Die Nollendorfplatz Geschichte beschreibt die Entwicklung des Areals in Berlin-Schöneberg von einem Schmuckplatz des 19. Jahrhunderts über einen zentralen Verkehrsknotenpunkt bis zum heutigen Regenbogenkiez. Der Platz spiegelt die Wandlungen Berlins wider, von seiner ursprünglichen Gestaltung über Kriegszerstörungen und die Teilung der Stadt bis zu seiner heutigen Bedeutung als pulsierendes Zentrum der queeren Community.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Nollendorfplatz erhielt seinen Namen am 27. November 1864 und wurde 1880 als Schmuckplatz angelegt.
- Im Jahr 1902 wurde am U-Bahnhof Nollendorfplatz die erste U-Bahn-Linie Berlins eröffnet.
- Seit den 1920er-Jahren gilt das Areal als Treffpunkt der queeren Community und wird heute als Regenbogenkiez bezeichnet.
- Jedes Jahr im Juni besuchen über 350.000 Menschen das Lesbisch-Schwule Stadtfest im Nollendorfkiez.
- Von Januar bis Mai 2026 findet eine Betonsanierung der Zwischendecke des U-Bahnhofs statt.
Wie entstand der Nollendorfplatz ursprünglich?
Der Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg, oft nur „Nolli“ genannt, hat seine Wurzeln in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er ist ein integraler Bestandteil des sogenannten Generalszugs, dessen Straßennamen an die Kriege gegen Napoleon erinnern. Seinen Namen erhielt der Platz am 27. November 1864 in Gedenken an die Schlacht bei Nollendorf (heute Nakléřov in Tschechien), einem Schauplatz der Schlacht von Kulm 1813 (Wikipedia). Auch die angrenzende Kleiststraße ist nach Friedrich von Kleist benannt, dem kommandierenden General der preußischen Truppen.
Im Jahr 1880 wurde der Platz nach Entwürfen des preußischen Generalgartendirektors Peter Josef Lenné als Schmuckplatz angelegt. Lenné, der auch für den Park von Sanssouci verantwortlich war, schuf eine kreisrunde Rasenfläche mit Blumen und Bäumen. Damals war der Platz administrativ geteilt: Der nordwestliche Teil gehörte zu Charlottenburg, der südöstliche zu Schöneberg. Diese geteilte Zuständigkeit führte bis zur Bezirksreform 1938 wiederholt zu Konflikten, etwa bei der Planung der U-Bahn-Trasse.
Wie wurde der Nollendorfplatz zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt?
Der Bau des U-Bahnhofs Nollendorfplatz zu Beginn des 20. Jahrhunderts veränderte das Erscheinungsbild des Platzes grundlegend. Im Jahr 1902 wurde die erste Berliner U-Bahn-Linie, die sogenannte Stammstrecke, eröffnet. Der von Cremer & Wolffenstein entworfene Bahnhof wurde schnell zu einem zentralen Punkt im Berliner Verkehrsnetz (BVG). Trotz der umfangreichen Bauarbeiten wurden die Grünanlagen danach weitgehend wiederhergestellt. Ein Überbleibsel dieser Zeit ist der „Nickelmannbrunnen“ von 1904, der sich heute unter der Hochbahnkonstruktion befindet, wenn auch in schlechtem Zustand.

Zwischen 1908 und 1910 baute die damals noch eigenständige Stadt Schöneberg ihre eigene Untergrundbahn, die direkt unter dem Nollendorfplatz verlief. Der ursprüngliche Hochbahnhof wurde daraufhin zu einem Gemeinschaftsbahnhof umgebaut. Heute gehören die Tunnel der ehemaligen „Schöneberger Untergrundbahn“ zur Linie U4. Der U-Bahnhof Nollendorfplatz ist der einzige in Berlin, an dem alle vier Kleinprofil-Linien (U1, U2, U3 und U4) halten.
Welchen Einfluss hatten der Zweite Weltkrieg und die Berliner Mauer auf den Nollendorfplatz?
Die Geschichte des Nollendorfplatzes ist untrennbar mit den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs verbunden. Luftangriffe der Alliierten zerstörten den Platz und die umliegenden Gebäude großflächig, einschließlich der Kuppel der Hochbahnstation. Viele der zerstörten Bauten wurden in der Nachkriegszeit durch funktionale, schmucklose Neubauten ersetzt. Gleichzeitig wurde die Struktur des Platzes stark zugunsten des Straßenverkehrs umgestaltet, was sein heutiges Erscheinungsbild prägt.
Der Bau der Berliner Mauer 1961 führte zur Unterbrechung der Hochbahnstrecke nach Pankow in Ost-Berlin. Wegen des geringen Fahrgastaufkommens wurde die Linie 1972 vollständig eingestellt. Auf den stillgelegten Hochbahnsteigen etablierte sich daraufhin ein Trödelmarkt, bei dem ausgemusterte U-Bahn-Waggons als Verkaufsstände dienten. Um diesen Markt mit einem türkischen Basar auf der Bülowstraße zu verbinden, pendelte ein Straßenbahnmittelstück auf der Hochbahnstrecke. Nach dem Fall der Mauer wurde die Strecke für die Wiederinbetriebnahme der U2 geräumt.
| Epoche | Wichtigste Veränderungen | Beleg |
|---|---|---|
| 19. Jahrhundert | Anlage als Schmuckplatz, Teil des Generalszugs, Namensgebung 1864 | Wikipedia |
| Frühes 20. Jahrhundert | U-Bahn-Bau (1902), Umbau zur Verkehrsdrehscheibe, Schöneberger Untergrundbahn | BVG-Archiv |
| Weimarer Republik | Zentrum der queeren Community, Clubs wie „Eldorado“ | visitBerlin |
| Zweiter Weltkrieg | Schwere Zerstörung durch Luftangriffe, Neubauten | BVG-Archiv |
| Nachkriegszeit & Mauer | Einstellung U2, Trödelmarkt auf Hochbahnsteigen, Straßenbahnpendel | BVG-Archiv |
| Heute (seit 1990er) | Wiederbelebung U2, Regenbogenkiez, Lesbisch-Schwules Stadtfest | visitBerlin |
Welche berühmten Persönlichkeiten und politischen Ereignisse prägten den Nollendorfplatz?
Die Gegend um den Nollendorfplatz war Wohnort vieler bekannter Persönlichkeiten. Der britisch-amerikanische Autor Christopher Isherwood lebte am Nollendorfplatz 17; seine „Berlin-Stories“ dienten als Vorlage für das Musical „Cabaret“. Der Maler Max Beckmann wohnte am Nollendorfplatz 6, während die Schriftstellerinnen Else Lasker-Schüler und Ödön von Horváth in der Motzstraße und der Philosoph Walter Benjamin in der Kurfürstenstraße lebten.
Auch die Politik hinterließ ihre Spuren. Im August 1941 verlobten sich der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt und seine Frau Hannelore auf einer Parkbank am Nollendorfplatz. Ein weniger friedliches Ereignis fand am 11. Juni 1982 statt: Anlässlich einer Rede von US-Präsident Ronald Reagan kam es am „Nolli“ zu einer der schwersten Straßenschlachten Berlins. Trotz eines Demonstrationsverbots versammelten sich Gegner Reagans, was zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei, Verletzten und hohen Sachschäden führte.
Warum ist der Nollendorfplatz als Regenbogenkiez bekannt?
Ein wesentlicher Teil der Geschichte des Nollendorfplatzes ist seine Rolle als Zentrum der queeren Community. Bereits in den 1920er-Jahren war die Gegend ein bekannter Treffpunkt mit Bars und Clubs wie dem Travestielokal „Eldorado“. Diese Blütezeit endete abrupt mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten, die viele Lokale schlossen. Seit 1989 erinnert eine Gedenktafel am U-Bahnhof an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.
Heute ist das queere Leben nach Schöneberg zurückgekehrt. Neben zahlreichen Bars und Clubs befindet sich hier die auf homosexuelle Literatur spezialisierte Buchhandlung Eisenherz. Viele Geschäfte zeigen Regenbogenfahnen, und seit 2013 wird die Kuppel der U-Bahn-Station in Regenbogenfarben beleuchtet. Jedes Jahr im Juni findet im Rahmen der Berlin Pride Week das Lesbisch-Schwule Stadtfest statt, das mit über 350.000 Besuchern zu den größten seiner Art weltweit zählt. Wenn Sie mehr über den Bezirk erfahren möchten, finden Sie Informationen zum Thema Wohnen & Mieten in Tempelhof-Schöneberg.
Was wird aktuell am Nollendorfplatz saniert?
Auch in jüngerer Zeit bleibt der Nollendorfplatz ein Ort des Wandels. Von Montag, 12. Januar 2026, bis Sonntag, 10. Mai 2026, wird am U-Bahnhof eine punktuelle Betonsanierung durchgeführt. Diese Arbeiten konzentrieren sich auf die Zwischendecke zwischen der unteren und mittleren Bahnsteigebene. Insgesamt werden 38 Deckenflächen mit einer Gesamtlänge von circa 52 Metern saniert. Diese Maßnahmen sind notwendig, um die Sicherheit der Fahrgäste zu gewährleisten und die Infrastruktur des historischen Bahnhofs zu erhalten. Solche Projekte sind im dicht bebauten Stadtzentrum keine Seltenheit und verdeutlichen die Notwendigkeit kontinuierlicher Investitionen, wie auch die Sanierung des Rathauses Schöneberg zeigt.
Häufige Fragen zur Nollendorfplatz Geschichte
Was war der Nollendorfplatz ursprünglich?
Ursprünglich wurde der Nollendorfplatz 1880 als idyllischer Schmuckplatz nach den Plänen von Peter Josef Lenné angelegt. Er war Teil des Generalszugs, der an die Befreiungskriege erinnert. Erst mit dem Bau der U-Bahn im frühen 20. Jahrhundert wandelte er sich zu einer Verkehrsdrehscheibe.
Wie präsentiert sich der Nollendorfplatz heute?
Heute ist der Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg das Herz des Regenbogenkiezes und ein lebendiges Zentrum der queeren Community. Er beherbergt zahlreiche Bars, Clubs und spezialisierte Geschäfte. Die U-Bahn-Kuppel wird in Regenbogenfarben beleuchtet, und jährlich findet hier das Lesbisch-Schwule Stadtfest statt.
Was ist das Schwulenviertel in Berlin?
Der Stadtteil Schöneberg, insbesondere die Gegend um den Nollendorfplatz und die Motzstraße, ist seit den 1920er-Jahren als das Schwulenviertel Berlins bekannt und wird auch Regenbogenkiez genannt. Nach der Verfolgung in der NS-Zeit hat sich die Community hier wieder etabliert und feiert heute ihre Vielfalt.
Ist der Nollendorfplatz gefährlich?
Wie andere belebte Knotenpunkte in Berlin birgt der Nollendorfplatz gewisse Risiken, die jedoch im städtischen Durchschnitt liegen. Die Gegend ist tagsüber stark frequentiert und abends durch das Nachtleben belebt. Offizielle Kriminalitätsstatistiken zeigen keine außergewöhnliche Gefährdung im Vergleich zu anderen zentralen Orten.
Was wird am Nollendorfplatz aktuell gebaut?
Zwischen dem 12. Januar 2026 und dem 10. Mai 2026 findet am U-Bahnhof Nollendorfplatz eine Betonsanierung statt. Dabei wird die Zwischendecke zwischen der mittleren und unteren Bahnsteigebene instand gesetzt, um die Infrastruktur langfristig zu sichern.
Fazit
Die Geschichte des Nollendorfplatzes ist ein eindrucksvoller Spiegel der Berliner Entwicklung. Von seinen Anfängen als preußischer Schmuckplatz über seine Transformation zur Verkehrsdrehscheibe bis hin zum heutigen Regenbogenkiez hat der Platz unzählige Wandlungen durchlaufen. Er zeugt von Zerstörung und Wiederaufbau, von kultureller Blüte und politischer Verfolgung, aber vor allem von der Widerstandsfähigkeit und Vielfalt, die Berlin auszeichnen. Ein Besuch des Nollendorfplatzes bietet somit nicht nur Einblicke in die Gegenwart, sondern auch eine Zeitreise durch die bewegte Vergangenheit der Hauptstadt. Um die Entwicklung des Bezirks weiterzuverfolgen, empfiehlt es sich, die lokalen Nachrichten im Blick zu behalten.





