöstliche zu Schöneberg. Erst die Gebietsreform vom 1. April 1938 schlug den ganzen Platz Schöneberg zu.

Welche U-Bahn-Linien halten am Nollendorfplatz?

Am U-Bahnhof Nollendorfplatz halten die Linien U1, U2, U3 und U4. Nach Angaben der BVG ist er der einzige Berliner Bahnhof, an dem alle vier Kleinprofillinien zusammentreffen. Die U2 fährt oben auf der Hochbahn, U1, U3 und U4 auf den unterirdischen Ebenen. Nach der Deckensanierung von Januar bis Mai 2026 fahren seit dem 11. Mai 2026 wieder alle Linien ohne Einschränkungen.

Was erinnert am Nollendorfplatz an die Verfolgung Homosexueller?

An der Südseite des U-Bahnhofs hängt seit 1989 eine Gedenktafel in Form eines Rosa Winkels mit der Inschrift «Totgeschlagen – Totgeschwiegen». Mit dem rosa Winkel markierten die Nationalsozialisten homosexuelle KZ-Häftlinge. Die Tafel gilt als erstes öffentliches Denkmal für diese Opfergruppe in einer deutschen Stadt.

Was bedeutet Nollendorfkiez und was Regenbogenkiez?

Nollendorfkiez bezeichnet die Wohngegend rund um den Nollendorfplatz mit Motzstraße, Maaßenstraße, Eisenacher Straße und Nollendorfstraße. Regenbogenkiez ist der Name, unter dem die Gegend als Zentrum der lesbischen, schwulen und queeren Szene bekannt ist. Beide Begriffe meinen weitgehend dasselbe Gebiet. Auch der BVG-Rückblick vom 30. Juni 2026 spricht vom Nollendorfplatz im Regenbogenkiez.

Quellen

Ariane Nagel

Redakteurin Kultur & Meinung

Ich bin Ariane, und ich schreibe das, was andere vielleicht nicht schreiben wollen: klare Meinungen. Bei BerlinEcho verantworte ich Kultur und Meinung – und ja, das passt gut zusammen, denn Kultur ohne Haltung ist Dekoration. Berlin ist kulturell …

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